Wir haben hier schon einiges zum neuen Kollektorertragslabel geschrieben. Und doch ist ganz bestimmt noch sehr vielen Menschen unklar, was das eigentlich soll. Deshalb möchte ich heute auf das Grundproblem eingehen, mit dem die “freien” Energien, wie ich sie gerne nenne, zu tun haben. Sehr oft, werden freie Energien, also jene die keine Primärenergie verbrauchen, mit Energieformen, die noch etwas verbrauchen oder verbrennen, verglichen. Da diese Energieformen gerade was den EnergieVERBRAUCH betrifft so schlecht vergleichbar sind, werden sie einfach nicht verglichen. Genau das ist der Solarthermie beim neuen Effizienzlabel für Heizgeräte passiert.
Laut EU-Definition ist Solarthermie kein Wärmeerzeuger sondern eine Effizienztechnologie
Stefan Abrecht, der “Erfinder” des Kollektorlabels mit dem wir hier schon gesprochen haben, erklärt das folgendermaßen.
“In den Begriffsbestimmungen der EU ist ein Wärmeerzeuger nur dann ein Wärmeerzeuger, wenn er fossile oder Biomasse-Brennstoffe verbrennt, den Joule-Effekt bei der Direktstromheizung nutzt oder Umgebungswärme aus Luft, Wasser oder Boden aufnimmt. Da die Solarthermie leider kostenlose Sonnenenergie verwendet und nichts verbrennt oder verbraucht, gilt sie offiziell nicht als Wärmeerzeuger, sondern als Effizienztechnologie. Das führt dazu, dass sie nicht in den Wettbewerb zu konventionellen Wärmeerzeugern tritt, obwohl sie 50% des Bedarfs für Warmwasser und Heizung decken könnte.”
Warum gelten Solarkollektoren also nicht als Wärmeerzeuger?
Stefan Abrecht ist auch dieser Frage auf den Grund gegangen und ist zu einer erstaunlichen Erkenntnis gelangt. Die Solarthermie würde jegliche Skalen sprengen, deshalb lässt man sie einfach gleich weg, weil eben freie Energien so schwer vergleichbar sind mit inputgetriebenen Energien. Ich erklär das das aber erstmal der Reihe nach und hoffe, dass ich alles richtig verstanden habe.
Unterscheidung zwischen Primärenerige und Nutzenergie wichtig
Um das alles zu begreifen, muss man zuerst den Unterschied zwischen Primärenergie und Nutzenergie verstehen. Sabine hat hier dazu schon mal einen ausführlichen Artikel geschrieben. Kurz gesagt ist Primärenergie der Rohstoff der eingesetzt wird um Nutzenergie zu erhalten. Nutzenergie ist die Wärme, die bei uns beim Wasserhahn rauskommt und je nachdem wie viel Primärenergie in Form von Kohle oder Gas eingesetzt werden muss um Nutzenergie zu erhalten, spricht man von effizienteren oder weniger effizienten Geräten.
ERP-Label schaut sich an, wie viel Primärenergie eingesetzt werden muss
Das ERP-Label und die EU-Richtlinie vergleicht hier die verschiedenen Wärmeerzeuger, je nachdem wie effizient sie die Primärenergie verwenden. Demnach gehören Sole-Wärmepumpen und BHKW’s zu den effizientesten Wärmebereitstellern und Elektrokessel zu den ineffizientesten. Das mit den Elektrokesseln liegt vermutlich daran, dass weit, weit entfernt irgendwo sehr viel Kohle verbrannt werden muss, um Strom zu erzeugen, mit dem dann zu Hause Wasser erwärmt wird und auf diesem Weg mit sehr vielen Verlusten zu rechnen ist.
Bei dieser Annahme explodiert die Skala bei Sonnenkollektoren
Ich hoffe soweit ist alles klar. Es geht also darum, wie viel “Stoff” gebraucht wird um eine bestimmte Menge nutzbarer Energie zu erzeugen. Da man bei Solarthermie bis auf den Pumpenstrom so gut wie keine externe Energie braucht, explodiert die Skala bei dieser Betrachtungsweise. Sie stellt alle anderen Energieformen in den Schatten und die Systeme sind nicht mehr wirklich vergleichbar.
Neuer Ansatz mit Fokus auf die nutzbare Energie
Stefan Abrecht hat deshalb einen anderen Ansatz gewählt und sich angeschaut wie die Skala aussieht, wenn man fragt, wie viel Primärenergie für 100% Nutzenergie gebraucht wird. So wird sichtbar, welche Energieformen die wenigste Primärenergie verbrauchen und es wird auch deutlich, warum es gesamtenergiewirtschaftlich unglaublich wichtig wäre, diese Energieformen nicht zu diskriminieren.
Was ist nun das Ziel des neuen Labels?
Ziel des Kollektorertragslabels ist es also, die ErP-Kennzeichnung zu ergänzen, da sie nur auf energieverbrauchende Produkte eingeht und Solarkollektoren als Effizienztechnologie einzig im sogenannten Verbundlabel ausweist. Sie wird also lediglich zum “Beiwagerl” statt als ernstzunehmender Energieträger dargestellt. Das heißt auch, die Verbraucher wissen im schlimmsten Fall gar nicht, dass es sowas wie Solarthermie überhaupt gibt und schon gar nicht, wie sie im Vergleich zu den anderen Wärmeerzeugern dasteht. Zusätzlich wird es mit dem Kollektorlabel auch endlich möglich, Solarkollektoren untereinander vergleichbar zu machen. Der Endkunde hat derzeit so gut wie keine Möglichkeit, den spezifischen Ertrag der einzelnen Kollektoren miteinander zu vergleichen, wie es bei der Photovoltaik seit Anbeginn möglich ist. Schließlich sollen mit dem Label die Angaben auf dem Solar Keymark Datenblatt 2 vereinfacht dargestellt werden, damit sie sich leichter erklären lassen. Ich halte vor allem diesen Punkt für besonders wichtig, weil viel zu lange nicht klar war, wie viel die Kollektoren unter Standardtestbedingungen liefern können.
