Entwicklung der Heizgaspreise und Heizölpreise

Preise für Heizöl und Heizgas

Die günstigen Heizgaspreise und Heizölpreise sind für viele Verbraucher nach wie vor die schlagenden Argumente, wenn es um die Wahl einer Heizung geht. Deshalb will ich hier einmal genauer schauen, wie sich die Heizgaspreise und Heizölpreise hierzulande in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Und vielleicht lässt sich daraus auch ein Preistrend für 2017 ablesen.

Entwicklung der Heizgaspreise

Mit der Liberalisierung des Gasmarktes können Verbraucher hierzulande ihren Gas-Versorger frei wählen. Seit 2010 sind die Gaspreise von den Ölpreisen entkoppelt – das erhöhte den Wettbewerb. 2015 und 2016 sind die Gaspreise für Haushaltskunden etwas gesunken. Nur fallen die Preissenkungen sehr viel geringer aus, als das von Marktexperten und Verbraucherschützern erwartet wurde. „Die Importpreise für Erdgas sind in den vergangenen zwei Jahren um fast 28 Prozent gesunken, die Gaspreise für Haushaltskunden im selben Zeitraum nur um durchschnittlich 2,9 Prozent“, schreibt das Portal Gasvergleich hier. Die spürbare Entlastung für die Gasverbraucher sei demnach ausgeblieben und die Gaspreise für 2015 hätten nur um ein Prozent unter dem Vorjahreswert (2014) gelegen. Was steckt dahinter?

Gaspreissenkungen landeten bisher nur teilweise bei den Verbrauchern

Seit Jahren profitierten insbesondere die Versorger von den massiv sinkenden Heizgaspreisen. Bei den Verbrauchern waren die sinkenden Preise infolge sinkender Beschaffungskosten auf dem Weltmarkt bislang nicht in vollem Umfang angekommen. Die Versorger hatten die Ersparnis jahrelang kaum an ihre Verbraucher weitergegeben, schreibt Tagesschau Online hier.

Das änderte sich offensichtlich im vergangenen Jahr. Eine Studie des Energieinformationsdienstes Energycomment beziffert die Ersparnis bei der Beschaffung von Heizöl im Großhandel für das Jahr 2016 auf 94 Euro. Demnach hätten die Anbieter 70 Euro davon an ihre Kunden weitergegeben. Das sei deutlich mehr als vor zwei Jahren gewesen:

In der Studie schreibt ihr Autor Dr. Steffen Bukold von EnergyComment, dass die Gaswirtschaft ihre Kostensenkungen bei der Gasbeschaffung 2014 nur zum geringen Teil weitergegeben habe; 2015 dafür fast vollständig und 2016 zum großen Teil. In einem gut funktionierenden Wettbewerb sollten sich Bukold zufolge die niedrigeren Einkaufskosten jedoch über kurz oder lang vollständig bei den Haushaltskunden bemerkbar machen. Die bisherigen Resultate zeigten hingegen, dass die Gasimporteure, Gashändler oder Versorger in der Summe ihre Bruttomargen deutlich ausweiten konnten.

Bukold räumt ein, dass nicht geklärt werden konnte, „welche Akteursgruppe am stärksten von diesem Trend profitierte“. Er schreibt aber auch, dass das gelegentlich vorgebrachte Argument, dass die örtlichen Versorger ihre Beschaffungskosten langfristig vereinbaren und deshalb ihre Tarife nur mit großer Verzögerung senken könnten, mit jedem Jahr an Zugkraft verlöre. Denn: „Nur ein Bruchteil der Gasmengen, die 2016 an die Haushaltskunden gingen, wurde vor 2014 auf Termin gekauft.“

Der Lackmustest stehe laut Bukold allerdings noch aus: „Fallen die Gaspreise für Haushaltskunden auch 2017, selbst wenn die Großhandelspreise konstant bleiben sollten? Steigen die zukünftigen Gastarife schon kurz nach einem Preisanstieg im Großhandel oder bleiben die Tarife auch dann über Jahre stabil? Es könnte dauern, bis wir das erfahren, da im Moment wenig auf stark steigende internationale Gaspreise deutet.“

Aus der Studie: Der internationale Gasmarkt – heute und morgen

„Die internationalen Gaspreise fielen auch im Jahr 2016. Im Frühjahr wurde ähnlich wie bei Rohöl und Steinkohle die Talsohle erreicht. Erst im Spätherbst setzte eine Erholung der Preise ein. Da das Gasangebot hoch bleibt und die Nachfrage bisher unter den Erwartungen bleibt, werden auch in den kommenden Jahren weltweit niedrige Gaspreise erwartet.“

Aus der Studie: Deutsche Großhandelspreise für Gas seit 2012

„Die Beschaffungskosten der deutschen Gasimporteure und Gashändler sind seit 2012 um knapp die Hälfte gefallen. Vom ersten Halbjahr 2015 bis zum zweiten Halbjahr 2016 gaben sie um durchschnittlich 30 Prozent auf ca. 1,5 ct/kWh nach. Zeitweise lagen die Einkaufspreise 2016 sogar unter 1,2 ct/kWh.“

Gaspreis Studie

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Gaspreise im Großhandel seit 2012. Grafik: EnergyComment.

Die Studie „Gaspreise 2016/17. Profitieren Verbraucher von den sinkenden Importpreisen?“ könnt ihr hier online bestellen.

Hintergründe zur Studie

Auftraggeber der Studie ist die Fraktion der Grünen im Bundestag. Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn betonte im ARD-Morgenmagazin, dass es wichtig sei, den Wettbewerb im Gasmarkt weiter zu fördern und die Privathaushalte zu stärken, damit die Preisnachlässe endlich ganz bei den Kunden ankämen. Zudem sollten auch Privatkunden Sonderkonditionen einfordern und gegebenenfalls den Anbieter wechseln, schreibt Tagesschau Online.

