Wärmepumpeneffizienz verstehen 3

Wärmepumpe verstehen (3): Effizienz greifbar machen

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In den ersten beiden Teilen unseres Dreiteilers “Wärmepumpeneffizienz verstehen” ging es um das Prinzip und die Stellschrauben. Jetzt kommt der dritte Teil, der euch im Alltag wirklich Sicherheit gibt: Wärmepumpeneffizienz messbar und bewertbar machen. Denn erst wenn ihr euren Verbrauch grob einordnen könnt und typische Warnsignale kennt, könnt ihr fundiert entscheiden, ob alles passt – oder ob sich eine Optimierung lohnt.

Inhaltsverzeichnis

Wir zeigen euch deshalb:

  • einen einfachen Rechenweg, mit dem ihr Stromverbrauch und -kosten überschlagt,
  • eine praxisnahe Checkliste, woran ihr einen effizienten Betrieb erkennt,
  • typische Irrtümer, die Wärmepumpen unfair wirken lassen,
  • und Antworten auf die häufigsten Fragen zur Wärmepumpeneffizienz.
Haus mit Paradigma Wärmepumpe WP Aero Marin
In diesem Haus sorgt unsere Paradigma Wärmepumpe WP Aero Marin für angenehme Wohlfühlwärme. Foto: Paradigma

Wärmepumpeneffizienz greifbar machen: So schätzt ihr euren Stromverbrauch und eure Stromkosten grob ab

Ihr müsst keine Ingenieur:innen sein, um eine realistische Hausnummer zu ermitteln. Drei Schritte reichen, um zu erkennen, warum die JAZ eurer Wärmepumpe in der Praxis so entscheidend ist.

Schritt 1: Wärmebedarf grob bestimmen

Am einfachsten geht das über eure bisherigen Verbrauchsdaten: Wenn ihr bislang mit Gas der Öl geheizt habt, könnt ihr aus der Jahresenergiemenge (kWh) grob ableiten, wie viel Wärme ihr bisher benötigt habt (mit dem Hinweis: Kesselverluste und Nutzungsgrade verzerren das etwas).

Oder ihr nutzt Heizlast-/Gebäudecheck-Ansätze wie die des Umweltbundesamtes (UBA) als Basis für eine fundiertere Einschätzung.

Schritt 2: Strombedarf abschätzen (Wärmebedarf/JAZ)

Es gilt die Faustformel: Strom (kWh) ist rund Wärmebedarf (kWh)/JAZ

Warum das so nützlich ist: Ihr seht sofort, wie stark sich die Effizienz auswirkt. Wenn die Praxis-JAZ deutlich schlechter ist, steigt der Strombedarf entsprechend – das deckt sich mit den großen Streuungen, die Feldmessungen des Fraunhofer ISE im Bestand zeigen.

Schritt 3: Kosten abschätzen (Strombedarf mal Strompreis)

Kosten in Euro sind rund Stromverbrauch in kWh mal Preis (Euro/kWh)

Ein einfaches Beispiel:

Angenommen, euer Wärmebedarf liegt bei 12.000 kWh/Jahr:

  • Bei einer JAZ 4,0: Strom rund 12.000/4,0 = 3.000 kWh/Jahr
  • Bei JAZ 3,0: Strom rund 12.000/3,0 = 4.000 kWh/Jahr

Das sind 1.000 kWh Unterschied – und die merkt ihr im Geldbeutel. Genau deshalb lohnt es sich, die Stellschrauben (Vorlauf, Heizflächen, Abgleich, Warmwasser, Regelung), die wir euch in Teil 2 unseres Dreiteilers vorgestellt haben, ernst zu nehmen, statt nur die Gerätezahl im Prospekt anzuschauen. (Dass die JAZ als Systemkennzahl gedacht ist, spiegelt sich auch in etablierten Bewertungsansätzen wie VDI 4650.)

Praxis-Checkliste: Läuft eure Wärmepumpe effizient?

Ihr müsst nicht sofort tief ins Datenlogging einsteigen, um ein Gefühl zu bekommen, ob eure Wärmepumpe „gut läuft“. Mit ein paar Beobachtungen erkennt ihr typische Effizienzbremsen – und wisst, wann sich ein genauer Blick (oder ein Monitoring) lohnt.

