Was ist eigentlich Prozesswärme? Laut Wikipedia wird Prozesswärme in der Industrie zur Herstellung und Fertigung von verschiedenen Produkten benötigt. Weiter lese ich in der Checkliste für Unternehmer, das in Deutschland der Bedarf für Prozesswärme circa 10 Prozent des erzeugten Energiebedarfs betragen soll. Etwa 30 Prozent der benötigten Prozesswärme liegt bei unter 100 C°. Dieses Drittel könnte durch effektive Nutzung der Sonne, nämlich Solarthermie, günstig bereitgestellt werden.
Ein Beispiel? Die Hofmühl-Brauerei Eichstätt hat auf Sonne umgestellt:
Bericht von Sonnenenergie.de über die Hofmühl-Brauerei Eichstätt
Dort ist zu lesen, dass die so gewonnene Wärme mehrere tausend Liter Heizöl einsparen helfen wird. Sonnenenergie ist kostenlos und kann mit moderner Technik zu allen Jahreszeiten genutzt werden. Was läge da näher, als hier anzufangen und nachhaltig zu handeln. Solare Prozesswärme heißt das zukünftige Zauberwort.
Die Industrie sollte weiterdenken, vielleicht müssen wir als Endverbraucher mehr Druck machen? Schließlich zahlen wir die Zeche am Ende. Aber nicht nur der monetäre Faktor spielt eine Rolle, auch unsere Erde fordert die Energiewende. Neue Techniken machen den Ausstieg einfacher, da sie effektiv arbeiten und langfristig planbar sind. Natürlich steht am Anfang eine Investition, ganz im Gegenteil, zu fossilen Brennstoffen, kostet Sonnenenergie aber keinen Cent. Und eine Großanlage, die mit Sonnenenergie genutzt wird, könnte sich schnell bezahlt machen. Durch clevere Technik wird die Wärme für Industrieprozesse sogar in den Herbst und Wintermonaten möglich.
Solarthermie mit System arbeitet effektiv und umweltfreundlich
Als besonders effektiv gilt die Wärmegewinnung durch Vakuum-Röhrenkollektoren. Die zukunftsweisende Technik ist heute in der Lage, das ganze Jahr über, auch bei geringerer Sonnenstrahlung, Prozesswärme zu liefern. Die meisten thermischen Solaranlagen arbeiten mit Kühlflüssigkeiten als Wärmeträgermedium es gibt aber auch noch Luft als Wärmeträgermedium. Nicht alles eignet sich gleichermaßen, darauf werden wir zu einem anderen Zeitpunkt noch näher eingehen.
Maßgeschneiderte Lösungen für optimale Nutzung der Sonnenenergie für Prozesswärme
Solare Großanlagen, auch für solare Prozesswärme, können ganz nach Energiebedarf individuell konzipiert werden. Planung, Herstellung und Installation können dabei aus einer Hand erfolgen. Durch einfache Verschaltung und Anbindung an den Wasserkreislauf können Anlagen modular erweitert werden. Betriebserweiterungen können, hinsichtlich des Energiebedarfs für Prozesswärme, flexibel umgesetzt werden. Zeitgemäße Solarthermie arbeitet effektiv, und bietet bei individueller Planung einen guten Jahressolarertrag, sodass sich eine Großanlage meist bevor sie 10 Jahre alt ist, amortisiert hat. Warum sich die Industrie da ziert?
Bildquelle: Asif Akbar (c) sxc.hu Quellen: wikipedia, solar-process-heat.eu, sonnenenergie.de
Ein wichtiges Argument bei den Solaren Großanlagen ist die Amortisation. Da in der Industrie in immer kürzeren Zyklen gedacht wird, ist eine Investion, die sich nicht in drei bis maximal fünf Jahren rentiert, einfach eine NoGo. Obwohl gerade Prozesswärmeanlagen im Gegensatz zu Kleinanlagen fast die beste Amortisation besitzen, ist der Zeitraum dafür meistens noch zu lange.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die technische Ausführung, sprich die Zuverlässigkeit und der Ertrag. Auch hier gibt es zu viele negative Beispiele, weil Großanlagen keine aufgeblasenen Kleinanlagen sind, sondern eine ganz anderen Planung nicht nur bei der Anlage selbst, sondern auch bei hydraulischen Einbindung brauchen. Darauf haben in vielen Fällen auch die Hersteller bzw. die Planer vergessen. Funtioniert eine Anlage nicht, so muss über Renatbilität nicht einmal nachgedacht werden. Das schreckt viele schon mal ab.
Mittelfristig kann aber fast jedes Unternehmen von Solarenergie profitieren, wenn man die vielen Argumente Pros&Cons abwiegt. Nícht nur bei der Prozesswärme sondern auch bei Heizung oder im Warmwasserbereich, das richtige System und die korrekte Planung und Installation vorausgesetzt.
