Energetische Komplettsanierung mit großer Solarthermie-Anlage | Projekt 2 des Monats 09/2016

Nachdem ich euch vergangene Woche Lieblings-Solarthermie-Projekt 1 unseres amtierenden Handwerkers des Monats, Daniel Jansen vom Betrieb “Haustechnik Jansen – Heizung, Bäder, Solar” aus Gieleroth im Westerwald (Rheinland-Pfalz) vorgestellt habe, folgt nun Lieblingsprojekt 2: Dabei handelt es sich um ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung in Birken-Honigsessen (was für ein geschmackvoller Ortsname 🙂 !). Das 19 Jahre alte Gebäude wurde im Zuge einer Modernisierung komplett energetisch saniert. Die Modernisierungskosten lagen laut Angabe des Eigentümers bei mehr als 150.000 Euro. Dabei wurde die Heizungsanlage erneuert und um eine solarthermische Komponente erweitert. 

Das Projekt 2 des Monats – die Daten und Fakten

Die energetische Sanierung des Hauses von Georg Freidhof (siehe Titelfoto mit seiner Frau) umfasste Maßnahmen wie diese:

  • Fassadendämmung
  • Fenstermodernisierung
  • Heizungsmodernisierung (Heizungstausch und Erweiterung mit einer heizungsunterstützenden Solarthermie-Anlage)
  • hydraulischer Abgleich

Im Zuge dessen wurde die Kellerwohnung zur behindertengerechten Einliegerwohnung inklusive Eingang und Zufahrt modernisiert.
In Sachen Heizungsmodernisierung ist folgendes zu sagen: Der 19 Jahre alte atmosphärische Gaskessel wurde samt Warmwasserspeicher entsorgt und mit einer modernen Gasheizung (Gasbrennwertgerät ModuGas 15 kW, Kompaktheizzentrale ENERGY VARIO, beides von Hersteller Paradigma) und einem Pufferspeicher (Aqua EXPRESSO 1000, ebenfalls von Paradigma) ersetzt. Für alle Leser: Der Hersteller Paradigma gehört zur Ritter-Grupppe, die auch hinter unserem Blog steht. Die Solarthermie-Anlage von Paradigma, die im Sommer 2016 von unserem Handwerker des Monats Daniel Jansen installiert wurde,  besteht aus zwei Aqua-Plasma-19/50er-Kollektoren und zwei Aqua-Plasma-19/34er-Vakuum-Röhrenkollektoren. Die Brutto-Kollektorfläche beträgt demnach satte 17 Quadratmeter (ganz genau: 17,32 Quadratmeter).

Die Geschichte der energetischen Komplettsanierung

Aus dem Munde des Hauseigentümers und Bauherrn Georg Freidhof klingt die Sanierungsgeschichte seines Gebäudes so:

“Wir sind – nach zweieinhalb Jahren Bauzeit – zu Weihnachten 1999 mit drei kleinen Kindern in unser neues Haus eingezogen. Wie auf dem Lande üblich wurden viele Dinge in Eigenleistung erbracht, vor allem die Rohbaumaßnahmen – wobei der Schwiegervater und die Gerätschaften seines damaligen landwirtschaftlichen Betriebes uns sehr stark unterstützten. Natürlich hatten wir weder das Know-how noch die Möglichkeiten, heutige Wärmedämmungen zu berücksichtigen. Es war daher immer ein großes Thema in unserer Familie, wie wir die Kosten des Gebäudes (vor allem die Heizkosten) verringern könnten. So haben wir in manchen frühen Jahren das Gebäude vollständig mit dem vorhandenen Festbrennstoffofen (Kachelofen, Verbrauch: bis zu 25 Raummeter Waldholz je Jahr) beheizt und damit bewusst eine entsprechende Einbuße an Komfort (Stichwort: Schmutz, Wärmeverteilung im Haus) in Kauf genommen. Solange die Kinder klein waren, ging das ganz gut, aber spätestens mit deren Schulpflicht war das nicht mehr zu vertreten.”

