Paradigma Wärmepumpe WP Aero Calima Sockel

Experteninterview (2) – Ihr fragt, wir antworten: Was sind Vor- und Nachteile von Wärmepumpen?

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Ihm Rahmen unserer Experteninterview-Reihe “Ihr fragt, wir antworten” beantwortet unser Wärmepumpenexperte Jochen Zimmermann heute eine weitere der von euch besonders häufig gestellten Fragen: “Was ist der Vorteil und was ist der Nachteil von einer Wärmepumpe?”

Paradigma Luftwärmepumpe WP Aero Calima
Unsere Paradigma Luftwärmepumpe WP Aero Calima arbeitet sehr energieeffizient und ist in drei Heizleistungen erhältlich. Deshalb gibt’s für unsere Wärmepumpe auch den Effizienzbonus. Foto: Paradigma

Was ist der Vorteil und was der Nachteil einer Wärmepumpe?

Jochen Zimmermann: Fangen wir mit dem Vorteil an – immer das Positiv zuerst. Der Vorteil der Wärmepumpe ist für mich ganz klar der: Sie arbeitet mit Strom. Denn das heißt, dass ich als Betreiber:in tatsächlich die Möglichkeit habe, die Stromquelle selbst zu bestimmen. Beispielsweise kann ich meine Wärmepumpe mit Solarstrom betreiben, den ich mit einer Photovoltaikanlage selbst erzeuge. Das kann ich halt bei Öl- und Gasheizungen nicht – schließlich kann kein Mensch im Garten nach Öl oder Gas bohren.

Ich kann bei einer Wärmepumpe selbst bestimmen, welche Stromquelle ich anzapfe, um diese zu betreiben.

Und natürlich habe ich hier jetzt in Kombination mit einer PV-Anlage zum Beispiel die Möglichkeit, diesen Strom, der vom Dach kommt, direkt wieder umzuwandeln in Wärme. Und so spare ich mir natürlich den Betriebsstrom für die Wärmepumpe. Den kann ich mit PV selber abdecken und muss dafür keinen Strom von außen beziehen.

Die Investition in die PV-Anlage rechnet sich dann relativ schnell – sie  amortisiert sich in der Regel in sieben bis acht Jahren. Das hängt aber sehr stark vom Strompreis und vom wirtschaftspolitischen Umfeld ab. Wobei immer mit steigenden Kosten zu rechnen ist, es ist noch nie etwas günstiger geworden.

Dank der Kombination der Wärmepumpe mit einer PV-Anlage ist es natürlich so, dass ich beeinflussen kann, was die Wärmepumpe verbraucht. Und wir wären nicht Ritter Energie, wenn wir an dieser Stelle nicht auch die Solarthermie ins Spiel brächten: Damit ist es genau das Gleiche: Ich kann damit im Sommer im Prinzip die komplette, im Haushalt benötigte Wärme auf dem Dach erzeugen und somit die Wärmepumpe entlasten.

Der Vorteil der PV-Anlage ist, dass der PV-Strom flexibel einzusetzen ist – nicht nur für die Wärmepumpe, sondern auch für sonstige Energieverbraucher im Gebäude sowie für ein Elektroauto. Der Vorteil der Solarthermie ist der: Ihr Wirkungsgrad ist viel höher als der einer PV-Anlage. Aber das muss jede:r für sich abwägen, was aufs Dach kommt. Grundsätzlich hängt das auch von der Größe des Daches ab.

Und wenn ich ein sehr kleines Dach habe, ist es günstiger, eine Solarthermie drauf zu machen. Wenn ich eine große Dachfläche habe, dann kann ich zum Teil auch beides drauf machen. Das ist aber dann am Ende des Tages eine Kostenfrage. Bei Solarthermieanlagen muss man mit wenigstens drei Quadratmetern Bruttokollektorfläche Platzbedarf rechnen. Bei PV-Anlagen geht’s um die jeweilige Leistung in KilowattPeak und Anlagen unter 3,5 kWP sind jetzt nicht unbedingt für Wärmepumpen geeignet.

Mit sogenannten Balkonkraftwerken verfolgt man eine andere Absicht. Die bringen eine geringe Leistung, aber die kann ich nicht in eine Wärmepumpe reinrechnen. Und man muss ja das ganze System sehen. Das heißt, die Wärmepumpe ist Bestandteil des Gesamtgebäudekonzepts mit Energie. Und früher war das Augenmerk eher nur auf der Wärme. Heute geht es eigentlich mehr um ganzheitliche Konzepte. Die entscheidende Frage ist: Wie kriege ich mein Gebäude energetisch so aufgestellt, dass ich möglichst autark bin?

Und hier bietet die Wärmepumpe den Vorteil, dass ich eben wegen des mit einer PV-Anlage selbst erzeugten Stroms wesentlich mehr Nutzen habe, als wenn ich mir ständig von außen Energie hinzukaufen muss. Und damit werde ich unabhängiger. Und die Unabhängigkeit lässt sich sogar noch steigern: Man kann heute mit Hilfe einer PV-Batterie zum Beispiel auch den Nachtbedarf an Strom im Haushalt abdecken.

Die Wärmepumpe selbst braucht “zu viel” Strom, als dass ich diesen die ganze Nacht mit einer PV-Batterie abdecken kann. Wobei hier die Tendenz natürlich auch Richtung Rückladung vom E-Auto ins Gebäude geht. Aber das ist noch mal ein ganz anderer Schwerpunkt. Bei uns in Deutschland haben wir hier eher noch ein steuerrechtliches Problem. Da gibt es noch viele Hürden, die man gesetzlich lösen muss, aber da ist man dran und ich gehe davon aus, dass das relativ zügig geht. Es gibt andere Länder, wie die Schweiz zum Beispiel, da ist das bidirektionale Laden vom Auto in das Gebäude schon lange machbar. Wir hinken da ein bisschen hinterher, aber das liegt bei uns an der Gesetzgebung.

Was ist denn der Nachteil einer Wärmepumpe?

Früher arbeiteten Wärmepumpen mit FCKW-Kältemitteln, die für die Umwelt schädlich waren. Heute werden alle Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln ausgestattet. 90 Prozent der Wärmepumpen, die heute eingebaut werden, haben R 290 als Kältemittel, also Propan. Und das ist brennbar. Das heißt, ich kann diese Wärmepumpe nicht einfach nur in den Garten reinstellen, sondern ich muss dabei bestimmte Vorschriften wie Abstände einhalten. Das schränkt mich etwas ein. Gerade in eng bebauten Gebieten, wo ich nicht sehr viel Platz habe, wird es manchmal ein bisschen schwierig, eine Wärmepumpe aufzustellen. Doch es lassen sich immer Lösungen für solche Dinge finden.

Auf dem Land ist es sicherlich einfacher als in dicht besiedelten Zentren von Innenstädten, aber auch da gibt es heute Konzepte. Was hier ganz groß kommt, gerade bei Mehrfamilienhäusern, sind sogenannte Kaltnetze.

Jeder kennt Fernwärme, wo man die Gebäude mit sehr hohen Temperaturen versorgt. Bei einem Kaltnetz hingegen geht man her und baut keine Luftwärmepumpe ein, sondern eine Solemaschine. Die transferiert die Temperatur nach oben und ins Gebäude rein. Das heißt, auch hier wird sehr viel ausgebaut.

Damit kennt ihr auch schon die Vor- und Nachteile von Wärmepumpen. 

Foto: Paradigma