Soweit alles unklar? Was meint ihr? Hier auch die Erklärung wie es nun aussehen soll.
Rina H. / photocase.com
Zu dem Label habe ich inhaltlich ja schon einiges gesagt* – und ich akzeptiere, dass man dazu sicherlich unterschiedlicher Ansicht sein kann.
Aber was ich wirklich nicht verstehen kann: Warum bezeichnet Ihr das als Ertragslabel? Es ist und bleibt ein Effizienzlabel. Daran ändert sich auch nichts, wenn man es “KollektorERTRAGSlabel” schreibt: Die Einteilung in Klassen bemisst sich nicht daran, wieviel Ertrag der Kollektor im Jahr erbringt, sondern daran, wie effizient er dazu die Kollektorfläche nutzt. Die relevante Einheit ist also nicht – wie es wünschenswert wäre – kWh/a sondern kWh/(m2*a).
Die Jahres-Erträge werden auf dem Label nur unten “im Kleingedruckten” kommuniziert! Wenn es sich bei diesem Label also um ein Kollektorertragslabel handeln sollte, dann ist das normale ErP-Label (hier zu sehen im Vergleich: https://blog.paradigma.de/wp-content/uploads/2015/08/Vergleich-ERP-Label-und-Kollektorertragslabel1-594×380.png) eigentlich eine Lärm-Label oder ein Leistungs-Label – das sind die Angaben die im ErP-Label an selber Stelle kommunziert werden.
Ich sage es noch einmal ganz deutlich: Wer Erträge sagt, aber Effizienz bewertet, hat offensichtlich etwas zu verbergen! Meine Vermutung: Hinter der Effizienz sollen zu hohe kWh-Kosten versteckt werden – nach dem Motto:” Bei uns kostet die Kilowattstunde Solarwärme zwar mehr als bei der Konkurrenz, aber immerhin sind unsere Kollektoren effizienter”!
*) Meine Argumente habe ich hier bereits veröffentlicht: http://www.sonnewindwaerme.de/solarthermie/kollektor-label-fuehrt-irre
Auf dem Label steht sehr wohl der Ertrag in kWh/Jahr und nicht/m2, eben der Würzburg 50° Wert.
Du weisst auch welcher Gestehungskostenfan ich bin, aber es wäre absolut unmöglich hier tragbare Zahlen draufzuschreiben, das geht nur nachdem ein Angebot auf dem Tisch liegt. Hier haben wir ja schon mal die verschiedenen Kollektortypen nach Gestehungskosten verglichen. https://blog.paradigma.de/ertragsbezogene-foerderung-bei-unterschiedlichen-solarkollektoren/
Ja, sag ich ja: Auf dem Kollektorlabel werden die Erträge da kommuniziert, wo auf dem ErP-Label andere “unwichtige” Details, z.B. Lärm und Leistung kommunziert werden.
Über die Erträge kann ich als Kunde dann auch eine Preis-Leistungs-Abschätzung machen. Völlig klar.
Aber erstmal werde ich über die Effizienz-Klassifizierung freundlich dahin gesteuert, doch bitte die effizienteren Kollektoren zu kaufen. Nicht die mit den höheren Erträgen.
Wenn Erträge das Maß der Dinge sein sollen (und deshalb spricht ja nicht nur der Schöpfer dieses Labels von einem “Kollektorertragslabel”), dann müssen diese im Mittelpunkt des Labels stehen, dann muss anhand der Erträge bewertet werden.
Alles andere – und dabei bleibe ich – ist absichtliche oder unabsichtliche Augenwischerei. Sie lenkt von den Eträgen ab und erschwert daher einen wirklich vernünftigen Vergleich von Kollektoren.
Cui bono?
Was ich ja tatsächlich spannend finden würde, wäre welcher Kollektor in der Übergangszeit die besten Erträge liefert. Im Sommer liefern eh alle zu viel. Aber das lässt sich vermutlich noch schwerer definieren.
Ich wär im übrigen auch dafür, dass der Kollektorertrag noch viel größer aufs Label kommt.
…bitte die effizienteren Kollektoren zu kaufen, nicht die mit den höheren Erträgen…???
Was soll denn dieser Widerspruch? Die Begriffe Kollektorflächenertrag und Kollektoreffizienz sind schon immer synonym zueinander. Effizientere Kollektoren sind gerade deshalb effizienter, weil sie die höheren Solarerträge haben. Es leuchtet ein, dass sich der Solarertrag bei Kollektoren immer auf eine Fläche beziehen muss, seit 2013 nach ISO 9806 auf die Bruttofläche (=Länge x Breite), um der unüberschaubaren Vielfalt von Kollektorgrößen am Markt vergleichend Rechnung tragen zu können. Teilt man den Solar-Keymark-Solarertrag eines beliebigen Kollektors aber durch seine Brutto-Kollektorfläche, wird sein Solarertrag erst durch diese verbraucherfreundliche Normierung mit dem anderer Kollektoren vergleichbar.
Hallo Herr Dr. Meißner,
Sie haben recht, Effizienz und Ertrag müssen nicht im Widerspruch zueinander stehen – aber es gibt auch keinen (engen) Zusammenhang: Es gibt effiziente Kollektoren mit hohen Erträgen, aber auch weniger effiziente, die vergleichbare oder sogar höhere Erträge über eine größere Fläche erzielen. Das habe ich hier grafisch sehr deutlich zeigen können: http://www.sonnewindwaerme.de/sites/default/files/styles/large/public/044-045_kollektorlabel_diagramm1.png
Der Kunde kann die Kollektoren ja nur stückweise kaufen – nicht nach laufenden Quadratmetern. Daher ist eine Betrachtung pro Kollektor für den Kunden viel aussagekräftiger als eine pro m2. Entscheidend ist am Ende für ihn der Ertrag, der aus dem Kollektorfeld rauskommt und der lässt sich leichter im Kopf ausrechnen, wenn die Kenngröße kWh pro Kollektor ist. Das hat z.B. auch die Autorin der Vorstellung des Projekts des Monats Juli 2015 so gemacht. Sie schreibt, dass als Kollektoren zwei Mal der Paradigma AQUA PLASMA 15/40 zum Einsatz kommt – und als Anmerkung steht dahinter “2 x 2.568 kWh/a”. Da muss ich nicht viel überlegen: Das sind “gut 5100 kWh/a”. Hätte sie dagegen geschrieben “2 x 3,99m2 x 644 kWh/(m2*a)”, ist das schon nicht mehr ganz so offensichtlich.
