12. Dezember 2025 – zehn Jahre 1,5-Grad-Ziel von Paris (2): Wärmewende in Deutschland – wie weit sind wir?

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Heute vor zehn Jahren verpflichtete sich der Großteil der Staaten der Weltgemeinschaft zur Eindämmung der Erderhitzung. Wie angekündigt liefern wir euch in Teil 2 unseres Zweiteilers zum 1,5-Grad-Ziel von Paris ein Update dazu, wo Deutschland zum Ende des Jahres 2025 In Sachen Wärmewende steht. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) veröffentlichte dazu gerade ein Hintergrundpapier, das den Status quo der Wärmewende in den Bundesländern analysiert. Wir haben das Wichtigste für euch zusammengefasst. 

Wärmewende in Deutschland 2025 – ein Überblick

Das  Hintergrundpapier der AEE “Erneuerbare Wärme in den Bundesländern – Daten und Fakten zu Wärmeplanung, Wärmenetzen und Erneuerbaren Energien” , könnt ihr hier kostenlos aus dem Internet herunterladen (12-seitige PDF).

Säule 1 der Wärmewende in Deutschland: Wärmenetze

Dem Papier zufolge bilden Wärmenetze die erste große Säule der Wärmewende und in der Kommunalen Wärmeplanung.

  • Die großen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die viel Landwirtschafts- und Waldfläche besitzen, haben bei der Fernwärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien die Nase vorn.
  • Beim Anteil der Erneuerbaren an der Fernwärme haben die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Plätze 1 bis 3 inne.
  • Kommunale Wärmenetze decken derzeit einen Anteil des Wärmebedarfs von durchschnittlich 9 Prozent. Dieser Anteil soll sich mehr als vervierfachen: auf im Schnitt 37 Prozent.
  • Die meiste Wärme sollen Abfälle beitragen. Dahinter folgen Umweltwärme (Wärmepumpen), Geothermie, Wärme aus Biomasse, Abwärme, Wärme aus Wasserstoff und Solarthermie.
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Unsere Paradigma Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Calima kommt mit einer enormen Energieeffizienz daher. Es gibt sie in drei Heizleistungen. Foto: Paradigma

Säule 2 der Wärmewende in Deutschland: Wärmepumpen

Die zweite große Säule der deutschen Wärmewende sind laut der AEE Wärmepumpen.

Wärmepumpen in Neubauten

  • In 82,9 Prozent der Neubauten in Sachsen-Anhalt waren im Jahr 2024 demnach Wärmepumpen installiert. Es folgen dicht dahinter das Saarland mit 81,6 Prozent, Rheinland-Pfalz mit 75,5 Prozent und Baden-Württemberg mit 75,1 Prozent. Die AEE weist in ihrem Hintergrundpapier ausdrücklich darauf hin, dass der Anteil der Wärmepumpen in den Neubauten der Stadtstaaten unter 50 Prozent liegt, weil dort eher auf Fernwärme gesetzt wird.

Wärmepumpen je 1000 Einwohner

  • Bei der Zahl der Wärmepumpen im Verhältnis zur Bevölkerung führt Rheinland-Pfalz die Liste der Bundesländer an.

Heizungssysteme in Wohngebäuden

Die AEE nennt folgende Anteile der unterschiedlichen Heizungstypen in Wohngebäuden in den Bundesländern:

  • Im Süden wird demzufolge relativ häufig mit Ölheizungen, Wärmepumpen und Pelletkesseln geheizt.
  • Gasheizungen kommen besonders im Nordwesten zum Einsatz.

Treibhausgasneutral heizen

Bis zum Jahr 2045 müssen die Kommunen in ganz Deutschland Treibhausgasneutralität erreichen. Fast drei Viertel von ihnen sind der AEE zufolge sogar ambitionierter und haben sich das Zieljahr 2040 gesetzt.

Kommunale Wärmeplanung

Im Oktober des laufenden Jahres 2025 haben mehr als ein Viertel (26 Prozent) der baden-württembergischen Kommunen einen Wärmeplan vorgelegt – das ist Platz 1 im Bundesländer-Ranking. Deutlich abgeschlagen dahinter folgen Nordrhein-Westfalen mit 12 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 7 Prozent.

