PV im Winter

PV im Winter (1): Damit müsst ihr rechnen – Schnee drückt Ertrag der PV-Anlage

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Wer von euch eine Photovoltaik-Anlage betreibt, sollte sich mit dem Thema “PV im Winter” befassen: Denn das ist die Jahreszeit, in der PV-Anlagen mit ihrer Leistung am häufigsten „auffallen“: Die Anlagen-App auf eurem Smartphone zeigt plötzlich 0 Watt (W), die Module sind weiß, an der Traufe hängen Eiszapfen, und ihr fragt euch: Muss das so – oder stimmt mit der Anlage was nicht? Die kurze Antwort: Meistens liegt kein Defekt vor, sondern eure Anlage arbeitet im Winterdienst. Was das genau bedeutet, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag. Nach der Lektüre könnt ihr mit Blick auf eure PV-Anlage sicher unterscheiden zwischen normalen Winterbefunden (abwarten, beobachten, nichts Riskantes tun) und echtem Handlungsbedarf (Sicherheit/Schadensrisiko, Fachbetrieb um Hilfe rufen). 

Inhaltsverzeichnis

Paradigma Solardach mit Solarthermie AquaSOLAR+ und Photovoltaik
Ein Paradigma Solardach mit unseren Paradigma Solarthermiekollektoren (oben) und unseren Paradigma Photovoltaikmodulen darunter. Foto: Paradigma

Warum PV im Winter anders „tickt“ als im Sommer

Eine PV-Anlage gewinnt aus der Lichtenergie der Sonne elektrischen Strom. Sie ist damit ein Licht-zu-Strom-System. Das zu verstehen, ist entscheidend, denn noch immer denken manche Menschen: Kälte ist ein Problem! Falsch! PV-Module arbeiten bei niedrigen Temperaturen oft sogar effizienter als bei Sommerhitze. Dass die PV-Leistung im Winter schwächelt, hat einen anderen Grund: Die Lichtmenge, die im Winter auf die Module eurer PV-Anlage trifft, ist im Vergleich zum Sommer geringer. Das ist ja auch kein Wunder, schließlich

  • sind die Tage in unseren Breitengraden im Winter kürzer.
  • steht die Sonne im Winter tiefer,
  • gibt es im Winter mehr Bewölkung und Nebel.

Es gilt: Je weniger Sonnenlicht auf eure Anlage trifft, desto weniger Strom wird sie euch liefern. Der Winter drückt also die Tageserträge eurer PV-Anlage. Völlig normal. Und dann fällt plötzlich Schnee. Flocke für Flocke legt sich auf die PV-Module, bis eine dichte Schneedecke sie bedeckt. Das Sonnenlicht kommt da nicht mehr durch. Null PV-Leistung ist dann nicht überraschend, sondern logisch. Wie hoch der Winterertrag am Ende ausfällt, hängt deshalb von eurem Standort und dem jeweiligen Winterwetter ab.
Damit ihr nach dem Lesen unseres Ratgebers wisst, womit ihr bei PV im Winter rechnen müsst, behandeln wir die folgenden Aspekte:

  • Winterliche Befunde erkennen: zugeschneit, teilverschattet, Reiffilm, Eisplatten, plötzliches Abrutschen
  • Erträge und Ertragseinbußen einordnen: Was und wieviel ist im Winter normal?
  • Was könnt ihr gefahrlos selbst tun? Was solltet ihr lassen? Wann solltet ihr euren Fachbetrieb kontaktieren?
  • Monitoring/Fehlersuche: Wie ihr „nur Winter“ von „echtem Problem“ unterscheidet.
  • Was ihr vor dem nächsten Winter (oder bei Neuplanung) smarter lösen könnt.

Zwischenfazit: Im Winter ist eure PV-Anlage nicht „kaputt“, wenn sie weniger Strom liefert. Ihre Leistung ist witterungsabhängig. Entscheidend dafür, ob sich der Betrieb lohnt, ist der Jahresertrag. Um einen möglichst reibungslosen und ertragsreichen Winterbetrieb zu gewährleisten, solltet ihr Winterbefunde an eurer Anlage richtig deuten können und wissen, was je nach Befund zu tun ist.

