PV-Anlage im Winter

PV-Anlage im Winter (2): Schon jetzt an den nächsten Winter denken!

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Wie im ersten Teil unserer Reihe “PV im Winter” angekündigt, geht es zu diesem Thema heute weiter. Und da der nächste Winter mit Sicherheit kommt, schauen wir einmal, was ihr aus dem aktuellen Winter mitnehmen könnt, um eure PV-Anlage im kommenden Winter noch ertragreicher und sicherer zu betreiben. Wenn ihr jetzt im Winter merkt, dass Schnee und Eis auf der Photovoltaik-Anlage euch regelmäßig beschäftigen, dann ist das noch lange kein Grund, die Technik schlechtzureden, sondern vielmehr ein klarer Hinweis: Mit einem guten Plan lässt sich der PV-Winterbetrieb deutlich entspannen. Hier sind die Stellschrauben, an denen ihr drehen könnt: Es lohnt sich – das zeigt die Praxis. 

Wichtig: Schon bei der Installation an Schnee auf der PV-Anlage denken

Warum ihr Schnee von Anfang an mitdenken solltet:

  • Große, durchgehende Modulfelder auf eurem Hausdach können ein Schneerutschen begünstigen, da die Oberflächen der Module sehr glatt sind. Das ist besonders dann gefährlich, wenn ihr in Regionen lebt, wo euch die Winter regelmäßig Schnee bringen. Eine Lawine aus Schnee und Eis könnte euch, eure Familie oder gar Fremde treffen, weil sie von eurem Dach auf Wege rutscht, die regelmäßig genutzt werden. Auch ein genau dort geparktes Auto könnte beschädigt werden.
  • Zugleich kann eine teilweise oder gar durchgehende Schneeschicht auf den Modulen zu spürbaren Einbußen bei der winterlichen PV-Leistung führen.

Gemeinsam mit eurem Fachhandwerksbetrieb müsst ihr deshalb die strategisch beste Platzierung der PV-Module auf eurem Dach bei Sonnenschein und Schneewetter finden. Darauf kommt es in der Praxis an:

  • Plant die Modulfeldkanten bewusst: Wo kann Schnee abrutschen, ohne dass darunter ein Eingang, Gehweg oder Auto-Stellplatz liegt?
  • Problemzonen vermeiden: Hinter Gauben, an Attiken und neben Kaminen (Schornsteinen) entstehen häufig Schneeverwehungen. Wenn ihr dort Module habt, ist das nicht „falsch“ – aber es erklärt wiederkehrende “Schneemuster auf eurer PV-Anlage” im Winter (Befund: immer dieselbe Anlagenecke bleibt zugedeckt).
  • Sicherheitszonen an der Traufe: Wenn unter der Traufe regelmäßig Personen laufen, solltet ihr das Abrutschrisiko planerisch adressieren (siehe Schneefang).

Dachneigung kann Schneelawinen vom Solardach begünstigen

Viele PV-Anlagen werden parallel zum Neigungswinkel des Hausdaches montiert. Dabei gilt: Mehr Neigung (steilerer Aufstellwinkel der PV-Module) kann das Abrutschen von Schnee fördern, weniger Neigung (flacherer Aufstellwinkel der PV-Module) kann Schnee länger liegen lassen. In der Praxis ist dann immer abzuwägen zwischen:

  • der “Winterverschattung” aufgrund des Liegenbleibens von Schnee auf den PV-Modulen
  • Maximierung des Jahresertrags eurer PV-Anlage (Sommer plus Winter)
  • Optik und sonstige Bauvorgaben

Wichtig: Es gibt keine perfekte Neigung, die Schneeprobleme garantiert löst. Entscheidend ist, dass ihr typische Winterbilder eures Standorts (Verwehungen, Eisränder, Rutschbahnen) bei der Planung und Neuplanung eurer PV-Anlage besprecht.

Wenn die Dachneigung ungünstig für den Winterbetrieb einer PV-Anlage ist, bleibt euch immer noch die Aufständerung: Alles, was ihr dazu wissen müsst, erklären wir in dem verlinkten Blogbeitrag.

Schneefang, wenn Abrutschen ein echtes Risiko ist

Wie oben schon angedeutet, wird aus dem reinen PV-Thema auch ein Sicherheitsthema, wenn bei euch Schnee regelmäßig als „Brett“ vom Dach rutscht und darunter Wege, Eingänge oder Parkplätze liegen. Als Hauseigentümer:innen ist es eure Aufgabe, die möglichen Risiken zu senken.

