Oberirdische CO2-Mineralisierung: Teil der Lösung?

Heute gibt es mal wieder ein komplett anderes Thema nachdem wir die letzten Wochen etwas mehr ins Detail der Solarthermie eingedrungen sind. Wir beschäftigen uns mit den großen Problemen um auch nicht zu vergessen, dass es neben dem Heizkosten sparen auch noch ein anderes Problem gibt, welches mit erneuerbaren Heizungen gelöst wird: CO2. Im Zusammenhang mit CCS, der Technologie zum Abscheiden und (geologischen) Speichern des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2), liest man immer wieder von der Mineralisierung von CO?. So meldeten die Medien vor einiger Zeit, dass Australien neun Millionen Dollar für ein Pilotprojekt ausgibt, das die Universität von Newcastle durchführt, um abgeschiedenes CO? in Mineralblöcken dauerhaft zu speichern.

Das Wissen um die Risiken und Nebenwirkungen der geologischen, also unterirdischen, Speicherung von Kohlendioxid, über die wir ausführlich in unserem Artikel „CCS: Geologische CO?-Speicherung – umstrittene Technologie gegen den Klimawandel“ berichteten, ist Grund genug, nach alternativen Formen der Speicherung von CO? Ausschau zu halten. Und siehe da, nicht nur die Australier beschäftigen sich derzeit mit der “Versteinerung von CO?”: Auch in der Schweiz gibt es Forschungen dazu, wie sich CO? beispielsweise oberirdisch speichern lässt.

CO? auf Dauer speichern – Mineralisierung des Klimakillers CO?

Die Forscher des Züricher Instituts für Verfahrenstechnik der ETH machen sich dabei ein Rezept der Natur zunutze, berichtete die Neue Züricher Zeitung. Demnach löse Regen seit jeher Gestein an der Erdoberfläche auf und spüle die verwitterten Gesteinsreste ins Meer. Dort verbänden sich diese mit dem ebenfalls im Wasser gelösten Kohlendioxid zu sogenanntem Karbonatgestein. Ein Prozess, der laut der Zeitung sehr langsam abliefe, quasi über geologische Zeitalter hinweg, und deshalb den von uns derzeit produzierten Überschuss an Kohlendioxid nicht verwerten könne. Die Umweltwissenschaftler versuchen deshalb, diesen natürlichen Prozess von Menschenhand zu beschleunigen. Dazu pumpen sie CO2 durch einen Mix aus Wasser und Silikatgestein, das pulverisiert wurde, so dass unter hohem Druck daraus Kohlensäure entsteht – ganz so, wie es in einer Mineralwasserflasche geschieht. Die Kohlensäure wiederum greife die Partikel des Silikatgesteins an und bewirke, dass diese sich lösten. Mit Wärme und Druck könne man die gelösten Stoffe ausfällen: als Karbonatkristalle, die Kohlenstoff enthalten, der dauerhaft gebunden ist. Das eingangs erwähnte australische Pilotprojekt des Instituts für Energie und Ressourcen der Uni Newcastle hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe der CO?-Mineralisierung Bausteine zu produzieren, die nicht nur Kohlendioxid schnell, effektiv und vor allem dauerhaft binden, sondern auch zum Bau neuer Gebäude genutzt werden können. Professor Dlugogorski stellt die Vorzüge der CO?-Mineralisierung heraus: „Der wesentliche Unterschied zwischen geologischer und ozeanischer Speicherung von CO? und unserer CO?-Mineralisierung ist der, dass wir CO? permanent in ein nützliches Produkt verwandeln und nicht nur im Untergrund einlagern“. Das Projekt soll bis 2017 Ergebnisse liefern.

CO2GeoNet – Europäisches Exellenznetzwerk zur Sicherheit und Effizienz von CCS

Ein Non-Profit-Verbund von mehr als 150 Wissenschaftlern an dreizehn öffentlichen Forschungsinstituten in sieben Ländern, allesamt mit hoher internationaler Reputation in allen Forschungsbereichen zur geologischen CO?-Speicherung, hat sich – gefördert  von der Europäischen Kommission (6. Rahmenprogramm 2004 bis 2009) – zusammengeschlossen, um unabhängige wissenschaftliche Infos zur Sicherheit und Effizienz von CCS bereitzustellen. Auf der Homepage des Exellenznetzwerks, das mittlerweile als Non-Profit-Wissenschaftsverein unter französischem Recht läuft, kann man sich über neuste Entwicklungen im Bereich CCS informieren, zum Beispiel über den aktuellen Status quo der geologischen CO?-Speicherung in 28 europäischen Ländern. Einen ausführlichen Überblick über CCS liefert auch das Papier „Geologische CO?-Speicherung – was ist das eigentlich?“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover, einem der Partnerinstitute des CO2GeoNet-Netzwerks.

Was meint ihr dazu?

Da wir natürlich keine Expertinnen in diesem Bereich sind, würde mich die Meinung der Leser interessieren. Kann dies Teil der Lösung sein um das viele CO2 wieder loszuwerden? Wo sind die verstecken Gefahren dieser Technologie?

Foto: joexx / photocase.com

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3 Kommentare zu “Oberirdische CO2-Mineralisierung: Teil der Lösung?”

  1. Udo Schuldt

    Das Thema ist schon interessant. Möglich ist es wohl. Die Frage ist, wie schnell die Mineralisierung stattfinden kann, also wieviel CO2 in welcher Zeit gebunden werden kann. Ähnliche Ideen gab es ja auch für Zemente die CO2 binden statt ihn zu erzeugen. Calere-Zement war ja diesbezüglich oft in der Presse.

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Danke für deine Einschätzung Udo, wo und wie könnte man deine Fragen beantworten lassen? Ich fürchte auch, dass man an den möglichen Mengen verzweifeln könnte. Solche Ideen bergen leider das Risiko, dass ein “Weiter-wie-bisher” möglich ist und schon irgendjemand eine tolle Idee haben wird das Problem zu lösen…

  2. Jens Hakenes

    “Weiter wie bisher” ist das eine, die Mengen sind neben der Prozessdauer das andere Problem. Schließlich geht es um unfassbar viele Tonnen CO2. Die dürften weder unter die Erde, noch in tatsächlich verwertbare Bausteine passen, oder? Mal ganz abgesehen davon, dass unter der verwertbaren Abscheidung im Kraftwerk der Wirkungsgrad leidet…

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