Andreas Schütte: "Wir suchen die Bioenergie-Kommune 2016"

3 x 10.000 Euro für Deutschlands Beste

Seit 2010 wird im zweijährigen Turnus der bundesweite Wettbewerb „Bioenergie-Kommunen“ ausgeschrieben; 2016 also schon zum vierten Mal. Dabei gibt es 3 x 10.000 Euro zu gewinnen – für drei Orte im ländlichen Raum, die einen Mindestanteil ihres Strom- und Wärmebedarfs mit regionaler Biomasse decken. Wer und was steckt hinter dem Wettbewerb? Dr.-Ing. Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) erklärt es uns im Interview:

Wie ist der Wettbewerb entstanden und wer steht dahinter? Bzw. erzählen Sie uns bitte etwas über die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Zunächst zur FNR: Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) ist Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Sie wurde 1993 auf Initiative der Bundesregierung mit der Maßgabe ins Leben gerufen, Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprojekte im Bereich nachwachsender Rohstoffe zu koordinieren. Für das BMEL setzen wir das Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ um, das die Forschung und Entwicklung bei nachwachsenden Rohstoffen und Bioenergie unterstützt.

Maßnahmen zur Entwicklung ländlicher Räume sind dabei eine gewichtige Motivation für das BMEL. So bilden Bioenergie-Dörfer und –Kommunen, die ihren Energiebedarf überwiegend aus Biomasse und anderen erneuerbaren Energien decken, einen wesentlichen Schwerpunkt unserer Arbeit. In den Dörfern und Kommunen wird praktisch  gezeigt, wie man Bioenergie aus regionalen, nachhaltig verfügbaren nachwachsenden Rohstoffen sowie anfallenden biogenen Reststoffen nutzen und sinnfällig mit anderen erneuerbaren Quellen wie Solarthermie, Geothermie, Photovoltaik, Windkraft und ggf. Wasserkraft verknüpfen kann.  Mit Jühnde als erstem Bioenergiedorf begann 2005 eine Erfolgsgeschichte, die bis heute viele weitere Dörfer inspiriert hat, diesen Weg zu gehen, sich in vorbildlicher Weise für den Klimaschutz und für die Energiewende zu engagieren und dabei insbesondere auch die Bürger an den Entwicklungsprozessen zu beteiligen. Die Plattform www.wege-zum-bioenergiedorf.de  listet derzeit 118 Bioenergiedörfer. Hinzu kommen 56 Dörfer, die sich auf dem Weg zu einer Strom- und Wärmeversorgung überwiegend aus Biomasse befinden. Sie wie auch die vielen Städte, die bundesweit auf erneuerbare Energien setzen, sind angesprochen, sich am Bundeswettbewerb Bioenergie-Kommunen zu beteiligen.

Ein Auswahlkriterium für die Preiswürdigkeit ist die intelligente Nutzung von Biomasse in Systemen mit weiteren erneuerbaren Energien. Da denke ich persönlich gleich an Solarthermie, zum Beispiel in Verbindung mit einem Nahwärmenetz. Was erwarten Sie da von den Teilnehmern, bzw. welche Erfahrungen haben Sie mit den prämierten Kommunen in der Vergangenheit gemacht?

Das BMEL hat bislang neun Bioenergiedörfer im Rahmen der bisherigen Wettbewerbe ausgezeichnet, in denen Nahwärmenetze für die Wärmeverteilung in der Tat eine besondere Rolle spielen. Das sind in der Regel Preisträger, die Strom und Wärme mit verschiedenen Technologien aus erneuerbaren Quellen generieren. Hierzu gehören meist Biogasanlagen, aber auch mit Holz oder Bioerdgas betriebene Heiz- oder Heizkraftwerke, oft in Kombination mit weiteren erneuerbaren Energien.

Eine intelligente, bedarfsgerechte Steuerung von Angebot und Nachfrage an Energie ist hier eine der großen Herausforderungen.

Ein zunehmendes Interesse ist an der Rekommunalisierung von Gas- und Stromnetzen festzustellen, da hierdurch die in der Region erzeugte Energie direkt und preiswert – mit entsprechender regionaler  Wertschöpfung – genutzt bzw. vermarktet werden kann. Allen gemein ist den Bioenergiedörfern, dass sie die Daseinsvorsorge aktiv in die Hand nehmen und sich die Bürger mit einem starken gemeinwohl-orientierten Denken und Handeln in der Kommunalverwaltung und oft auch in Energie- bzw. Wärmegenossenschaften engagieren. Hier gibt es aus gutem Grund eine ausgeprägte Bürgerbeteiligung, meist auch finanziell, denn die regionale, erneuerbare Energieversorgung schafft Arbeit und eine beachtliche Wertschöpfung in der Kommune und im ländlichen Raum.

Bioenergiedörfer in ganz Deutschland

Bioenergiedörfer in ganz Deutschland

Die FNR hat ihren Sitz in Gülzow-Prüzen im Landkreis Rostock; die Bewerber kamen bisher schwerpunktmäßig eher aus Süd-West-Deutschland – macht Sie das traurig, bzw. wie könnte man das ändern?

Die Bioenergiedörfer (siehe Grafik) verteilen sich über alle Bundesländer, allerdings ist die Konzentration im Süden und der Mitte Deutschlands spürbar höher als im Norden und Osten. Nichtsdestotrotz sind auch in Nord- und Ostdeutschland viele Kommunen auf dem Weg zum Bioenergiedorf, wie beispielsweise das große Interesse am Bioenergiedorf-Coaching in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg belegt. Allerdings ist deren Entwicklung aufgrund der oft schwächeren Finanzlage nicht nur der Kommunen  – anders als im Südwesten Deutschlands – stärker auf gewerbliches und privates Engagement angewiesen. 

Vielen Dank an Herrn Dr.-Ing. Schütte und die FNR.

Also los: nichts wie ran an den Wettbewerb!

Ich hoffe, dass sich möglichst viele Kommunen aus Ost und West an diesem spannenden Wettbewerb beteiligen. Immerhin winken als Preisgeld 3 x 10.000 Euro für Orte im ländlichen Raum in Deutschland. Voraussetzung ist, dass sie mindestens 50 Prozent (Orte) bzw. 30 Prozent (Städte) ihres Strom- und Wärmebedarfs aus regional erzeugter Biomasse decken. Prämiert werden drei besonders innovative Bioenergie-Kommunen, die Vorbildwirkung für die Entwicklung ländlicher Regionen und die regionale Nutzung von Biomasse entfalten. Weitere Kriterien sind die Beteiligung der Bevölkerung, Öffentlichkeitswirksamkeit und nicht zuletzt die Intelligente Nutzung von Biomasse in Systemen mit weiteren erneuerbaren Energien. Die Beteiligung von Solarthermie gerade bei Fernwärmenetzen ist hier noch ausbaufähig – dabei lässt sie sich hervorragend mit Biomasse kombinieren, wie das Beispiel Büsingen zeigt.

Die Bewerbungsunterlagen stehen hier zur Verfügung, Bewerbungsschluss ist der 15. Mai 2016.

Foto und Grafik: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)

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