Erfahrene Solarteurinnen und Solarteure helfen euch in solchen Fällen mit Rat und Tat weiter. So könnt ihr bauliche Maßnahmen treffen, um abrutschenden Schnee aufzufangen. Es gibt dafür spezielle Schneefanggitter und Schneefanghaken.

Schneefanggitter vs. Schneefanghaken auf dem Solardach

Schneefanggitter und Schneefanghaken sind auf PV-Dächern eine sinnvolle Zusatzsicherung, weil sie abrutschende Schneemassen bremsen und damit Dachrinnen, Gehwege und Menschen darauf sowie Stellplätze und Fahrzeuge darauf schützen.

Vorteil: Beide bautechnischen Vorrichtungen

  • reduzieren das Risiko von Schnee- und Eisschlag,
  • verteilen die Schneelast auf dem Dach kontrollierter
  • und können Schäden infolge von Schneerutsch deutlich mindern –

besonders bei glatten Dacheindeckungen (glatte PV-Module) und steilen Dachneigungen.

Die strategische Platzierung entscheidet praktisch darüber, ob ein Schneefang „wirklich bremst“ oder der Schnee trotzdem als Rutschpaket abgeht. Es gilt das Grundprinzip: Dort sichern, wo Personen- und Sachwerte gefährdet sind, und die Schneelast kontrolliert in die Dachkonstruktion einleiten.

Schneefanggitter (durchgehende Barriere):

Am Traufbereich (untere Dachkante) sind Schneefanggitter am wirksamsten, weil hier Schnee typischerweise „abreißt“ und nach unten rutscht.

Besonders sinnvoll sind sie über Eingängen, Gehwegen, Garagenzufahrten, Terrassen, Carports sowie überall dort, wo sich Menschen aufhalten oder Fahrzeuge stehen. Bei längeren Dachflächen oder steilen Dächern werden Schneefanggitter oft mehrreihig beziehungsweise in Kombination mit weiteren Elementen montiert, um die Schneelast zu verteilen.

Auf PV-Dächern werden sie deshalb häufig unterhalb der Modulfelder angebracht, so dass abrutschender Schnee nicht ungebremst über die Modulunterkante schießt und dabei Dachrinne und/oder Unterkonstruktion belastet.

Schneefanghaken (punktuelle Sicherung/Lastverteilung):

Schneefanghaken werden flächig im unteren Dachbereich eingesetzt – wie eine Art Störraster, das abrutschenden Schnee in vielen kleinen „Portionen“ hält. Typisch ist eine Platzierung unterhalb und seitlich von PV-Feldern. Zusätzlich können Haken oberhalb kritischer Zonen sinnvoll sein, beispielsweise über Eingängen, um die Schneebretter frühzeitig zu „brechen“, bevor sie Fahrt aufnehmen. Die Haken lassen sich oft so verteilen, dass sie keine durchgehende Verschattungslinie wie ein hohes Gitter erzeugen – dafür braucht’s jedoch saubere Planung, damit die Bremswirkung reicht.

Wichtig:

  • Die Befestigung der Gitter und Haken muss zur Dacheindeckung und Tragstruktur passen (Sparren-/Traglattensystem), sonst drohen Undichtigkeiten oder Ausreißen unter Last.
  • Es müssen Abstände zu PV-Modulen und Unterkonstruktion eingeplant werden: Ziel ist, dass der Schneefang den Schnee abfängt, ohne dass dieser gegen Modulrahmen, Kabel, Gitter oder Haken drückt.
  • Kombinationen sind häufig sinnvoll: Schneefanghaken als „Flächenbremse“ plus Schneefanggitter als „Endbarriere“ an der Traufe in Gefahrenbereichen.

Nachteil: Jede Schneefanglösung ist ein Eingriff ins Dachsystem. Sie kostet Geld. Und sie muss statisch und nach Herstellervorgaben passend zum Dach (Eindeckung, Sparren, Neigung, Schneelastzone) dimensioniert und fachgerecht befestigt werden. 

