Die Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Marin überzeugt mit ihrer enormen Energieeffizienz und ist in drei Heizleistungen erhältlich. Deshalb gibt's für unsere Wärmepumpe auch den Effizienzbonus. Foto: Paradigma

Experteninterview (4) – Ihr fragt, wir antworten: Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?

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In unserer Experteninterview-Reihe “Ihr fragt, wir antworten” folgt heute eine weitere Frage zu Wärmepumpen, die unser Wärmepumpenexperte Jochen Zimmermann beantwortet. Viele von euch stellten die Frage: Funktioniert eine Wärmepumpe in meinem Haus überhaupt, auch wenn ich in einem Altbau wohne?

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Unsere Paradigma Luftwärmepumpe WP Aero Marin überzeugt mit ihrer enormen Energieeffizienz und ist in drei Heizleistungen erhältlich. Foto: Paradigma

Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?

Jochen Zimmermann: Ich kann heute mit jeder Wärmepumpe Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad Celsius erzielen. Das heißt, ich kann jedes Gebäude damit heizen.

Aber: Ich muss mein Heizverhalten ändern. Denn der Knackpunkt ist nicht die Frage, ob ich das Gebäude mit einer Wärmepumpe überhaupt beheizen kann, sondern, dass die Wärmepumpe sehr träge ist.

Ich kann mit ihr nicht schlagartig hochheizen. Das heißt, die Wärmepumpe arbeitet immer auf einem gleichbleibenden Level. Man macht bei Wärmepumpen heute zum Beispiel fast keine Tag-Nacht-Absenkung mehr – und wenn, dann nur ganz wenig. Weil es günstiger ist, die Temperatur gleichmäßig zu halten. Wobei Temperatur ja für den Menschen immer etwas Gefühltes ist, nie etwas Gemessenes.

Ich sage immer: Man muss sich mit seiner:m Partner:in auf die Wohlfühltemperatur im Raum einigen, Frauen haben schließlich ein anderes Temperaturempfinden als Männer – ein ‘Streitgespräch’ ist da immer schon vorprogrammiert… Und dann muss man sich bei einer Wärmepumpenheizung dran gewöhnen, dass die Heizkörper eben nicht mehr ganz so heiß werden, wie es vorher bei einer Ölheizung oder Gasheizung war, sondern dass sie sich eher der Raumtemperatur angleichen. Das Heizwasser strömt da mit 30, 40 Grad Celsius in den Heizkörper ein und das reicht dann aber auch, wenn ich dementsprechend gleichmäßig heize.

Ich probiere immer alles selber aus. Ich habe ein Gebäude aus dem Jahr 1592 mit Wänden, die sind ein 1,2 Meter dick, und ich habe eine Wärmepumpe mit 12 Kilowatt (kW) Leistung für 160 Quadratmeter. Das funktioniert alles super, wenn ich früh genug anfange, zu heizen. Denn diese dicken Wände und Wandflächen, wenn die Energie verlieren, dann brauche ich ungefähr vier bis sechs Wochen, um die Energie wieder ins Gebäude reinzubringen, damit ich die Wärme wieder hochkriege. Das heißt, wenn ich mich zu einer Wärmepumpe als Heizung entschließe, muss ich mich auch damit auseinandersetzen, wie ich damit heize.

Und da muss man sich gedulden, denn das geht immer so zwischen zwei, drei Monaten, wo man sich so ein wenig einfinden muss, bis sich der Körper auch daran gewöhnt hat, dass jetzt ein anderes Raumklima herrscht. Wobei das Raumklima bei Wärmepumpen tatsächlich gesünder ist als dieses ständige Hochheizen auf diese hohen Temperaturen. Weil wir biologisch nicht auf hohe Temperaturen ausgelegt sind. Die Wohlfühltemperatur für den normalen Menschen liegt irgendwo zwischen 20 und 24 Grad Celsius. Jede:r kennt das, die:der mal auf einer Hütte war: Da hatte man dann mit dem Holzofen geheizt und musste dann die Fenster aufmachen, damit es wieder kühler wurde im Raum. Das hat man mit Wärmepumpen nicht. Damit hat man keine überheizten Räume mehr als solche.

Aber wie gesagt, meine Antwort zur Frage oben lautet: Es gibt aus meiner Sicht kein Gebäude mehr, das ich nicht mit einer Wärmepumpe beheizen kann.

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Unsere Paradigma Luftwärmepumpe WP Aero Calima ist ein Gerät der Spitzenklasse in Sachen Effizienz: Mit A+++ und einer Jahresarbeitszahl (JAZ) zwischen 5,68 und 6,08 zählt sie zu den effizientesten Wärmepumpen am Markt. Foto: Paradigma

Kann man die Wärmepumpe mit alten Heizkörpern nutzen oder braucht man eine Fußboden- oder Wandheizung (Flächenheizung)?

Das ist im Prinzip so, als wenn ich ein neues Auto kaufe und dann meine abgefahrenen Reifen vom alten draufmache. Ich muss mir schon überlegen, wenn ich jetzt hergehe an die Sanierung, dass ich das Ganze anschaue oder von Fachleuten anschauen lasse. Es sind nicht alle Heizkörper für Wärmepumpen geeignet, gerade so ganz alte Gussheizkörper muss ich dann schon austauschen. Es ist ja immer die Frage mit Einrohrsystemen, wo ich eine relativ hohe Vorlauftemperatur habe und jeden Heizkörper in Reihe anfahre, … aber auch das funktioniert.