Wärmewende in Deutschland: So sieht der deutsche Wärmesektor aus

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergiebedarf im Wärmesektor lag im Jahr 2024 bei 18,1 Prozent, schreibt die AEE in ihrem Hintergrundpapier. Das ist im Vergleich zum Vorjahreswert (18,0 Prozent) nur eine geringe Steigerung.

Nach wie vor hat Bioenergie mit 81,7 Prozent den größten Anteil an der erneuerbaren Wärmeversorgung. Wobei die Bioenergie ebenso wie die Solarthermie im Jahr 2024 leichte Rückgänge gegenüber dem Vorjahr einstecken mussten. Dafür sind die Anteile der oberflächennahen Geothermie und der Umweltwärme weiter gestiegen.

Bestand Wärmepumpen 2024

Der Absatz von Wärmepumpen brach nach einem starken Wachstum in den Vorjahren im Jahr 2024 ein. Vor allem im Bestand waren sie weniger gefragt. In Neubauten dagegen dominieren Wärmepumpen: Im Jahr 2024 wurden etwa 69 Prozent der neuen Wohngebäude mit Wärmepumpen ausgestattet. In den geplanten Gebäuden wird die Zahl noch weiter nach oben gehen. 81 Prozent der genehmigten Wohngebäude sollen mit Wärmepumpen heizen. Im laufenden Jahr boomen Wärmepumpen (wir berichteten). Der Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP) korrigierte gerade seine Absatzprognose für Wärmepumpen nach oben (wir berichteten).

Endenergieverbrauch Umweltwärme

Was den Wärmebedarf betrifft, ist laut der AEE jedoch der Gebäudebestand entscheidend. Hier sieht es demnach so aus: Mehr als die Hälfte
(53,9 Prozent) der Wohngebäude wird immer noch mit fossilem Erdgas als primärer Energieträger beheizt. Bei einem weiteren Viertel kommt fossiles Heizöl zum Einsatz. Erneuerbare Energien decken im Bestand erst 10,2 Prozent des Wärmebedarfs.

  • Gasheizungen: Von den Bundesländern hat Niedersachsen mit knapp 68 Prozent die meisten Gasheizungen am Laufen. Dahinter folgen Nordrhein-Westfalen mit 63,9 Prozent, Hamburg mit 60,7 Prozent und Bremen mit 60,5 Prozent.
  • Ölheizungen: Die meisten Ölheizungen sind in Bayern in Betrieb: 38 Prozent . Es folgen das Saarland, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz – alle mit einem Anteil an Ölheizungen von mehr als 30 Prozent.
  • Fernwärme wird am häufigsten in den Stadtstaaten genutzt. Doch auch in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und in Brandenburg sind der AEE zufolge bereits relativ viele Wohngebäude an ein Wärmenetz angeschlossen.
  • Die höchsten Anteile an Wärmepumpen können Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vorweisen.
  • Holzheizungen sind in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen am weitesten verbreitet.

Anteil der Heizungssysteme in den Bundesländern

Wärmewende in Deutschland: Überblick zu den einzelnen Bundesländern

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg führte als erstes Bundesland ein eigenes Erneuerbare-Wärme-Gesetz, das, anders als das Bundesgesetz, nicht nur den Neubau, sondern auch den Bestand adressiert, und eine verpflichtende Kommunale Wärmeplanung ein. Aber: Trotz dessen heizen die Baden-Württemberger:innen  noch am häufigsten mit Gas und Öl. Zusammen machen Gas- und Ölheizungen 70 Prozent der Heizungssysteme des Bundeslandes aus. Von den Erneuerbaren sind in Baden-Württemberg
mit 9,9 Prozent Holzpellets am weitesten verbreitet. Die Wärmepumpe liegt mit 6,8 Prozent auch über dem bundesweit Durchschnitt.

Bayern

Bei dem landwirtschaftlich geprägten und waldreichen Bundesland spielt die Biomasse in der Wärmeerzeugung eine große Rolle: Im Jahr 2023 deckte sie rund 23,5 Prozent des gesamten bayrischen Wärmebedarfs. Der Anteil von Pelletheizungen ist mit 12,4 Prozent nirgendwo in Deutschland höher als in Bayern. Aber: In Bayern laufen mit einem Anteil von 7,1 Prozent auch die meisten Wärmepumpen. Der wichtigste Wärmelieferant ist aber immer noch das Heizöl.

