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#hope4future (2): Klimaschutz braucht klimaschützende Politik!

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Die Klimakrise ist da. Sie lässt uns bangen. Doch um ihr zu begegnen, brauchen wir #hope4future. Ideen, Konzepte und Anleitung sind gefragt. Wer sagt, er wüsste nicht, was jetzt zu tun ist, muss die fragen, die es wissen. Und davon gibt es genug: zum Beispiel die deutschen Energieberater. Die fordern derzeit Mut zur Veränderung von der Bundesregierung – und eine bessere und entschiedenere Klimaschutzpolitik.

Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. forderte die Bundesregierung auf seinem Netzwerktag in Kassel zu einer besseren und entschiedeneren Klimaschutzpolitik auf. Diplom-Ingenieur Hinderk Hillebrands, einer der beiden Bundesvorsitzenden des DEN, mahnte Mut zu Veränderungen an: Die Politik reagiere demnach nicht angemessen auf Proteste und Forderungen nach mehr Klimaschutz, wie sie aktuell besonders auf den Fridays-for-Future-Demonstrationen erhoben werden. Der DEN-Bundesvorsitzende machte dabei auch nicht Halt vor der eigenen Haustür. Vielmehr gehe angesichts der breiten gesellschaftlichen Diskussion dieses Themenkomplexes auch seinem Netzwerk darum, seine Position zu prüfen und sich gegebenenfalls deutlich zu verorten.

Sanierungsquoten im Gebäudesektor sind zu niedrig und stagnieren

Den deutlichen Worten Hillebrands stimmte sein Kollege im Amt, Diplom-Ingenieur Hermann Dannecker, mit Hinweis auf die alltägliche Praxis zu. Man müsse wieder Vertrauen schaffen in die Energieberatung: „Wir müssen unsere Kunden so beraten, dass sie sicher sein können, für Jahrzehnte eine gute Investition in die Sanierung ihres Gebäudes getan zu haben.“ Für mehr Motivation zu Gebäudesanierungen und damit zu besserer Klimaverträglichkeit zu sorgen, das sei eigentlich Aufgabe der Politik, sagte der Energieberater Dannecker weiter. Allerdings könne diese bislang nicht auf große Erfolge verweisen. Trotz millionenschwerer Werbekampagnen verharrten die Sanierungsquoten nach wie vor bei 1 Prozent der Bestandsgebäude pro Jahr. Nötig wären mindestes 1,4 Prozent, besser noch 2 Prozent. Dannecker schlug vor, Förderungen bei Neubau und bei Sanierungen stärker differenziert zu vergeben. Wer über dem EnEV-Standard liege und deutlich Energie spare, sollte Höchstförderungen bekommen.

Klimawandel wird die Welt verändern

Auf dem Netzwerktag des DEN seien auch ungewöhnliche Ausblicke und Perspektiven geboten worden, heißt es in der zugehörigen Pressemitteilung des DEN. So habe Prof. Dr. Jürgen Manemann, Direktor am Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover, in seinem Vortrag die Frage gestellt: „Wie können wir anders leben? – Philosophische Perspektiven angesichts des Klimawandels“.

Seine Antworten hätten sich als ebenso schonungslos wie hoffnungsvoll angehört, schreibt der DEN: „Die Welt, die wir kennen, wird es zukünftig nicht mehr geben“, prognostizierte der Geisteswissenschaftler angesichts des Klimawandels und der daraus resultierenden Umwälzungen demnach.

Diffuse Zukunftsangst lähmt Gestaltung der neuen Welt

Andererseits habe der Wissenschaftler vor diffuser Zukunftsangst gewarnt. Selbst wenn sich die Menschen eine künftige, veränderte Welt noch nicht vorstellen könnten, hätten sie doch die Aufgabe, sie zu gestalten. Leiten sollte sie dabei eine „neue Humanökologie“, welche „Mitleidenschaft“ als wesentliches Element beinhalte.

„Wir müssen das Leid der anderen Kreatur vernehmbar werden lassen“,

sagte Manemann. Der Geisteswissenschaftler plädierte

  • für eine größere Nähe zu den Menschen
  • und für mehr Empfindsamkeit für die Probleme Anderer.

Es hieße, Abschied zu nehmen von gewohnten Verhaltensweisen und Besitzständen.

