Paradigma Luftwärmepumpe WP Aero Calima

Experteninterview (3) – Ihr fragt, wir antworten: Wie viel Geräusche macht eine Wärmepumpe?

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Weiter geht’s mit unserer Experteninterview-Reihe “Ihr fragt, wir antworten”. Jochen Zimmermann, unser Wärmepumpenexperte, widmet sich heute der Frage nach den Geräuschen, die Wärmepumpen machen. Was ihr zum Wärmepumpengeräusch wissen müsst, lest ihr hier.

Paradigma Wärmepumpe WP Aero Calima Sockel
Unsere Paradigma Wärmepumpe WP Aero Calima – hier auf Sockeln – läuft mit 42 dB(A) bis 50 dB(A) sehr leise im Betrieb. Foto: Paradigma

Was sollte man zum Wärmepumpengeräusch wissen?

Jochen Zimmermann: Die Geräuschkulisse, die eine Wärmepumpe macht, hängen indirekt auch mit der schon von mir beantworteten Frage “Was kostet eine Wärmepumpe?” zusammen. Denn es ist tatsächlich so, dass die preisgünstigeren Wärmepumpen auch die etwas ‘lauteren’ sind, weil bei ihnen an irgendwelchen Ecken etwas eingespart wird. Ohne diese Einsparungen kommt eben auch kein günstiger Preis zustande. Ich vergleiche das immer gern mit einem Auto: Wenn ich ein billiges Modell fahre, dann muss ich halt Vieles in Kauf nehmen. Und wenn ich mehr Drumrum möchte, wird das Auto etwas teurer.

“Preisgünstigere Wärmepumpen sind meist auch lauter als die teureren Modelle.”

Bei Wärmepumpen muss man auf zwei Dinge achten:

  • auf die Geräuschentwicklung
  • und auf die Größe des Verdampfers.

Das heißt, dieses Bauteil, mit dessen Hilfe die Wärme aus der Luft gezogen wird, braucht eine bestimmte Größe – und die hat ihren Preis. Wärmepumpen aus unserem Haus Ritter Energie beispielsweise liegen im mittleren und im höheren Preissegment. Weil die eben von der Ausstattung her unter anderem auch größere Verdampferflächen haben und dadurch effizienter sind als Modelle mit kleineren Verdampferflächen.

Das hat übrigens auch noch andere Auswirkungen: Im Winter vereisen die Luftwärmepumpen hinten dran und gehen dann automatisch in die Abtauung. Günstigere Wärmepumpen vereisen meist sehr stark und tauen bis zu achtmal öfters ab als Wärmepumpen mit größeren Verdampferflächen.

Die Wärmepumpen mit den größeren Verdampfern kosten in der Regel auch 3.000 bis 4.000 Euro mehr. Wenn man jetzt aber am Anfang nur den Anschaffungspreis im Fokus hat, dann wird man irgendwann ein Problem haben, weil man die Wärmepumpe zwar  günstig einkauft, aber das sich nach hinten raus über die Stromkosten rächt.

Das spricht dafür, dass man bei der Kaufentscheidung immer das Ganze betrachten muss. Und das fängt schon damit an, dass man sich mit dem jeweiligen Angebot auseinandersetzt. Übrigens auch mit dem Angebot vom Heizungsbaubetrieb oder im Mietmodell mit dem Angebot von der:m Vermieter:in oder dem der:m Stromanbieter:in. Ich rate dazu, die Angebote sehr genau zu betrachten, weil dort immer viel weggelassen wird, damit es erstmal günstig ist. Da sind zum Teil keine Fundamente drin oder sowas. Die Kosten kommen dann noch oben drauf und deshalb ist es wichtig, das zu prüfen.

Grundsätzlich würde ich auch immer eher zu einem örtlichen Heizungsfachbetrieb gehen. Denn der ist auf seinen Ruf bedacht und legt darauf wert, dass die von ihm verkaufte und installierte Wärmepumpe einwandfrei funktioniert. Das ist etwas ganz anderes, als wenn ein Heizungsfachbetrieb von was weiß ich woher kommt, um mir die Wärmepumpe einzubauen. Dann liest man nachher in den Netzen: ‘War zwar günstig, aber null Service…’ Das holt eine:n dann ganz, ganz schnell ein. Also: Der Preis ist zwar wichtig, aber er darf am Ende nicht ausschlaggebend sein.

Doch zurück zum Wärmepumpengeräusch: Es ist so, dass die modernen Wärmepumpen heute relativ leise sind. Man hatte früher das Problem, dass in der Abtauphase vom Lüfter Luft durch den Verdampfer gedrückt würde, was ordentlich Geräusche machte. Die meisten Hersteller:innen verzichten heute darauf und setzen stattdessen auf  Schwerkraft. Das heißt, der Verdampfer wird etwas wärmer gemacht. Und damit ‘raucht’ die Wärmepumpe immer beim Abtauen und die Nachbar:innen sagen, die ‘brennt’, aber das ist nur Wasserdampf. Mit dem Abschalten des Lüfters ist das Wärmepumpengeräusch komplett weg.