Wintergerechte Auslegung der PV-Anlage

  • mechanisch

Bei Neubau oder Modultausch ist es relevant, die mechanischen Lastwerte der Module und der Unterkonstruktion bewusst mitzunehmen. Der Verband der Sachversicherer (VdS) weist darauf hin, dass in Regionen, in denen “mit erhöhten Schnee- und Windlasten zu rechnen” ist, “PV-Module mit erhöhter mechanischer Stabilität auszuwählen (zum Beispiel Test für Prüflast: 5.400 Pa, nach DIN EN 61215)” sind.

  • elektrisch

Wenn euch alle Jahre wieder ein nur kleiner Schneestreifen und trotzdem eine großer Ertragseinbruch nerven, könnt ihr das bei einer Erweiterung der Anlage oder Neubau gezielt abfedern, zum Beispiel über:

  • Stringplanung, die typische Verschattungsbereiche getrennt führt
  • Optimierer oder Modulwechselrichter dort, wo die nervige Teilverschattung regelmäßig auftritt

Das ist kein Muss für jede Anlage, „verschattungsanfälligen“ Dachzonen kann es den Winterbetrieb (und auch den Übergang Herbst/Frühjahr) jedoch spürbar stabilisieren.

Monitoring: Winterstress vermeiden mit besserer Transparenz

Viele Missverständnisse entstehen, weil nur die „Gesamtleistung“ der PV-Anlage sichtbar ist. Hilfreich ist:

  • String-/Tracker-Transparenz, wenn vorhanden
  • saubere Wochenvergleiche (Abschnitt 3)
  • ein neutraler Referenzcheck über PVGIS für Monatswerte (EU/JRC), um die Saisonkurve plausibel einzuordnen.

Damit erkennt ihr schneller den Unterschied zwischen Ertragseinbußen aufgrund

  • des Winterwetters oder
  • eines technischen Teil-/Ausfalls

Ihr seht, Winterprobleme bei PV entstehen selten, weil „PV im Winter nicht läuft“, sondern weil Sicherheit, Schneeverhalten, Lasten und Teilbedeckung nicht passend zur Situation berücksichtigt wurden. Mit Schneefang (wo nötig), passender mechanischer Auslegung und smarter elektrischer Planung könnt ihr euren Winterbetrieb deutlich reibungsfreier machen.

Paradigma Photovoltaikanlagen PV-Paket
Kennt ihr schon unser Paradigma PV-Paket? Es besteht aus einem hochwertigen und modernen PV-Modul, einem leistungsstarken Wechselrichter, einer zuverlässigen Batterie und einem intelligenten Überwachungssystem. Foto: Paradigma

FAQ: Wichtige Fragen zu “PV-Anlage im Winter”

Muss ich Schnee von den PV-Modulen entfernen?

In den meisten Fällen lautet die Antwort: nein. Schneeräumen lohnt sich nur, wenn es wirklich sicher möglich ist (zum Beispiel vom Boden aus bei Carport/Anbau) und ihr dabei materialschonend vorgehen könnt. Auf Hausdächern gilt fast immer: Abwarten, denn eure Sicherheit geht vor.

Warum kann schon ein schmaler Schneestreifen auf den PV-Modulen viel Leistung kosten?

Weil bei einer PV-Anlage schon eine Teilbedeckung (wie Teilverschattung) den Stromfluss im String begrenzen kann. Optisch „wenig“ kann elektrisch „viel“ sein. Das ist typisch PV-Anlage und kein Defekt.

Ist Reif oder Eis auf den PV-Modulen gefährlich?

Meist sind Reif oder Eis nicht gefährlich. Doch sie können den Ertrag deutlich dämpfen. Ein dünner Reiffilm verschwindet häufig von selbst, festgebackenes Eis kann länger liegen bleiben. Entscheidend ist: Greift nicht riskant ein (kein heißes Wasser, keine harten Werkzeuge).

Kann Schnee die PV-Anlage beschädigen?

Schnee wird dann zum Schadensverursacher, wenn es um Lasten und Sicherheit geht : Vor allem bei Verwehungen und ungleichmäßiger Belastung.

Modul-Prüflasten liegen je nach Ausführung typischerweise

  • bei 2.400 Pa (Standard)
  • und bei 5.400 Pa (erhöht für höhere Schnee-/Windlasten).

Der VdS empfiehlt in Regionen mit höheren Lasten, Module mit entsprechender mechanischer Stabilität zu wählen. Wichtig: Das ersetzt keine Bewertung von Dach und Montage – bei Auffälligkeiten holt euch bitte den Rat von Fachleuten ein.

