Letzte Chance Doha: Weltklimakonferenz 2012

Das Gastgeberland der diesjährigen UN-Klimakonferenz ist das Arabische Emirat Katar: Ein Land, das mehr als die Hälfte seines Bruttoinlandsproduktes mit Öl und Erdgas erwirtschaftet. Genau der richtige Ort für die über 190 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention, um über Maßnahmen gegen die globale Klimaerwärmung zu verhandeln; spielt doch die Reduzierung der Treibhausgasemissionen aus fossilen Brennstoffen dabei eine zentrale Rolle. Die Konferenz dauert vom 26. November – 7. Dezember 2012 und findet in Katars Hauptstadt Doha statt.

Kippt das Kyoto-Protokoll?

Einer der wichtigsten Programmpunkte der Konferenz dürfte der Beginn der Verhandlungen über den Weltklimavertrag sein, der im Jahr 2020 in Kraft treten soll; außerdem wird es um die Ausgestaltung der Zweiten Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll gehen. Die erste Periode läuft 2012 aus und die Bilanz ist niederschmetternd: Die Reduktionsziele werden aller Voraussicht nach nicht erreicht, Kanada ist ausgetreten, China und die USA waren von Haus aus nicht dabei. Darüber, dass das Kyoto-Protokoll überhaupt fortgesetzt werden soll, einigte man sich auch erst in letzter Sekunde – auf der Weltklimakonferenz in Durban 2011.

2-Grad-Ziel ist zwingend

Über die neuen Reduktionsziele und ob und wie die Entwicklungs- und Schwellenländer teilnehmen werden, soll nun entschieden werden.  Experten sind sich einig, dass eine Erderwärmung von maximal 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau tolerabel ist, alles darüber gilt als „gefährlicher“ Klimawandel (basierend auf einem Bericht des Weltklimarates  IPCC). Um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, müssen die CO2-Emissionen global quasi ab sofort (2015) sinken und langfristig um 50 – 70 % reduziert werden.

Der Westen steht für Schwellen- und Entwicklungsländer in der Verantwortung!

Um das zu erreichen, müssen Schwellenländer wie China und Indien mit ins Boot geholt werden, deren Energiehunger überproportional steigt. Die berufen sich darauf, dass die aktuelle Erderwärmung zuallererst den westlichen Industrienationen geschuldet ist – teilweise zu Recht. Und gerade in den Schwellenländern werden massenhaft Güter für den westlichen Markt produziert. Es trifft uns also durchaus Mitverantwortung für die Schwellenländer. Und schließlich, was wird getan, um am wenigsten entwickelten Ländern zu helfen, die vom Klimawandel am stärksten betroffen und bedroht sind? Überschwemmungs- und Dürrekatastrophen in den ärmsten Ländern sind jetzt schon als Folgen des Klimawandels zu beobachten.

Egal wer „schuld“ ist – langfristig werden wir alle die Leidtragenden des globalen Klimawandels sein. Der Prozess wird von Medien und NGO’s kritisch begleitet; viele vermissen das entschiedene Handeln der Politikverantwortlichen. So sagt Hendrik Vygen, ehemaliger Leiter des deutschen Verhandlungsteams bei den UN-Klimaverhandlungen und Vorstandsmitglied von Germanwatch, in seinem Editorial:

„Das Schneckentempo der internationalen Verhandlungen einerseits und das Tempo des überall auf der Welt sichtbaren Klimawandels andererseits sind erschreckend.“

Zeit, uns endlich als Teil einer Weltbevölkerung zu begreifen, anstatt die Bälle hin und her zu spielen zwischen Ost und West, Reich und Arm. Doha könnte unsere letzte Chance dazu sein.

  • Programm der Konferenz als PDF-Datei in englischer Sprache
  • Webseite der Doha Climate Change Conference 2012

Foto: (c) NASA, Visible earth

 

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