Die alte Gasheizung: ein atmosphärischer Gaskessel. Foto: D. Jansen

Die alte Gasheizung: ein atmosphärischer Gaskessel. Foto: D. Jansen

Warum wir uns damals und heute wieder für eine Gasheizung entschieden

“Da Gas ‘in der Straße lag’, haben wir uns 1999 für eine Gasheizung als billigste Einbauvariante entschieden. Öl war aufgrund der mangelhaften Fertigstellung des Kellerbereiches und der mangelnden Abdichtung vom Keller zum Wohnbereich nicht sinnvoll und andere Alternativen preislich unerschwinglich.”

Die neue Gasheizung: ein Gasbrennwertkessel Foto: D. Jansen

Das neue “All-in-One”-Heizsystem von Paradigma: ein Frischwasser-Pufferspeicher mit angedockter Kompaktheizzentrale ENERGY VARIO, darin ein integrierter Gasbrennwertkessel ModuGas + Regelung. Foto: D. Jansen

Gründe für die energetische Komplettsanierung

“Nachdem die Gasheizung ‘in die Jahre’ gekommen war, haben wir uns seit ca. 2014 intensiv mit einer Veränderung auseinandergesetzt. Die Planung der neuen Heizung machte allerdings nur dann Sinn, wenn parallel auch die mangelhafte Isolierung des Gebäudes in Angriff genommen und in unserem speziellen Fall auch endlich der Wohnbereich nach unseren Wünschen optimiert werden würde. Das hieß konkret: die Einliegerwohnung (auch wegen einer dann nicht notwendigen Wärmeisolierung zur Hauptwohnung) fertig zu machen. Natürlich hatten diese Planungen direkten Einfluss auf die Wahl der zukünftigen Heizungsanlage. Die Einliegerwohnung wurde behindertengerecht hergerichtet, um meiner Frau und mir im Alter eine Rückzugsmöglichkeit zu geben, denn zwischenzeitlich verlassen die Kinder so langsam unser Zuhause und die Hauptwohnung wird uns in einigen Jahren zu groß werden. Und natürlich spielten auch die Fördermöglichkeiten wie KfW 159 eine Rolle!”

Beim Einbau der modernen Gasheizung: Hier sieht man die künftige Verbindung zwischen Pufferspeicher und Gasbrennwertkessel. Foto: D. Jansen

Beim Einbau: Hier sieht man die vorbereitete Verbindung zwischen Pufferspeicher und Kompaktheizzentrale. Foto: D. Jansen

Wie wir unsere neue Heizung suchten …

Wir haben uns bezüglich einer Wärmepumpe mit Photovoltaik, einer Festbrennstoffanlage in allen möglichen Spielformen (Festbrennstoff, Pellet und Kombinationen) und natürlich Solarthermie in Kombi mit Gas-/Ölbrennstoff beraten lassen. Von mehreren ortsansässigen, aber auch von überregional tätigen Unternehmen.
Was soll ich sagen: Die Phase der Beratung war extrem schwierig, da es für jede Heizungsform gute Gründe gibt, die sowohl dafür als auch dagegen sprechen. Allerdings haben sich die Fachleute häufig auch widersprochen in ihrer Argumentation. Das machte mir / uns die Entscheidung nicht leichter. Immerhin bin ich es als betriebswirtschaftlich ausgebildeter Berufstätiger gewohnt, ‘scharfe!’ Kalkulationen und Begründungen zu erstellen. Und aufgrund meines Studiums bin ich auch mit dem Thema ‘Nachhaltigkeit” bestens vertraut.”