Danke dir Thomas für deinen Kommentar.
Es ist ein Dilemma, ganz richtig! Auf der einen Seite wird versucht den Rahm abzuschöpfen, es geht um Gewinne, Profit, Erfolgs-Kennzahlen. Eben die kurzfristige, eher kurzsichtige „ökonomische Brille“. Dagegen gibt es aber auch einen guten Unternehmens-Ruf zu gewinnen. Das Bewusstsein der Verbraucher ändert sich gerade mehr denn je, hin zu verantwortlichem Konsum. Unternehmen, die das durchblicken sind mehr als Trendsetter. Solarenergie ist eine Größe, die in kurzer Zeit kaum noch wegzudenken sein wird. Individuelle Planung, Flexibilität, zukunftsweisende Technik sollte bei einer Anschaffung an erster Stelle stehen. Sonst könnte es zu dem negativen Fall, nicht rentabel, den du beschrieben hast, kommen.
Auf der anderen Seite liegt es in unserer Hand als Endverbraucher, wir bilden die Nachfrage und fordern das Angebot von heute und morgen. Klar hat das auch etwas mit finanziellen Umständen zu tun, nicht jeder kann sich ökologisch nachhaltig produzierte Produkte leisten. Zumindest momentan noch nicht. Und genau hier fordere ich die Politik auf, mehr Engagement an den Tag zu legen und gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die mehr Ökologie verlangen. Aber bitte mit Verstand und flexibleren Anpassungsmöglichkeiten, die mit der technischen Entwicklung gehen und nicht erst tausend Krisensitzungen auslösen, bevor man angemessen reagiert.
LG Claudia
Sie haben beide Recht, allerdings dauert ein Umdenken sowohl in der Gesellschaft, als auch bei den Unternehmern einige Zeit. Nur weil es jetzt eine besonders schöne Förderung solcher Anlagen gibt, wird nicht gleich ein Sturm losbrechen. Angefangen von Planern und Energieberatern, die den Unternehmern Konzepte zur energetischen Sanierung vorschlagen, bis zu den Handwerkern, die letztlich für die Installation der Anlagen zuständig sind, gibt es keine durchdringende Information über die Vorteile von thermischen Anlagen zur Prozesswärmeerzeugung. Die Wirtschaftlichkeit ist bei anderen Maßnahmen (z.B. Wärmerückgewinnung) oft schneller zu erreichen, weshalb die Solartechnik nicht im Fokus steht. Die hydraulische Einbindung ist komplex und erfordert von den ausführenden Handwerkern entsprechendes Know How.
Zuletzt muss man das Finanzierungsproblem betrachten. Ein ROI von 7 – 9 Jahren ist für eine Bank schon ein anspruchsvoller Zeitraum, für den sie die Geschäftsentwicklung des Gewerbebetriebs einschätzen muss um das Ausfallrisiko zu analysieren. Dies stellt gerade bei den förderfähigen kleinen und mittelständischen Unternehmen eine entsprechende Herausforderung dar, die nicht einfach zu überwinden ist.
Sollte sich eine Bundesregierung mal dazu entscheiden, die Verursachung von Co² zu besteuern, könnte dies für die gesamte EE Branche der Wendepunkt werden um marktfähige Konzepte, auch ohne Subventionen zu kreieren, sowohl im gewerblichen, als auch im privaten Wohnsegment.
Bis dahin sind wir auf diejenigen Menschen angewiesen, denen saubere Luft einen gewissen Wert darstellt. Die Umfragen zeigen jedoch, dass dieser Mehrwert zwar von vielen positiv betrachtet wird, aber nur wenige auch bereit sind, dafür zusätzlich zu bezahlen. In Zeiten in denen Diskounter Bioprodukte anbieten, gibt es eine Tendenz zum günstigen Besseren. Qualitativ gute und nachhaltige Güter gibt es jedoch nicht zum Nulltarif, zumindest nicht, wenn sie konsequent nachhaltig produziert werden.
Sehr wichtige Aussage: Die Tendenz zum günstigen Besseren… Vielen Dank für die Ausführungen. Die Finanzierungsproblematik ist meiner Meinung nach völlig unterrepräsentiert in der Debatte um Investitionen in Erneuerbare. Haftungsübernahmen könnten zB. in Unternehmen deutlich mehr bewirken als monetäre Förderung. Ein Fonds der Weltbank wäre dafür vermutlich sehr gut geeignet. Die Projekte der alten Energiewirtschaft wurden sehr oft nur durch solche Haftungen finanzierungsfähig. Warum soll dieses Modell nicht auch für die neue Energiewirtschaft gelten. Sowas könnte aber auch eine Aufgabe von höheren Gremien wie der Weltbank sein.