Dass die Vergleichbarkeit “pro Stück” für den Kunden vorteilhafter und daher üblich ist, kann man auch an anderen Labels bzw. (Warn-)Hinweisen für diverse Produkte sehen. Für Autos muss der Hersteller den CO2-Austoß pro km angeben – und zwar nicht pro m2 Grundfläche des Autos oder kg Leergewicht. Und auch nicht pro Sitzplatz. Der Wert ist immer pro Auto, egal ob es ein kleines zweisitziges Mikrokompaktauto ist oder eine große 7-sitzige Familienkutsche. Auch die Tabak-Industrie wurde verpflichtet, die Schadstoffe pro Zigarette anzugeben:” Der Rauch einer Zigarette dieser Marke enthält…”. Der Gesetzgeber hätte es auch auf das Gramm Tabak beziehen können, das in der jeweiligen Zigarette steckt. Aber das wäre für den Verbraucher weniger transparent.
Noch einmal zum Projekt des Monats: Dieses zeigt auch sehr schön, dass eine höhere Effizienz des Kollektors nicht notwendigerweise zu höheren Erträgen führt. Auf dem Foto kann man gut erkennen, dass noch viel geeignete Dachfläche frei bleibt. Da hätte man vermutlich auch genauso gut weniger effiziente Kollektoren nehmen könnne und dafür die Kollektorfläche ein klein bisschen vergrößern. Die effizienteren Kollektoren führen lediglich dazu, dass noch mehr Dachfläche solartechnisch ungenutzt bleibt. Aber kann man sie aus diesen Grund als “besser” bezeichnen. Und sie daher in einer höhere Label-Klasse einsortieren?
Wohlgemerkt: Dies alles bezieht sich auf den normalen Endkunden, für den das Kollektorlabel ja sein soll. Für die meist kommerziellen Kunden von einer Firma wie Ritter XL gelten natürlich ganz andere Regeln.
Ich glaub da ist wirklich ein Missverständnis im Laufen. Es ist ja nirgends auf dem Label ein Ertrag/m2 weil es ja um den Kollektor geht. Es steht der Ertrag/kWh drauf, genau so wie wir es beim Projekt des Monats abgelesen haben. Das ist ja genau der 50° Würzburg Wert. https://blog.paradigma.de/der-erfinder-des-kollektorertragslabels-im-interview/
Vielleicht sollte man das mal verbildlichen wie es dann wirklich bei einem Kollektor draufsteht.
Und was ich echt nicht verstehe ist, warum für die Solarthermie nicht dasselbe gelten soll, wie für die PV. Da ist es ja auch so, dass manche Module auf kleinerer Fläche mehr erzeugen und deshalb eben eine andere Nennleistung haben. Dort ist halt der Vorteil, dass es sowas wie standardisierte Größen gibt.
Nein, ich glaube nicht, dass es da ein Missverständnis gibt.
Unten auf dem Kollektorlabel – “im Kleingedruckten”, wie ich es nannte – ist der Etragswert aus dem Solar Keymark-Datenblatt tatsächlich angegeben. In dem von Dir zitierten Beitrag steht neben dem Bild auch korrekt “Ertragswerte pro Kollektor pro Jahr”.
Die eigentliche Klassifizierung (z.B. A++) und die dazugehörigen Balken – und die sind die Hauptaussage des Labels – beziehen sich aber nicht auf diesen Wert sondern auf die KollektorFLÄCHENeffizienz. Sie sind auf m2 normiert. Daher steht neben dem Bild in Stefans Beitrag auch ganz richtig “ERTRAG pro m2”. Und genau das ist das Problem: Nur wenn die Fläche knapp ist, spielt diese Betrachtung eine Rolle.
In Eurem Projekt des Monats Juli scheint das klar nicht der Fall gewesen zu sein. Hier hätte ein Kollektor-Modell mit geringerer Effizienz aber größerer Fläche denselben oder sogar einen höheren Ertrag bringen können, wie das ausgewählte Modell.
Den weniger flächeneffizienten Kollektor dafür in der Label-Klasse abzustrafen, dass er etwas größer ist, ist schlichtweg nicht zielführend, wenn man möglichst viel konventionelle Energie durch Solarenergie ersetzen möchte.
Daher bleibe ich dabei: Dieses Label setzt nicht den richtigen Anreiz. Den zu höheren Erträgen!
Hallo
Ob nun Kollektoreffizienz oder Kollektorertrag. Meine Vermutung; man wollte mit der Begrifflichkeit einfach juristische Scherereien aufgrund zu großer Nähe zum EU Effizienslabel vermeiden. Ich begrüße es jedenfalls dass mal etwas Schwung & Diskussion in den Solarwärme-Markt kommt.
Bin mir sicher, mehr Innovationsdruck (ob nun durch Transparenz, angepasste Förderungspolitik oder sonst auf anderem Wege) würde die resultierenden Kosten pro erzeugter kW/h auf breiter Basis purzeln lassen und der Technologie zu mehr Akzeptanz verhelfen. Ansonsten sehe ich die breite Basis in Zukunft mit Strom heizen; der meist fossil gewonnen wird.
