Weiße Ware mit buntem Treppchen
Beim Kauf von Haushaltsgeräten haben wir uns längst dran gewöhnt, dass uns ein kleines buntes Label die Entscheidung erleichtert: Das Energielabel, das mit den Farben rot Gelb grün wie eine Verkehrsampel über den Stromverbrauch informiert. Rot für sehr hohen Verbrauch bis Grün für sparsam, und einige Nuancen dazwischen. Zusätzlich sind die maximal sieben Stufen mit Buchstaben von A bis G gekennzeichnet.
Seit der Einführung des Labels sind Kühlschränke, Spülmaschinen und Co. schon sehr viel effektiver geworden. Deshalb musste die Skala nach oben aufgestockt werden. Man setzte also nach und nach A+, A++ und bei einigen Produktklassen auch schon A+++ oben drauf. So kommt es, dass ein B schon nicht mehr die zweitbeste, sondern mitunter nur noch die dritt- oder viertbeste Wahl ist.
Neu: Das Energielabel demnächst auch für Heizungen
Was liegt näher, als das Label auch für Heizungen einzuführen, wo die doch die doch in unseren Breitengraden den größten Anteil an Energie im Haushalt verbrauchen? Ab 2015 soll es endlich verbindlich über den Energieverbrauch von Heizkesseln und Warmwasserbereitern Aufschluss geben. Tatsächlich ist das Label für Heizungen und Warmwasser oder für – wie es offiziell heißt – “Heizkessel und Kombiboiler (Gas/Öl/Elektrisch)” seit über sechs Jahren auf dem Weg. Doch offenbar ist dieser Weg steinig. Zuletzt hatte der BDH (Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik) in dem die Hersteller von Öl- und Gasheizungen offenbar den größten Einfluss haben, interveniert. Der Verband wollte verhindern, dass Öl- und Gasheizungen mit Heizungstechnologie für erneuerbare Energien verglichen wird und dabei schlecht abschneiden. Vertreter des Verbandes sprachen bei EU-Energiekommissar Günter Öttinger vor, um den unliebsamen Vergleich zwischen fossiler und erneuerbarer Heiztechnik abzuwenden. In einem Schreiben an deutsche Energiepolitiker drohte man mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Oliver Krischer, war verärgert über diesen Versuch der Einflussnahme und gab das Schreiben an die Presse. Darin heißt es, das Energielabel “diskreditiere Brennwerttechnik massiv”.
Bitte nicht vergleichen
Der BDH würde gern verhindern, dass Öl- und Gasheizungen mit einem gelben Label versehen werden. Dazu wird es nun doch kommen, allerdings erst 2019, nicht wie ursprünglich vorgesehen schon 2017. Gas- und Ölheizungen sollen dann nur noch mit Brennwerttechnik erlaubt sein. Mit dem Verbot der veralteten Technik fällt die unterste, schlechteste, Stufe der Treppe weg, dafür wird oben eine neue draufgesetzt: A+++. Gas- und Öl-Brennwertkessel rutschen dadurch automatisch auf die dritte und vierte Stufe. Das passte dem Verband gar nicht. Also bemühte man sich, den Entwurf für das Label schlechtzureden:
Investoren werden Abstand nehmen von der energetischen Modernisierung, weil sie keine „drittklassigen“ oder „viertklassigen“ Technologien einsetzen möchten, heißt es in dem Schreiben an die Politiker, und weiter: Der Vorschlag, ein Heizkessel-Label oberhalb von A+ zu installieren ist im Übrigen unlogisch, weil keine Heiztechnologien auf dem Markt sind, die mit A+, A++ oder A+++ ge-kennzeichnet werden können. Damit bleiben diese drei A+-Klassen leer.
Der BDH verschweigt, dass Heizungen in Kombination mit Solarthermie sehr wohl die besten Einstufungen erreichen können!