Paradigma Photovoltaikanlagen PV-Paket
Unser Paradigma PV-Paket: Mit einem hochwertigen und modernen PV-Modul, einem leistungsstarken Wechselrichter, einer zuverlässigen Batterie und einem intelligenten Überwachungssystem produziert ihr euren eigenen Solarstrom aus der Sonnenenergie. Foto: Paradigma

Wie PV im Winter Strom macht – und 3 Denkfehler, die im Winter verunsichern

Damit ihr zu erwartende PV-Ertragseinbrüche im Winter richtig einordnen könnt, müsst ihr verstehen, wie eure Anlage funktioniert:

PV-Grundprinzip – einfach erklärt

Eure Photovoltaikanlage macht Strom aus Licht. Ganz gleich, ob Sommer oder Winter, es gilt: Wenn Licht auf die Module trifft, kann die Lichtenergie in Strom umgewandelt werden. Entscheidend ist, wie viel Licht (direkt oder diffus) auf die Solarzellen trifft, aus denen die Module bestehen. Wenn diese von Eis oder Schnee bedeckt sind, werden die Sonnenstrahlen blockiert. Infolgedessen kann die Solarstromproduktion auf „fast null“ fallen – selbst wenn es tagsüber hell ist.

Neben dem eingangs schon beschriebenen Denkfehler, dass Kälte die PV-Leistung drückt, gibt es weitere, die noch immer verbreitet sind, beispielsweise diese:

Ohne Sonne bringt PV nichts!

Nein! Auch bei diffusem Licht erzeugt eure Anlage PV-Strom. Aber: Diffuse Strahlung heißt: „weniger Strahlung“. Genau deshalb sind Wintertage mit „hellgrauem Himmel“ für PV-Anlagenbetreiber:innen in Sachen Ertrag oft enttäuschend.
Ein Winterbefund, den ihr vielleicht schon kennt: Die Kurven eurer PV-Ertrags-App ähneln eher Hügeln, statt hohen Bergen. Ihr fragt euch: „Stimmt da was nicht?“ Oft stimmt: Es ist schlicht eine schwächere PV-Leistung bei diffuser Einstrahlung.

Schnee ist gut, weil er Licht reflektiert!

Ja und nein! Schnee kann die Umgebung aufhellen und so die Einstrahlung auf frei liegende Modulflächen leicht erhöhen. Aber das ist kein „Schnee-Bonus“, auf den ihr setzen solltet – denn in der Praxis gilt:

  • Schnee auf dem Modul = Lichtblockade —> Solarertrag kann gegen null gehen.
  • Schnee neben dem Modul = manchmal etwas mehr Reflexion —> kleiner Effekt, aber nur, wenn die Module frei sind.

PV-Wintererträge einordnen, ohne sich an „schlechten Tagen“ verrückt zu machen

Bevor wir über Vereisung und Schnee als Winterbefund sprechen, braucht ihr eine solide Erwartung: Wie viel PV-Strom ist im Winter grundsätzlich normal – selbst wenn alles technisch in Ordnung ist?

Die wichtigste Zahl zur Einordnung: PV-Leistung Winterhalbjahr vs. Sommerhalbjahr

Für Deutschland gilt: Eure PV-Anlage liefert im

  • Sommerhalbjahr (April bis September): etwa 65 bis 70 Prozent der Jahresstrommenge
  • Winterhalbjahr (Oktober bis März): etwa 30 bis 35 Prozent der Jahresstrommenge

Je nach Standort (Nord/Süd), Dachneigung, Ausrichtung und Wetterjahr kann der Winteranteil auch niedriger ausfallen. Für eine Anlage mit einer Nennleistung von 10 KilowattPeak (kWP) in Stuttgart gilt beispielsweise: Im Winterhalbjahr erwirtschaftet sie 20 bis 30 Prozent und im Sommerhalbjahr 70 bis 80 Prozent der Jahresstrommenge.

Was ihr daraus mitnehmt: Wenn die Ertragskurve eurer Anlage zwischen Oktober und März deutlich flacher verläuft, ist das nicht automatisch ein Problem – es ist die typische Winterkurve.

Ihr seht: Ein Winterertrag ist vorhanden, aber er ist deutlich geringer als im Sommer. Doch auch im Winter kann die Sonne zeitweise ganz ordentlich strahlen: So kommt es in der Winterzeit zu teils stark schwankenden Erträgen.

Warum schwache Erträge einzelner Tage bei PV im Winter euch in die Irre führen

Im Winter sind Tageswerte extrem „zickig“: Nebel oder Hochnebel, Wolkenfelder, Schnee auf den Modulen, tiefer Sonnenstand – all das kann dazu führen, dass ein Tag nahezu nichts an Ertrag bringt und der nächste (kalt, klarer Himmel, freie Module) plötzlich wieder ertragreich ist.