Hallo, Herr Trenkner,
Ihr Plädoyer dafür, nicht die Einheit, sondern das Stück Kollektor zu vergleichen, könnten Verbraucherschützer nicht teilen. Wir sind uns sicher einig, dass dies für Kunden mit ausreichender Expertise ganz egal ist. Diese erwarten nämlich von allein von einem 4-m²-Kollektor den doppelten Ertrag wie von einem 2-m²-Kollektor. Den meisten Kunden tut man aber einen großen Gefallen, wenn man auf den Käse und die Wurst eben auch den Kilopreis und auf die Cola den Literpreis und für die Kalorienbewussten die Kalorien pro 100 Gramm schreibt. Die großen Lebensmittelkonzerne hätten das nur zu gern verhindert, so wie die großen Heizungskonzerne immer noch gern den spezifischen Ertrag einiger ihrer Kollektoren verschleiern. Mit Ihrer Argumentation, der Kunde solle einfach nur fragen, was sein Kollektor für einen Ertrag bringt und sich nicht um dessen Flächeneffizienz kümmern, erweisen Sie vor allem diesen Verschleierern einen großen Gefallen.
Ich hadere auch mit Ihrer These zu einem kleinen effizienten Kollektor auf einem (zu) großen Dach, wenn Sie schreiben: „Da hätte man vermutlich auch genauso gut weniger effiziente Kollektoren nehmen können und dafür die Kollektorfläche ein klein bisschen vergrößern.“
Bedenken Sie bitte, dass alle ungefähr gleich dimensionierten Kollektoranlagen in absoluten Zahlen auch etwa die gleichen Verluste über ihre Rohre, Armaturen und Speicher haben, die nicht unerheblich sind. Ein weniger effizienter Kollektor ist im Systemvergleich nach Abzug der Verluste automatisch stets noch viel weniger effizient. Das Dilemma des weniger effizienten Kollektors ist es ja leider, dass dies vor allem unter anspruchsvollen Bedingungen gilt (suboptimales Wetter, niedrige Außentemperaturen, hohe Speichertemperaturen, Wind). Bei wenig Wärmebedarf im Hochsommer liefert er viel mehr Überschüsse als der effizientere und kleinere, so dass für den etwas größeren Kollektor die ganze Anlage oft viel größer ausgelegt werden muss. Die entscheidende Komponente bei Solaranlagen ist nun einmal der Kollektor. Er besitzt als Energiewandler hinsichtlich seiner Effizienz und seines Wirkungsgrades dieselbe Schlüsselfunktion wie
– der Motor in einer Kraftmaschine,
– eine Batterie in einem netzunabhängigem elektrischen Gerät
– das Triebwerk bei einem Flugzeug
usw. Es ist evident, dass bei allen diesen Energiewandlern auch alle übrigen Komponenten funktionieren müssen, aber damit kann das Ergebnis der Energiewandlung nicht mehr verbessert, sondern nur noch eine Verschlechterung durch Verluste, Ausfälle, Betriebsrisiken usw. minimiert werden. Jedes solarthermische System wird überproportional umso schlechter, je leistungsschwächer der Kollektor ist, weil die Verluste, d. h. die Differenz zwischen Kollektor- und Systemertrag, umso stärker zu Buche schlagen, je weniger Kollektorertrag zur Verfügung steht. Es ist wie beim Fliegen. Auch hier muss das Triebwerk immer erst einmal das betankte Flugzeug tragen können. Erst die Triebwerksleistung, die mehr als das Flugzeug zu tragen vermag, ist für das „System Flugzeug“ relevant.
Deshalb würde ich lieber die kleinere Kollektorfläche mit den effizienteren Kollektoren auf Ihrem Beispieldach lassen, ganz abgesehen von dem Vorteil, dass dann immer noch Platz für eine spätere Erweiterung bleibt.
Hallo Herr Dr. Meißner,
ich muss noch einmal auf das zurückkommen, was Sie zuletzt schrieben:
“Den meisten Kunden tut man aber einen großen Gefallen, wenn man auf den Käse und die Wurst eben auch den Kilopreis und auf die Cola den Literpreis und für die Kalorienbewussten die Kalorien pro 100 Gramm schreibt.”
Da gebe ich Ihnen natürlich voll und ganz recht. Nur handelt es sich bei Kollektoren (wie bei den Autos aus meinem Beispiel) um Produkte, die ich im Gegensatz zu Käse, Wurst oder Cola nur in diskreten (ganzen) Einheiten “konsummieren” kann. Bei den von mir genannten Zigaretten ist es zwar nicht unmöglich, aber doch sehr unüblich soetwas wie eine halbe davon zu konsummieren. Insofern macht bei solchen Produkten in erster Linie eine Angabe pro Stück Sinn.
Man muss sich doch im Einzelfall immer fragen: Was macht der Kunde damit? Was will er wissen? Wenn ich zwei Flüssigwaschmittel für die Waschmaschine vergleiche, nutzt mir ein genormter Liter-Preis doch gar nix, wenn ich nicht auch weiß, wieviel ich pro Waschladung bei jedem der Waschmittel benötige. Als Konsument interessiert mich hier also am dringendsten der Preis pro Menge, die ich für eine Wäsche benötige (ob das bei Waschmitteln tatsächlich so gehandhabt wird, weiß ich nicht. Aber es wäre doch sinnvoll). Wenn ich wissen will, wieviel Solarenergie der Kollektor liefern kann oder welchen solaren Deckungsgrad ich erreiche, bin ich mit einem kWh/Kollektor-Wert besser bedient als mit einem Wert, der sich auf die Fläche bezieht.
An anderer Stelle schreiben Sie: “Ein weniger effizienter Kollektor ist im Systemvergleich nach Abzug der Verluste automatisch stets noch viel weniger effizient.” Und das ist jetzt wirklich interessant. Es bedeutet nämlich, dass man doch nicht den Kollektor an sich (und die genormten Ergebnisse aus dem Keymark Test) als Maßstab anlegen sollte. Das finde ich gut; es kommt einer anderen Forderung von mir deutlich näher: Wir sollten aufhören, immer so auf den Kollektor zu fokussieren.
Entscheidend sollte sein, was das System liefert. Beim Auto interessiert uns auch nicht der Verbrauch des Motors sondern der des “Gesamtsystem Auto”. Der Kollektor kann eine Krücke sein, anhand derer man ein System einordnet (z.B. auch in Finanzfördersystemen wie dem MAP), aber dem Kunden zu suggerieren, er kaufe eine bessere Solaranlage, weil die darin verbauten Kollektoren ein A++ in ihrer Flächeneffizienz haben, halte ich für falsch.