Das EU-Label – eine bürokratische Meisterleistung
Bevor ich diese Recherche begann, hatte ich mir die Kennzeichnung der Produkte mit dem Energielabel einfach vorgestellt: Man misst Energieverbrauch und Emissionen des entsprechenden Geräts, bewertet sie und stellt den Pass aus: Rot, Gelb, Grün oder eine der Nuancen dazuwischen. Inzwischen weiß ich: Das war naiv. Tatsächlich steht hinter dem Label eine Prozedur von erheblichem bürokratischen Aufwand.
Seit 1998 gibt es die Kennzeichnungspflicht in Deutschland, seit 2010 EU-weit, was einen entsprechenden Abstimmungsprozess erfordert. In jedem EU-Land ist eine Behörde dafür zuständig, in Deutschland sind es vier, vor allem das Umweltbundesamt und die Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung.
Das Label ist sprachübergreifend, das heißt, die Info wird durch Icons, Zahlen und eben Farben transportiert.
Dass das Energielabel uns Verbrauchern das Einkaufen zu erleichtert, ist ein netter Nebeneffekt. Vor allem aber soll es Druck auf die Hersteller ausüben, umweltfreundlichere Produkte herzustellen. Und das gelingt laut dena wohl ganz gut. Ob es hilft, den Heizungsmarkt verbraucherfreundlicher zu machen? – Wir hoffen das Beste.
Weiterführende Links
- Info des Umweltbundesamtes
- Basics und Details über das Energielabel von der dena:
- Überblick über die verschiedenen Produktklassen. (Heizungen sind noch nicht dabei)
Bild: kallejipp / photocase.com
“Man misst Energieverbrauch und Emissionen des entsprechenden Geräts” – Wie soll das bei Wärmepumpen funktionieren, wo die Emissionen an anderer Stelle auftreten, nämlich bei der Stromerzeugung und daher sehr abhängig von der Stromerzeugung sind?
In der vergangenen Woche auf der ISH hat selbst das IWO , Institut für Wärme und Öltechnik, für eine Kombination aus Ölheizung und Solarthermie geworben. Die wissen doch genau, dass Ölheizung alleine zu teuer ist.
So ist es. Und das: “Man misst Energieverbrauch und Emissionen des entsprechenden Geräts” bezog sich auf meine Vorstellung VOR dieser Recherche. Bei den bisherigen Produktklassen ging es nämlich so gut wie ausschließlich um Geräuschemissionen, etwa bei Waschmaschinen und Kühlschränken. Und die misst man eben am Gerät selbst.
Es gibt allgemeine Daten über die verschiedenen Energieträger und deren Emissionen, darunter auch für den normalen “Strommix”. Das IWU gibt beispielsweise sowas heraus. Möglich ist es also durchaus, da auf Werte zu kommen.
Gas ist ja beispielsweise je nach Region auch unterschiedlich zusammengesetzt und damit gibt es unterschiedliche Emissionen. Man muss bei sowas also immer ein Stückweit pauschalisieren.
Nur auf das Label zu schauen, sagt aber nicht unbedingt etwas aus ob es immer die beste und umweltschonenste Lösung ist. So kann ein Kessel mit Solarthermie-Anlage trotz der zusätzlichen Gewinne mehr Gas oder Öl benötigen als wenn man nur den Kessel betreiben würde.
@Blumental: “So kann ein Kessel mit Solarthermie-Anlage trotz der zusätzlichen Gewinne mehr Gas oder Öl benötigen als wenn man nur den Kessel betreiben würde.”
Dann sollten Sie vdringend mal mit den Installteur sprechen. Da liegt nämlich ein Planungs- oder Installtionsfehler vor. Aber das ist ein ganz anderes Problem und hat nichts mit dem Energielabel zu tun.
Weit verbreitete Planungs- und Installationsfehler haben leider viel zum “guten” Ruf von Solarthermie-Anlagen beigetragen. Deshalb besonders wichtig – Wie finde ich einen guten Installateur: https://blog.paradigma.de/wie-finde-ich-einen-guten-installateur/
Da muss nicht zwangsläufig Pfusch bei der Planung oder Ausführung vorliegen, dass kann auch bei korrekt installierten Anlagen vorkommen. Aber sie haben recht, dass hat natürlich nichts direkt mit dem Label zu tun.