Zusätzlich gilt: Schnee kann den Ertrag massiv drücken, weil er die Transmission des Lichts zu den Zellen stark reduziert – das Fraunhofer-Institut für Solare Energie (ISE) beschreibt genau diese zwei gegensätzlichen Effekte (Reflexion vs. stark gedämpfte Transmission) als Grund, warum PV im Schnee so unterschiedliche Leistungen erbringen kann.

Darum die wichtigste Praxisregel: Bewertet die Leistung eurer PV im Winter nie nur anhand eines Tages, sondern mindestens über sieben Tage (besser noch: 2 Wochen) hinweg.

Damit ihr euch dabei nicht nur auf euer Bauchgefühl verlassen müsst, nutzt ihr am besten zwei Referenzen:

PVGIS ist ein wissenschaftlich betriebenes Tool der EU (JRC), das monatliche und jährliche Erträge für euren Ort abschätzt. So nutzt ihr es:

  • Ort eingeben, Leistung (kWp) eintragen
  • Dachneigung/Ausrichtung grob setzen
  • Monatswerte ausgeben lassen: das ist eure „Normal-Kurve“
  • eure eigenen Vorjahreswerte

Wenn ihr Monitoring habt: Vergleicht die aktuellen Ertragswerte mit denen in der selben Kalenderwoche (oder in dem selben Zeitraum) des Vorjahres. Das ist oft die beste Realitätsschablone.

Winterliche Befunde an PV-Anlagen – was ihr seht, was es bedeutet, was ihr tun solltet

Ihr solltet eure PV-Anlage im Winter anschauen (oder in der App beobachten) und anschließend sicher sagen können: Das ist normal – oder hier muss ich handeln.

Die Module sind komplett zugeschneit – App zeigt 0 W

Was ihr seht: Eine durchgehende Schneedecke auf den Modulen. In der App/Wechselrichteranzeige steht oft 0 W oder nur ein minimaler Wert, obwohl es draußen hell ist.

Was es bedeutet: PV braucht Licht auf den Solarzellen. Wenn Schnee die Module flächig abdeckt, kommt kaum Licht durch – der Ertrag kann deshalb nahe null fallen. Das ist kein Defekt, sondern eine simple Blockade.

Was ihr tun solltet: Wenn es sich um ein Hausdach handelt: in der Regel abwarten (Sicherheit geht vor).

Wenn es ein sicher erreichbares Dach ist (Carport, Flachdach mit sicherem Zugang): Ihr könnt später mit unserem Entscheidungsbaum prüfen, ob sanftes Freimachen sinnvoll und sicher ist.

Was ihr lassen solltet: riskante Dachaktionen für ein paar kWh, nicht auf Module treten

Nur ein Streifen Schnee unten auf der PV-Anlage – und trotzdem bricht der Ertrag stark ein

Was ihr seht: Vielleicht sind nur die unteren 10 bis 20 Zentimeter (cm) der PV-Modulreihe mit Schnee bedeckt oder ein seitlicher Bereich. Trotzdem fällt die Leistung überraschend stark ab.

Was es bedeutet: Eine Teilverschattung wirkt überproportional.
Bei der verbreiteten Stringverschaltung kann schon ein relativ kleiner verschatteter Bereich dazu führen, dass der Stromfluss im ganzen String begrenzt wird. Module haben zwar Bypassdioden, aber die heben den Effekt nicht auf – sie verhindern vor allem Hotspots und ermöglichen eine gewisse Umgehung einzelner Teilbereiche.

Was ihr tun solltet: Erst einordnen: Dieser „krasse Ertragseinbruch“ ist bei Teilbedeckung typisch und kein Hinweis auf Defekt.

Beobachten: Sobald der Schneestreifen abrutscht oder wegtaut, springt die Leistung oft deutlich nach oben.

Was ihr lassen solltet: hektisches Eingreifen, nur weil „ein bisschen Schnee“ scheinbar „alles kaputt macht“. Es ist oft einfach die Systemlogik.

Raureif oder dünner Frostfilm auf den Modulen

Was ihr seht: Die Module sind nicht schneebedeckt, aber matt-weiß überzogen (Raureif). Manchmal sind nur einzelne Module betroffen – oft am Morgen.

Was es bedeutet: Ein dünner Film Reif kann die Lichtmenge reduzieren. In der Praxis heißt das: Der Ertrag ist häufig gedämpft, aber nicht zwingend null. Sobald die Module sich dank der Sonneneinstrahlung oder steigender Lufttemperatur leicht erwärmen, verschwindet der Reif oft von selbst.