Richtig wäre es, dem Kunden zu zeigen, wieviele kWh (nutzbare) Solarenergie er unter Normbedingungen zu erwarten hat. Davon lenkt die einseitige Betrachtung des Kollektors und vor allem die seiner Flächeneffizienz klar ab.
Sehr geehrter Herr Uwe Trenkner!
(Käse/Wurst und Cola…-Diskussion unter Normbedingungen 🙂 … )
Vorweg und ehrlich gesagt: ich habe keine Ahnung, warum Sie das KEL (Kollektorertragslabel) so vehement kritisieren – obwohl ich mich redlich und sachlich bemüht habe, Ihnen und Ihrer Argumentation zu folgen – und welche Botschaft Sie mit Ihrer vielleicht auch (nicht)treffenden?! Kritik am KEL haben und welche Interessen Sie damit verfolgen (ich habe auch Ihren Beitrag zum KEL i d SWW 07/08 2015 gelesen).
Ohne auf die Details Ihrer Argumente und auf die von Ihnen in Gang gesetzte z.T. zu technische Diskussion eingehen zu wollen – das werde ich auch in Zukunft nicht tun – bin ich von der Vehemenz Ihrer Stellungnahmen doch sehr überrascht und doch noch nicht wortlos: Zitat Uwe T.: “… Daher kann das Fazit für das SOLERG-Label …. nur vernichtend ausfallen. ….”. Wissen Sie was für die Solarthermie-Branche wirklich vernichtend ist? Das immer wieder ein Experte aus der Solarthermie-Branche kommt, der glaubt gescheiter und schlauer zu sein, als der Rest der Welt … und dies auch noch laut und deutlich, fundiert oder weniger fundiert, sagt, schreibt und auch noch glaubhaft zu begründen versucht, dass das Ergebnis einer endlich!!! freiwilligen Brancheninitiative = KEL / auf gut neuösterreichisch einfach nur „shit“ ist. Sorry, für das pointierte neuösterreichische Wort … aber „vernichtend“ klingt auch nicht nach „germanischer Mädchen(Buben)pensionats-Etikette“ … .
Und Hand auf Herz! Haben Sie ein besseres Konzept um die Solarthermie in einem der wettbewerbsintensivsten Märkte die es gibt, mit Selbstbewusstsein und erhobenen Hauptes zu positionieren? Auch ähnlich der freiwilligen Branchen-„Initiative Sonnenheizung“, die aus dem KEL heraus entstanden ist. Ich würde mich über Ihren konstruktiven, „besseren“ und in der Praxis umsetzbareren Vorschlag wirklich sehr freuen – und das meine ich ernst und wäre auch sehr dankbar dafür.
Noch ein kurzer Exkurs zum Wort „vernichten“ – Synonyme /= zerstören, liquidieren, ausmerzen, niedermachen, verderben, ruinieren, abschaffen, ausrotten u.v.a.m. … .
Wirklich vernichtend und selbstzerstörerisch finde ich, dass eine engagierte Initiative – natürlich mit Stärken und Schwächen – aber mit einem durchaus nachhaltigen, proaktiven und seriösem Konzept, den market-turn-arround schaffen möchte, von einem vermeintlichen Experten mit einer nicht nachvollziehbaren Konsequenz kritisiert wird, anstatt sich gemeinsam auf einen Tisch zu setzen und das KEL-Konzept mit weiter zu entwickeln und zu verbessern– ich würde Sie sehr gerne dazu einladen!
Eine (vor)letzte Anmerkung sei noch gemacht: die aktuelle Marktsituation in Europa begründet sich auch darin, dass wir es verabsäumt haben u.a. in Brüssel (EU) schon vor 10 Jahren für die Solarthermie die richtigen Weichen zu stellen und den Gesetzgeber für unsere tolle Technologie zu begeistern und entsprechendes Lobbying zu betreiben. Was ist seit 2005 in Brüssel verschlafen worden? Haben Sie eine Antwort auch darauf?!
Zu guter Letzt / sehr gerne für Sie zur Reflexion und zum Nachdenken: Die Branche soll beim KEL mitmachen und Sie auch!!!, wenn Sie wirklich konstruktive und proaktive Ideen und Beiträge haben!!! Denn, Ihrer bis dato Argumentation zu folgen, könnte u.U. wirklich vernichtend sein….
Hallo Herr Mischensky,
ja, ich finde das SOLERGY-Label schlimm. Und ja, ich würde es gerne “abschaffen”. Insofern ist die Wortwahl nicht falsch.
Ich handele hier ausschließlich in meinem Namen. Ich werde weder dafür bezahlt gegen das KEL zu sprechen noch habe ich mich dazu mit irgendeinem Kunden von mir abgestimmt.
Es ist schade, dass Sie auf die Details meiner Kritik nicht eingehen wollen. Ich habe in dem von Ihnen erwähnten Beitrag in der SWW sehr deutlich gezeigt: Da sich das KEL an der Flächeneffizienz orientiert und nicht am Ertrag, taugt es nicht, um höhere Erträge zu bewerben. Ein Kollektor der mehr bringt, kann im KEL eine schlechtere Einstufung erhalten. Für die Wärmewende ist das schon einmal sehr unglücklich. Vielleicht können Sie ja einmal erkären, was Sie daran trotzdem positiv finden. Mir leuchtet es nicht ein.
Zum anderen: Flächeneffizienz hat üblicherweise seinen Preis. Ich habe verschiedene Möglichkeiten, den Flächenertrag zu erhöhen – aber üblicherweise steigen damit auch die Kosten. Ich kann dickere Absorberbleche verwenden, die Absorberrohre enger verlegen, mehr Schweißpunkte, bessere Isolierung, Antireflex-Beschichtung, Doppelverglasung usw. usw. Aber das kostet zusätzlich Geld. Anhand der von der SWW veröffentlichten Kollektorübersichten habe ich sehr deutlich zeigen können: Mit der KEL-Klasse steigen tendenziell auch die Wärmegestehungskosten*). Und das ist sehr schlecht!