Berlin

In der deutschen Hauptstadt verfeuert mehr als die Hälfte der Heizungen in Wohngebäuden Gas: 52,4 Prozent. Die Berliner Wärmeversorgung ist zudem von der Fernwärme geprägt (21,0 Prozent). Übrigens hat Berlin der AEE zufolge das größte Wärmenetz Westeuropas. Mit Blick auf die einzelnen Haushalte ist zu sehen, dass Fernwärme mit 43,9 Prozent sogar vor
Erdgas (42,5 Prozent) rankt. Wärmepumpen dagegen sind in den Wohngebäuden mit 3,8 Prozent noch wenig vertreten, Holzpellets
fallen in Berlin kaum ins Gewicht.

Spannend: Die Wahl der Energieträger in Berlin variierte bislang in den Baualtersklassen stark: In Altbauten (erbaut vor 1950) laufen zu zwei Dritteln Gasheizungen. Zwischen 1950 und 1989 wurden die Wohngebäude schwerpunktmäßig an die Fernwärme angeschlossen. Von 1990 bis 2009 dominierte wieder Gas, seit 2010 wieder die Fernwärme.

Brandenburg

Ihre neueren Wohngebäude (errichtet ab dem Jahr 2010) beheizen die Brandenburger:innen bereits zu mehr als einem Fünftel (21,9 Prozent) mit Erneuerbaren.

Im Gesamtbestand dominieren fossiles Erdgas, fossiles Öl und Fernwärme, die zusammen auf rund vier Fünftel (80 Prozent) kommen. Holz und Wärmepumpen decken zusammen knapp 10 Prozent. Außerdem sind in Brandenburg die „Sonstigen“ am stärksten vertreten, darunter Kohleöfen oder Nachtspeicherheizungen.

Bremen

Bei den Bremer:innen sind Wärmepumpen noch am wenigsten verbreitet (2,1 Prozent). Auch bei den Holzpelletheizungen bildet die Hansestadt mit 0,5 Prozent das Schlusslicht. Und auch wenn Fernwärmeanschlüsse im deutschlandweiten Vergleich in Bremen überdurchschnittlich vorhanden sind, steht Bremen unter den Stadtstaaten mit 11,5 Prozent weit hinter Berlin
(21,0 Prozent) und Hamburg (18,6 Prozent). Erdgas- und Ölheizungen machen drei Viertel der Heizungen in Bremen aus.

Hamburg

In Hamburg haben 18,6 Prozent der Wohngebäude einen Fernwärmenetzanschluss. Das sollen aber noch viel mehr werden. Denn mit dem „Zukunftsentscheid“ im Oktober 2025 haben die Hamburger:innen
entschieden, dass bis 2040 alle Gas- und Ölheizungen mit klimafreundlichen Alternativen ersetzt werden sollen, insbesondere mit Fernwärme und Umweltwärme (Wärmepumpen).

Hessen

Hessen hat mit 31,7 Prozent noch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Ölheizungen. Nur Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland haben noch mehr davon am Laufen. Mit seinen Fernwärmeanschlüssen steht Hessen an vorletzter Stelle. Wärmenetze sollen aber eine zentrale Rolle bei der hessischen Wärmewende spielen. Zur Dekarbonisierung setzt Hessen auf einen Mix aus Geothermie, Biomasse, Abwärme (unter anderem aus Rechenzentren), Solarthermie und Wärmepumpen.

Mecklenburg-Vorpommern

Die meisten Wohngebäude in Mecklenburg-Vorpommern werden noch mit fossilem Erdgas beheizt. Ölheizungen sind dagegen wenig verbreitet (15,1 Prozent). Der Anteil von Fernwärme ist mit 14,3 Prozent unter den Flächenländern am höchsten. Das Bundesland will seinen Wärmebedarf von Gebäuden bis zum Jahr 2050 um 30 Prozent senken.