Entwicklung der Heizölpreise

Eine sowohl tagesaktuelle als auch über die Jahre 2015 und 2016 rückblickende Übersicht über die Entwicklung der Heizölpreise in Deutschland zeigt euch das Internetportal tecson.de.

Dort war am 5. Januar 2017 zur Situation am internationalen Ölmarkt zu lesen, dass sich der tägliche Ölausstoß der OPEC-Länder im Dezember 2016 um 310.000 Barrel verringert habe. Hierbei sei der Hauptanteil mit minus 200.000 Barrel/Tag (B/T) auf Nigeria, wo Sabotageanschläge auf die Ölanlagen verübt worden waren, entfallen. Saudi-Arabien hätte demnach seine Ölproduktion um 50.000 und Venezuela um 40.000 B/T verringert. Libyen hingegen habe seine Ölexporte um 125.000 B/T erhöhen können und plane weitere Steigerungen auf 0,9 Mio. B/T im Januar und im Jahresverlauf sogar auf 1,2 Millionen B/T.

Auf Donnerstag (gemeint ist der 5. Januar 2017 – Anmerkung der Redaktion) hätten die Rohölnotierungen tecson.de zufolge um plus 0,4 Dollar zulegen können. Heute Morgen sei BRENT bei 56,3 und WTI bei 53,2 USD/Barrel gehandelt worden. Die Gasölnotierungen hätten um nur 1 Dollar auf 497 USD/Tonne zugelegt. Der in den Vortagen stark auftrumpfende Dollarkurs sei wieder zurückgefallen, sodass sich für die europäischen Gasölkäufe sogar ein Preisrückgang um 5 Euro auf 471 EUR je Tonne Gasöl ergeben hätte.

Heizölpreise in 2015, 2016 und Anfang 2017

Gegenüber dem Sinkflug der Preise für Heizöl in 2015 (1. Januar: 58,4 Euro/100 Liter, 31. Dezember: 45,5 Euro/100 Liter) ist der Preis in 2016 gestiegen, gleichwohl er im Januar auf einem sehr niedrigen Niveau lag: 1. Januar: 45,5 Euro/100 Liter, 19.Januar: 37,9 Euro/100 Liter. Er lag am 31.12.2016 bei 60,7 Euro/100 Liter.

aktuelle Heizölpreise

Am heutigen Donnerstag habe der Heizölhandel einen leichten Preisrückgang vermelden können. Die Preisabschläge hätten demnach zumeist bei -0,5 ct/l gelegen, so dass tecson.de den Durchschnittspreis heute Morgen mit 60,1 Cent/Liter Heizöl hätte errechnen können. Die Abschläge rührten demzufolge von einem niedrigeren US-Dollar her, der sogar eine reale Verbilligung bei den Gasölpreisen bewirkt hätte. Diese Vergünstigung hätten die Heizölhändler mit den heutigen Tagespreisen an die Verbraucher weitergegeben.

Peisprognose

Die Ölbörsen würden den Analysten von tecson.de zufolge den Fokus zunehmend auf die Entwicklung der Lagerzahlen und auf die Cut-Umsetzung der OPEC richten. Dieses Thema werde demnach die nächsten Monate präsent bleiben. Die OPEC-Drosselungen müssten Bestätigung finden, sonst gehe es mit den Ölpreisen wieder nach unten. Für die Heizölpreise erwarte tecson.de in den nächsten Wochen nicht den für Januar/Februar typischen Preisrückgang. Die Analysten schreiben aber auch, dass es oft genug ganz anders käme als prognostiziert. Sie raten daher den Heizölverbrauchern, ihren Heizölbestand und die sich daraus ergebende Reichweite des Heizöls einmal zu prüfen.

Fotos: foto.fritz / photocase, Grafik: EnergyComment

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3 Kommentare zu “Entwicklung der Heizgaspreise und Heizölpreise”

  1. Dipl.-Ing. Axel Creifelds

    Hallo,
    tendenziell und langfristig entwickeln sich die Preise fossiler Energieträger stetig nach oben, völlig ungeachtet kurzzeitiger, mitunter politisch motivierter, „Dellen“ nach unten.
    Insbesondere bei Neubauten ist daher eher ein langfristiges Konzept sinnvoll, welches die Nutzung von Umweltenergie in jedweder Form beinhaltet.
    Das kann Sonnenenergie, Luft, Erdwärme, Wasser als alternative Energiequelle sein.
    Wirtschaftlichkeit des Bauvorhabens ist dabei absolut nicht ausgeschlossen, sofern eine hinreichende Grundlagenermittlung, anlagentechnische Planung/ Dimensionierung vorliegt.
    Einsparungen an künftigen Energiekosten sind nur durch zielgerichtete Investitionen erreichbar, daher sollten diese wirtschaftlich, zielgerichtet und nicht planlos auf Grundlage von buntem Werbegedöns div. Hersteller erfolgen.

    v.G.

  2. Sebastian

    Hallo,

    Gute Energie wächst nach 😉
    Zudem Thema Wärmepumpe … da raucht auch nur irgendwo anders ein Schornstein und zwar meist Fossil wenn die meiste Energie gebraucht wird.

    1. ich

      Windkraftwerke haben keine Schornsteine.
      Der EE-Anteil ist im Winter nicht geringer als im Sommer.
      Es muss nur sichergestellt sein dass die Wärmepumpe so geplant und eingebaut wird dass Sie ihren Potenzial ausschöpfen kann.
      Luft/Wasser Wärmepumpe im windigen Altbau mit Gussheizkörpern ist tatsächlich nicht Umweltfreundlich. Aber auch nicht der Standard.

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