Seit die Krise der europäischen Solarthermie (ca. 2008/2009) begann, setzte sich bald als Konsens durch: Wir müssen kostengünstiger werden – vor allem auf Systemebene. Diese Erkenntnis zog sich durch Diskussionen z.B. in den Solarthermietechnolgieplattformen. Vor zwei Jahren erzählte Werner Weiss z.B., dass AEE INTEC an einem öffentlich geförderten Projekt mitarbeitet, bei dem es darum geht, die Kosten der Solarthermie innerhalb weniger Jahre zu halbieren. Dies wird für notwendig erachtet, vor allem weil der Wettbewerb mit anderen Technologien (und hier insbesondere das Heizen mit PV-Strom) immer schärfer werden wird.
So, und in dieser Situation kommt jemand auf die Idee, Kollektoren so zu bewerten, dass ausgerechnet die mit den höheren Wärmekosten am besten abschneiden. Grandios! Ich glaube, besser kann sich eine Branche nicht in den eigenen Fuß schießen!
Ich bin überzeugt von der Solarthermie und daher ist mir dieses Label nicht egal. Daher werde ich auch weiterhin dagegen argumentieren – bis es vom Markt verschwunden ist. Oder bis es sich durchgesetzt hat (dann werde ich den Mund halten und mir im stillen meinen Teil dazu denken). Noch ist Zeit und Gelegenheit, dieses Label nicht zum freiwilligen Standard zu machen!
Ich würde mich wirklich freuen, wenn einmal jemand meine beiden Hauptargumente auseinandernimmt. Gerade die höheren Wärmekosten der effizienteren Kollektoren hat noch niemand in Frage gestellt. Sieht hier außer mir wirklich niemand ein Problem?
*) Von dem KEL profitieren vor allem Produkte mit höherer Flächeneffizienz und höheren Wärmegestehungskosten – sie sind kostenseitig vielleicht nicht wettbewerbsfähig, weisen aber eine (sehr) gute KEL-Klasse auf. Ich habe daher einmal das Diagramm, das ich in der SWW gezeigt habe, nachbearbeitet und die Produkte der Unterstützer der Initiative Sonnenheizung orange markiert: https://www.trenknerconsulting.com/downloads/kollektor-effizienz-kosten.png
Es belegt sehr gut meine These: Wer Kollektoren mit geringen Wärmegestehungskosten anbieten kann, hat das KEL offensichtlich nicht nötig!
Zitat Klaus Mischensky: “Was ist seit 2005 in Brüssel verschlafen worden?”
Hierzu wollte ich separat noch etwas antworten, weil es in eine etwas andere Richtung geht. Das Problem ist übrigens mindestens ebenso stark eines der nationalen Politiken. Der schrumpfende Solarthermiemarkt in Österreich zum Beispiel, ist maßgeblich auf nationale bzw. Länder-Politik zurückzuführen. Die Vorgaben von der EU sind so schlecht nämlich nicht.
Ich war von 2002 bis 2009 Lobbyist für die Solarthermie in Brüssel; insofern kann ich dazu einiges sagen. Als wir mit ESTIF 2002 anfingen, gab es Europäische Richtlinien für den EE-Strommarkt und für EE im Transportsektor (Biokraftstoffe). ESTIF hat daher über Jahre ein Koalition aufgebaut für ein vergleichbares Gesetzeswerk für die Wärme aus Erneuerbaren Energien. Wir haben Argumente zusammengetragen, Vorschläge erarbeitet und viele Gespräche geführt. Es gab einen Gesetzesentwurf in den Schubladen der Kommission, der dann zurückgehalten wurde, als klar wurde, dass es bald eine gemeinsame Richtlinie für alle Erneuerbaren Energien geben würde. Und tatsächlich: Die Erneuerbare Energien Richtlinie von 2009 enthielt endlich gleichberechtigt einen Block zum Wärmemarkt. Und er nahm die Empfehlungen auf, die maßgeblich von der Solarthermie-Branche ausgearbeitet worden waren: sektorielle nationale Ziele für den Ausbau der EE, Bauverpflichtungen im Neu- und Altbau, Qualitätssicherung durch Qualifizierung von Installateuren und mehr.
Vieles davon ist (noch) nicht auf nationaler Ebene angekommen. Anderes (Bauverpflichtung im Neubau) ist in Zeiten schwacher Bautätigkeiten eher wirkungslos geblieben. Aber ich bin der Meinung, dass hier aus Brüssel solide Vorgaben gekommen sind, mit denen z.B. die nationalen Solarthermieverbände bei sich Lobbyarbeit machen können.
Ein anderes wichtiges Thema ist Forschung und Entwicklung. Werner Weiss und Harald Drück ist es zu danken, dass ESTIF eine Europäische Solarthermie Technologie-Plattform auf den Weg gebracht hat. Diese ist später zur heutigen RHC-Platfform erweitert worden, weil die Europäische Kommission – auf Gutdeutsch – keine Lust hatte, mit jeder Sub-Branche des EE-Wärmemarkts einzeln zu sprechen. Das Solarthermie-Panel darin hat aber weiterhin wichtige Themen herausgearbeitet, die von der Kommission (und auch von nationalen Institutionen) durchaus aufgenommen wurden. Dadurch wurde z.B. wirklich mal etwas Geld bereit gestellt für Arbeit an thermischen Speichern. Auch das Thema industrielle Prozesswärme ist durch die Europäische und die Nationalen ST-Technologieplattformen stark gepusht worden. Und eine Reihe von interessanten Projekten hat darin ihren Ursprung.