Niedersachsen

Niedersachsen hat den höchsten Anteil an Gasheizungen bundesweit. Fernwärme spielt dagegen noch eine kleine Rolle. Nur in Rheinland-Pfalz und in Hessen ist der Anteil der Fernwärmeanschlüsse noch kleiner als in Niedersachsen. Künftig sollen Wärmenetze eine zentrale Rolle in der Wärmeversorgung von Niedersachsen spielen. Ebenso wie Wärmepumpen.

Nordrhein-Westfalen

Nach Niedersachsen hat Nordrhein-Westfalen den zweithöchsten Anteil an Gasheizungen. Künftig soll die Wärmeversorgung dank Wärmenetzen dezentralisiert werden – mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Geothermie, Abwärme und Großwärmepumpen. Dezentrale Wärmepumpen sollen im Jahr 2045 den größten Anteil des Wärmebedarfs decken.

Rheinland-Pfalz

Das Bundesland hat bislang den kleinsten Anteil an Fernwärmeanschlüssen sowie einen relativen hohen Anteil an Ölheizungen. Wärmepumpen sind überdurchschnittlich weit verbreitet. Zudem sollen kalte Nahwärmenetze künftig eine Schlüsselrolle in der Wärmeversorgung spielen. Zudem setzt die Landesregierung von Rheinland-Pfalz auf die energetische Gebäudesanierung: Die entsprechende Quote soll von heute 0,8 auf 3 Prozent im Jahr wachsen.

Saarland

Das Saarland hat mit 33,1 Prozent nach Bayern den zweithöchsten Anteil an Ölheizungen. Zusätzlich ist der Altersdurchschnitt aller Heizungen mit fast 19 Jahren im bundesweiten Vergleich im Saarland am höchsten. Das heißt: Im Saarland laufen überdurchschnittlich viele veraltete Heizungen, deren Austausch in Bälde ansteht. Während Fernwärmeanschlüsse schon relativ weit verbreitet sind (7,3 Prozent), ist die Zahl der Wohngebäude mit Wärmepumpe im Saarland noch vergleichsweise niedrig (3,9 Prozent). Ihr Augenmerk legen die Saarländer:innen gerade auf Flusswasserwärmepumpen.

Sachsen

In Sachsen laufen in den meisten Wohnungen noch Gas- und Ölheizungen. Fernwärme spielt in den großen Städten eine wichtige Rolle. Unter allen ostdeutschen Bundesländern ist mit 5,9 Prozent hier aber auch die
Wärmepumpe am stärksten vertreten.

Sachsen-Anhalt

Die Gasheizung ist die am weitesten verbreitete Heizung in Sachsen-Anhalt – gefolgt von der Ölheizung und von Fernwärme. Mehr als die Hälfte der Wohngebäude wird mit Erdgas beheizt, etwa ein Fünftel mit Öl und
knapp ein Zehntel mit Fernwärme. Wärmepumpen sind im Bestand noch unterdurchschnittlich vertreten. Im Neubau hat das Bundesland allerdings den höchsten Anteil an Wärmepumpen.

Schleswig-Holstein

In 55 Prozent der schleswig-holsteinischen Wohngebäude arbeiten Gasheizungen. Es folgen Ölheizungen mit 18,9 Prozent und Fernwärmeheizungen mit 12,6 Prozent. Wärmepumpen sind mit 4,4 Prozent noch wenig verbreitet. Wichtig: Das Bundesland hat gemessen an Landesfläche und Bevölkerung mit Abstand die höchste installierte Leistung
an Windenergie. Das ist laut der AEE ein Grund dafür, dass der Ausbau von Wärmepumpen neben der Fernwärme die zentrale Rolle bei der Wärmewende spielen soll.

Thüringen

Thüringen hat unter den ostdeutschen Bundesländern den geringsten Anteil an Gasheizungen (49,1 Prozent) und Fernwärmeanschlüssen (6,9 Prozent). Dafür gibt es viele Ölheizungen (21,7 Prozent). Mit 6,7 Prozent sind aber
auch Holz- und Pelletheizungen stark vertreten.

Der Überblick über die Wärmewende in den einzelnen Bundesländern zeigt, so schreibt die AEE, dass Deutschland bei der Wärmewende immer noch am Anfang steht. Die Möglichkeiten und Potenziale der Bundesländer den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Wärmesektor voranzubringen sind teilweise sehr unterschiedlich, da sie von den geographischen, geologischen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen ab.

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