Fernwärmemarkt in Österreich

Fernwärmemarkt: So schaut er in Österreich aus!

Wie versprochen schlage ich heute ein weiteres Kapitel aus der wohl umfassendsten Diplomarbeit zur solaren Fernwärme auf, die ich hier auf dem bereits vorgestellt habe. Heute geht es um den Fernwärmemarkt in Österreich. Doch lest selbst, wie’s damit ausschaut!

Was ist Fernwärme?

Christoph Zinganell, der Autor der Diplomarbeit, geht beim Thema Fernwärme von dem Rechtsbegriff aus, mit dem der deutsche Bundesgerichtshof Fernwärme definiert:

Wird aus einer nicht im Eigentum des Gebäudeeigentümers stehenden Heizungsanlage von einem Dritten nach unternehmenswirtschaftlichen Gesichtspunkten eigenständig Wärme produziert und an andere geliefert, so handelt es sich um Fernwärme. Auf die Nähe der Anlage zu dem versorgenden Gebäude oder das Vorhandensein eines größeren Leitungsnetzes kommt es nicht an.“

Welche Vorteile hat Fernwärme?

Mit dieser Definition von Fernwärme im Auge beschreibt Christoph als Nächstes die Vorteile von Fernwärme. Dazu gehören zum Beispiel …

  • … die zentrale Wärmeerzeugung an sich. Die zudem auch zentrale Umweltschutzmaßnahmen wie Anlagen zur Entstickung, Entschwefelung und Entstaubung umfassen kann.
  • … die infolge der zentral erzeugten und via „Übergangs- und Verteilnetze in Form von Rohrsystemen“ direkt zum Kunden verteilter Wärmeenergie ermöglichte Abwesenheit von Abgas, Ruß, Rauch oder Geruch beim Kunden.
  • … die Nicht-Notwendigkeit, einen Schornstein zu besitzen und zu benutzen, einschließlich der anfallenden Kosten für dessen Wartung (Rauchfangkehrung).
  • … die Platzersparnis, da weder Heizkessel noch Lagerraum für Brennstoff nötig ist.

Und schon liefert uns Christoph eine erste konkrete Zahl für den österreichischen Fernwärmemarkt: „Der erneuerbare Anteil der Fernwärme in Österreich stellt mit einer Aufbringung von 8,5 Prozent am Gesamtaufkommen Erneuerbarer die drittgrößte Einzelsparte nach Holzbrennstoffe mit 32,4 Prozent und Wasserkraft mit 39,5 Prozent dar.“ Dabei beruft sich Christoph auf Angaben des Lebensmittelministeriums von 2011.

Die vier wichtigsten Fernwärmedienstleister in Österreich

Einen guten Eindruck von der österreichischen Fernwärmebranche gewinnt man, wenn man den kurzen Vergleich der wichtigsten Fernwärmedienstleister liest, den Christoph anstellt. Dabei handelt es sich um folgende:

  • Wien Energie GmbH
  • Energie Graz
  • Linz AG
  • und Salzburg AG.

Zu den einzelnen Big Playern auf dem Fernwärmemarkt in Österreich hat Christoph interessante Fakten zusammengetragen, die aus deren aktuellen Geschäftsberichten stammen. So erfährt man zum Beispiel, dass …

Energie Graz ein Fernwärmenetz von 351 Kilometern (km) betreibt und im Jahr 2012 insgesamt 973 Gigawattstunden (GWh) für knapp 50 Tausend Haushalte aufgebracht hat. Als Vorlauftemperaturen nennt Christoph für das Grazer Fernwärmenetz 70 bis 120 Grad Celsius, den Rücklauf beziffert er mit 50 bis 60 Grad Celsius. Als Besonderheit stellt er zudem heraus, dass das Grazer Netz drei großtechnische Solarthermie-Anlagen nutzt, um Wärme einzuspeisen.

