Ratgeber „Richtig heizen“, Teil 3: Thermische Behaglichkeit – warum Frauen eher frieren als Männer

richtige Raumtemperatur: Heiz-Ratgeber

In Teil 3 meines Ratgebers „Richtig heizen“ geht es heute um das unterschiedliche Temperaturempfinden von Frauen und Männern. Auch wenn unsere Titelbildfrau mit Mütze und Schal in der Badewanne wohl eher die Ausnahme ist, soll es oft vorkommen, dass es Männern im Büro zu heiß und Frauen zugleich zu kalt ist. Wer das jetzt als nebensächlich abtut, dem sei gesagt, dass es kaum Sinn macht, Gebäude energieeffizient zu konzipieren und zu realisieren, wenn deren Bewohner die thermische Behaglichkeit dann soweit selbst in die Hand nehmen, dass sie mit ihrem regulierenden Eingriff gemäß ihres Heizwärmebedarfs die gut geplante Energiebilanz des Gebäudes zunichte machen. Also lasst uns mal schauen, was Mann und Frau in Sachen optimale Raumtemperatur unterscheidet!  

… und ewig währt der Kampf der Geschlechter um die optimale Raumtemperatur

Wer ein Büro mit dem jeweilig anderen Geschlecht teilt, wird das vielleicht kennen: Während Männer eher niedere Raumtemperaturen wählen, drehen Frauen die Heizung eher auf, um höhere Temperaturen zu erzielen. Wer nun meint, das läge daran,  dass Frauen empfindlicher seien, oder daran, dass Männer wegen ihres Businessoutfits mehr Schichten Kleidung trügen als Frauen, der irrt.

Zumindest, wenn es nach zwei Wissenschaftlern der Universität Maastricht in den Niederlanden geht. Die beiden Biologen Boris Kingma und Wouter van Marken Lichtenbelt  fanden heraus, dass Frauen es einfach wärmer brauchen.

Die Methodik und Ergebnisse ihrer Studie „Energy consumption in buildings and female thermal demand“ veröffentlichten die beiden Wissenschaftler am 3. August 2015 hier in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“, die sich insbesondere mit dem Klimawandel befasst: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, dass der Temperaturkonflikt zwischen Männern und Frauen im Büro System habe. Womit wir schon mittendrin in der Systemanalyse sind: Denn laut den beiden niederländischen Biologen seien Klimasysteme in Büros auf Männer eingestellt.

Laut der Studie bevorzugten Frauen mit 25 Grad Celsius eine um drei Grad Celsius höhere Raumtemperatur als Männer, denen bereits bei 22 Grad Celsius behaglich zumute war. Entsprechend griffen Männer und Frauen zu den je nach Büro gegebenen üblichen Möglichkeiten, um die Raumtemperatur  zu regeln:

  • Einstellen des Thermostats
  • Öffnen und Schließen des Fensters
  • Einstellen der Klimaanlage.

Laut Kingma und van Marken Lichtenbelt beruhe die Regulierung von Raumklimata auf empirischen Daten und einem aus diesen entwickelten Model zur thermischen Behaglichkeit (thermal comfort), die aus den 1960er-Jahren stammten. Demnach produziere ein Mann von 40 Jahren und mit einem Gewicht von 70 Kilogramm rund 60 Watt Wärmeenergie pro Quadratmeter seiner Hautfläche. Legt er Akten ab, käme er sogar auf 70 Watt pro Quadratmeter Haut. Auf diesen Wert seien den Wissenschaftlern zufolge viele Standards ausgelegt, anhand derer Klimaplaner das Raumklima im Bürogebäude planten. Dabei bleibe allerdings unberücksichtigt, dass eine junge Frau beispielswiese nur 48 Watt pro Quadratmeter ihrer Hautfläche fabriziere.

Der geringere Energiewert liege zum einen an der unterschiedlichen Statur der Frau. Sie ist meist kleiner und zierlicher gebaut als ein Mann. Zudem sei der Anteil an Körperfett bei einer Frau oft höher als bei einem Mann: Das Körperfett sorge jedoch dafür, dass weniger Körperwärme bis zur Haut vordringe. Gleichwohl die beiden Biologen nicht auf den Einfluss eines sich möglicherweise zwischen Mann und Frau auch unterscheidenden Stoffwechsels eingingen, sehen sie diesen als möglichen weiteren Grund für das unterschiedliche Empfinden thermischer Behaglichkeit an.