Sprechen Sie aus Erfahrung? Für mich ist das sehr schwer vorstellbar, aber vielleicht können Sie unseren Horizont erweitern?
Frau Vetters,
das ist natürlich nicht die Regel, kann aber vorkommen. Wie geht das?
Anlagen mit Gaskessel und Solarthermie kombiniert, sind aufwendiger als konventionelle Anlagen. Mehr Leitungen und ein wesentlich größerer Speicher als wenn nur der Kessel vorhanden wäre, führen zu größeren Wärmeverlusten.
Diese Wärmeverluste sind selbstverständlich nur ein kleiner Anteil von den Gewinnen die von der Solarthermieanlage kommen.
Problematischerweise führt die Solarthermieanlage aber zu einer ungleichmäßigeren Auslastung des Kessels, dass heißt der Nutzungsgrad des Kessels kann sinken.
Zur Erinnerung: Bei der Betrachtung von Kesseln gibt es die Größen Wirkungsgrad und Nutzungsgrad. Der Wirkungsgrad ist das Verhältnis von Leistungen- welche Leistung stecke ich rein und welche bekomme ich heraus.
Dagegen werden beim Nutzungsgrad die Energiemengen gegeneinander abgewogen- beim Nutzungsgrad über das Jahr gesehen, welche Energiemenge stecke ich rein und welche Wärmemenge bekomme ich heraus. Der Nutzungsgrad ist kleiner als der Wirkungsgrad, denn im Nutzungsgrad sind beispielsweise die Bereitschaftsverluste und Anfahrverluste des Kessels enthalten. Zudem haben Kessel im Teillastbetrieb und bei häufigen Taktungen (also dann wenn die Leistung hoch und runter moduliert wird) einen schlechteren Nutzungsgrad, als wenn sie mit hoher Leistung durchgängig in Betrieb sind.
Studien haben gezeigt, das Solarthermieanlagen wenig Auswirkungen auf den Nutzungsgrad haben. Einem häufigen An- und Abschalten sowie hoch und runtertakten im Winter steht ein eher durchgängiger Stillstand des Kessels im Sommer gegenüber, weil im Sommer genug Wärme von der Solarthermie-Anlage kommt und der Kessel dann oft gar nicht in Betrieb gehen muss.
Es gibt dann aber Fälle wo das nicht zu trifft. Beispiel: Ein Rentnerehepaar im Einfamilienhaus. Im Sommer kann es die viele Wärme gar nicht abnehmen, da der Warmwasserverbrauch bei älteren Leuten nicht so hoch ist. Im Winter sind da einmal die höheren Wärmeverluste durch die komplexere Technik und den größeren Speicher und dann arbeitet in dieser Zeit der Kessel mit einem schlechteren Nutzungsgrad. Warum kann in diesem Fall der Nutzungsgrad schlechter sein, wo ich doch im Absatz davor erwähnte das es im Allgemeinen nicht so ist?
Das Rentnerehepaar hat keinen so großen Verbrauch, wie es eine normale durchschnittliche Familie in einem Einfamilienhaus hätte. Das führt im Vergleich dazu, dass der Kessel öfters an und abschaltet und hoch und runtertaktet und dadurch sinkt dann doch der Nutzungsgrad.
Betrachtet man dann das ganze Jahr und vergleicht sie nur mit einem Kessel der dann in einem besseren Nutzungsgrad gearbeitet hätte und den geringeren Wärmeverlusten, so kann unterm Strich ein Mehrverbrauch durch die Solarthermieanlage entstehen.
Vielen Dank für diese ausführliche Darstellung!
Sicher ist – und das haben mir Fachleute bestätigt – dass Fälle wie der beschriebene weder akzeptabel und natürlich erst recht nicht Sinn der Sache sind.
Ich würde jedem die Ohren langziehen, der mir eine solche Situation hinterlässt. Vielleicht sagen Sie das auch Ihrem befreundeten Rentnerehepaar. Falsche Beratung und falsche Planung sollte man auf keinen Fall akzeptieren.