Gebäudesektor mit höchstem Potential für Einsparung von Treibhausgasen

Christian Stolte, Bereichsleiter Gebäude bei der Deutschen Energieagentur (dena), stellte Perspektiven der Energiewende im Gebäudesektor anhand von Szenarien und Trends vor. Der Energieberater identifizierte den Gebäudesektor als den Bereich, der neben Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Energiewirtschaft die mit über 66 Prozent größte Ersparnis bei den Treibhausgasemissionen werde liefern müssen. Dies ließe sich in den einzelnen Szenarien mit unterschiedlichen Energieträgern verwirklichen. Die rein elektrische Variante sei gegenüber einem Technologiemix dabei kapitalintensiver. Stolte räumte synthetischen Brennstoffen im Gebäudebereich eine wichtige Funktion ein. Auch bei der Sanierung von Gebäuden komme wissenschaftlicher Forschung eine große Rolle zu, wenn es um Vereinfachungen – etwa durch Modulbauweisen – und Kosteneffizienz gehe.

Zukunftstaugliche Brennstoffe

Mit Fortschritten bei Brennstoffen beschäftigten sich drei weitere Experten auf dem Netzwerktag.

Holzpellets

Jens Dörschel (Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V. DEPV / Deutsches Pelletinstitut GmbH DEPI) stellte Entwicklungen bei der Nutzung von Pelletfeuerungen in energieeffizienten Gebäuden vor. Er räumte dem Energieträger Holz auch bei der Gebäudewärme eine sichere Zukunft ein, insbesondere in innovativen Anlagen. So ließen sich etwa Pelletheizungen und Luft-Wärmepumpen sehr gut kombinieren und so über die verschiedenen Jahreszeiten ein niedrigerer Energieverbrauch erzielen. Hier seien aber noch Förderungen der öffentlichen Hand vonnöten. Bei der Emission von Feinstaub zeigten sich Pelletfeuerungen Scheitholzöfen deutlich überlegen, sagte Dörschel.

Power-to-Liquids

Andreas Mahlberg (Institut für Wärme und Oeltechnik e. V. IWO) sprach über „Power-to-Liquids – Flüssige Energieträger in der Energiewende“. Auch künftig würden flüssige Energieträger eine große Bedeutung haben angesichts großer Kostenvorteile gegenüber einer rein elektrischen Versorgung. Solche Energieträger ließen sich aus Wind- und Sonnenstrom leicht herstellen und bestens speichern. Mit ihrer Hilfe ließen sich Fahrzeug- und Luftverkehr deutlich klimafreundlicher gestalten. Sie könnten durchaus auch im Gebäudesektor zum Einsatz kommen.

Power-to-Gas

Thomas Heller (microbEnergy GmbH) erklärte am Beispiel von Power-to-gas, wie man das Erdgasnetz grün gestalten könne. Strom aus erneuerbaren Quellen könne recht einfach durch Elektrolyse und dann durch Methanisierung zuerst in Wasserstoff und später in Methan umgewandelt und anschließend als gasförmiger Energieträger im Erdgasnetz gespeichert und transportiert werden. So ließen sich bisherige Verbrennungstechnologien weiterhin nutzen – jetzt aber klimaneutral. Schwer elektrifizierbare Bereiche wie Bestandsgebäude, der Schiffs- oder der Schwerlastverkehr ließen sich mit dieser Technologie erfolgreich dekarbonisieren.

Ökoindikatoren zur Bewertung der Umweltverträglichkeit von Baustoffen

Lutz Dorsch (Dorsch und Hoffmann GmbH Institut für Energieeffizienz) plädierte dafür, neben dem sogenannten U-Wert als Maß für die Wärmeleitfähigkeit auch Ökoindikatoren in den Blick zu nehmen. Sie sollten die für die Herstellung der Baustoffe aufgewandte sogenannte graue Energie und insbesondere die Umweltverträglichkeit der verwendeten Materialien beschreiben und beziffern. So sollten alle Bauteile erfasst und ihre Ökobilanz über ihren gesamten Lebenszyklus von der Produktion bis zur Deponierung oder zum Recycling bewertet werden. Auf diese Weise ließe sich auch im Gebäudebereich von Nachhaltigkeit als vergleichbarer Größe sprechen.

Über das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V.

Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. ist nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von rund 700 Ingenieuren, Architekten und Technikern. Alle Mitglieder verbinde das gemeinsame Arbeitsgebiet der Beratungs- und Planungsleistungen zur effizienten Energienutzung und zum Einsatz erneuerbarer Energien im Gebäudebestand, der Wohnungswirtschaft, Gewerbe und Industrie sowie für Kommunen. Ihre Beratung erbringen sie neutral und unabhängig.

Foto: Doreen Brumme