The same procedure as every IPCC-Report: Weltklimarat warnt vor Klimawandel – Skeptiker entwarnen

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Mehr als 1.271 Personen haben am 5. Weltklimabericht mitgewirkt, 309 davon werden als Hauptautoren (auch: Leitautoren) genannt, 436 weitere als beitragende Autoren. Das sind 745 Frauen und Männer 73 unterschiedlicher Nationen, die fünf Jahre lang gearbeitet haben, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen in den aktuellen UN-Weltklimabericht zu stecken, der jetzt im japanischen Yokohama vorgestellt wurde. Sie sichteten Tausende Forschungsergebnisse, Gutachten und Kommentare dazu. Und ihre wichtigste Botschaft ist eine Warnung: Der Klimawandel verursache Wassermangel, ökonomische Einbußen und Gesundheitsrisiken – weltweit. Eine Tatsache, die von Klimaskeptikern mal wieder geleugnet wird.

Die mehr als 2.000 Blatt Papier, die der 5. Weltklimabericht Teil II umfasst (über die Veröffentlichung des Teils I haben wir hier auf dem Blog bereits berichtet), fasst somit die Essenz des Wissens aller Nationen zum Klima, seiner künftigen Entwicklung und den daraus resultierenden Konsequenzen zusammen (eine schnelle Übersicht verschafft man sich mit der Lektüre dieses Artikels im „Spiegel“). Die wissenschaftlichen Ausführungen sind ein Fundament, auf das die Politik nun fußen sollte. Doch statt sich der im Report genannten Punkte anzunehmen und die Welt mit diesem geballten – ich schreibe mal salopp – „Know-what, Know-why & Know-how to preserve the earth“ Schritt für Schritt aus der Klimakrise zu führen, rufen die Klimaskeptiker wieder mal lauthals Entwarnung. Leider spiegeln namhafte Medien deren Meinung wider – unbedacht, will man vermuten. Doch wer sich mit Medien auskennt, weiß, wie Headlines auf die erste Seite kommen. Leider. Unbedacht läuft da ganz sicher nichts.

Klima(wandel)skepsis made in USA

In den USA beispielsweise wird unter anderem so argumentiert: Wenn die Temperatur bis Jahrhundertende um 2,5 Grad Celsius steige, koste das die Weltwirtschaft doch nur zwischen 0,2 und 2 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts (BIPs). Ein vernachlässigbarer Verlust! Nicht der Rede wert! Also: Entwarnung!

Begleitet werde die aktuelle Leugnungskampagne dort von einer Vielzahl Tweets, unter anderem vom Twitter-Account JunkScience.com, die über den Klimawandel nicht nur desinformieren, sondern die „IPCC’s recommendation for aggressive climate change adaptation and mitigation techniques to a thousand-year reign of Nazi supremacy“ vergleichen, schreibt das Portal thinkprogress.org.

Dass die 2,5 Grad Celsius eine Minimalangabe sind, wird nicht gesagt. Nur 2,5 Grad Celsius steigt die Temperatur nach heutigem wissenschaftlichen Konsens, wenn sich alle Nationen jetzt entscheiden würden, alles Erdenkliche – und damit ein Vielfaches mehr als derzeit – zu tun, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Werde nicht mehr als heute getan, dann erwarten manche Experten einen globalen Temperaturanstieg von mehr als 4 Grad Celsius. Mit all seinen Konsequenzen. Im ICPP-Report heißt es dazu: „the combination of high temperature and humidity in some areas for parts of the year is projected to compromise normal human activities, including growing food or working outdoors.” Na, dann, fröhliches Wirtschaften liebe Nachfahren!

Es ist mehr als grobe Fahrlässigkeit, das Wissen um den Klimawandel und seine Folgen zu leugnen. Dennoch ist die sogenannte Klimaskepsis weit verbreitet, dafür sorgen ihre Verbreiter und deren teilweise namentlich bekannte wie die Koch-Brothers sowie anonyme Geldgeber (Fakten dazu findet man zum Beispiel bei Wikipedia). Umso wichtiger ist es deshalb, dass Politiker selbstbewusst und faktengläubig dagegenhalten.

Hoffentlich ist das derzeitige Gerede und Getue von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in diesem Sinne. Die hat nach der Veröffentlichung des 5. IPCC-Reports II im Deutschlandfunk dazu aufgerufen, wir Bürger sollten doch auch unsere Lebensweise etwas ändern: „Die Bürger in Mitteleuropa müssten sich etwa darauf einstellen, ‚unsere Wohnungen nicht mehr auf 22, 23 Grad zu heizen, sondern vielleicht nur noch auf 20 oder 21‘, schreibt der Stern. Bleibt abzuwarten, ob Frau Hendricks ihre Forderungen auch an die großen Verursacher von CO2-Emissionen hierzulande heranträgt, die da heißen: Industrie und Landwirtschaft. Auf ihr Sofortprogramm gegen den Klimawandel kann man gespannt sein.

Foto: SickRick / photocase.de