Rohrwärmeabgabe: ? Ist meine Heizkostenabrechnung gerecht?

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Dieser Artikel ist vor allem für die Leser gedacht, die wie ich zur Miete in einem Mehrparteienhaus wohnen und sich die Heizungsanlage mit ihren Hausnachbarn teilen – sowohl die von ihr produzierte Wärme, als auch die Kosten dafür. Bei mir sind es genau 19 Nachbarn. Keinen von ihnen kenne ich so gut, dass ich weiß, ob er es gerne kuschelig warm hat in den eigenen vier Wänden oder lieber kühler. Von keinem kenne ich die Höhe der Heizkosten, die er zahlt. 

Verbrauchsabhängige Verteilung der Heizkosten

Ich ging bisher immer davon aus, dass es bei der Heizkostenabrechnung mit (ge)rechten Dingen zugeht, weil der Verbrauch des einzelnen Haushalts Heizkörper für Heizkörper digitalgenau erfasst, summiert und abgerechnet wird. Doch seit ich mich kürzlich in zwei Artikeln mit den Bereitschafts- und Verteilverlusten einer Heizungsanlage beschäftigt habe, nagt ein klitzekleiner Zweifel an meiner Krämerseele (was soll ich tun, ich bin nun mal Sternzeichen Jungfrau!). Ich stelle mir die Frage: Wenn ein Großteil der Heizwärme über die Rohre verlustig geht, die „kilometerweit“ durch unser Haus verlegt sind, dann könnten doch „Trittbrettfahrer“, sprich: „Heizrohrwärmeprofiteure“ für eine ungerechte Verteilung der Heizkosten sorgen, oder?

Rohrwärmeabgabe (Verteilverluste) beeinflusst Verteilung der Heizwärme

Angenommen, Mietpartei 1 (wohnhaft in Etage 1) reicht die Wärme, die über die frei im Raum verlaufenden Heizungsrohre ankommt zum behaglichen Wohngefühl. Oder Mietpartei 1 ist aus was-weiß-ich-für-Gründen, zum Beispiel wegen eines 3-monatigen Praktikums, den Winter über außer Haus. Dann dreht Mietpartei 1 die eigene Heizung nicht auf. Da jedoch nur die über den Heizkörper abgegebene Wärme messtechnisch und somit rechnungsrelevant erfasst wird, schont Mietpartei 1 die eigene Haushaltskasse. Doch das funktioniert nur, weil eine der Mietparteien über Mietpartei 1 (oder mehrere oder alle) die Heizung aufdreht. Die Rohre müssen ja warm werden.

Heizkostenabrechnung ohne Rohrwärmeabgabe ungerecht?

Und nun frage ich: Fällt die Heizkostenabrechnung der heizenden Mietpartei(en) dann ungerechterweise höher aus? Und: Wie kann eine Heizkostenabrechnung angesichts solcher Möglichkeiten der Wärmeteilhabe gerecht sein?

Meine Heizkostenabrechnungsfirma heißt Brunata Metrona. Die erledigen den Job Heizkostenabrechnung im Auftrag meines Vermieters. Und mit ein wenig Recherchearbeit habe ich im Internet ein Dokument besagter Heizkostenabrechnungsfirma gefunden, das offensichtlich eine (wohlgemerkt: nicht meine) Hausverwaltung an ihre Mieter gesandt hat. Darin schreibt Brunata Metrona:

„In Ihrem Gebäude reicht einzelnen Nutzern die abgegebene Wärme der Rohrleitungen zur Beheizung der Räume Großteils aus, ohne dass die Heizkörper merklich aufgedreht werden müssen. Man spricht dann von einer zu hohen Grunderwärmung durch die Rohrwärmeabgabe. Dies geht zu Lasten der Nutzer, die ihre Heizkörper richtig aufdrehen müssen, da zum Beispiel deren Nutzeinheiten aufgrund der Lage im Gebäude einen höheren Wärmebedarf haben. Die Folge ist eine unausgewogene Kostenverteilung im ganzen Gebäude. In Ihrem Gebäude ist dies in einem Umfang der Fall, der die Verteilgerechtigkeit wesentlich beeinflusst und daher berücksichtigt werden muss.“

Aha. Da ist der Ablesefirma beim Auswerten der Daten offensichtlich aufgefallen, dass der eine Mieter kaum, der andere ganz viel geheizt hat. Da man das aber berücksichtigen wolle, muss es auch eine Möglichkeit der gerechteren Abrechnung geben. Mal sehen, wie es im Text weitergeht:

