Was bei der nächsten Sonnenhausförderung wichtig wäre

Wir haben letztes Jahr ja von der österreichischen Aktion der Sonnenhausförderung berichtet. Leider war es dann doch zu kurzfristig um noch Kunden zu finden, die schnell mal eine 20 m2 Vakuumröhrenkollektoranlage zu kaufen, aber die gute Nachricht ist, es wird schon an der Neuauflage gebastelt und das mit den Erfahrungen aus dieser Ausschreibung. Insgesamt wurden 27 Häuser eingereicht. Ob der kurzen Einreichzeit kein so schlechtes Ergebnis auch wenn ich persönlich solche Einzelmaßnahmen nur im Anfangsstadium für sinnvoll halte. Signifikante gesellschaftliche und gewerbliche Umwälzungen passieren nur bei wirklich hohen Volumina. Nichtsdestotrotz sprechen wir heute noch einmal mit dem Geschäftsführer des Sonnenhaus Institutes Peter Stockreiter.

Herr Stockreiter, angeblich war ein Problem, dass die Berechnungsprogramme nicht ganz klar waren und manche Bauherren mit den österreichischen Werten gerechnet haben, für die Förderung jedoch das deutsche Programm nach PHPP verwendet werden musste. Können Sie erklären was es damit auf sich hat und warum das ein Problem war?

Die Problematik lag darin, dass die Bauherrn von Solarhäuser die um eine Förderung angesucht haben keine Passivhäuser sind, sondern Niedrigenergiehäuser die den in den Gesetzen vorgeschriebenen Heizwärmebedarf erfüllen. Durch die vorgegebene Berechnung mit dem PHPP das keinen österreichischen Normen geschweige denn Gesetzen unterliegt wurden alle 25 eingereichten Solarhäuser massiv benachteiligt und durch die Berechnung mit dem PHPP in eine niedrigere Förderstufe eingestuft!

Lediglich ein eingereichtes Gebäude hatte einen Heizwärmebedarf eines Passivhauses, weil Sonnenhäuser prinzipiell nicht so hoch gedämmt sein müssen und trotzdem einen sehr niedrigen Primärenergiebedarf aufweisen, meistens sogar niedriger als beim Passivhaus und das bei höherem Heizwärmebedarf.

Mir scheint so als ob diese Solarhaus Förderung in diesem Jahr darauf abgestimmt war das nur Passivhäuser einen größeren Vorteil haben sollten, was ich nicht verstehen kann.

Ok, das klingt etwas mühsam, nun zum positiven: Was hat gut funktioniert?

Gut hat die Koordination und die Beratung der Institutionen funktioniert, die die Beratungsgespräche koordiniert und geführt haben.

Nachdem wir nach langem Suchen endlich einen fundierten Fachmann (PHPP Berechner) gefunden haben, der die Berechnung auch zu einem vernünftigen Preis gemacht hat, hat diese Abwicklung dann doch ganz gut funktioniert. Da wir sehr lange nach der richtigen Person suchen mussten scheint es nicht sehr viele zu geben die das PHPP Rechenprogramm auch in der Praxis wirklich anwenden können.

 Was hat nicht funktioniert?

Das finden von geeigneten PHPP Berechnern hat auf keinem Fall funktioniert, da es anscheinend sehr wenige davon gibt die das Programm wirklich beherrschen. Des weiteren ist es sehr kostenintensiv, man muss mit Kosten bis zu € 1.500,- rechnen und das obwohl dieses Programm nichtmal für das Sonnenhaus geeignet ist. Also wirklich sehr kontraproduktiv.

 Was sollte der Klima- und Energiefonds beim nächsten Mal beachten?

Es sollten die geforderten Kennwerte so abgestimmt sein, das auch ein Niedrigenergiehaus die Chance hat die höchste Förderstufe zu erreichen, ansonsten ist dieses Förderprogramm nur auf das Passivhaus hin orientiert. Ziel ist ein möglichst hoher solarer Deckungsgrad und nicht eine möglichst dichte Gebäudehülle.

Weiters sollten auch Mehrfamilienhäuser in das Förderprogramm mit aufgenommen werden, da dieser Haustyp geradezu prädestiniert ist für hohe solare Deckungsbeiträge, da es genügend Wärmeabnehmer gibt. Dieses Thema ist wirklich stark im Kommen wird auch von allen offiziellen Seiten stark forciert.

Die Berechnungsmethode des HWB sollte für diese Häuser nach dem OIB Energieausweis-Rechenprogramm mit detaillierter Berechnung der Wärmebrücken und der Verschattung durchgeführt werden können, da nach dem PHPP diese Häuser stark benachteiligt werden.

Für die Solare Deckung ist das Polysun Rechenprogramm heranzuziehen, den wenn man die Solare Deckung wie im Förderprogramm vorgeschrieben mit dem PHPP berechnet, kommen vollkommen falsche Werte heraus, da das PHPP nur eine Monatsspeicherung berücksichtigt und die Speicherung der Wärmemenge über Monate hinaus einfach ignoriert, das heisst es werden die Wärmespeichermengen die in diesem Monat vorhanden sind nicht ins nächste oder übernächste Monat mitgerechnet. Das spiegelt auch nicht die Wirklichkeit einer Speicherbewirtschaftung wieder und ist daher für ein Solarhaus welches ja als Grundprinzip die Wärmespeicherung über Monate hat, nicht geeignet.

