7 überraschende Auswirkungen des Kollektorlabels

Wir haben hier ja schon öfter über das Kollektorlabel berichtet und langsam tut sich da was. Auch wenn es sicher noch nicht perfekt ist, ist es für mich vor allem was das Thema Transparenz betrifft, sehr wichtig. Ich habe nun interne Informationen bekommen, was das Label schon alles bewirkt hat und da kann man wirklich nur sagen, dass es sicher wenige Initiativen gibt, die in so kurzer Zeit so viel bewirkt haben, und sich der Vorwurf, es handle sich um ein reines Marketinginstrument der Hocheffizienzkollektorhersteller nicht halten lässt und klar wird, dass es ein Instrument ist, dass endlich Transparenz und Bewegung in die Branche bringt.

1. Firmen erkennen, dass ihre Kollektoren keine Ertragsdaten haben

Ja, so traurig das klingt und es macht mich direkt wütend sowas zu hören. Es gibt tatsächlich Firmen, die es noch nicht geschafft haben, die tatsächlichen Ertragsdaten laut Solar Keymark Datenblatt 2 zu erheben bzw. in Auftrag zu geben, obwohl das seit 2013 (auch eine Katastrophe für sich…) bei allen neuen Kollektoren Pflicht ist. Durch die Gespräche über das Label, kommen aber anscheinend viele drauf, dass das nicht schlecht wäre und machen es. Na immerhin was.

2. Fehler bei den Zertifikaten werden erkannt und behoben

Da bei der Ausstellung des Kollektorlabels eine genaue Prüfung der Zertifikate durchgeführt wird, wurden erstaunlich viele Fehler in den Zertifikaten entdeckt, die jedoch schnell und unbürokratisch von den Testinstituten korrigiert werden.

3. Problematische Testergebnisse wurden transparent

Da sich in den letzten Jahrzehnten anscheinend niemand so wirklich Gedanken über die Ertragsdaten gemacht hat, war es bislang auch nicht aufgefallen, wenn manche Ergebnisse nicht ganz schlüssig waren, weil der ein oder andere Markteilnehmer vielleicht etwas schummeln wollte (soll ja in den besten Familien vorkommen…). Nun konnte eine offizielle Beschwerde im Solar Keymark Network eingereicht werden und die Untersuchungen laufen.

4. Fälschung erkannt und BAFA informiert

Während die einen Hersteller die Wichtigkeit des Datenblatt 2 verschlafen haben, haben andere es anscheinend ernster genommen. Die Ertragsdaten auf dem Datenblatt 2 waren in einem Fall gefälscht und die entsprechenden Stellen wurden informiert. Auch das BAFA wurde informiert um zu prüfen ob sich die Herrschaften dadurch einen Fördervorteil verschaffen wollen. Leider ist es bislang nicht gelungen das herauszufinden, da das BAFA ja wie wir wissen mittlerweile eine ertragsbezogene Förderung gewährt, aber auf der Website die zugehörigen Ertragsdaten nicht zu finden sind. Ein Umstand der baldigst geändert werden sollte. Diese Daten müssen dringend transparent gemacht werden und direkt in die BAFA Liste.

5. Billigprodukte als Mogelpackung und Förderschwindler entlarvt

Achtung: Dieser Punkt ist nur was für die Profis unter euch und nix für Laien: Dadurch, dass es in den letzten Jahren massiv an Transparenz in der Branche gefehlt hat, sind Fehlentwicklungen keine Überraschung. Umso wichtiger ist es jetzt die Fehler der Vergangenheit zu erkennen und zu beheben. Wie ihr wisst gibt es auch unter den Röhrenkollektoren einige schwarze Schafe, die nicht selten aus dem asiatischen Raum kommen, auch wenn das jetzt keine Verallgemeinerung sein soll. Auch haben wir hier schon berichtet, wie problematisch eine Förderung nach Aperturfläche sein kann. Das ist nun deshalb problematisch, weil es eine ganze Reihe chinesischer Röhrenkollektoren gibt, die zwar einen passablen Ertrag bezogen auf die Aperturfläche liefern, bezogen auf die Bruttofläche aber weit hinter einem guten deutschen Flachkollektor rangieren. Die Klassifizierung mit dem SOLERGY Label zeigt hier mit der Klasse B und einem Jahreswirkungsgrad unter 30%, dass diese Kollektoren eigentlich nicht mehr förderwürdig sind. Ganz aktuell wurde dann festgestellt, dass auch ein sehr namhafter deutscher Hersteller jetzt ein noch ertragsschwächeres Röhrenkollektorprodukt auf den Markt gebracht hat und die Fördersumme pro bereitgestelltem Referenzertrag aufgrund der sehr unglücklichen, um nicht zu sagen ungerechten, Pauschalförderung von Kollektorfläche „optimiert“. Der eigentlich als Persiflage gedachte iMap Kollektor in Staffelstein hat dadurch einen Bruder in der realen Welt erhalten. Es mag durchaus Anwendungsfälle für diesen Kollektor mit einem Jahreswirkungsgrad von 23 % geben (Anm.: Die PV ist inzwischen bei 21%), allerdings ist die benötigte Kollektorfläche bei der vom Hersteller propagierten Anwendung zur Warmwasserbereitung fast doppelt so groß wie bei einem sehr guten Flachkollektor der Kategorie A+++. Gerecht und angemessen wäre es daher, wenn die Kollektoren nach ihrem Ertrag und nicht nach der Größe gefördert würden.