 … und wie wir uns für unsere neue Heizung entschieden …

“Unsere Entscheidung ist nach wirtschaftlichen Kriterien gefallen, weil:
1. der Wechsel eines Energieträgers IMMER mit besonderen Kosten verbunden ist und Gas bei uns sehr komfortabel zur Verfügung steht.
2. die Platz-sparende Paradigma Anlage ohne zusätzlichen Wärmeträger auskommt, also kein zusätzlicher Wärmetauscher über ‘giftige’ Speicherflüssigkeiten (Stichwort: zukünftige Entsorgungskosten) nötig ist.
3. keine Legionellen-Probleme entstehen können (keine Prüfungen notwendig), da das warme Brauchwasser nicht gespeichert, sondern über einen Wärmetauscher im Rahmen des Verbrauchs “frisch” erhitzt wird.
4. die solar eingefangene Energie ohne Umwege in den Pufferspeicher geleitet wird und dieser “direkt” an den Führungsrohren der Bodenheizung angebunden ist. Was höchste Effizienz garantiert.
5. die Röhrentechnik den entscheidenden Energievorteil der Solarthermie im Vergleich zu den Flachkollektoren möglich macht. Es ist logisch, dass an Tagen mit starker Sonneneinstrahlung “jede” Solaranlage Vorteile bringt, aber gerade in Frühjahr-/Herbst-Übergängen die wichtigen Einsparungspotentiale generiert werden können.
6. die Alternative Photovoltaik – nach derzeitigem Stand – noch erhebliche Entwicklungsschübe in der Zukunft erwarten lässt (vor allem bei der Speichertechnik), so dass eine heutige Anlage in wenigen Jahren ‘veraltet’ sein wird (verminderte Halbwertszeit). Auf dieses Thema werden wir in der Zukunft sicher nochmals eingehen, die eingesetzte Paradigma-Anlage macht spätere Kombinationen ja möglich.
7. die Alternative Festbrennstoffofen zu Platz-Problemen im Kellerbereich geführt hätte, die man mit zusätzlichen (teuren) Hilfsmitteln überbrücken hätte müssen. Außerdem schreckt die Diskussion zu ‘Filtereinsätzen’ bei Holzverbrennung von der Hauptnutzung ab.”

Die Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach des Freidhofschen Hauses. Foto: Daniel Jansen

Die Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach des Freidhofschen Hauses. Foto: Daniel Jansen

Warum unsere Wahl auf den Solarteur-Handwerksbetrieb “Haustechnik Jansen” fiel

“Viele verschiedene Fachleute waren bei uns vor Ort, teilweise sogar Vertreter von Herstellern. Wir haben uns für die “Haustechnik Jansen” entschieden. Was wir uns dabei dachten? Das will ich gerne schildern: Herr Jansen leitet ein kleines, innovatives Unternehmen, das es sich in der Region ‘nicht leisten kann’, schlechte Leistung abzuliefern. Wir gingen davon aus, dass für den Solarteur demzufolge bei der Arbeit nicht ausschließlich wirtschaftliche Kriterien eine Rolle spielen würden, sondern, dass er auch Interesse an der wirklichen Zufriedenheit des Kunden (auch nachdem der Auftrag unterschrieben wurde) haben würde.
Dies hätte natürlich auch für andere Unternehmen gegolten, aber: Herr Jansen war der einzige Fachunternehmer, der alle oben aufgeführten Argumente im Verkaufsgespräch auch angesprochen hat. Alle anderen haben entweder “ihren” Produktweg beworben, oder nur wenige der Argumente vorbringen können. Dies hat uns gezeigt, dass die Haustechnik Jansen wirklich unsere Bedürfnisse erkannt hatte und Lösungen bieten konnte. Abgesehen davon war die Ausführung exakt nach Plan und die Zusammenarbeit mit den anderen Gewerken sehr kollegial, was für das bauliche Gesamtergebnis enorm wichtig ist. Eine Exaktheit, die vielen Unternehmen (sicher auch aus wirtschaftlichen Zwängen heraus) nicht zu eigen ist.”