Schnellcheck: Was ihr selbst beobachten könnt

Vorlauf im Blick behalten (vor allem an kalten Tagen)

Schaut an einem wirklich kalten Tag (oder mehreren) auf die Vorlauftemperatur: Wird sie sehr hoch, ist das ein Hinweis, dass euer System einen großen Temperaturhub braucht – das drückt die Effizienz der Wärmepumpe. Aber: Nutzt das nicht als „Einzelurteil“, sondern als Muster und beobachtet weiter: Ist das dauerhaft so oder nur selten?

Wie „ruhig“ läuft die Anlage? (Taktung grob erkennen)

  • Läuft die Wärmepumpe eher lange am Stück oder startet sie ständig neu?

Ein (zu) häufiges Ein/Aus ist oft ein Effizienz- und Komfortthema (Verluste, unruhiger Betrieb). Es kann auf Regelung, Hydraulik oder Systemanpassung hindeuten.

Warmwasser: Zeiten und Temperatur prüfen

  • Lädt der Speicher sehr häufig nach?
  • Läuft eine Zirkulation sehr lange?

Warmwasser ist eine Systemkomponente, die die Jahresbilanz merklich beeinflussen kann. Genau deshalb wird sie in JAZ-Bewertungen und Berechnungsansätzen auch ausdrücklich mit betrachtet.

Raum für Raum „Problemstellen“ identifizieren

  • Gibt es Räume, die nur mit „mehr Vorlauf“ warm werden?

Dann sind diese Räume oft die echten Treiber eurer Systemtemperaturen (Heizflächen/Heizlast/Verteilung) – und nicht „die Wärmepumpe an sich“.

Warnsignale: Wann ihr genauer hinschauen solltet

Die folgenden 4 Punkte bedeuten nicht automatisch „Fehlplanung“, aber sie sind typische Hinweise darauf, dass Effizienzpotenzial liegen bleibt:

  • dauerhaft hohe Vorlauftemperaturen (nicht nur an wenigen Extremtagen)
  • starke Raumunterschiede (einige Räume kalt, andere überheizt), oft liegt das an Hydraulik/Abgleich/Heizflächen
  • sehr häufige Starts (Taktung) trotz dauerhaftem Heizbedarf
  • spürbar hohe Stromspitzen in Verbindung mit Warmwasserbetrieb (Zeiten/Temperaturen/Zirkulation prüfen)

Wenn ihr das objektiver bewerten wollt, kommt ihr kaum um exaktes  Messen/Monitoring herum, denn die Effizienz der Wärmepumpe ist am Ende eine Systemkennzahl (JAZ), die sich über längere Zeit aussagekräftig beurteilen lässt.

Was ist eine „gute“ Effizienz?

Statt euch an einer theoretischen Zahl festzubeißen, achtet eher darauf:

  • Ist der Vorlauf niedrig,
  • läuft die Anlage ruhig,
  • sind Warmwasser und Verteilung sauber eingestellt?

Dann seid ihr auf einem sehr guten Weg. Für belastbare Aussagen zählt die JAZ über ein Jahr.

Typische Irrtümer: Warum Wärmepumpen oft „unfair“ beurteilt werden

Dieser Abschnitt räumt mit Denkfehlern auf, die Effizienzdiskussionen regelmäßig entgleisen lassen.

Irrtum 1: Hoher COP im Datenblatt = niedrige Stromrechnung

Der COP ist eine Punktmessung unter definierten Bedingungen. Eure Stromrechnung entsteht aber aus vielen Betriebszuständen über die Saison. Deshalb gibt es SCOP (saisonale Gerätebewertung nach Norm) – und deshalb ist für euch als Nutzer:innen vor allem die JAZ als Systemwert entscheidend.

Irrtum 2: Im Altbau geht Wärmepumpe grundsätzlich nicht

Das stimmt so pauschal nicht. Der entscheidende Punkt ist nicht „Altbau ja/nein“, sondern: Welche Vorlauftemperatur braucht euer Haus an kalten Tagen – und sind die Heizflächen dafür geeignet? Genau deshalb betont das UBA in seinem Kontext rund um den Gebäudecheck die Prüfung von Heizlast und Heizkörperleistung und nutzt unter anderem den Orientierungswert „niedertemperatur-ready“.

