Effizienz Wärmepumpe im Winter

Wärmepumpe im Winter (2): So arbeitet sie auch bei Kälte effizient!

Veröffentlicht von

Nachdem wir uns in Teil 1 unserer Reihe “Wärmepumpe im Winter” vor allem um die Abtauautomatik bei Vereisung und Schneeeintrieb gekümmert haben, kommen wir jetzt zu Punkten, bei denen ihr als Betreiber:in der Wärmepumpe wirklich Einfluss nehmen könnt:

  • Aufstellort/Luftführung,
  • Umgang mit Schnee und Abtauwasser
  • und realistische Erwartungen an Leistung und Stromverbrauch.

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Marin überzeugt mit ihrer enormen Energieeffizienz und ist in drei Heizleistungen erhältlich. Deshalb gibt's für unsere Wärmepumpe auch den Effizienzbonus. Foto: Paradigma
Unsere Paradigma Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Marin überzeugt mit ihrer enormen Energieeffizienz und ist in drei Heizleistungen erhältlich. Deshalb gibt’s für sie auch den Effizienzbonus. Foto: Paradigma

Das ist zu tun für die Effizienz eurer Wärmepumpe im Winter

Eure Luft-Wasser-Wärmepumpe läuft dann rund, wenn viel Luft ungehindert durch ihren Verdampfer strömen kann. Vereisung ist im Winter zwar normal – aber blockierte Luftwege machen aus normaler Vereisung schnell ein Effizienzproblem. Während eine dünne Vereisung noch recht unkritisch ist, sinkt bei größeren Eismengen die Effizienz der Wärmepumpe deutlich. Das heißt die COP fällt. Und spätestens dann muss die Anlage abtauen.

Freie Luftwege

Achtet darauf, dass die Ansaug- und Ausblasseite der Wärmepumpe nicht eingeschneit sind (Schneeverwehung, Schneewand, zugestellte Gitter). Blockierte Luftwege zählen zu den typischen Ursachen, wenn Abtauung nicht sauber greift.

Haltet am Aufstellort der Wärmepumpe ausreichend Abstand zu Wänden, Hecken oder anderen Objekten, damit die Luft frei zirkulieren kann. Der Mindestabstand zur Hauswand sollte 30 Zentimeter (cm) betragen und das Gerät sollte möglichst frei und offen platziert werden. Denn nur dann kommt es zu einer effizienten Luftzirkulation.

Wenn ihr in einer Schneeregion lebt: Das Aufstellen auf einem Podest kann dabei helfen, dass Schnee und Abtauwasser nicht direkt “im Gerät” arbeiten. Empfohlen wird eine Aufstellhöhe von 20 bis 30 cm über dem üblichen Schneeniveau.

Merkt euch: Nicht das Eis an sich ist das Effizienzproblem bei einer vereisten Wärmepumpe, sondern das Eis und zugleich der schlechte Luftdurchsatz.

Freier Abtauwasserlauf

Beim Abtauen entsteht Wasser – und das muss weg. Sonst bildet sich unter dem Gerät ein Eisblock, der wiederum Luftweg, Kondensatablauf und Standfestigkeit der Wärmepumpe verschlechtert.

Reif und Eis setzt sich bei einer Wärmepumpe im Winter häufig an den Lamellen vom Verdampfer ab. Dort wird automatisch abgetaut, wobei das anfallende Wasser über den Kondensatablauf abläuft und beispielsweise in einem Kiesbett versickert. Die Energie fürs Abtauen wird dem Heiznetz entnommen.

Praktischer Check

  • Tropft beim Abtauen Wasser ab?
  • Kann das Abtauwasser frei ablaufen und bestenfalls versickern – oder friert es zu einem “Eisberg” am Geräte- beziehungsweise Fundamentsockel fest? Bilden sich wiederholt Eisberge, ist das ein Hinweis darauf, dass ihr den Untergrund, die Entwässerung, die Aufstellung prüfen lasst (das ist kein „Kosmetikproblem“, sondern beeinflusst Betrieb und Effizienz der Wärmepumpe).

Leistung und Effizienz eurer Wärmepumpe im Winter: Womit ihr rechnen könnt

Dass Wärmepumpen bei Kälte weniger effizient sind, ist weder ein Geheimnis noch spricht es gegen deren Einsatz. Entscheidend ist, dass ihr die Stellschrauben versteht, die ihr beeinflussen könnt.

Leistung im Winter

Wenn mehr Eis am Verdampfer liegt und der Luftdurchsatz sinkt, fällt der COP spürbar – deshalb muss rechtzeitig abgetaut werden.

Was ihr daraus ableiten könnt: Im Winter ist ein sinkender COP normal, aber ihr könnt viel über niedrige Vorlauftemperaturen und eine passend eingestellte Heizkurve retten.