Woran erkenne ich, ob es „nur der Winter“ ist oder ein technisches Problem?

Macht den 3-Minuten-Check, den wir euch in Teil 1 dieser kleinen Artikelreihe vorgestellt haben. Wetter plus Sichtbild plus Wechselrichterstatus.

  • „0 W“ bei geschlossener Schneedecke sind plausibel.
  • Fehlercodes, sichtbare Schäden oder dauerhaft ungewöhnlich niedrige Leistung trotz freier Module sind Gründe, um den Fachbetrieb ranzulassen.

Wie kann ich meinen Winterertrag sinnvoll vergleichen?

Nutzt Wochenfenster (nicht einzelne Tage) und arbeitet mit zwei Referenzen:

  • eure Vorjahreswerte (gleiche Woche/Monat)
  • PVGIS als neutraler Monats-/Standortvergleich (EU/JRC).

Als grobe Einordnung für Deutschland gilt häufig:

  • Im Winter, also von Oktober bis März “erntet” eure etwa PV-Anlage 30 bis 35 Prozent
  • und im Sommer, also von April bis September, etwa 65 bis 70 Prozent des Jahresertrags (je nach Standort und Technik der Anlage).

PV im Winter: Checkliste

Müsst ihr machen

  • Schnee, Reif, Teilbedeckung der PV-Anlage vom Boden aus betrachten und einordnen.
  • Wochen statt Tage vergleichen: Winterertrag ist stark wettergetrieben.
  • Monitoring richtig lesen: nicht nur Wattzahl, sondern auch Status und gegebenenfalls Fehlercodes.
  • Risiken ernst nehmen: Schneerutschbereiche unter dem Dach meiden und falls nötig absichern.
  • Bei sichtlichen Auffälligkeiten dokumentieren (Foto/Screenshot) und dann Fachbetrieb kontaktieren.

Müsst ihr lassen

  • Nicht aufs Dach steigen „für ein paar kWh“ mehr – das Rutsch- und Absturzrisiko ist hoch.
  • Kein heißes Wasser, keine Metall-Schaber, kein Salz, kein Hochdruck gegen Schnee und Eis einsetzen.
  • Nicht an einem schlechten Tag verzweifeln – im Winter sind schwankende Erträge normal.

PV funktioniert im Winter, aber anders als im Sommer. Wenn ihr die typischen Winterbefunde erkennt, Erträge realistisch einordnet und Sicherheit konsequent vor Aktionismus stellt, seid ihr als PV-Anlagen-Betreiber:innen sehr schnell souverän: Ihr wisst, wann ihr nichts tun müsst – und wann Handeln sinnvoll ist.

PV-Anlage im Winter in 60 Sekunden verstehen

PV-Anlage im Winter: Schnee, Eis, 0 Watt Ertrag? Das müsst ihr wissen:

  • 0 Watt bei geschlossener Schneedecke ist oft normal: Schnee blockiert Licht. Das ist kein technischer Defekt.
  • Teilbedeckung wirkt stärker als sie aussieht: Ein schmaler Schneestreifen kann den Ertrag deutlich drücken.
  • Sicherheit zuerst: Auf Hausdächern räumst du in der Regel nicht – die Absturzgefahr schlägt hier das Argument “ein paar kWh mehr Ertrag”.
  • Wenn Schneeräumen auf der PV-Anlage, dann nur sicher und sanft – und das auch nur bei gut erreichbaren Modulen, mit weichen Hilfsmitteln, ohne Druck, ohne Metall, Heißwasser, Salz oder Chemiekeule.
  • Ordnet den PV-Ertrag im Winter realistisch ein: In Deutschland kommen grob 30 bis 35 Prozent des Jahresertrags von Oktober bis März (stark standortabhängig) zusammen.
  • 3-Minuten-Check bei Zweifel: Wetter + Blick vom Boden + Wechselrichterstatus (Fehlercode?) – dann weißt du, ob es „nur Winter“ ist oder ein technisches Problem.
  • Bei Abrutschrisiko handeln: Bereiche unter dem Dach meiden und gegebenenfalls absichern. Bei wiederholter Gefahrenlage solltet ihr über einen Schneefang nachdenken.

Fotos: Kateryna Muzhevska – Adobe.Stock.com (Titel),