Irrtum 3: Wenn der Januar teuer war, ist die Wärmepumpeneffizienz schlecht

Im Januar sind die Bedingungen oft am ungünstigsten: Die Wärmequelle ist kälter, der Vorlauf tendenziell höher, so dass die Wärmepumpeneffizienz sinkt. Genau diese Temperaturabhängigkeit ist der Grund, warum saisonale Bewertungsansätze wie SCOP mehrere Temperaturpunkte berücksichtigen.

Irrtum 4: Höherer Vorlauf löst das Problem

Ein höherer Vorlauf macht die Wärmepumpe effektiver (es wird warm) – aber häufig ineffizienter (höherer Hub, mehr Strom). Wenn einzelne Räume nur so funktionieren, ist das ein Signal: Heizflächen/Abgleich/Heizlast prüfen, statt das System dauerhaft „hochzuheizen“.

Fazit: Effizienz ist Teamarbeit – und ihr könnt sie aktiv beeinflussen

Wenn ihr die Effizienz eurer Wärmepumpe im Alltag verstehen wollt, hilft ein Perspektivwechsel: Nicht „Wie gut ist das Gerät?“, sondern “Wie gut arbeitet mein Gesamtsystem im Haus?” Genau deshalb ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) als Praxiskennzahl so wichtig: Sie bildet die Realität aus Wärmequelle, Vorlauf, Warmwasser, Verteilung und Regelung über die Saison ab.

Die große Praxisstreuung zeigt: Es lohnt sich, an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Das Fraunhofer ISE hat in seinem Feldmonitoring in Ein- bis Dreifamilienhäusern Jahresarbeitszahlen in einer breiten Spanne gemessen (2,6 bis 5,4) – das ist ein klarer Hinweis darauf, wie stark Auslegung und Betrieb die Effizienz prägen.

Zum Merken:

  • Effizienz heißt: viel Wärme pro kWh Strom – nicht „es wird warm“ (das wäre Effektivität).
  • COP/SCOP helfen beim Gerätevergleich, aber eure Rechnung beschreibt die JAZ.
  • Der Temperaturhub ist der Effizienzkern: Wärmequelle kalt + Vorlauf hoch = Effizienz runter.
  • Vorlauftemperatur zu senken, ist oft die größte Stellschraube – möglich wird das über Heizflächen, Abgleich und Einstellungen.
  • Warmwasser und Regelung sind unterschätzte Effizienztreiber.
  • Für Bestandsgebäude ist der strukturierte Blick auf Heizlast und Heizkörperleistung Gold wert – dafür gibt es sogar ein öffentliches Tool: den UBA-Gebäudecheck Wärmepumpe.

Wenn ihr nur 3 Dinge für mehr Wärmepumpeneffizienz macht – macht diese

  1. Vorlauf checken: Schaut an kalten Tagen, welche Vorlauftemperaturen ihr wirklich braucht. Wenn ihr dauerhaft sehr hoch fahren müsst, ist das ein Signal für Heizflächen/Verteilung/Heizlast.
  2. Warmwasser „sauber“ einstellen: Temperatur und Zeiten prüfen, Zirkulation nicht unnötig laufen lassen. Warmwasser gehört zur Systemeffizienz dazu.
  3. Gebäudecheck als Entscheidungsgrundlage nutzen (besonders im Bestand): Der UBA-Gebäudecheck hilft euch, Heizlast und Heizkörperleistung strukturiert zu erfassen, statt nur nach Bauchgefühl zu entscheiden.

FAQ: Effizienz der Wärmepumpe in der Praxis – die häufigsten Fragen

Welche Kennzahl sagt mir am besten, wie effizient meine Wärmepumpe wirklich läuft?

Für euren Alltag ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) am aussagekräftigsten, weil sie die Effizienz über ein ganzes Jahr im realen Betrieb abbildet – also inklusive Wetter, Warmwasser, Einstellungen und Wärmeverteilung. COP und SCOP sind vor allem Vergleichswerte (COP als Momentwert, SCOP als normierter Saisonwert fürs Gerät).

Warum sinkt die Effizienz ausgerechnet im Winter, wenn ich am meisten heize?