Abtauungen sind bei nasskaltem Winterwetter häufiger: Statt der typischen  2 bis 8 Abtauungen pro Tag sind es bei 0 bis 5 Grad Celsius (°C) und zugleich hoher Luftfeuchte teils bis zu 10 Abtauungen täglich.

Stromverbrauch im Winter

Dass der Stromverbrauch der Wärmepumpe im Winter deutlich höher ist, liegt auf der Hand: Ihr heizt mehr und die regelmäßigen Abtauungen kommen noch stromverbrauchend hinzu. Wichtig ist, dass ihr euch nicht von einzelnen Tagen mit hohem Stromverbrauch verrückt machen lasst, sondern die Vorteile der Wärmepumpe als erneuerbarer Wärmeerzeuger insgesamt bewertet.

Die Verbraucherzentrale schreibt, dass ihr mit vergünstigtem Wärmepumpenstrom Kosten senken könnt. Beim Verbrauch kommt es außerdem stark auf den Gebäudezustand und die Wärmepumpe selbst an. Zudem sind demnach die Wartungskosten bei Wärmepumpen moderat: typischerweise zwischen 150 und 300 Euro jährlich.

Im Internet finden sich beispielsweise Angaben zum Stromverbrauch von Wärmepumpen in den Winter-Spitzenmonaten Januar und Februar, die bei 800 bis 1.000 Kilowattstunden (kWh) pro Monat liegen. Auch mit 25 kWh pro Tag von November bis Februar wird im Internet gerechnet.

Praxis-Tipp

Ihr wollt selbst rechnen, wie viel Strom eure Wärmepumpe im Winter verbraucht?

Dann notiert euch ein Mal pro Woche den Zählerstand oder entsprechenden App-Wert plus die jeweilige Außentemperatur. Haltet zudem fest, ob viel Schnee lag, viel Wind wehte oder euch besonders viel Abtaudampf bei eurer Wärmepumpe aufgefallen ist.

Wenn ihr an der Heizkurve dreht: Nehmt nur jeweils eine Änderung vor und beobachtet dann über drei Tage bis eine Woche lang die Wirkung eurer Änderungsmaßnahme bezüglich Wohnbehaglichkeit und Stromverbrauch.

Mit welcher Leistung/Effizienz ihr bei eurer Wärmepumpe im Winter rechnen könnt

  • Im Frost sinkt die Effizienz der Luftwärmepumpe deutlich: Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen liegt der COP-Wert an kalten Wintertagen (beispielsweise um minus 7 °C) bei gut ausgelegten Anlagen mit niedrigen Vorlauftemperaturen häufig grob bei 2,7 bis 3,0 – an milden Tagen ist er deutlich höher.
  • Ein hochtemperierter Vorlauf kostet im Winter Effizienz: Wenn eure Anlage im Winter 55 °C Vorlauf braucht, sind eher COP-Werte um 2 als um 3 realistisch.
  • Abtauen kostet messbar Effizienz: Allein infolge von Abtauvorgängen kann die Winter-Effizienz grob 8 bis 15 Prozent niedriger ausfallen.
  • So viel ist “normal“ in der Praxis: Feldmessungen zeigen für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand übers Jahr häufig (Jahresarbeitszahlen ( JAZ) von etwa 3,4 im Mittel (Bandbreite 2,6 bis 4,9). In echten Frostphasen liegt euer Gerät typischerweise unter dem Jahreswert.

Merkt euch: Winterbetrieb ist effizienztechnisch nicht „schlecht“, sondern einfach anspruchsvoller – je niedriger der Vorlauf und je freier der Luftweg, desto näher bleibt die Wärmepumpe an den guten Werten.

Wissenswertes zur Wartung eurer Wärmepumpe

Damit eure Wärmepumpe euch im Winter ordentlich einheizen kann, solltet ihr ihre Wartung das ganze Jahr über sehr ernst nehmen.

Wann der beste Zeitpunkt zum Warten der Wärmepumpe ist

Für die eigentliche Wartung eurer Wärmepumpe sind der Spätsommer und Herbst oft sinnvoll, damit die Anlage in der Heizsaison stabil läuft.

Ein sogenannter Vollwartungsvertrag kann praktisch sein, sollte aber zu euch passen. Es kommt darauf an, welche Dienstleistungen er umfasst, unter anderem welche Reaktionszeiten und Ersatz welcher Verschleißteile. Prüft also unbedingt die Wartungsverträge bevor ihr sie unterschreibt.

