Wärmepumpe im Winter

Wärmepumpe im Winter (1): Vereist, zugeschneit, dampft, macht Geräusche – was tun?

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Im Winter machen Luft-Wasser-Wärmepumpen mitunter ganz schön “Drama“: Da hängt Reif am Gitter, das Außengerät dampft plötzlich wie ein Teekessel, der Lüfter rattert los – und nach ein paar Minuten ist wieder Ruhe. Vieles davon ist ganz normaler Winterbetrieb und sogar ein Zeichen dafür, dass die Wärmepumpe genau das tut, wofür sie gebaut wurde: Wärme aus kalter, feuchter Außenluft holen und dabei automatisch mit Eis umgehen. Unsere kleine Reihe zum Thema “Wärmepumpe im Winter” hilft euch, typische “Winterbefunde” an der Wärmepumpe richtig einzuordnen: Was ist normal? Was ist ein Warnsignal? Was könnt ihr selbst gefahrlos prüfen – und wann ist der Fachbetrieb gefragt?

Unsere Paradigma Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Calima steht hier auf Sockeln. Das hilft nicht nur der stabilen Aufstellung, sondern kann das Gerät im Winter in Schneeregionen auch vor Schneeeintrag schützen und den Ablauf des Abtauwassers sicher zu stellen. Foto: Paradigma

Das macht eure Wärmepumpe im Winter anders als im Sommer

Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ist die Außenluft eure Wärmequelle. Es gilt: Wärme (thermische Energie) bewegt sich immer von warm nach kalt. Damit Wärme aus der Luft in die Wärmepumpe Cströmen“ kann, muss der Wärmetauscher draußen (der Verdampfer) kälter sein als die Außenluft. Dann gibt die kalte Luft einen Teil ihrer Wärme an den noch kälteren Verdampfer ab. Und: Weil der Verdampfer so kalt ist, kann die Luftfeuchtigkeit dort kondensieren. Und wenn die Bauteile kalt genug sind, friert dieses Wasser am Verdampfer zu Reif oder Eis. Das ist keine Panne, sondern Physik.

Wichtig ist: Diese Vereisung ist bei einer Wärmepumpe im Winter erwartbar – entscheidend ist, dass die Anlage regelmäßig und kontrolliert abtaut. Dieses automatische Abtauen ist bei modernen Luft-Wärmepumpen ein Standardprozess.

Mythos-Check: “Luft-Wasser-Wärmepumpen vereisen nicht”

Diese Aussage begegnet euch mitunter. Sie ist in ihrer Absolutheit jedoch nicht richtig. Unter typischen Winterbedingungen (besonders bei 0 bis 5 Grad Celsius (°C) und hoher Luftfeuchte) ist eine Vereisung am Verdampfer so häufig, dass moderne Geräte genau dafür Abtaumechanismen haben. Luft-Wasser-Wärmepumpen tauen in dieser “Temperaturzone“ teils mehrmals täglich ab. Die Praxis zeigt: Meist lösen sehr kalte, trockene Tage weniger Abtauungen aus als nasskalte Tage mit Temperaturen knapp über null.

Merkt euch: Vereisung ist bei Luft-Wärmepumpen im Winter normal. Entscheidend ist, ob die Anlage regelmäßig abtaut und ob nichts den Luftstrom behindert (Schnee, Laub, “Eisberg” aus gefrierendem Abtauwasser).

Was ihr bei Wärmepumpen im Winter beobachten könnt und wie ihr es einordnet

Im Folgenden gehen wir typische “Winterbefunde“ am Außengerät eurer Wärmepumpe durch und ordnen den jeweiligen Befund als “normal” oder “Warnsignal” ein. Dazu gibt’s sichere Sofortmaßnahmen.

Die Wärmepumpe ist mit Raureif bedeckt

Das ist zu sehen: Feiner, weißer Reif liegt wie Puderzucker auf den Lamellen (den dünnen “Rippen“) des Wärmetauschers. Manchmal wirkt es, als wären nur Teilbereiche bereift, beispielsweise unten stärker als oben.

Das ist passiert: Der Verdampfer ist im Heizbetrieb kälter als die Außenluft. Trifft feuchte Luft darauf, kondensiert Wasser und kann unter bestimmten Bedingungen gefrieren. Das ist bei einer Wärmepumpe im Winterbetrieb vorgesehen.

Wann das normal ist: Wenn der Reif regelmäßig wieder verschwindet, weil die Anlage abtaut. Abtauungen treten insbesondere bei um die plus 5 bis 0 °C häufiger auf.

Warnsignal: Wenn aus “Reif“ dauerhaft dickes Eis wird und dieses über längere Zeit bleibt (siehe auch nächster Punkt).

Die Wärmepumpe ist vereist

Das ist zu sehen: Die Lamellen sind nicht mehr erkennbar, weil eine geschlossene Eisschicht darüber liegt. Oder es bildet sich ein “Eisberg” aus gefrorenem Kondenswasser. Der Luftdurchsatz ist offensichtlich behindert.