Weil bei vielen Anlagen (vor allem Luft-Wasser-Wärmepumpen) die Wärmequelle im Winter kälter ist und gleichzeitig oft höhere Vorlauftemperaturen nötig werden. Damit wird der Temperaturhub größer – der Kompressor muss mehr leisten, und die Effizienz fällt. Genau diese Temperaturabhängigkeit ist auch der Grund, warum saisonale Bewertungsverfahren mit mehreren Temperaturpunkten arbeiten (SCOP nach Norm).

Unsere Wärmepumpe braucht hohe Vorlauftemperaturen“ – heißt das, sie ist ungeeignet?

Nicht automatisch. Hohe Vorlauftemperaturen bedeuten vor allem: Die Wärmepumpe muss einen großen Temperaturhub schaffen. Das drückt die Effizienz und macht das Heizen teurer. Entscheidend ist, warum ihr so hoch fahren müsst: Oft ist die Heizkurve zu konservativ eingestellt, die Wärmeverteilung (hydraulischer Abgleich) passt nicht oder einzelne Räume haben zu kleine Heizkörper und „ziehen“ den Vorlauf fürs ganze Haus hoch. Wenn es nur an wenigen Frosttagen passiert, kann das normal sein. Wenn es dauerhaft nötig ist, lohnt sich ein Systemcheck: Heizkurve optimieren, Abgleich prüfen und Problemräume gezielt mit größeren Heizflächen ausstatten. So kommt ihr häufig wieder zu niedrigeren Vorläufen und besserer Effizienz.

Welche Maßnahmen bringen in der Praxis am meisten Effizienz – ohne gleich das ganze Haus zu sanieren?

Die größten Effekte kommen meist aus „Systemarbeit“ statt aus Geräteaustausch:

  • Heizkurve/Vorlauf optimieren
  • Hydraulischen Abgleich und saubere Verteilung sicherstellen
  • Heizflächen in Problemräumen verbessern (zum Beispiel größere Heizkörper), damit ihr den Vorlauf insgesamt senken könnt
  • Warmwasser richtig einstellen (Temperatur, Zeiten, Zirkulation)

Woran erkenne ich, dass meine Wärmepumpe ineffizient läuft (ohne sofort Profi-Messung)?

Einzelne Tage sagen wenig – achtet auf Muster. Typische Hinweise sind:

  • Dauerhaft hohe Vorlauftemperaturen (nicht nur an wenigen Extremtagen)
  • Häufiges Takten (sehr viele Starts/Stopps) trotz Heizbedarf
  • Große Temperaturunterschiede zwischen Räumen (einige kalt, andere zu warm) – oft ein Hinweis auf Verteil-/Abgleichprobleme
  • Auffällig hohe Stromspitzen rund um die Warmwasserbereitung (Temperatur, Zeiten, Zirkulation prüfen)

Für eine belastbare Bewertung ist die JAZ über ein Jahr entscheidend, weil sie den realen Systembetrieb abbildet.

Damit habt ihr den Effizienz-Realitätscheck in der Hand: Ihr könnt Verbrauch und Kosten grob überschlagen, typische Warnsignale einordnen und die häufigsten Wärmepumpeneffizienz-Mythen sauber abhaken. Das Entscheidende ist nicht, ob auf dem Datenblatt eurer Wärmepumpe ein hoher Wert steht, sondern ob diese im Alltag ruhig läuft, mit möglichst niedrigen Vorlauftemperaturen auskommt und Warmwasser sowie Wärmeverteilung sauber eingestellt sind.

Wenn ihr aus Teil 3 unseres Dreiteilers “Wärmepumpeneffizienz verstehen” nur eine Sache mitnehmt, dann diese:

Effizienz ist mess- und machbar.

Beobachtet eure Vorläufe, prüft Warmwasserzeiten und Taktung – und holt euch bei Bedarf Unterstützung, um Heizkurve, Hydraulik und Heizflächen so abzustimmen, dass die Wärmepumpe „leicht arbeiten“ kann. Dann wird aus „Wärmepumpe verstehen“ ganz automatisch auch „Wärmepumpe effizient nutzen“ – und genau das schlägt sich am Ende auf eurer Stromrechnung nieder.

Fotos: Worawut – Adobe.Stock.com (Titel), bearbeitet von Doreen Brumme, Paradigma