In der Regel sind bei den höherwertigen Wärmepumpen auch die
Verdichter fünffach gelagert. Das ist wie beim Auto: Wenn ich einen Motor habe, der sich dreht, macht er Krach. Je besser er gekapselt ist, desto besser ist die Geräuschabschirmung. Beim Einbau von Wärmepumpen erlebe ich immer wieder, dass die Besitzer:innen so nebendran stehen, und mich fragen, wann die denn nun startet. Doch die Lämpchen leuchten schon – das heißt, die Wärmepumpe läuft schon die ganze Zeit, man hört kaum … Und ganz ehrlich, oft sind die Geräusche, die so um die Häuser herum zu hören sind, meistens lauter als die Betriebsgeräusche der Wärmepumpe.

Wir haben zum Beispiel immer wieder das Problem, dass wir Schallmessungen bei Wärmepumpen machen sollen. Die kann man aber fast nicht machen, weil die Straße, die 100 Meter weg ist, lauter ist als die Wärmepumpe selbst.

WP-Aero-Calima_Paradigma_außen
Unsere Paradigma Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Calima ist in Monoblockbauweise gebaut. Das sorgt für eine schnelle, einfache Installation.  Außerdem benötigt sie somit weniger als 0,6 m2 Platz. Foto: Paradigma

Man liest auch ab und zu, dass manche mit nur ein paar Metern Entfernung zum Nachbarhaus wohnen und dann steht bei den Nachbar:innen neuerdings eine Wärmepumpe vor der Hauswand. Und wenn diese Menschen das Schlafzimmerfenster zur Wärmepumpe hin öffnen, können sie nachts nicht mehr die Ruhe finden, die sie hatten, bevor die Nachbar:innen auf die Wärmepumpe umgestiegen sind. Das Problem ist meist nicht, dass die Wärmepumpe so ‘laut’ ist. Vielmehr ist es so, dass Geräusche, die im sogenannten Brummbereich, als um die 200 Hertz liegen, sich grundsätzlich sehr weit übertragen und für das menschliche Ohr etwas unangenehm sind. Und wenn man dann auf dem Kopfkissen liegt und sich Ruhe wünscht, dann stört einen das leiseste Geräusch, zum Beispiel auch die Heizkreispumpe, die unten im eigenen Keller läuft.

Da hat man dann nur zwei Möglichkeiten:

  1. Entweder man gewöhnt sich an das Wärmepumpengeräusch. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier. Das heißt, dieses Geräusch verschwindet tatsächlich irgendwann aus der eigenen Wahrnehmung.
  2. Oder man steigert sich da hinein und fokussiert sich auf das Wärmepumpengeräusch – und dann wird es nur noch schlimmer.

Das ist aber wohl eher eine Kopfsache. Die modernen Wärmepumpen unterliegen heute strengen Vorschriften: Die dürfen eine bestimmte Dezibelzahl nicht überschreiten. Zum Beispiel gilt am Schlafzimmerfenster der Höchstwert 20 dB, gemessen direkt an der Scheibe.

“Moderne Wärmepumpen unterliegen strengen Vorschriften – die dürfen einen bestimmten Geräuschpegel nicht überschreiten.”

Das Problem ist, wenn jetzt hier ein:e Gutachter:in kommt und tatsächlich einen Wert unter 20 dB misst, ist das zwar vorschriftsgemäß. Doch man hat trotzdem das Problem, dass es brummt. Das heißt, ich muss bei der Auswahl des Aufstellorts für die Wärmepumpe eben auch gucken, dass die nicht
direkt unterm Schlafzimmerfenster landet.

Wir hatten früher tatsächlich immer wieder Reklamationen, wo die Kund:innen sich beschwert haben, das die Wärmepumpe zu laut sei. Dabei hatte die:der Installateur:in die Wärmepumpe noch gar nicht in Betrieb genommen! Da hat sich nur das Lüfterrad im Wind gedreht…

Aber im Großen und Ganzen sind die heutigen Wärmepumpen so leise, dass das Wärmepumpengeräusch gar nicht mehr so das Thema ist.

Wenn man als Servicetechniker:in unterwegs ist oder im Service arbeitet, weiß man: Ich werde gerufen, wenn die Kund:innen ein Problem haben. So bekommen die Servicemitarbeitenden natürlich den Eindruck, es gäbe nur Probleme, doch die, die kein Problem haben, die rufen auch nicht an. Das heißt, ich muss das dann schon ins Verhältnis setzen.

Damit wisst ihr eine Menge mehr zum Thema Wärmepumpengeräusch.

Fotos: Paradigma