Unangemessene Grundwärme sorgt für ungerechte Heizkostenverteilung

„… Die Ursachen sind nicht Fehler in der Heizkostenabrechnung oder ungeeignete Erfassungsgeräte, sondern die zu hohe Wärmeabgabe der (meist ungedämmten – Anmerkung von Doreen) Rohrleitungen. Diese Besonderheiten in der Anlage werden vor allem erst beim Einsatz der genaueren elektronischen Heizkostenverteiler  aufgedeckt, da diese nur zählen, wenn am Heizkörper tatsächlich (unabhängig von der Raumtemperatur – Anmerkung von Doreen) Wärme abgerufen wird. Für diese Fälle hat der Gesetzgeber nun Möglichkeiten vorgesehen, die Rohrwärmeabgabe in der Heizkostenabrechnung rechnerisch zu berücksichtigen. “

Stimmt. Die 2009 novellierte Heizkostenverordnung schafft in Paragraf 7 Absatz 1 eine rechtliche Grundlage dafür. Ab wann gehandelt werden sollte, also, ab wann die „unangemessene Grundwärme“ abrechnungsrelevant berücksichtigt werden sollte, das regelt das Beiblatt „Verfahren zur Berücksichtigung der Rohrwärmeabgabe“ zur Richtlinie VDI 2077. Dort werden drei Kriterien erwähnt, die auf einen zu hohen Rohrwärmeanteil hinweisen:

  • der Verbrauchswärmeanteil ist kleiner oder gleich 0,34 Verbrauchseinheiten pro Kilowattstunde eingesetzter Heizwärme
  • die Standardabweichung flächenbezogener Verbrauchswerte ist größer oder gleich 0,85
  • der Anteil extremer Niedrigverbraucher im Gebäude ist größer als 15 Prozent

Wie ermittelt man die Rohrwärme?

Laut Experten gibt es drei Wege, die Rohrwärme zu ermitteln:

  1. messtechnisch
  2. rechnerisch
  3. nach dem sogenannten Bilanzverfahren

In dem oben erwähnten Brunata-Schreiben wird den Mietparteien gezeigt, wie das Bilanzverfahren nach VDI 2077 künftig die Rohrwärme berücksichtigt. Wer will, kann das ausführlich hier nachlesen.

Fazit: Es gibt demnach Möglichkeiten, die Heizkostenabrechnung gegebenenfalls um die Rohrwärme zu erweitern und so für eine gerechte(re) Kostenverteilung entsprechend der tatsächlich abgefragten Wärme durch den Verbraucher zu sorgen. Da bei mir die Rohrwärme in der Heizkostenabrechnung noch nicht auftaucht, ist die Verteilung der Wärme vermutlich noch einigermaßen gleichmäßig und die der Kosten entsprechend gerecht. Gut zu wissen.

Foto: AndreasF. / photocase.de

 

 

 

5 Kommentare

  1. Das ist ja mal interessant. Wir haben gerade genau das Problem der unverhältnismäßig unterschiedlichen Heizkostenabrechnungen im Haus. In den unteren Etagen wird wesentlich weniger „abgerechnet“ als fünf Etagen weiter oben.

  2. Ich kann mich gar nicht beruhigen was da praktziert wird.wegen längerer abwesenheit im winter 2015 hatte ich einen wert von 36 einheiten.meine wohnung hat 49.65 quadratmeter in der 10.etage.unterm Dach juchee.keine warme wohnung.aber die rohe heizen ja meine wohnung wenn wenig verbraucht wurde…wer das erfunden hat.niemals erhalte eine angemessene temperatur durch rohrwärme.aber auf grund dieses verbrauchs…habe ich 1700 rohrwärme fiktiv in rechnung gestellt bekommen.180,-€.fazit ob abwesend oder sparsamkeit-ob milder winter ob oben unterm dach ob .ob.ob.es ist (rechtens)

  3. Mieter sind grundsätzlich in einer schlechten Ausgangsposition, denn auf die Energieeffizienz der Anlagentechnik insgesamt und die vom Vermieter abgeschlossenen Versorgungsverträge können sie keinerlei Einfluß nehmen.
    Mitunter werden hier vom Vermieter Provisionszahlungen vom Versorger empfangen.
    Nicht selten wird durch Uneffizienz der Anlagentechnik insgesamt das Doppelte oder gar mehr verbraucht und in Rechnung gestellt, als eigentlich notwendig wäre.

  4. Sehr guter Artikel! Er hat mich in meiner Vermutung bestätigt. Ich selbst drehe die Heizung immer sehr weit auf, habe dementsprechend auch hohe Heizkosten. Ein guter Freund muss seine Heizung kaum aufdrehen ( er wohnt einen Stockwerk unter mir) und hat oft kuschelig warm.

