Im Interview nannte unser amtierender Handwerker des Monats Oktober 2023, Wolfgang Wurster, die alte Zigarrenfabrik in Heidelberg als eines seiner Lieblingsprojekte. Gemeinsam mit seiner Frau kaufte er das runtergewohnte Gebäude in der Waldstraße und sanierte es vom Dach bis in den Keller. Wir stellen euch das Ganze als unser Projekt des Monats Oktober 2023 hier ausführlich vor.
Die alte Zigarrenfabrik: In der Morgensonne lässt sich der ursprüngliche Charme des alten Gebäudes (Baujahr: 1900) erahnen.
Die alte Zigarrenfabrik
Unser Handwerker des Monats Oktober 2023, Wolfgang Wurster, berichtet uns, dass sein Herz fürs Sanieren alter Gebäude mit Geschichte schlägt. “Ich arbeite so alte Schinken halt gerne auf…”, sagt er. “An der alten Zigarrenfabrik bin ich zig Mal schon vorbeigefahren, ohne groß darüber nachzudenken. Eines Tages sah ich sie jedoch plötzlich mit den Augen eines Liebhabers. Am nächsten Morgen fuhr ich nicht den gewohnten Weg in den Betrieb, sondern machte einen Umweg. Meine Frau Stefanie wunderte sich auf dem Beifahrersitz. Doch als ich vor der alten Zigarrenfabrik hielt und die Morgensonne plötzlich direkt auf das Gemäuer schien, ließ sich dessen ursprünglicher Charme gut erkennen. Wir waren uns sofort einig: Daraus machen wir was!”, erzählt Wolfgang Wurster. Gesagt, getan.
Aus der runtergewohnten Zigarrenfabrik wird ein energieeffizientes Mehrfamilienhaus
Die Wursters kauften die Zigarrenfabrik mit Baujahr 1900 und sanierten sie von 2016 bis 2018 von Grund auf.
Dachsanierung
Das Dach wurde komplett erneuert und gedämmt. Es hat damit Neubaustandard.
Fassadensanierung
Die ursprünglich roten Backsteine des Gemäuers waren ab der ersten Etage hässlich weiß gestrichen worden. Die untere Etage hatte eine Sandsteinfassade. Familie Wurster dämmte die Fassade oberhalb des Sandsteins mit einer sieben Zentimeter dicken Dämmputzschicht aus mineralischem Putz. Auf eine dicke Dämmung der Fassade wurde aus zweierlei Gründen bewusst verzichtet: Zum einen sollten die neue ökologische Heizung (siehe unten) und die ökologische Dämmung ideal zusammenspielen. Zum anderen steht das Gebäude direkt am Gehsteig, wo jeder Zentimeter zählt. Sämtliche Einscheiben-Fenster wurden mit modernen Fenstern ersetzt. Die Gesimse wurden im ursprünglichen Stil nachgefertigt, um den Charme der Zigarrenfabrik wieder aufleben zu lassen. Und auch die Türen wurden komplett ausgetauscht.
Damit war die Gebäudehülle energetisch saniert.
Kernsanierung
Im Innern der Zigarrenfabrik blieben nur die wichtigsten Steine auf den anderen. Die letzten drei Mietparteien zogen aus und was blieb, war ein heruntergwirtschaftetes Gebäude mit einer Menge Müll.
Die alte Heizungsanlage wurde komplett herausgerissen. “Im Gebeäude fanden wir ein Sammelsurium an Wärmeerzeugern: Da standen mehrere alte Eisenöfen. Öl- und Gasöfen herum”, berichtet uns Wolfgang Wurster.
“Heute bietet die Zigarrenfabrik modernen Wohnraum für acht Mietparteien. Das Gebäude ist nicht mehr das hässlichste in der Straße, sondern mit das schönste. Unsere Mieter:innen bestätigen uns immer wieder, wie wohl sie sich darin fühlen”, erklärt Wolfgang Wurster stolz.
Die neue Heizungsanlage: Holzwärme plus Solarwärme
Mit Blick in die Zukunft setzten die Wursters auf die Wärmeerzeugerkombination Pelletskessel und Solarthermie-Anlage.
Im Keller installierten sie zum Beheizen der rund 450 Quadratmeter Wohnfläche im Haus zwei Holzpelletskessel des Typs Peleo Optima von Paradigma (Nennleistung: je 18 kW) als Kaskade. Wie diese funktioniert, erklären wir euch in diesem Beitrag: Heizungs-ABC: Was ist eine Heizungskaskade?
Zudem wurden drei Wärmespeicher in den Keller gestellt. Jeder hat ein Fassungsvermögen von 750 Litern.
Aufs Dach kam als sekundärer Wärmeerzeuger eine große Solarthermieanlage: 33 Quadratmeter hochleistungsfähige AquaPlasma-Kollektoren (davon 4 x Typ 19/34 und 4 x Typ 19/50) von Paradigma.
Die Solaranlage erwirtschaftet einen solaren Wärmeanteil (Solarer Deckungsgrad) von rund 30 Prozent.
Wolfgang Wurster berichtet, dass seine Mieter:innen die Energiekrise recht entspannt sehen können. Er hatte vorausschauend schon Holzpellets gekauft und konnte seine Mieter:innen so vor Heizkostenerhöhungen bewahren. Auch von den Machtspielen um das Gas und Öl, die einige Länder ausüben, sind die Mieter:innen verschont geblieben, sie hatten zu jeder Zeit eine wohlig warme Wohnung.
Wärmeverbrauch und Heizkosten im Vorher-Nachher-Vergleich
Zuletzt wurde das Gebäude mit Öl beheizt. Der Verbrauch lag schätzungsweise bei 14.000 Litern pro Jahr. Nach der Sanierung verbrauchen die neuen Mieter:innen etwa 8 bis 12 Tonnen (t) Holzpellets. Die Solarthermieanlage steuert jährlich etwa 18.000 kWh solare Wärme bei.
Das 1. Projekt des Monats Oktober 2023 auf einen Blick
1. Projekt des Monats Oktober 2023 - Zigarrenfabrik wird Mehrfamilienhaus | HdM Wolfgang Wurster Heidelberg
Anlagengröße: | 33,44 m2 | |
Kollektoren: | Aqua Plasma von Paradigma (4 x 19/34 + 4 x 19/50) | |
Ausrichtung: | Süd-West | ohne Aufständerung |
Pufferspeicher: | 3 x 750 Liter | |
neue Hauptheizung: | Pelletsheizung (2 x Peleo Optima (18 kW) in Kaskade | Verbrauch Pellets pro Jahr: etwa 8 bis 12 Tonnen (t) |
alte Heizung: | Ölheizung | Verbrauch: etwa 14.000 Liter |
Trinkwassererwärmung: | ja (Friwa) | |
Heizungsunterstützung: | ja | |
Beheizte Fläche: | 450 m2 | |
Energiebedarf heute: | circa 80.000 kWh | |
solarer Ertrag/Jahr: | Errechnet: rund 18.000 kWh | |
Ausführender Betrieb: | Janssen Sanitär + Heizung, Im Wellengewann 4, 69123 Heidelberg, Germany, Tel: 06221 75 92 50, info@nulljanssen24.de, www.janssen24.de/ |
Fotos: Janssen Sanitär + Heizung Heidelberg