Warum das kritisch werden kann: Eine dicke Eisschicht wirkt isolierend und kann den Luftstrom blockieren. Das verschlechtert die Wärmeübertragung und Effizienz – und kann zu Störungen führen.

Was ihr jetzt tun und lassen solltet: Nicht abschalten und selbst zum “Eisbrecher” werden. Stattdessen besser abwarten und gezielt beobachten, ob die Anlage sich selbst während der nächsten halben Stunde bis anderthalb Stunden abtaut. Wichtig ist. dass ihr das Eis auf der Wärmepumpe keinesfalls gewaltsam entfernt. Nutzt weder heißes Wasser noch einen Hammer oder Eispickel. Damit könnt ihr Bauteile beschädigen. Wenn die starke Vereisung wiederkehrt oder gar nicht verschwindet: Ruft euren  Fachbetrieb zu Hilfe.

Die Wärmepumpe dampft

Das ist zu sehen: Plötzlich steigt eine dicke, weiße “Rauchwolke” aus dem Außengerät der Wärmepumpe auf. Häufig steht der Lüfter dabei kurz still, und nach einigen Minuten ist das Ganze wieder weg.

Das ist passiert: Erstmal ist wichtig zu wissen, dass die “Wolke” nicht aus Rauch, sondern Dampf beziehungsweise Nebel bestand. Dieser bildet sich, weil beim Abtauen der Verdampfer stark erwärmt wird, so dass das Eis zu Wasser schmilzt. Ein Teil verdunstet und kondensiert in der kalten Außenluft sofort wieder zu sichtbaren Tröpfchen (Nebel). Der Dampf beziehungsweise Nebel ist geruchlos und harmlos. Danach läuft die Anlage wieder wie gehabt.

Warnsignal: Wenn die abtautypische “Wolke” dagegen nach verbranntem Kunststoff riecht oder der „Dampf“ unabhängig von Abtauphasen dauerhaft auftritt, lasst die damit technische Störung prüfen.

Die Wärmepumpe macht Geräusche

Das ist zu hören: Eure Wärmepumpe meldet sich mit Geräuschen.

  • kurzes Zischen (wie ein Ventil)
  • Gluckern (Flüssigkeit bewegt sich)
  • gelegentliches Klacken

Das ist passiert: Beim Abtauen schaltet die Wärmepumpe intern um. Das Zischen und/oder Gluckern ist typisch für den Wechsel der Betriebszustände (Umschalten vom Normalbetrieb in den Abtaubetrieb und wieder zurück).

Warnsignal: Ihr hört plötzlich neue, sehr laute Geräusche, die die Wärmepumpe vorher noch nie gemacht hat, beispielsweise ein metallisches Schleifen oder ein starkes Rattern? Oder macht die Wärmepumpe wiederholte Fehlstarts?

Was ihr jetzt tun und lassen solltet: Nicht selbst irgendwie herumprobieren, sondern euren Fachbetrieb kontaktieren, weil es bei dieser Geräuschkulisse um bewegliche Komponenten wie Lüfter geht.

Die Wärmepumpe ist eingeschneit

Das ist zu sehen: Das Gerät steht in einer Schneewehe. Oder Schnee bedeckt die Zu- oder Abluftseite ganz oder teilweise. Oder die Unterkante des Geräts ist so eingeschneit, dass das Kondenswasser nicht mehr frei ablaufen kann.

Warum das kritisch werden kann: Luft-Wasser-Wärmepumpen brauchen freie Luftwege. Wenn Schnee die Ansaug- oder Ausblasrichtung blockiert, verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen genau dort, wo die Anlage am meisten leisten muss.

Was ihr jetzt sofort tun müsst: Entfernt den Schnee im Umfeld der Wärmepumpe, sodass der Luftstrom nicht mehr davon behindert wird. Dabei gilt stets: Lieber den Schnee um die Wärmepumpe herum wegschaufeln als am Verdampfer selbst zu fummeln.

Ihr seht: Wenn eure Luft-Wasser-Wärmepumpe im Winter vereist, ist das zunächst einmal ein normaler physikalischer Vorgang, insbesondere bei feuchtem Wetter und Temperaturen, die grob zwischen plus 5 °C und minus 5 °C liegen. Diese Wetterlage gilt als typische Ursache für Bereifung/Vereisung an der Außeneinheit – das ist nicht automatisch ein Defekt.

Schauen wir uns als Nächstes den Abtauprozess der Wärmepumpe einmal etwas genauer an. Denn, wenn ihr wisst, wie dieser abläuft, erkennt ihr schnell: Das ist normaler Wärmepumpenbetrieb im Winter – oder: Hier stimmt etwas nicht.

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Marin überzeugt mit ihrer enormen Energieeffizienz und ist in drei Heizleistungen erhältlich. Deshalb gibt's für unsere Wärmepumpe auch den Effizienzbonus. Foto: Paradigma
Unsere Paradigma Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Marin kommt mit einer enormen Energieeffizienz daher. Sie ist in drei Heizleistungen erhältlich. Deshalb gibt’s für sie auch den Effizienzbonus. Foto: Paradigma

Warum vereisen Luft-Wasser-Wärmepumpen im Winter überhaupt?