Diese beiden oben genannten Berechnungsmethoden des HWB (nach Energieausweisrechenprogramm nach OIB) und der Solaren Deckung (nach Polysun) wurden auch vom Energieinstitut Vorarlberg für diese Förderprogramm vorgeschlagen, (DI Arch. Martin Ploß) leider wurde dann allerdings dieser sehr gute Vorschlag in der Umsetzung nicht berücksichtigt

Die Solarhäuser sind keine Passivhäuser (es wurde nur ein Passivhaus eingereicht, die restlichen Einreichungen bezogen sich ausschließlich auf Niedrigenergiehäuser) und daher ist das Rechenprogramm nach PHPP zumal dieses auch keine österreichischen Normen und Gesetzen unterliegt nicht zur Anwendung zu bringen, außer man will hier die Passivhäuser massiv bevorteilen.

 Welche Kennzahlen sollten für die nächste Ausschreibung herangezogen werden?

Es können die gleichen Arten der Kennzahlen genommen werden, allerdings müssten die Größenordnungen auch auf Niedrigenergiehäuser abgestimmt werden! Was zählt ist der solare Deckungsgrad. Die Staffelung sollte wenn dann nach höhe des solaren Deckungsgrades gemacht werden. Also 70, 80, 90% zum Beispiel.

 Bei der letzten Ausschreibung waren soweit ich weiß keine Vakuumröhrenprojekte dabei. Gibt es bereits Anlagenbauer, die das mit ins Portfolio nehmen um auch bei weniger vorhandenem Platz für Kollektor und Speicher ein Sonnenhaus bauen zu können? Bzw. woran liegen Ihrer Meinung nach die Vorbehalte gegenüber dieser Technologie?

Der Vakuumröhrenkollektor ist natürlich eine sehr gute Alternative und speziell bei Platzproblemen immer eine willkommene Lösung diesen einzusetzen, leider hatte ein Erbauer eines Sonnenhauses mit Vakuumröhren Kollektoren um 3 Monate zu früh gebaut und auch fertiggestellt, sodass er um eine Förderung nicht mehr ansuchen konnte! Meiner Meinung würden das sicher mehr Anlagenbauer mit in ihr Portfolio nehmen, ich glaube aber das der noch vom Preis zurückschreckt, wobei aber beachtet werden müsste das man weniger Kollektorfläche und einen kleineren Speicher benötigt und daher sich die Kosten wieder relativieren.

Vielen Dank für diese interessanten Einsichten. Vielleicht liest ja hier auch der ein oder andere vom Klimafonds mit und im Sinne der Qualitätsverbesserung wird hier vielleicht der ein oder andere Vorschlag aufgenommen.

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Ein Kommentar zu “Was bei der nächsten Sonnenhausförderung wichtig wäre”

  1. Roger Hackstock

    Natürlich liest der Klimafonds auf dieser wichtigen Solarwärme-Plattform mit und wir geben gern Auskunft darüber, warum im Förderprogramm „Demoprojekte Solarhaus 2014“ die Berechnung nach PHPP als Fördervoraussetzung gewählt wurde:

    Um den im Förderprogramm geforderten solaren Deckungsgrad von mindestens 70 Prozent zu erreichen, muss ein Gebäude einen hohen Wärmedämmstandard aufweisen. Musterberechnungen von AEE INTEC und Energieinstitut Vorarlberg im Projekt „Hocheffiziente Gebäude mit geringstem Primärenergieeinsatz“ (durchgeführt im Rahmen von klima:aktiv) ergaben, dass bei Gebäuden nahe dem Passivhaus-Standard nach einfacher OIB-Berechnung a) ein zu geringer Heizwärmebedarf ausgewiesen wird und b) der hohe solare Deckungsgrad mit den Berechnungs-Programmen nach OIB nicht gerechnet werden kann. Bei Berechnung dieser Gebäude nach OIB sind daher bei Heizwärmebedarf und solarem Deckungsgrad große Unterschiede zwischen Simulation und Messung zu erwarten. Bei Berechnung dieser Gebäude nach PHPP werden der Heizwärmebedarf und der Energiebedarf der Haustechnik dagegen sehr gut abgebildet. Auch ein hoher solarer Deckungsgrad kann ohne Einsatz weiterer Programme hinreichend genau berechnet werden.

    Da die Simulationsergebnisse die Grundlage für den Fördersatz liefern, sollten diese möglichst nahe am tatsächlichen Praxiswert liegen – auch bei Häusern nahe Passivhaus-Standard mit solaren Deckungsgraden über 70 Prozent, wo die Abweichung nach OIB-Berechnung am grössten ist. Diese Tatsache war übrigens auch der Grund für das im Oktober 2013 gestartete Projekt SOLCALC unter der Leitung des Institutes für Hochbau und Technologie an der TU Wien, welches im Auftrag des BMVIT eine verbesserte OIB-Berechnung für Gebäude mit hohen solaren Deckungsgraden liefern soll.

    In der Ausschreibung „Demoprogramm Solarhaus 2014“ wurden 20 Projekte gefördert, wobei der durchschnittliche Heizwärmebedarf bei rd. 29 kWh/m2/a lag, also weit über dem Passivhaus-Standard. Alle geförderten Projekte findet man unter: https://www.klimafonds.gv.at/assets/Uploads/Frderentscheidungen/FE-2014/Frderentscheidung2014Demoprojekte-Solarhaus.pdf

    Bei einer Folgeausschreibung werden die Erfahrungen aus 2014 berücksichtigt, es wird daher künftig eine Alternative zur PHPP-Berechnung als Fördervoraussetzung geben. Die Berechnung soll jedenfalls für alle Haustypen die besten praxisnahen Werte liefern und keineswegs „Passivhäuser massiv bevorteilen“, wie Stockreiter zu Unrecht unterstellt.

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