Was sagt uns die Studie? In Bezug auf die thermische Behaglichkeit im Büro und die Wege, sie über Heizen, Lüften und mehr zu erreichen, weisen Kingma und van Marken Lichtenbelt darauf hin, dass man das spezifische weibliche Wärmebedürfnis berücksichtigen müsse, wolle man verhindern, „dass Gebäude für den Komfort von Frauen nicht energieeffizient“ seien.

Warum Frauen eher frieren als Männer

Auf der Suche nach Gründen dafür, dass Frauen eher frieren als Männer, habe ich so einiges an Erklärungen gefunden. Die will ich euch nicht vorenthalten.

Vitamin-E-Haushalt

Frauen könnten laut diesem Artikel hier nicht so große Vorräte an speicherfähigen Vitaminen anlegen. Das treffe ganz besonders auf das Vitamin E zu. Doch gerade das bräuchte Mensch während der kalten Jahreszeit besonders. Vitamin E sei demnach nicht kälteresistent. Je tiefer die Temperaturen fielen, desto mehr Vitamin E benötigten wir als „Heizmaterial“, damit unser Körper genügend Wärme produzieren könne.

Natürliche Wärmeverteilung im weiblichen Körper

Des Weiteren macht der zitierte Artikel die natürliche Wärmeverteilung innerhalb des weiblichen Körpers für das schnellere Frieren der Frauen verantwortlich. Demzufolge würde der weibliche Körper vor allem die Fortpflanzungsorgane im Unterleib auf Betriebstemperatur halten – und unter kalten Umständen Wärme von den anderen Körperregionen, vorzugsweise den Gliedmaßen abziehen. Der Grund, warum Frauen schnell an Füßen und Händen frieren.

Hautdicke

Auch die Hautdicke sei ein Grund dafür, dass Frauen eher frieren als Männer: Weibliche Haut reagiere demnach schneller auf Kälte. Die Oberhaut des Mannes sei um etwa 15 Prozent dicker als die der Frau, der Mann sei somit besser vor Wärmeverlusten geschützt. Gingen Mann und Frau nebeneinander, hätte der Mann in der Haut häufig drei Grad Celsius mehr Temperatur als die Frau. Das ist das Ergebnis dessen, dass sich die Blutgefäße bei Kälte in der dünnen Haut der Frau schneller verengen, die Durchblutung infolge dessen rascher reduziert und die Körpertemperatur gesenkt werde als bei einem Mann.

Statur und Gewicht

Mit dem sich wandelnden Schönheitsideal hat sich auch der weibliche Körper verändert. Viele Frauen sind heute dünner als früher. Die fehlenden Rundungen bedeuten auch weniger isolierende Fettschichten, so dass die Frauen schneller frieren.

Muskeln

Frauen haben weniger Muskeln als Männer. Muskeln haben im männlichen Körper einen Anteil von rund 40 Prozent, der Fett-Anteil liegt bei 10 Prozent. bei Frauen halten sich Muskeln und Fett mit Anteilen von jeweils 25 Prozent in etwa die Waage. Das habe insofern Einfluss auf den Wärmehaushalt der Frau, als dass Wärme in den Muskeln produziert werde, während das Fett isoliere.

Schilddrüse

Da Frauen häufiger an Erkrankungen der Schilddrüse leiden würden als Männer, insbesondere an einer sogenannten Unterfunktion, die mit einem verminderten Stoffwechsel einhergehe, wer auch die Schilddrüse ein weiterer Grund für das schnellere Frieren von Frauen.

Blutdruck

Ebenso wie der Blutdruck, der bei vielen Frauen zu niedrig sei, was ebenfalls das Kälteempfinden von Frauen verstärke.

Weitere Artikel aus der Reihe „Richtig heizen“:

  • Teil 1: Raumtemperatur und ihre Wirkung auf Herz, Gewicht und Harndrang
  • Teil 2 Thermische Behaglichkeit: Thermische Behaglichkeit: Bei wie viel Grad ist uns behaglich?
  • Teil 4 Thermische Behaglichkeit: 4 Grad zwischen Theorie und Praxis

Foto: john krempl / photocase

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