… die Linz AG über ihr fast 200 km langes Leitungsnetz (191,6 km) 90 Prozent aller öffentlichen Gebäude und mehr als 63.000 private Haushalte mit Wärme versorgt. 2012 betrug der Wärmeabsatz 1.022 GWh bei einer installierten Leistung der Wärmekraftwerke von 753 Megawatt (MW). Der Vorlauf habe in Linz, so Christoph, sommers eine Temperatur von 80 Grad Celsius und steige winters gleitend auf bis zu 130 Grad Celsius. Im Rücklauf seien es demnach noch etwa 57 Grad Celsius.

… die Salzburg AG ein Fernwärmenetz von gut 250 km betreibt und darüber eine Viertelmillion Kunden versorgt. 2012 betrug der gesamte Wärmeabsatz 944 GWh. Christoph erwähnt, dass die Salzburger ihr Netz in den vergangenen Jahren modernisiert und dabei von Dampf auf Heißwasser umgestiegen seien. Das führte dazu, dass heute statt mit Dampf, der 200 Grad Celsius heiß ist, die Wärme primärseitig mit Wasser transportiert werden könne, das im Vergleich dazu gerade mal kochend heiß sei, dessen Temperatur also 100 Grad Celsius betrage.

Auf die Wien Energie GmbH geht Christoph sehr viel ausführlicher ein als auf die drei bereits angeführten Fernwärmedienstleister. Nicht ohne Grund: Zum einen sind die Wiener der größte Fernwärmedienstleister in Österreich und damit auch einer der größten Europas. Zum anderen wurde Christoph beim Schreiben seiner Diplom-Arbeit seitens der Wien Energie GmbH, genauer seitens  der Abteilung Forschung und Entwicklung und noch genauer in Person von Dipl-Ing. Martin Höller, betreut. Ich mache das Ganze hier deutlich kürzer, aber ich schaue ja auch als Außenstehender auf den österreichischen Fernwärmemarkt. Um im Textschema zu bleiben, wiederhole ich mich kurz: Über die Fernwärme Wien GmbH erfährt man unter anderem, dass …

… sie rund 6.400 Großkunden und 330 Tausend Privathaushalte versorgt. Ihr Netz ist 1.168 km lang. Damit ist das Wiener Verbundnetz das Größte seiner Art in Europa!

Wer hätte das gedacht!? Ich nicht!

Die installierte Gesamtleistung der Wiener betrage 3,2 Gigawatt (GW), pro Jahr werden mehr als 6.000 GWh erzeugt. Das Wiener Fernwärmenetz bestehe aus Primär- und Sekundärnetz und werde von 17 Erzeugungsanlagen an zwölf Standorten mit Heißwasser beschickt. Das habe laut Christoph im Vorlauf Temperaturen zwischen 95 und 150 Grad Celsius.

Die Marktsituation der österreichischen Fernwärme

Die folgende Grafik dient dazu, anschaulich zu verdeutlichen, wie sich die Wärmeerzeugung aus KWK-Anlagen, denen Christoph in Österreich die größte Bedeutung als Fernwärmeerzeuger zuschreibt, von 1990 bis 2010 entwickelt hat:

Wärmeerzeugung aus KWK

Aus dem Anteil des KWK-Betriebs zur Fernwärmeerzeugung, der demnach in jüngster Zeit zwischen 70 und 75 Prozent liegt, schließt Christoph, dass dieser als ein „ein sehr effektives Instrument zur CO2-Reduktion durch einen sehr effizienten Primärenergieeinsatz“ dient.

Außerdem stellt er fest, dass die Energiequellen zur Fernwärmeerzeugung Erdgas mit 44,1 Prozent und biogene Brennstoffe mit einem Anteil von 37,6 Prozent besonders dominant sind. Umweltenergien wie Solar, Wärmepumpe und Geothermie spielten mit 0,7 Prozent dagegen aktuell noch eine sehr untergeordnete Rolle in Österreich.

Mehr davon? So könnt Ihr die komplette Diplom-Arbeit lesen:

Wer von Euch Interesse daran hat, das komplette Werk von Christoph Zinganell zu lesen, nimmt bitte direkt Kontakt zu ihm auf. Hier ist die E-Mail-Adresse:

christoph.zinganell@nullcollective-energy.at

Foto: Melange / photocase.de