Was ihr tun solltet: in den meisten Fällen: abwarten (Reif ist meist kurzlebig), im Monitoring: nicht erschrecken, wenn die Kurve morgens flach startet und später anzieht

Was ihr lassen solltet: mit heißem Wasser drüber gehen (Rutschgefahr, Temperaturschock, keine nachhaltige Lösung)

Festgebackener Schnee oder Eisplatten auf den Modulen

Was ihr seht: Schnee ist angetaut und wieder gefroren. Es entstehen harte Eisplatten oder regelrechte „Schneepanzer“, die länger liegen bleiben als fluffiger Neuschnee.

Was es bedeutet: Hier ist die Lichtblockade oft besonders stark und die Selbstreinigung der PV-Anlage dauert länger. Der Ertrag kann über mehrere Tage deutlich reduziert sein – je nachdem, wie schnell es taut oder Eis und Schnee abrutschen.

Was ihr tun solltet: Sicherheit geht vor, deshalb heißt es bei Hausdächern praktisch immer abzuwarten. Für sehr gut zugängliche Anlagen beschreiben wir gleich noch ein behutsames Vorgehen (siehe unten).

Was ihr lassen solltet: heiße Dusche für die Module, Eiskratzen, Streuen mit Streusalz oder Chemiekeulen (das schadet dem Material und der Umwelt)

PV-Anlage in Schnee und Eis: Was tun – was lassen? Unsere Entscheidungshilfe

Jetzt wird’s konkret: Sollt ihr Schnee und Eis von der PV-Anlage räumen – oder einfach abwarten? Die Praxis zeigt: In sehr vielen Fällen ist das Abwarten die beste Entscheidung, weil

  • Dacharbeit im Winter ein Unfallrisiko ist und
  • weil der Ertrag, den ihr mit riskantem Räumen gewinnt, oft überschaubar bleibt.

Regel 1: Auf dem Hausdach wird im Winter nicht geräumt. Das Risiko aufgrund von Glätte, Schnee, unklarer Tragfähigkeit einzelner Dachbereiche, fehlender Absturzsicherung ist nie gerechtfertigt.

Regel 2: Räumen ist nur dann eine Option, wenn es von einem sicheren Standplatz aus geht, beispielswiese vom Boden, Balkon, einem sicheren Flachdach mit Absturzschutz und ohne Gewalt am Modul.

Entscheidungshilfe: Räumen ja oder nein – in 60 Sekunden entschieden

Schritt 1: Wo befindet sich eure PV-Anlage?

  • Hausdach? Steildach? Schwer erreichbar? —> NICHT räumen. Beobachten und warten.
  • Carportdach? Niedriger Anbau? Gut erreichbar vom Boden? —> weiter zu Schritt 2.

Schritt 2: Was ist der Schnee-Befund?

  • Fluffiger Neuschnee? Dünne Schneeschicht? —> meist abwarten: Der Schnee rutscht oft ab oder taut bei Sonne an.
  • Festgebackener Schnee und/oder Eisplatten? —> in der Regel nicht selbst entfernen, weil ihr mit „Werkzeug“ fast zwangsläufig Schäden an der PV-Anlage riskiert. Hier ist Geduld meist die bessere Lösung.

Schritt 3: Lohnt es sich ertragstechnisch überhaupt?

Wenn Schnee erfahrungsgemäß nur 1 bis 3 Tage auf der PV-Anlage liegt,  lohnt das Räumen sich meist kaum.

Wenn ihr in sehr schneereicher Lage wohnt und die PV-Module lange mit Schnee und Eis bedeckt bleiben, kann ein vorsichtiges Freiräumen bei einer gut zugänglichen Anlage sinnvoll sein. Aber nur, wenn ihr sicher und materialschonend vorgeht.

Wenn ihr räumt: So macht ihr’s richtig!

Es gilt, den Schnee von der PV-Anlage zu entfernen, ohne dabei das Modulglas, den Modulrahmen oder die Verkabelung zu beschädigen.

Do’s:

  • Nur weiche Hilfsmittel nutzen: weicher Schneebesen, Schneeschieber mit Kunststoffkante oder weiche Bürste am Teleskopstiel (kein Metall).
  • Von unten nach oben arbeiten, ohne Druck auf das Modul auszuüben.
  • Nicht „bis aufs Glas polieren“: Ein dünner Rest Schnee oder Eis ist egal – wichtig ist, dass wieder Licht auf freie Teilflächen kommt.