Auch beim Energielabel für Heizungssysteme hat die Branche sehr effizient Lobbyarbeit geleistet. Weil einige aus der Branche erkannt hatten, dass die Solarthermie beim Label völlig draußen vor bleiben würde (wir könnten nicht zeigen, dass Solarthermie die Effizienz eines Heizungssystem verbessert!), hat ESTIF etliches an Zeit und Geld in dieses Thema investiert. Wir haben die Idee des Verbundlabels entwickelt, damit auch die Solarthermie-Spezialisten vom Label profitieren können. Dabei zeigte sich einmal mehr: Auch die Unterstützung seitens der Hersteller war sehr schwierig. Es gab nur sehr, sehr wenige Firmen, die jeweils einem Mitarbeiter genügend Zeit geben konnten, sich in die sehr komplexe Materie einzuarbeiten und dann auch noch auf europäischer Ebene Vorschläge durchzusehen, zu kommentieren, Gegenvorschläge zu erarbeiten. Bis heute kämpfen wir mit Unklarheiten und Fehlern im europäischen Regelwerk, die sich vielleicht hätten vermeiden lassen, wenn ein paar kluge Köpfe mehr an den entscheidenden Treffen hätten teilnehmen können.
Klar würde ich mir mehr wünschen. Aber man muss halt Prioritäten setzen. Und ich finde, die oben aufgeführten sind durchaus nicht die schlechtesten gewesen.
Danke für diese Einblicke in die EU-Politik. Verstehe ich es richtig, dass es letztendlich um Personalmangel an den entscheidenden Stellen geht und ging? Ich sehe ein ähnliches Bild bei den erneuerbaren Verbänden in Österreich. Alle strudeln sich ab, sind völlig unterfinanziert und sind sehr schwach aufgestellt, was die Formulierung von Gesetzes- und Fördergrundlagen betrifft. Alles Punkte in denen die fossile Seite seit Jahren brilliert… Leider tut niemand was dagegen…
Geld und MitarbeiterInnen für den Verband wären sicherlich EIN wichtiger Baustein. Nur um einmal die Größenordnungen zu verdeutlichen: Als ich 2009 ESTIF als Generalsekretär verließ, hatten wir 4 Mitarbeiter. Der PV-Verband hatte – wenn ich mich recht erinnere – gut 30 und der Windkraftverband über 100 (zugegeben, ein großer Teil von Ihnen war im Event/Messe-Bereich tätig).
Auch die finanziellen Resourcen waren deutlich kleiner: Für die zusätzliche Arbeit im Bereich Energielabel mussten wir damals unsere Mitglieder um eine Sonderabgabe bitten. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt gab der PV-Verband einen nicht ganz kleinen 6-stelligen Betrag für eine einzige Studie aus, die eine namhafte internationale Unternehmensberatung ausarbeitete.
Wichtig wäre aber auch eine starke Medienpräsenz auf nationaler Ebene. “Europäische” Medien gibt es ja praktisch nicht und die Policy Maker lesen/sehen/hören natürlich auch viel aus ihrer Heimat. Über Windkraft und PV – überhaupt über Strom-Themen – las und liest man stets sehr viel. Das liegt zum Teil schon an den Firmen, die darin tätig sind. Anders als in der Solarthermie, sind hier viele multinationale Großunternehmen zu finden, oftmals börsennotiert und schon allein deshalb interessiert und oft verpflichtet jeden neuen Vertrag, jede neue Kooperation, jeden neuen Standort in den Medien zu vermelden. Der solarthermische Mittelstand macht oft gar keine Pressearbeit, und wenn überhaupt, dann maximal auf nationaler Ebene. Aber auch hier muss man sich die Größenordnung einmal klar machen: Auf der einen Seite stehen in der Wind- oder PV-Branche Weltkonzerne vom Schlage eines Siemens oder General Electric. Oder große Stromunternehmen wie Iberdrola, E.on usw. Und auf der anderen Seite kam unser mit Abstand größter Kollektorbauer zu Hochzeiten auf – was mag es gewesen sein?… 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Außerhalb der Solarthermie kennt niemand seinen Namen (schreiben kann ihn selbst in unserer Branche kaum einer fehlerfrei).
Carsten Körnig vom BSW-Solar beschrieb es auch einmal sehr passend: Wenn mir ein Solarthermie-Mitglied erzählt, dass es sich eine neue Produktion hingestellt hat, reden wir über 1 bis 2 Millionen Euro. Wenn ein PV-Unternehmen eine neue Produktion aufbaut, reden wir von 50 Mio Euro. Natürlich kommen solche Investitionen, solche Ereignisse viel eher einmal auch in die normalen Medien.
ESTIF hatte und hat öfter die Gelegenheit Personen zu bennen, die zu einem “CEO-Roundtable” oder einer Task Force der Europäischen Kommission eingeladen werden. Nur haben wir keine CEOs von Unternehmen mit tausenden Mitarbeitern. Aber mit einem Mittelständler, der 50 Arbeitsplätze repräsentiert, will man dann doch nicht vorlieb nehmen (wenn der sich überhaupt die Zeit nehmen würde, für so ein Treffen). Auch bei Projektgrößen können wir kaum in der “europäischen Liga” mitspielen. Gerade erst hat ESTIF seine Mitglieder eingeladen Projekte zu benennen für die von Kommissionschef Juncker vorgesehenen Europäischen Investitionsfonds. Soweit ich gehört habe, gab es keine einzige Reaktion. Das ist ja auch nicht verwunderlich: Wenn ich heute drei Windräder hinstelle, komme ich bereits auf 10-15 MW. Und viele Windparks sind (deutlich) größer. Die Solarthermie-Systeme dieser Größenordnung kann ich dagegen fast noch an meinen Fingern abzählen. Die typischen Wärmeprojekte (egal ob EE oder nicht) sind eben meist dezentral und kleinteilig.
Eine weitere Herausforderung ist, dass die großen deutschen Heizungsbauer, die ja einen maßgeblichen Anteil am europäischen Solarthermiemarkt haben, nicht direkt Mitglied von ESTIF sind. Sie lassen sich über ihren Branchenverband BDH in ESTIF vertreten – was ansich in Ordnung ist, aber natürlich fehlt das Geld dieser großen Player für die Politik- und Kommunikationsarbeit von ESTIF. Es wäre schon wichtig, dass alle Solarthermie-Unternehmen sowohl ihre nationalen Verbände wie auch ihre europäische Vertretung stärken. ESTIF kann kein nationales Lobbying machen und wäre kein adäquater Ansprechpartner für Ministerien auf nationaler oder Länder-Ebene. Umgekehrt sind die nationalen Verbände nicht so aufgestellt, dass sie sinnvoll Lobbyarbeit auf europäischer Ebene machen könnten. Beide ergänzen einander.
