Friedhelm Meinaß: Für Heizung braucht es Anbieter von Kombilösungen

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Zum Auftakt unserer neuen Serie: “Energieberater im Gespräch” hat Sabine den Einführungsartikel verfasst und erklärt, was wir uns so unter einer Energieagentur vorstellen können. Heute folgt wieder ein weiteres Interview des Energieforum-Hessen, als Gesprächspartner steht uns Herr Friedhelm Meinaß vom Energieforum-Hessen zur Verfügung.

Das Energieforum-Hessen stellt nach eigenen Angaben ein unabhängiges Forum mit hessischer Verbundenheit dar. Der Internetauftritt des Energieforum-Hessen bietet neben der Vermittlung des passenden Energieberaters auch wertvolle Tipps, Ratschläge, aktuelle Themenartikel und weiterführende Informationen. Hinter dem Forum steht eine Arbeitsgemeinschaft, welche von Herrn Meinaß als Pressereferent der “Neuen Energie Deutschland” vertreten wird. Er ist selbst Energieberater und auch für die Koordination der kooperierenden Energieberater zuständig.

Energieberatung durch das Energieforum Hessen

Claudia J. Gasmi für Ecoquent Positions: Könnten Sie uns kurz einen Überblick über das „Energieland“ Hessen geben? Gibt es vielleicht sogar Zahlen, wie weit Hessen bei der Energiewende und wie hoch der Anteil an Erneuerbaren derzeit ist?

Friedhelm Meinaß: Die Regierung plant bis zum Jahr 2020 den Anteil erneuerbarer Energien bis auf 20% auszubauen. Im Moment hält man sich – vor der Landtagswahl im September 2013 – mit aktuellen Zahlen etwas zurück.

Um dieses ehrgeizige Sparziel zu erreichen, will Hessen verstärkt auf die Sanierung und Wärmedämmung von Gebäuden Einfluss nehmen. Energieberater sollen ausgebildet und sog. “Energieeffizienz-Checks” für Unternehmen entwickelt werden.

Bei den regenerativen Energien soll vor allem auf den verstärkten Einsatz von Biomasse Wert gelegt werden. Auch die Windenergie soll weiter vorangetrieben werden, allerdings will Hessen hier stärker auf die Vermeidung von “Landschaftsbeeinträchtigungen” achten (im Hinblick auf kilometerlange Hochspannungsmasten und dem tollen Blick im flachen, weiteinsehbaren Ried auf Biblis ein fast sarkastischer Standpunkt).

Kurz: um auf einen Anteil von 20% zu kommen (ohne Einbeziehung von Kraftstoffverbrauch etwa) müssten jährlich 21 Terawattstunden aus Sonne, Wind, Biomasse, Wasser und Geothermie gewonnen werden. Derzeit liegt der Anteil bei rd. Sieben Terawattstunden.

Ecoquent Positions: Die Stromdebatte ist in vollem Gange. Über Wärme und Heizung, welche meist den größeren Brocken der Energierechnung ausmacht, spricht jedoch niemand. Wie sehen Sie dieses Problem?

Friedhelm Meinaß: Entschuldigen sie den Ausdruck: Jede Woche wird eine andere Sau durch die Medienlandschaft getrieben. Wärme wird zum größten Teil durch fossile Brennstoffe erzeugt, ist also irgendwann verbraucht und belastet bei der Nutzung die Umwelt. Ich bin überzeugt, dass auf lange Sicht nur die Energie Zukunft hat, die im Überfluss zur Verfügung steht: Sonne und Wind.

Ecoquent Positions: Welche Kunden kommen zu Ihnen und wie wird geholfen? Eher Haushaltskunden oder auch Industrie?

Friedhelm Meinaß: Wir vermitteln z.B. Energieberatungen für Hausbesitzer und Gewerbetreibende die staatlich gefördert werden. Dem Verbraucher selbst bieten wir ein Forum für Informationen rund um die Energie.

Ecoquent Positions: Welche Möglichkeiten für eine Heizung beraten Sie am häufigsten. Worauf sollten Sanierer und Neubauerrichter besonders achten?

Friedhelm Meinaß: Auf die Möglichkeit autarker Energieversorgung, Photovoltaik, Solarthermie, zukünftig Kleinwindkraftanlagen, Speichertechnik. Es fehlt allerdings an Anbietern, die diese Techniken gerade bei der Wärmeerzeugung miteinander kombinieren. Wärmedämmung bei Neubauten ist gesetzlich vorgeschrieben und sollte maximal angewendet werden. Bei Altbau-Sanierungen stehen wir der Aussendämmung skeptisch gegenüber, besonders den Styropor-Lösungen, die später aufwändig entsorgt werden müssen. Besser wäre, der effektiven Wärmeerzeugung mehr Gewicht zu verleihen.

Wir beraten nicht direkt. Trotzem erhalten wir viele Anfragen von „Verbrauchern“, die gerne unabhängiger von fossiler Energie und von den sog. Energieriesen wie RWE, Vattenfall, e-on sein wollen. Eine Möglichkeit sehen wir hier z.B. im Verbund von eigengenutzter Photovoltaik plus Infrarotheizung plus Energiespeicher. Die KfW hat in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) ein Programm zur Förderung von kleinen Batteriespeichern für Photovoltaikanlagen entwickelt. Das Programm sieht einen zinsgünstigen Kredit aus Mitteln der KfW sowie einen Tilgungszuschuss aus Mitteln des BMU vor. Der Start des Programms ist für den 1. Mai 2013 vorgesehen.

Ecoquent Positions: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Solarthermie für die nächsten Jahre ein?

Friedhelm Meinaß: Eine zukunftsweisende Technik in Verbindung mit umweltfreundlichen Heizsystemen, auch im Bereich der effizienteren Nutzung bestehender Heizanlagen.

Ecoquent Positions: Was müsste für eine Entwicklung ähnlich dem PV-Bereich passieren?

Friedhelm Meinaß: Alles, was der dezentralen Energieerzeugung und Energieeinsparung dient und hilft, unabhängig von fossiler Energie zu werden, muss gefördert werden.

Dabei sollte endlich publik gemacht werden, dass die PV-Förderung in allem wesentlich günstiger kommt, als oben beschriebene irrsinnige Großnetzversorgung, deren Verbraucherpreise von den Energieversorgern beliebig gestaltet werden können und werden – ähnlich dem Benzinpreis. Ich erinnere an die Aussage von Herrn Großmann, seines Zeichens RWE-Chef, der meinte, man müsse den Strom einfach teuer machen, damit er mehr geschätzt wird. Unabhängig von tatsächlichen Herstellungskosten.

Vielen Dank für das Interview, Herr Meinaß!

Herr Meinaß hat zahlreiche Energieberatungen vor Ort durchgeführt und auch Beratungen und Schulungen zum Thema Energieberatung, zum Beispiel bei Sparkassen und der Landesbank Hessen-Thüringen, geführt.

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Friedhelm Meinaß | Energieforum-Hessen

Beitragsbild: Energieforum-Hessen

Bild im Artikel:  Friedhelm Meinaß

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