Don’ts:

  • Nicht auf die Module steigen. Es besteht Rutsch- und Bruchgefahr.
  • Kein heißes Wasser auf die Module gießen: Es kann sofort wieder gefrieren und Glätte bilden. Außerdem ist der Temperaturschock für die Module ein Risiko.
  • Keine harten Eiskratzer oder Eisschaber mit einer Metallkante verwenden. Nicht auf Schnee und Eis einhacken, dabei könnte es zu Schäden kommen.
  • Kein Salz, kein Enteiser verwenden. Die “Chemiekeule” kann das Anlagenmaterial angreifen, insbesondere Dichtungen. Über eure Dachentwässerung gelangt die Chemie zudem in die Umwelt und schadet dieser.
  • Keinen Hochdruckreiniger zum “Schneefegen” einsetzen. Auch hierbei könnten Dichtungen, Rahmen und Steckverbindungen Schaden nehmen.

Schneelast & Statik – wann Schnee für PV (und Dach) im Winter wirklich relevant wird

Schnee ist bei PV im Winter zuerst ein Ertragsthema (Licht wird blockiert). Manchmal ist er aber auch ein Sicherheits- und Statikthema:

Für die Tragwerksplanung wird die Schneelast auf dem Dach normativ aus Standort und Dachform abgeleitet. Wichtig für euch: Selbst wenn Module „stark“ sind, kann die Kombination aus Dach, Unterkonstruktion, Befestigung und lokalen Verwehungen entscheidend sein.

PV-Module haben Prüfwerte für mechanische Lasten, die oft in Pa (Pascal) angegeben werden. Zwei typische Größenordnungen, die euch immer wieder begegnen:

  • 2.400 Pa als gängiger Standard-Testwert
  • 5.400 Pa als erhöhter Testwert für höhere Schnee-/Windlasten

Zur Einordnung: Pa ist Newton pro Quadratmeter (N/m2), also Druck pro Fläche.

  • 2.400 Pa = 2,4 kN/m2 rund 240 kg/m2
  • 5.400 Pa = 5,4 kN/m2 rund 540 bis 550 kg/m2

Es gilt: Wenn mit erhöhten Schnee- und Windlasten zu rechnen ist, sollen PV-Module mit erhöhter mechanischer Stabilität gewählt werden. Diese Werte sind Prüflasten am Modul. Sie sagen nicht automatisch, dass euer Dach oder eure Montage diese Last genauso „locker“ trägt. Deshalb sind Verwehungen, Eisränder und ungleichmäßige Lastverteilung praxisrelevanter als „gleichmäßig 30 cm Schnee überall“.

Was in der Praxis eher kritischer ist als „viel Schnee“

Ungleichmäßige Lasten und „Schneebretter“ sind oft der Punkt, an dem Fachleute genauer hinschauen:

  • Verwehungen hinter Gauben, Attiken, Kaminen oder Dachaufbauten
  • Schneekanten an Modulreihen, die nicht abrutschen können
  • Eisränder an Traufen (Abtauen/Neugefrieren), die Last und Abrutschrisiko kombinieren

Das sind Situationen, die ihr als Betreiber:innen oft selbst erkennt – und bei denen „selbst räumen“ besonders riskant werden kann.

Wann ihr Fachleute zum Schneeräumen holen solltet

Holt euch Unterstützung, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:

  • Ihr seht außergewöhnlich hohe Verwehungen oder wiederkehrende Schneebretter an denselben Stellen.
  • Es gibt sichtbare Auffälligkeiten: verbogene Rahmen, verschobene Module, lockere Klemmen/Schienen.
  • Schnee rutscht regelmäßig als „Dachlawine“ in Bereiche, wo ihr lauft oder euer Auto steht.
  • Ihr wohnt in einer Region, in der Schnee regelmäßig länger und schwer liegt – und die Anlage wurde ohne erkennbare Berücksichtigung höherer Lasten geplant.

Monitoring & Fehlersuche bei PV im Winter – so entscheidet ihr: „typisch Winter“ oder „echtes Problem“

Im Winter ist PV-Monitoring besonders hilfreich – nicht um euch verrückt zu machen, sondern um schnell und sicher zu unterscheiden zwischen normalem Wintereffekt und technischem Problem. Ihr braucht dafür keine Messgeräte. Ein scharfer Blick reicht.