Was uns die energetische Sanierung kostete und was sie uns bringt / bringen soll

“Insgesamt ist die Baumaßnahme mit deutlich mehr als 150.000 Euro Kostenvolumen (davon hatte Haustechnik Jansen einen Anteil von ca. 30 Prozent für Sanitär und Heizung) fast “punktgenau” ausgeführt worden. Es konnten alle geforderten Kriterien der KfW (Programm 151/152) bzgl. der Energieeinsparung erfüllt werden. Auch dieser Umstand hat sehr dazu beigetragen, dass wir uns die Baumaßnahme hatten leisten können!
Wegen der anstehenden Vermietung und dank der Förderung der Maßnahmen (KfW 151/152 und KfW 159) wird die monatliche Belastung in den kommenden zehn Jahren für uns unter 300 Euro liegen (ohne Berücksichtigung der eingesparten Energiekosten!). Spätestens dann ist alles bezahlt! Die Amortisation der Gesamtmaßnahme erfolgt also in extrem kurzer Zeit, dies mindert Risiken und lässt finanzielle Spielräume und sogar Erträge für uns, wenn die “Arbeitsphase” unseres Lebens in ca. 15 Jahren vorbei sein wird.

Vom ersten Moment der Inbetriebnahme an "ernten" die Kollektoren <a href=

Solarwärme. Foto: D. Jansen” width=”668″ height=”444″ /> Vom ersten Moment der Inbetriebnahme an “ernten” die Kollektoren Solarwärme. Foto: D. Jansen

Die Überwachung der Anlage erledige ich mit meinem täglichen Hausrundgang und außerdem wird die Anlage regelmäßig gewartet. Sie könnte auch bei bequem und kostenlos über die S-Touch App für Android und iOS bedient werden. Seit Inbetriebnahme der Solarheizung auf dem Dach zeigte sie kein einziges Mal eine Null an. Der Gasbrennwertkessel war seit dem noch nicht in Betrieb – unser solarer Deckungsgrad ist demnach zur Zeit 100 Prozent! Die Solarthermie hat das komplette Brauchwasser für unseren Haushalt bereit gestellt.”

Satte 17 Quadratmeter Bruttokollektorfläche liefern derzeit 100 Prozent solare Deckung des Wärmebedarfs für Brauchwasser. Die Heizung bleibt noch aus. Foto: D. Jansen

Satte 17 Quadratmeter Bruttokollektorfläche liefern derzeit 100 Prozent solare Deckung des Wärmebedarfs für Brauchwasser. Die Heizung bleibt wegen der spätsommerlichen Wetterlage noch aus. Foto: D. Jansen

Projekt 2 des Monats September 2016 - Energetische Komplettsanierung mit Gas & Solarthermie

Anlagengröße:17,32 m2 (2 x 5,01 m2 plus 2 x 3,35 m2)Personen im Haushalt: 6 plus 1 Mieter ab Oktober
KollektorenAqua Plasma 19/50 und Aqua Plasma 19/34 2 x 661 kWh/a je m2 + 2 x 665 kWh/a je m2 nach Solar Keymark Datenblatt (50° C Würzburg)
Ausrichtung:k. A.
Pufferspeicher:Aqua EXPRESSO II 1000
Zusatzheizung:Gasheizung (ModuGas 15 kW und EnergyVario von Paradigma)
Alte Heizung:19 Jahre alter atmosphärischer Gaskessel (Viessmann)Verbrauch während der letzten 17 Jahre zwischen 22.000 und 33.000 kWh/a, im Schnitt also: 26.500 kWh/a
Trinkwassererwärmung:ja
Heizungsunterstützung:ja
Beheizte Fläche:250 QuadratmeterBaujahr der Anlage: Juli 2016
Energiebedarf heute:k.A.
Ertrag/Jahr:Errechnet: 5.000 kWh
Ausführender Betrieb:
Haustechnik Jansen, Hohlweg 10, 57610 GielerothInterview mit Daniel Jansen
Wir veröffentlichen monatlich zwei Anlagen unserer "Handwerker des Monats". Das ist das Lieblings-Solarthermieprojekt 2 des Handwerkers des Monats September 2016, Daniel Jansen, Installateur- & Heizungsbauermeister, Energieberater (HWK), Haustechnik Jansen, Hohlweg 10, 57610 Gieleroth, Tel: 02681-3670, Fax: 02681- 70967, info@nullhaustechnik-jansen.de, www.paradigma-altenkirchen.de.

Vielen Dank an unseren Handwerker des Monats und seinen Kunden für die Anlieferung so vieler Daten, Fakten und Bilder!

Fotos: Daniel Jansen, Haustechnik Jansen

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