Wann der Fachbetrieb im Winter wirklich nötig ist

Euren Fachbetrieb solltet ihr um Hilfe rufen, wenn:

  • die Wärmepumpe eine starke Vereisung aufweist, die nicht normal abtaut
  • wiederkehrende Störungen und Fehlercodes auftreten
  • auffällige, neue Geräusche (Lüfter schleift, metallisch) zu hören sind
  • sich deutliche Komfortprobleme zeigen (Beispiel: euer Haus wird nicht warm,)
  • sich  ein “Eisberg“ aus Abtauwasser bildet, der immer wieder kommt
Paradigma Wärmepumpe WP Aero Calima Sockel
Hier seht ihr unsere Paradigma Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Calima aufgesockelt. Das dient nicht nur der stabilen Aufstellung. Im Winter kann das in Schneeregionen auch helfen, das Gerät vor Schneeeintrag zu schützen und den Ablauf des Abtauwassers sicher zu stellen. Foto: Paradigma

FAQ: Die 5 wichtigsten Fragen zu Wärmepumpen im effizienten Winterbetrieb

Wie oft darf eine Wärmepumpe im Winter abtauen?

Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen ist das Abtauen ein normaler Winterprozess. Als Richtwert könnt ihr 2 bis 8 Abtauvorgänge pro Tag nehmen, in feucht-mildem Wetter um 0 bis 5 °C teils auch mehr (bis etwa 10). Wichtiger als die exakte Zahl ist: Die Anlage taut zuverlässig ab und läuft danach stabil weiter.

Ist der “Dampf“ beim Abtauen gefährlich?

In der Regel nicht. Was ihr seht, ist meist Wasserdampf beziehungsweise Nebel, der beim Abtauen der Vereisung am Verdampfer entsteht und in kalter Luft sofort sichtbar wird. Gefährlich wird es, wenn das “Abgas” ungewöhnlich riecht, dauerhaft auftritt oder mit Störmeldungen verbunden ist – dann ruft unbedingt euren Fachbetrieb zuhilfe.

Muss ich Eis an der Wärmepumpe (Außengerät) entfernen?

In den meisten Fällen gilt: nein. Eine Vereisung der Wärmepumpe im Winter ist grundsätzlich normal – das Abtauen läuft automatisch. Ihr solltet das Gerät nicht ausschalten und zunächst nur beobachten, ob die Anlage selbst abtaut – anstatt das Eis gewaltsam zu entfernen. Wichtig ist: Luftwege frei zu halten und dafür zu sorgen, dass das Abtauwasser ablaufen und bestenfalls versickern kann.

Was bringt im “Wärmepumpenwinter” am meisten für Effizienz und Komfort?

Zwei Dinge haben sich in der Praxis bewährt:

  1. freie Luftzufuhr (keine Schneeblockade, keine ungünstige Rückströmung)
  2. möglichst niedrige Vorlauftemperaturen dank passender Heizkurve beziehungsweise Heizflächen, damit die Wärmepumpe nicht „gegen hohe Temperaturen“ arbeiten muss.

Wichtig: Änderungen technischer Parameter immer schrittweise testen, nicht die Regelung wild „hoch und runter“ drehen.

Wann sollte ich eine Wärmepumpenwartung machen lassen – und was kostet das?

Eine Fachwartung ist sinnvoll, um die Effizienz und Betriebssicherheit eurer Wärmepumpe zu sichern. Viele Haushalte mit Wärmepumpe liegen bei einem Rhythmus von jährlich bis alle zwei Jahre (abhängig von Anlage und Bedingungen). Als Richtwert für Wartungskosten nennt die Verbraucherzentrale 150 bis 300 Euro pro Jahr. Am besten plant ihr die Wartung nicht mitten im Winter, sondern vor der Heizsaison.

Fazit: Reif am Verdampfer, kurze Dampfphasen und typische Umschaltgeräusche sind bei Luft-Wasser-Wärmepumpen oft schlicht normaler Winterbetrieb. Entscheidend für einen effizienten Betrieb im Winter ist, dass ihr zwei Dinge im Blick behaltet:

  1. Luftwege frei – keine Schneeverwehung, keine blockierte Zu-/Abluft, kein „Eisberg“ aufgrund stehenden Abtauwassers.
  2. Abtauung funktioniert – Eis verschwindet regelmäßig, die Anlage läuft danach stabil.

Wenn ihr zusätzlich euren Verbrauch im Winter grob dokumentiert und Einstellungen nur schrittweise verändert, seid ihr sehr schnell nicht mehr „unsicher“, sondern handlungsfähig. Und wenn dicke Vereisung wiederkehrt, Störungen auftreten oder Geräusche wirklich auffällig werden, ist das kein Grund zur Panik – sondern ein klarer Grund, für den Einsatz eines Fachbetriebs.

Fotos: VRD – Adobe.Stock.com, Paradigma