  5. Es gibt auch eine Schattenseite, wenn man weiter unten wohnt. Ich wohne z.B. im zweiten Stockwerk und mein innenliegendes Badezimmer ist auf mysteriöse Art und Weise unglaublich heiß. Obwohl es keine Fußbodenheizung gibt, fühlt sich ein Teil der Fliesen an als würden sie konstant auf 30-40 Grad geheizt werden. Dadurch hat das Bad im Winter eine durchschnittliche Temperatur von mindestens 28° und die Temperatur ist fast unmöglich abzusenken. Für das Bad an sich ist das natürlich recht angenehm – zumindest im Winter. Die Abwärme des Badezimmers heizt die gesamte Wohnung, da es innenliegend ist und Wohn- und Schlafzimmer quasi das Badezimmer umschließen. In Konsequenz ist es unmöglich (selbst im Winter!) in Wohn- oder Schlafzimmer eine Temperatur unter 25 Grad Celsius zu realisieren, außer durch exzessives Lüften bei kalter Außentemperatur, und das obwohl alle Heizkörper in der gesamten Wohnung komplett abgedreht sind. Die Regulierung der Temperatur über das Fenster kann wirklich nicht Sinn der Sache sein. Im Sommer haben die (vermutlich überhaupt nicht isolierten) Rohre (ob das jetzt Heizrohre oder Warmwasserleitungen sind, ist eigentlich egal) zur Konsequenz, dass es im Badezimmer kaum weniger als 32 Grad Celsius hat – und das auch noch im September bei durchschnittlichen Außentemperaturen von nicht viel mehr als 20 Grad Celsius. Nicht mal über sehr effektives, nächtliches quer-Lüften und tägliches Abschirmen der Sonne durch Außenjalousien ist die Temperatur in der Wohnung einigermaßen verträglich zu reduzieren. Die Wände im inneren sind einfach zu stark aufgeheizt und es wird zu viel Energie nachgeliefert. Subsumiert ist es unerträglich warm, insbesondere im Schlafzimmer, wo ich auch im Winter eine für guten Schlaf deutlich gesündere und angenehmere Schlaftemperatur von 18 Grad Celsius bevorzugen würde, aber kaum weniger als 23 Grad Celsius schaffe – und das bei geöffnetem Fenster und Außentemperaturen unter 10 Grad Celsius… aber ich brauche es dunkel und daher kann ich die Jalousie nicht einfach komplett offen lassen, also geht nicht genug Wärme nach draußen über Nacht.
    Da ärgert man sich natürlich, wenn man ca. 1000 Euro Rohrwärme bezahlen muss, obwohl die Wohnung entgegen dem eigenen Wunsch und Befinden viel zu warm wird – selbst, wenn man im Winter mal zwei Wochen im Urlaub ist. Man heizt und zahlt quasi immer, ob man will oder nicht, 24 Stunden am Tag. Ich würde lieber nur die Heizkosten zahlen, die ich auch wirklich verbrauche und hätte dafür genau dann und dort Wärme, wenn und wo ich die Wärme auch haben will. Stattdessen habe ich das ganze Jahr über eine Zwangs-Sauna für die ich auch noch Geld zahlen muss. Aber das schlimmste daran ist der Gedanke, dass ich die Temperatur meiner Wohnung über das Fenster regulieren muss, was ein energetischer Albtraum ist und das Geld sprichwörtlich aus dem Fenster geworfen wird, nur weil sich der Vermieter dadurch ein paar 100 Euro für Schaumstoffummantelung um die Warmwasserleitungen und Heizrohre gespart hat. Da hätte er sich gleich noch ein paar 1000 Euro für die Heizkörper auf meiner Etage an sich sparen können, denn sie sind völlig überflüssig und immer abgedreht. Ich frage mich hier wirklich, ob es legitim ist, die Kosten einfach so auf mich umzulegen, obwohl viel zu viel Verluste entstehen und ich dadurch auch noch schlecht schlafe. Der größte Witz ist, dass die Mieter im obersten Stockwerk wahrscheinlich im September nachts schon frieren und jede Menge heizen müssen, aber von den ursprünglichen 70 Grad Celsius Vorlauftemperatur, gehen bis ins oberste Stockwerk wahrscheinlich 25-30 Grad verloren, weswegen oben kaum Wärme ankommt und die Heizung dort die ganze Zeit auf Anschlag aufgedreht ist, wohingegen meine Wohnung viel zu stark parasitär mitgeheizt wird und ich konstant alle Fenster aufreißen muss, nur um nicht den Hitzetod zu sterben. Das man dieses miese und ineffiziente Heizsystem als Mieter einfach akzeptieren muss, obwohl die Energie sinnlos aus dem Fenster geblasen wird, ist mir schleierhaft.

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