PV-Anlage im Winter: Der 3-Minuten-Wintercheck (ohne Risiko)

Macht diesen Check immer dann, wenn euch „0 W“ oder ungewöhnlich niedrige PV-Leistung auffällt.

Schritt 1: Wettercheck (30 Sekunden)

  • Fragt euch: Ist es (hoch)nebelig oder durchgehend bedeckt?
  • Liegt Schnee oder Reif auf den Modulen (Blick vom Boden)?

Wenn ja: sehr wahrscheinlich normaler Wintereffekt

Schritt 2: Sichtprüfung vom Boden (60 Sekunden)

Achtet auf:

  • flächige Schneedecke
  • Teilbedeckung
  • Eisplatten/Reif
  • Schneerutschgefahr

Wichtig: Keine Leiter, keine Dachbegehung. Es geht nur um einen sicheren Blick.

Schritt 3: Wechselrichter-/App-Status lesen (60 bis 90 Sekunden)

Schaut nicht nur auf die Leistung, sondern auf Status und etwaige Fehlercodes:

  • „Normal / Einspeisung / Betrieb“ und wenig Leistung —> häufig wenig Einstrahlung oder Schnee
  • Fehlermeldung oder „Störung“ —> jetzt wird es ein Technikthema.

Typische PV-Ertragsmuster, die im Winterbetrieb „normal“ sind

Diese Muster dürft ihr im Winter als beruhigende Indizien lesen:

  • 0 W bei geschlossener Schneedecke —> logisch, weil Licht blockiert ist.
  • Sehr flacher Start am Morgen, später Anstieg —> typisch bei Reif und Nebel, wenn die Sonne oder Temperatur den Raureiffilm nach und nach taut.
  • Sprunghafter Ertrag, sobald ein PV-Modulstreifen frei wird —> typisch, weil Teilverschattung den String „ausbremst“.
  • Große Schwankungen von Tag zu Tag —> Winter ist stark wettergetrieben, deshalb nie nur 1 Tag Ertrag bewerten.

PV-Ertragsmuster, die eher auf ein Problem hindeuten (Warnzeichen)

Jetzt kommen die Punkte, bei denen ihr nicht mehr nur „Winter“ vermuten solltet:

Dauerhaft ungewöhnlich niedriger Ertrag trotz freier Module und Sonne

Wenn die Module sichtbar frei sind, die Sonne scheint (oder es zumindest hell mit klarer Einstrahlung ist), und trotzdem bleibt die Leistung über mehrere Tage deutlich unter eurem üblichen Rahmen: Monitoring-Vergleich mit PVGIS/Vorjahr und dann Ursachen prüfen.

Ein String/Tracker fällt „komplett“ aus (wenn Monitoring das zeigt)

Viele Monitoring-Systeme zeigen pro MPP-Tracker oder String Werte. Wenn ein Teil dauerhaft 0 ist, während andere normal arbeiten, spricht das eher für:

  • Probleme bei einer Steckverbindung, einer Leitung oder für ein Strangproblem
  • Probleme bei Sicherung, Schutzschalter
  • Defekt im Stringbereich

Fehlermeldungen am Wechselrichter

Fehlercodes (Netz, Isolation, DC-Fehler und andere) sind nicht „nur Winter“, sondern Technik. Hier gilt: dokumentieren (Screenshot/Foto), ins Handbuch schauen, notfalls Solarteursbetrieb kontaktieren

Sichtbarer Schaden

  • gebrochenes Glas
  • verschobene Module
  • lose Kabel/Stecker
  • beschädigte Unterkonstruktion

Dann gilt: nichts selbst anfassen (Elektrik), sondern Fachbetrieb kommen lassen

Geruch, Schmorzeichen

Das ist selten, aber eindeutig: Schmorgeruch, Brandspuren, ungewöhnliche Hitze an Komponenten heißt: sofort Fachleute kontaktieren

Was ihr dokumentieren solltet, damit Fachleute schneller helfen

Wenn ihr Hilfe braucht, spart ihr Zeit und Kosten, wenn ihr Folgendes parat habt:

  • Datum/Uhrzeit, Wetter (Nebel, Schnee, sonnig)
  • Screenshot der App/Fehlercode
  • Foto vom Dach vom Boden aus (Bedeckung/Schneerutsch)
  • grobe Info: Anlage (Leistung in kWp), Wechselrichtermodell, Besonderheiten

Im zweiten Teil dieser kleinen Reihe zu “PV im Winter” geht’s übermorgen weiter! Bleibt dran!

Foto: TatjanaMeininger – Adobe.Stock.com (Titel), Paradigma