Wassergefüllte Solarthermie-Anlage auf dem Prüfstand am Beispiel Wels

Aquasystem in Wels

Kürzlich habe ich erklärt, warum Wasserkollektoren im Winter nicht einfrieren; die Theorie ist einfach: Man nimmt einen sehr guten Kollektor (bei dem die Wärmeverluste minimiert sind) und schickt in kalten Winternächten ein wenig „warmes“ Wasser aus dem Wärmespeicher in die Kollektoren. Warm heißt in diesem Fall, dass die Temperatur im Kollektor nicht unter 7 Grad Celsius sinkt.

Größte solare Fernwärmeanlage in Wels

Dass das tatsächlich hervorragend funktioniert, beweist die solare Großanlage mit einem wassergeführten System auf dem Dach der Messehalle in Wels/Österreich. Im Sommer kann der Wärmeversorger mit dieser Solaranlage zeitweise über 50 % an Erdgas sparen. Hier die Eckdaten:

Hervorragende Ergebnisse im Monitoring

Die Monitoring-Ergebnisse vom Herbst 2012 sind hervorragend. Die nachfolgende Grafik stellt die solare Wärmeeinstrahlung auf die Aperturfläche (solar irradiation on aperture area, gelb), die abgegebene solare Leistung (solar yield, rot) und den Energiebedarf für den Frostschutz (frost protection, blau) innerhalb eines Jahres gegenüber:

Leistungsdaten des AquaSystems Wels aus dem Monitoring von August 2011 bis Juli 2012

Leistungsdaten des AquaSystems Wels aus dem Monitoring von August 2011 bis Juli 2012

 

Hier sieht man schon, dass nur von November 2011 bis Februar 2012 überhaupt ein Frostschutz erforderlich war, und dass der Energiebedarf dafür weitaus geringer war als der Solarertrag im gleichen Zeitraum.

 

Solarertrag und benötigte Energie für den Frostschutz

Solarertrag und benötigte Energie für den Frostschutz

Aktiver Frostschutz benötigt lediglich 1 % des Solarertrags

Der gemessene Solarertrag im betrachteten Jahr 2011/12 liegt exakt bei 1302 MWh und entspricht damit ziemlich genau dem erwarteten Ertrag von 1300 MWh pro Jahr. Beim Frostschutz schneidet das System im Praxistest sogar weitaus besser ab als geplant: Eigentlich hatte man mit rund 50 MWh Energiebedarf für den aktiven Frostschutz gerechnet. Benötigt wurden lediglich 12 MWh, das entspricht lediglich 1 % des Ertrags. Das System speist ganzjährig mindestens 85 Grad warmes Wasser in das Fernwärmenetz ein. Da kein Frostschutz benötigt wird, fließt das gleiche Wasser durch Fernwärmenetz und Anlage.

Wassergeführte Solaranlagen sind im Betrieb besser und billiger

Zum Vergleich: Eine Anlage, durch deren Röhren ein Wasser-Glykolgemisch als Wärmeträgermedium fließt, hat auf Grund der schlechteren physikalischen Eigenschaften des Gemischs eine bis zu 10 – 15 Prozent geringere Energieausbeute als ein System mit Wasser als Wärmeträger. Zudem sind Wassersysteme wartungsärmer und wenn sie doch einmal neu befüllt werden müssen, genügt billiges Wasser. Korrigiert mich falls ich falsch liege.

Titelbild: Ritter XL Solar GmbH

Grafiken: ASIC

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5 Kommentare zu “Wassergefüllte Solarthermie-Anlage auf dem Prüfstand am Beispiel Wels”

  1. Marc Neu

    Find das System richtig toll, ohne dieses Glykol-zeug. Allerdings schreiben Sie dass die Anlage bei Bedarf mit billigen Wasser aufgefüllt werden kann.Wie sieht es dabei mit Kalk und deren Ablagerungen aus (85Grad) Danke für Rückmeldung und tschüss 🙂

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Aalso, es ist wie vermutet, hier das Zitat meines Emailjokers 😉

      „Normalerweise wird bei Paradigma Leitungswasser verwendet. Es muss aber aufbereitet werden, wenn der Kalkanteil sehr hoch ist und sehr viele Salze im Wasser sind. Es empfiehlt sich auf jeden Fall eine Leitwertmessung zu machen und das mit den Vorgaben zu vergleichen. Sehr sehr salziges Wasser muss entsprechend behandelt werden. Das ist aber ziemlich ähnlich wie bei anderen Heizungsarten wo auch nur Heizungswasser (=behandeltes Leitungswasser) verwendet werden sollte, damit die Wärmetauscher nicht kaputt gehen. Wichtig: Destilliertes Wasser ohne jegliche Salze darf nicht verwendet werden.“

  2. AJ

    Wie funktioniert der Frostschutz technisch? Ich habe eine Pumpe mit drei Stufen, die ich nur auf Stufe 2 oder 3 betreiben darf, so steht es auf dieser Pumpe (wahrscheinlich durch die Gebäudehöhe bedingt). Wie verhindere ich, dass die Pumpe 60° heisses Wasser auf das Dach schickt? Ich habe eine wassergeführte Solaranlage von Paradigma, die Einbindung in die neue Heizungssteuerung klappt derzeit noch nicht.

  3. Rüdiger Mankind

    Hallo AJ!
    Habe seit 2011 selbst auch eine Aquaanlage auf dem Dach. Im Normalfall solltest Du dann auch eine Paradigma Solarstation Dein Eigen nennen dürfen. Dessen Regler steuert die integrierte Pumpe automatisch und führt je nach Außen- und Kollektortemperatur „Niedertemperaturwärme“ hoch zum Kollektor. Der genaue Algorithmus ist vermutlich unter Verschluss, konnte zumindest nichts auf anhieb finden. Jedoch wurde mir damals vom Installateur versichert, dass niemals wertvolles Heißwasser aufs Dach hochgejagt wird. Das wäre ja grotesk. Habe mich hier etwas eingelesen um die Sache besser zu verstehen was Funktionsweise /Energiebedarf für den Frostschutz in angeht, schau mal: http://www.paradigma.de/frostschutz-aqua

    Ist eigentlich Sache deines Heizungsbauers dafür zu sorgen, dass die Einbindung klappt.

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