Aber man muss die Heizung überprüfen und dementsprechend auch, was ganz wichtig ist und was heute auch bei den Zuschüssen verlangt wird, den hydraulischen Abgleich machen. Und dadurch ergibt sich schon, dass ich die Heizkörper prüfen und dementsprechend anpassen muss. Also, es kann sein, dass man den Heizkörper dann austauschen muss. Das ist aber nicht ganz so tragisch, weil das ja auch in der Summe mit drin ist, die bezuschusst wird. Oder man muss die Ventile mit austauschen und so weiter.

Es ist auch nicht so, dass eine Fußbodenheizung immer optimaler ist. In den 1970er- und 1980er-Jahren verlegte man Fußbodenheizungen beispielsweise mit viel größeren Abständen als heute. Und deswegen brauche ich auch damit viel höhere Vorlauftemperaturen. Aber das ist, wie gesagt, für die Wärmepumpe keine Schwierigkeit. Es gibt Wärmepumpen, sogenannte Hochtemperaturgeräte, die können bis 85 Grad Celsius hochheizen. In der Regel kommen die Modelle, die mit dem Kältemittel R 290 arbeiten, auf 68 bis 70 Grad Celsius. Wobei man für die Effizienz nicht über 60 Grad gehen sollte.

Ist Wärmepumpenwärme eigentlich genauso angenehm wie Wärme, die aus einem Verfeuerungsprozess stammt?

Der Anspruch an Wärme ist doch, dass es einem besser geht, wenn man von draußen aus der Kälte reinkommt. Und das erreiche ich mit der Wärmepumpe. Die meisten, die ich kenne, die inzwischen mehrere Jahre eine Wärmepumpe haben, die sind eigentlich sehr zufrieden mit den Temperaturen. Und wer dann doch noch ein Feuer und Flammen braucht, hat immer noch die Möglichkeit, sich einen Schwedenofen ins Wohnzimmer zu stellen.

Wie steht’s um die Effizienz der Wärmepumpe im Altbau?

Eine Wärmepumpe ist eine Wärmepumpe. Jede:r Hersteller:in kann die nur gleich machen. Das ist wie beim Auto. Das hat Räder, ein Lenkrad, einen Antrieb. Und deshalb werden Autos immer ungefähr gleich aussehen. Bei der Wärmepumpe ist es ähnlich: Eine Wärmepumpe besteht immer aus vier Bauteilen:

  1. aus dem Verdampfer,
  2. aus dem Kondensator,
  3. aus dem Verdichter
  4. und aus einem Expansionsventil.

Und diese Bauteile können besser oder schlechter verarbeitet sein, was sich etwas im Preis niederschlägt. Aber das Know-how, das steckt im Regelsystem. Je besser eine Wärmepumpe geregelt ist und je besser sie regeln kann, desto günstiger und effizienter läuft sie.

Und hier sollte man auch darauf achten, dass man entsprechende Regelsysteme verwendet. Denn die Regelung ist auch entscheidend für das reibungslose Zusammenspiel zwischen einer PV-Anlage und der Wärmepumpe. Aus der Praxis wissen wir, dass zu 90 Prozent immer die Wärmepumpe falsch eingestellt wird, weil man falsche Ansichten hat und/oder an den falschen Stellschrauben dreht.

Ich empfehle jeder:m, die:der eine neue Wärmepumpe hat, nach ungefähr einem Vierteljahr noch einmal mit dem Heizungsfachbetrieb dort rüber zu gehen und die Anlage etwas zu optimieren. Denn, wenn man die Anlage tauscht, kann man sie nicht in den ersten zwei Wochen optimal auf das Gebäude einstellen. Da gibt es dann zum Beispiel so signifikante Kund:innenpunkte, wenn man zum Beispiel die Warmwasserladung morgens um 4 Uhr macht, was bei der Gas- oder Ölheizung völlig egal war.

Aber wenn ich jetzt mit Überschussregelung arbeite, egal, ob jetzt mit PV-Strom oder Solarthermie, dann hat ja die Wärmepumpe mit Strom aus dem Netz, den man sich gekauft hat, die Anlage schon hochgeheizt, sonst bleibt nichts mehr übrig für den Überschuss.

Das heißt, ich muss dann wissen, wo ich was einstelle. Und heute gibt es sehr viele intelligente Systeme, die das können. Wir bieten hier von Ritter Energie dementsprechende Produkte dafür an, um das miteinander zu verbinden. Und erst dann sieht man die beste Effizienz. Ist die Wärmepumpe zum Beispiel zu viel in der Warmwasserbereitung, braucht die ungefähr 70 Prozent mehr Strom, als wenn sie in der Heizung ist.

Das heißt aber auch, und das ist ein Vorteil, wenn ich das ganze Projekt mit meinem lokalen Heizungsbaubetrieb aufziehe, dass ich mit diesem einen Plan abspreche, nach einem Vierteljahr noch mal zu schauen. Denn der örtliche Handwerksbetrieb lebt von der Mundpropaganda und die überörtlichen von Social Media. Aber heute ist es doch so, dass die Mund-zu-Mund-Propaganda immer noch die bessere Werbegeschichte ist für den örtlichen Handwerksbetrieb. Deswegen hat der ein ganz anderes Interesse daran, dass zu machen, als irgendein:e Anbieter:in, die:der in Berlin, Hamburg oder sonst wo sitzt. Die:den interessieren Kund:innen, die irgendwo ganz unten im Süden sitzen, nicht so wirklich.

Foto: Paradigma