6. Solarthermie bekommt neues Selbstbewusstsein

Neben all den Problemen, die das Label jetzt erstmal aufgedeckt hat, hat es zudem dazu geführt, das ein neues Selbstbewusstsein sich in der Branche breit macht und die Solar Keymark gestärkt wurde. Die Solarthermie wird wieder als zuverlässiger Energielieferant wahrgenommen und kann nun die Rolle erfüllen, die ihr nach dem Klimagipfel in Paris zusteht. Ein unabdingbarer Partner beim Umbau des Wärmesystems.

7. Unabhängiger Partner wird Herausgeber des Labels

Da eine private Initiative wie die Initiative Sonnenheizung nicht als globaler Partner für ein Label auftreten kann, hat nun DIN CERTCO das Label aufgenommen und wird die ausgezeichneten Kollektoren in einer öffentlich zugänglichen Registrierungsdatenbank führen.

Und ja, das Label ist sicher noch nicht perfekt. Aber es ist höchste Zeit mal was zu tun und mich freut es vor allem, dass hinter den Kulissen anscheinend schon so viel passiert ist.

Photo: kallejipp / photocase.com

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  • Kollektorertragslabel
    Solergy – das müsst Ihr zum neuen Kollektorertragslabel wissen
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    Worum es beim KollektorERTRAGSlabel wirklich geht
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5 Kommentare zu “7 überraschende Auswirkungen des Kollektorlabels”

  1. Uwe Trenkner

    Da sind wirklich tolle Entwicklungen dabei und ich muss Euch recht geben: Dieser Flächeneffizienzwert ist tatsächlich zu etwas nütze!!! Das hätte auch ich nicht erwartet.

    Vor lauter Freude darüber sollten wir aber auch überlegen, wer wie mit diesem Effizienzwert umgehen sollte. Die meisten der genannten Auswirkungen sind Dinge, die die Hersteller, Testinstitute und Zertifizierer betreffen. Wir sollten also überlegen, wie diese die Check-Funktion des Flächeneffizienzwertes sinnvoll nutzen können.

    Keinesfalls sollten wir versuchen, den Endkunden dahin gehend zu erziehen, dass er aus dem Effizienzwert Fehler der Tester oder Zertifizierer erkennen können muss. Das ist nicht seine Aufgabe. Und daher sind diese Auswirkungen auch kein stichhaltiges Argument für das SOLERGY-Label als Endkunden-Label.

    Bei 5. sehe ich nicht den Vorteil des Flächeneffizienz-Wertes. Wir sind uns absolut einig, dass eine Förderung nach Quadratmeter falsche Anreize setzt. Das sage ich auch schon seit 10 Jahren. Wie Du richtig schreibst: Die Förderung sollte nach Ertrag erfolgen – nicht nach Kollektorfläche (auch nicht mit 525 kWh/m2 Mindestertrag) und auch nicht nach Flächeneffizienz. Insofern bietet das Label mit seinem Fokus auf Flächeneffizienz hier keine Lösung. Seltsamerweise reden SOLERGY-Befürworter immer gerne vom Etrag. Nur wenn es um das Label und seine Klassifizierung geht, dann lieber doch nicht.

  2. Roland Neumann

    Wir – die Sonnenplaner – beraten und bauen seit ca. 10 Jahren u.a. im Bereich der Solarkollektoren. Es wäre ein riesiger Schritt, wenn all der Schrott, der nur auf Fördermittel hin eingebaut wird, endlich in die Tonne wandert bzw. einfach nicht mehr gefördert bzw. für die Energieeffizienz eines Hauses angerechnet werden würde.

    Denn Sachlage ist derzeit, dass wir als Solarteure / Heizungsbauer im Neubau keine Chance haben zum Zuge zu kommen. Wer auf Qualität achtet und keinen Billigschrott anbietet, ist automatisch raus. Investoren von Mehrfamilienhäusern interessiert es i.d.R. nicht die Bohne, ob ein Kollektor auch Erträge bringt. Hier zählt nur: möglichst billig, Förderung kassieren, Energieeffizienz (Erneuerbare Energien) nachweisen, in der Vermietung mit Solar werben, um höhere Kaltmieten darstellen zu können.

    1. Cornelia Daniel Post Author

      Wahnsinn! Im Ernst?? Ich habe solche Dinge schon lang vermutet, aber noch nie in der Deutlichkeit. Hätten Sie mal Zeit für ein Interview?

    2. Roland Neumann

      Es ist natürlich unsere Sicht der Dinge – so wie wir es in der Praxis mehrfach erlebt haben und entsprechend interpretieren – beweisen lässt sich das letzten Endes nur schwer. Wenn man bei Angeboten an die Schmerzgrenze geht und dann vom Investor gesagt bekommt, dass dieser ein Angebot nehmen wird, welches den Preis, welchen wir Netto ausweisen in Brutto angeboten bekommen hat, bei angeblich gleichem Inhalt (Kollektorfläche, Pufferspeicher etc.), dann kommt man natürlich schon ins grübeln. Das ist auch der Grund, warum wir nur noch ungern überhaupt Angebote für Solarthermieanlagen bei Bauträgern bzw. Mehrfamilienhäusern abgeben. Bei Eigenheimen ist das anders – hier achtet der Auftraggeber i.d.R. auf Qualität, denn letzten Endes möchte er ja auch Einsparungen erzielen. Und ja, wir können uns gern unterhalten – die Kontaktdaten finden Sie auf unserer Internetseite (www.sonnenplaner.com).

    3. Cornelia Daniel Post Author

      Ihre Sicht der Dinge ist völlig ausreichend. Sie spiegeln die Praxis wider. Da können wir noch so lange recherchieren und wir würden nicht an die richtigen Informationen kommen. Ich melde mich wg. eines Interviews dazu!

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