Im Heizbetrieb entzieht der Verdampfer der Außenluft Wärme. Damit Wärme fließen kann, muss der Verdampfer kälter sein als die Luft. Wird dabei der Taupunkt unterschritten, fällt Kondenswasser an – und im typischen Winterwetter kann dieses Kondensat am Verdampfer zu Eis gefrieren.

So läuft ein Abtauvorgang in der Praxis ab

Die meisten Wärmepumpen nutzen dafür eine sogenannte Kreislaufumkehr-Abtauung: Der Kältekreis wird kurzzeitig “umgedreht“, um den Verdampfer zu erwärmen und das Eis zu schmelzen.

Schritt 1: Die Wärmepumpe erkennt Vereisung

Das passiert über Sensorik und Regelung (vereinfacht: Temperatur- und Betriebswerte passen nicht mehr zu einem freien, gut durchströmten Verdampfer). Der Auslöser ist das Eis am Verdampfer, das den Luftstrom behindert. Die Wärmepumpe startet dann automatisch das Abtauen.

Das “Erkennungszeichen”: Der Heizbetrieb läuft, dann “kündigt“ sich eine Umschaltung an (häufig akustisch).

Schritt 2: Umschalten – oft mit Zischen und/oder Klicken

Beim Start der Abtauung schaltet die Wärmepumpe intern um. In der Praxis hört ihr dabei häufig kurze Ventil- oder Umschaltgeräusche (Zischen, Klicken). Das ist typisch für den Zustandswechsel und für viele von euch wahrscheinlich der Moment, an dem ihr überhaupt erst merkt, dass da was in der Wärmepumpe passiert. Diese Geräusche sind normale Betriebsgeräusche rund um Abtauphasen.

Schritt 3: Abtauphase – der Verdampfer wird warm, das Eis schmilzt

Jetzt wird der Verdampfer gezielt erwärmt, sodass das Eis zu Wasser wird. Bei Kreislaufumkehr macht das kein extra Heizstab, sondern das ist ein Prozess im Kältekreis. Dies gilt als effizienter Weg, um den Verdampfer regelmäßig zu enteisen.

Das “Erkennungszeichen”: Unter dem Gerät tropft Wasser ab (Abtauwasser). Das Außengerät kann zugleich sichtbar “dampfen“.

Schritt 4: Rückkehr in den Heizbetrieb

Nach dem Abtauen schaltet die Wärmepumpe automatisch wieder zurück und läuft normal weiter. Ein Abtauvorgang dauert zwischen 5 und 15 Minuten (je nach Vereisung und Bedingungen).

Wie oft ist Abtauen “normal“?

Luft-Wasser-Wärmepumpen tauen im Winter, das zeigt der Blick in die Praxis, häufig zwei bis acht Mal pro Tag ab.

Bei 0 bis 5 °C und zugleich hoher Luftfeuchte können es auch bis zu zehn Abtauvorgänge täglich sein.

Es gilt nicht “je kälter, desto häufiger“, sondern “je feuchter und knapp über/um 0 °C, desto öfter” taut die Wärmepumpe im Winter ab.

2-Minuten-Check: Das könnt ihr bei einer Wärmepumpe im Winter selbst prüfen

Die folgenden Checks haben wir bewusst so gewählt, dass ihr sie ohne Risiko machen könnt – ohne Schrauben und ohne “Eis abzuklopfen“.

Luftwege-Check

  • Ist die Zu- und Abluft frei, oder steht die Wärmepumpe in einer Schneeverwehung?
  • Liegt Laub, Schnee oder Eis so, dass der Luftstrom behindert wird?

Abtauwasser-Check

  • Kann Abtauwasser gegebenenfalls frei ablaufen? Oder bildet sich ein Eisklumpen unter dem Gerät?
  • Ist der Sockel/Standort der Wärmepumpe so eingeschneit, dass Wasser stehen bleibt und wieder festfriert? Das begünstigt “Eisberge“ unter der Außeneinheit.

Betriebs-Check

  • Taut die Anlage regelmäßig ab (erkennbar an typischer Abtauphase, danach normaler Lauf)?
  • Oder bleibt sie über lange Zeit “zugefroren“? Meldet das Gerät Störungen?

Wenn ihr merkt, dass dickes Eis wiederholt entsteht, nicht weggeht oder die Anlage auffällig oft beziehungsweise lange im Abtaumodus hängt: Fachbetrieb um Hilfe rufen.

3 Tipps für Wärmepumpen im Schnee

  1. Das Außengerät und seine Luftwege (Zu- und Abluft) müssen frei von Schnee sein. Haltet mindestens einen halben Meter um das Gerät alles schneefrei.
  2. Losen Schnee könnt ihr vorsichtig abkehren, aber Eis dürft ihr nicht mit Gewalt oder heißem Wasser entfernen.
  3. Ein kleines Schutzdach oder ein Windschutz können den Schnee-Eintrieb mindern. Aber die Vorrichtung darf den Luftstrom nicht behindern.

Fotos: Vitalii – Adobe.Stock.com, Paradigma