Ich finde es vor diesem Hintergrund etwas schade, dass ausgerechnet der Geschäftsführer eines nationalen Solarthermieverbandes hier sehr kritisch mit der Lobbyarbeit in Brüssel ins Gericht geht, gleichzeitig aber eine Gruppe von Unternehmen lobt, die eben nicht an diesem gemeinsamen Strang ziehen: Soweit ich es sehe, sind gerade einmal zwei der derzeit 15 auf der Seite “Initiative Sonnenheizung” aufgeführten Unterstützter direkte Mitglieder von ESTIF. Wo bitte sollen die Resourcen für die Arbeit der Verbände herkommen, wenn jeder im Privaten sein eigenes Ding macht?!
Ich verstehe diesen privaten Kampf leider auch nicht wirklich. Flächeneffizienz darf seinen Preis haben, wie irrsinnig wäre es denn, wenn ein großer Kollektor nur wegen seiner größeren Fläche eine höhere Klasse hätte. Ist ja bei der PV genauso. Die auf die Fläche effizienteren Kollektoren sind teurer. Wenn ich die Ertragswerte kenne, kann ich mir ganz toll die Gestehungskosten dann ausrechnen und klar fallen die dann oft aus den Projekten, aber das lässt sich mit einer einfachen Multiplikation lösen. Irgendwo gibt es ein Optimum zwischen Flächeneffizienz und Preis. Derzeit weiß der Kunde aber genau gar nix. Das ist das eigentliche Problem. Ich frag mich warum die Branche es bis jetzt nicht geschafft hat, hier was auf die Beine zu stellen. Auch bei Estif. Vielleicht weißt du da mehr? Vielleicht weil jeder alles, was von woanders kommt ständig schlecht redet? Es wär wichtig DASS endlich Bewegung rein kommt.
Um auf die Frage von Klaus nochmal zurückzukommen. Wie müsste das Label deiner Meinung nach ausgestaltet sein?
Liebe Cornelia, Du fragst “Wie müsste das Label deiner Meinung nach ausgestaltet sein?”
Wichtig wäre zunächst, dass wir Klarheit über das gemeinsame Ziel bekommen. Geht es vor allem um die Abgrenzung verschiedener Kollektoren untereinander, oder soll ein Kollektorlabel tatsächlich mehr sein – wie ich es erwarten würde? Wenn es nur darum geht, mit irgendwelchen Hilfs-Größen zu zeigen, dass mein Kollektor besser ist, als der vom anderen Hersteller, haben wir m.E. nix gewonnen.
Gewonnen haben wir, wenn wir mehr fossile Energie durch Solarthermie ersetzen! Das geht nur über den Solaren Ertrag. Also muss der auch im Zentrum des Labels stehen. Ich meine, wir könnten ganz plakativ mit dem Jahresertrag in Würzburg werben: “So viel saubere und (nahezu) kostenlose Energie bringt Ihnen dieser Kollektor!” Damit können wir gegenüber den fossilen Energien trumpfen.
Das schöne am Ertrag: Er ist das, was wir wirklich in der Energiewende wollen. Und: Er zementiert nicht die jetztige Kollektortechnik! Er ist offen für neue Entwicklungen.
Auch wenn ein wenig Ernüchterung in Sachen Polymer-Kollektoren eingekehrt ist: Es ist nicht undenkbar, dass in ein paar Jahren doch einmal ein richtig günstiger Kollektor auf den Markt kommt, der dann aber sicher nicht auf ein A++ oder vielleicht nicht einmal ein A käme. Soll der Endkunde wirklich den Eindruck erhalten, er kaufe etwas schlechteres, wenn er seine Facade komplett damit eindeckt? Selbst wenn der Ertrag des Kollektorfeldes überaus positiv ist? Genau das täte aber das SOLERGY-Label.
Vielleicht macht sogar das 3D-Drucken solche Fortschritte, dass ich mir für wenig Geld eine neue Haut mit Solarthermie-Funktion für mein Haus drucken lassen kann. Bestimmt nicht so flächeneffizient wie die heutigen Hochleistungskollektoren aus Metall und Glas. Aber wollen wir diese Möglichkeit jetzt schon mit einem B-Label madig machen?
So ein Label entwickelt ja eine Dynamik: Beim SOLERGY-Label würden Hersteller versuchen, ihre Kollektoren noch in die nächste Klasse zu hieven (was meist höhere Wärmekosten mit sich brächte). Die Anreize des MAPs haben ja auch dafür gesorgt, dass wir besonders viele Kollektoren haben, die ganz knapp über 2 Quadratmeter groß sind: Jeder angefangene Quadratmeter wird bezusschusst. Da wären 1,9 oder 2,5 Quadratmeter rausgeschmissenes Geld.
Und noch heikler: Öffentliche Fördermittelgeber würden mitunter auf die Idee kommen, bestimmte Mindest-Labelklassen vorzuschreiben. Was sie von den Glühbirnen gelernt haben, kann für die Solarthermie ja nicht falsch sein: Also weg mit den unteren Klassen! Eine spinnerte, Vision eines nur negativ sehenden Experten? Mitnichten – wer sich noch an die Vorgaben des Blauen Engel-Ökolabels erinnert, die plötzlich im Marktanreizprogramm verpflichtend wurden, wird darüber nicht lachen. Da wurde dann beinahe die energetische Pay-Back-Zeit zum Förderkriterium – ein Parameter, der ähnlich falsche Anreize setzt, wie die Flächeneffizienz.
Daher: Lasst uns die Erträge kommunizieren. Diese haben wir aus den Keymark-Datenblätter und sie schaffen endlich Transparenz im Markt. Zudem machen sie die Berechnung der kWh-Kosten zum Kinderspiel. Wer die nicht fürchtet, sollte sich an seinen Erträgen messen lassen.