Was kostet die Biotreppe?

Neue Studie: Was kostet die Biotreppe?

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Was die Biotreppe ist, haben wir euch hier erklärt. Wie versprochen wird es heute konkret: Was bedeutet die  Biotreppe für euer Portemonnaie – und zwar nicht heute, sondern über die gesamte Laufzeit einer neuen Heizung? 

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat genau das gerade durchgerechnet: im Auftrag der MVV Energie AG, unabhängig und methodisch sauber. Die Kurzstudie “Kurzstudie: Vergleich der Wärmeversorgung: Die ‘Bio-Treppe’ im Gebäudemodernisierungsgesetz”, die hier als 29-seitige PDF-Datei zum kostenlosen Download bereitsteht, vergleicht drei Heiztechnologien über 20 Jahre:

  1. einen Gasbrennwertkessel mit Biotreppe,
  2. eine Luft-Wasser-Wärmepumpe
  3. und einen Fernwärmeanschluss.

Zwei Beispielgebäude dienen als Grundlage:

  • ein typisches Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche
  • und ein Mehrfamilienhaus mit 12 Wohneinheiten.

Fraunhofer-Studie: Was kostet die Biotreppe?

Das Ergebnis der Fraunhofer-ISE-Studie ist eindeutig:

Wer heute eine neue Gasheizung einbaut und damit in die Biotreppe einsteigt, zahlt über den Lebenszyklus der Heizung in der Regel mehr als jemand, die:der auf eine Wärmepumpe oder Fernwärme setzt.

  • Für das Einfamilienhaus errechnen die Forscher Jahresgesamtkosten, also Investition, Betrieb und Energie zusammen, von 43 bis 59 Euro je Quadratmeter (m2) Wohnfläche für die Gasheizung mit Biotreppe.
  • Die Wärmepumpe kommt auf 27 bis 37 Euro,
  • die Fernwärme auf 35 bis 48 Euro.

Die Bandbreite erklärt sich aus zwei Szenarien: einem Szenario mit moderaten und einem mit stark steigenden Energiepreisen.

Über 20 Jahre summiert sich der Unterschied auf bis zu 49.000 Euro beim Einfamilienhaus.

Biotreppe-Kosten: Warum die Gasheizung nur auf den ersten Blick verlockend wirkt

Die Gasheizung ist in der Anschaffung günstiger als eine Wärmepumpe.

  • Ein Gasbrennwertkessel für ein Einfamilienhaus kostet laut der Studie zwischen 11.400 und 20.400 Euro brutto,
  • während die Studie die Anschaffungskosten für eine Wärmepumpe auf 28.500 bis 42.800 Euro beziffert.

Wer also nur auf den Kaufpreis schaut, greift wohl eher zur Gasheizung.

Das Problem mit der Biotreppe liegt jedoch nicht in der Heizung selbst, sondern in dem, was ab dem Jahr 2029 durch die Brennstoffleitung fließt: Biomethan ist teurer als fossiles Erdgas.

Die Fraunhofer-Studie rechnet mit einem Aufschlag von rund 3 bis 5 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh), der mit jeder Biotreppenstufe größer wird. Was heute günstig erscheint, kann sich über die 20 Jahre Laufzeit einer Heizung erheblich verteuern.

Das Kostenrisiko Netzentgelte

Neben dem Brennstoffpreis lauert ein zweites Kostenrisiko in der Zukunft, das im öffentlichen Diskurs kaum vorkommt: die Gasnetzentgelte.

Was sind Gasnetzentgelte?

Das Gasnetz, also alle Leitungen, Druckregler, Mess- und Regelstationen, die das Gas von den Versorger:innen bis in euren Heizungskeller transportieren, muss gebaut, gewartet und betrieben werden. Diese Kosten trägt nicht der Staat, sondern die Nutzer:innen des Netzes: Sie zahlen die Netzentgelte als festen Bestandteil ihres Gaspreises, meist ohne es auf der Rechnung bewusst wahrzunehmen. Netzentgelte machen heute je nach Region rund 2 bis 3 ct/kWh aus – ein Anteil, der auf den ersten Blick zwar klein wirkt, sich über eine Heizperiode aber zu einem spürbaren Kostenfaktor summiert.

Das Gasnetz ist eine teure Infrastruktur: Leitungen, Wartung, Betrieb. Diese Kosten werden auf alle Kund:innen verteilt, die das Netz nutzen.

Wenn nun immer mehr Haushalte von Heizgas auf Wärmepumpen oder Fernwärme umsteigen, müssen die verbleibenden Gaskunden dieselben Netzkosten schultern, gleichwohl ihr Zahl schwindet. Die Netzentgelte für die Einzelnen steigen dann, selbst, wenn der Gaspreis stabil bleibt.

Die Fraunhofer-Studie modelliert diesen Effekt im hohen Szenario: Die Gasnetzentgelte könnten von heute rund 2,2 ct/kWh auf bis zu 8 Cent im Jahr 2045 steigen. Das heißt: Wer jetzt eine Gasheizung einbaut, rechnet damit, dass genug andere Haushalte im Gasnetz bleiben. Ob diese Rechnung aufgeht, ist alles andere als sicher.

Was passiert, wenn ihr die Biotreppe-Kosten ignoriert?

Die Forscher vom Fraunhofer ISE haben auch das durchgerechnet: Wenn man annimmt, dass alle Energiepreise konstant bleiben, also

  • keine Biotreppe-Verteuerung,
  • keine steigenden Netzentgelte,
  • keine CO2-Preisentwicklung,

rücken die Technologien deutlich zusammen.

Das Einfamilienhaus kommt dann

  • mit der Gasheizung auf 35 bis 40 Euro je Quadratmeter,
  • mit Wärmepumpe und Fernwärme auf 26 bis 34 Euro.

Der Unterschied schrumpft, aber er verschwindet nicht. Und wer von stabilen Energiepreisen ausgeht, blendet genau das aus, was die Energiewende zwangsläufig mit sich bringt: steigende Kosten für fossile und knappe grüne Brennstoffe, und sinkende Kosten für Wärme und Strom aus erneuerbaren Quellen.

Was die Biotreppe-Kosten für eure Heizungswahl heute bedeuten

Niemand kann die Energiepreise der nächsten 20 Jahre verlässlich vorhersagen. Genau das ist der Kern der Botschaft:

Die Gasheizung mit Biotreppe ist keine stabile, planbare Wahl — sie ist eine Rechnung mit Brennstoffpreisen, Netzentgelten und politischen Rahmenbedingungen, die sich alle in dieselbe Richtung entwickeln könnten.

Die Fraunhofer-Studie zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Eine unabhängige Beratung vor dem Heizungstausch ist sinnvoll und notwendig. Sie sollte die Investitionskosten, Förderung, lokale Infrastruktur und langfristige Kostenentwicklung berücksichtigen.

Gut zu wissen: Es gibt einen Weg, das Preisrisiko der Biotreppe von Anfang an aktiv zu begrenzen, ohne auf die Gasheizung verzichten zu müssen – und ohne großen Umbau, ohne neue Infrastruktur. Wie das geht, zeigen wir euch in wenigen Tagen hier auf dem Blog! Bleibt also unbedingt dran!

Foto: DMegias – Adobe.Stock.com