Weiter geht es in unserer Serie zu den unterschiedlichen Strategien der Länder zum Ausbau der Erneuerbaren. Wie schon in vorigen Posts erwähnt, präsentiere ich hier die Bachelorarbeit von einer Studentin aus Stuttgart deren Bachelorarbeit ich letztes Jahr mit betreut habe. Der Titel lautete:
Ein Vergleich der unterschiedlichen gesetzlichen Erneuerbare-Energie-Strategien in den Ländern Deutschland, Österreich, Vereinigtes Königreich und Dänemark im Strom- und Wärmebereich
Heute habe ich die traurige Aufgabe mein Heimatland zu rügen. Was ich schon lange befürchtet habe, ist tatsächlich wahr. Österreich hat keine langfristigen Ziele im Ausbau der Erneuerbaren und jene bis 2020 sind wenig ambitioniert. Die arme Studentin hat auch bei der Recherche in Österreich so viel leiden müssen wie ich schon vor vielen Jahren bei meiner Studie. Es gibt nur wenig Material und man will es oft einfach nicht glauben und sucht dann ewig und noch länger. Es gibt zwar einige Infos aus Verbänden, aber bei wirklich handfestem aus der Regierung gibt es nicht sehr viel. Meistens geht es nur um Zielerreichungen aus der EU, aus eigener Kraft wird wenig geforscht und entwickelt. Und wenn schon, dann verschwindet das sehr oft in Schubladen, wie die Energieautarkiestudie aus 2009. Damit das mal richtig transparent wird und sich hoffentlich was bessert (ich hab da schon ein paar Gerüchte gehört, dass was in den Schubladen liegt), präsentiere ich die Ergebnisse.
Der Überblick macht schon mal deutlich. Über den Horizont von 2020 gehen keine Ziele hinaus. Vor allem die Wärmewende ist wie überall auf der Welt das große Stiefkind. Da kann man auch Österreich nicht mehr vorwerfen als den anderen Ländern. Also Leute, was ist los, ran an dieses Thema und dann nicht zu kleinkariert denken und den großen Wurf versuchen und nicht irgendeine “österreichische Lösung”.
2020 Ziele im Bruttoendenergieverbrauch orientieren sich lediglich an den EU-Zielen
Der derzeitige Anteil an erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch in Österreich liegt bei etwa 30%. Wir haben also in den nächsten Jahren eine jährliche Erhöhung von 1% im Sinne. Ich weiß, dass sogar das für manche schon als unlösbare Mammutaufgabe gilt. Ich persönlich finde so geringe Ambitionen sehr schade. Man verlässt sich meiner Meinung nach auch viel zu sehr auf die Wasserkraft, die uns immer so schön dastehen lässt. Abgesehen davon, dass die Erzeugung mit zunehmender Klimaerwärmung abnehmen wird, und man sich nicht so stark von einer Energiequelle abhängig machen sollte, sind das Errungenschaften aus den 70er und 80er Jahren. Es wäre an der Zeit endlich auch jetzt wieder mutige Ziele aufzustellen und diese natürlich auch umzusetzen. Damit kommen wir zum nächsten Punkt der Stromerzeugung.
Ohne Wasserkraft ist Österreich auch noch auf niedrigem Niveau
Um eben den Blick einmal weg von der Wasserkraft zu bekommen, ist es wichtig sich die Ausbauziele der neuen Erneuerbaren getrennt voneinander anzusehen und hier ist zu sehen, dass keine offizielle Ausbaustrategie für die Jahre nach 2020 vorliegt. Allein die Studie „Energieautarkie für Österreich 2050“ (s.o.) zeigt, was bis Mitte des Jahrhunderts möglich wäre, wenn man heute die richtigen Weichen stellt.
Der Anteil der erneuerbaren Stromerzeugung aus öffentlichen Netzen soll gemäß dem Ökostromgesetz 2008 bis zum Jahr 2015 erhöht werden. Im § 4 Abs. 2 (ÖSG) steht, dass der Anteil von gefördertem Ökostrom an der Abgabemenge an Endverbraucher aus öffentlichen Netzen bis 2015 auf 15 % erhöht werden soll.
Die nationalen Ausbauziele für die Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung sind in obiger Grafik dargestellt.
Keine Ziele für die Wärmewende
Etwa 50 % der verbrauchten Energie in Österreich wird für die Erzeugung von Wärme verwendet, davon ein Drittel für Raumwärme und Warmwasser. Der Wärmemarkt ist der größte Energiemarkt in Österreich – trotzdem ist der Anteil der Erneuerbaren in diesem Bereich noch sehr gering. Derzeit beträgt der Anteil an der Wärmebereitstellung 38 % er könnte also noch deutlich ausgebaut werden. Leider gibt es, wie oben zu sehen ist, keine konkreten, langfristigen Wärmebereitstellungsziele.
Politik nimmt ihre Lenkungsaufgabe im Energiebereich nicht ausreichend wahr
Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, unterschätzt die Politik meiner Meinung nach die Kraft von Zielen und geht noch viel zu lasch gegen noch vorhandene Förderung von fossilen Energien vor. Hohe Ziele können unglaubliches Innovationspotenzial im Land auslösen. Mit den mickrigen Zielen wird man aber keine großen Investoren motivieren können, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und so dümpelt der Markt eben eher dahin als sich dynamisch zu entwickeln. Wenn also Österreich wieder zum Umweltmusterland werden will, was es zweifellos einmal WAR, dann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt das wieder anzugehen.
Die gesamte Diplomarbeit veröffentliche ich nachdem auch Dänemark und Großbritannien vorgestellt wurde.
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Titelbild: williwieberg / photocase.com, Grafiken: Alexandra Kobzev
Aus leidvoller Erfahrung – 18 Jahre Umweltministerium Energieabteilung – ist das völlig richtig, betrachtet man nur den Bund. Österreich ist aber sehr föderal strukturiert und daher sollten bei solchen Studien auch die Strategien der Bundesländer betrachtet werden. Da würde sich Österreich dann im Spitzenfeld finden. Fast alle Bundesländer haben für 2050 den kompletten Umstieg auf Erneuerbare fixiert und Wien spielt mit seiner Smart City Rahmen Strategie (2000 Watt und weniger als 1 to CO2 pro Kopf 2050) in der Oberliga der Ökostädte weltweit.
Was aber wichtig ist und da brauchen wir Bewegung, dass der Bund die Umsetzung de Bundesländerstrategien unterstützt und und nicht behindert.
Bernd Vogl, Stadt Wien Energieplanung
Du hast völlig recht. In diesem Fall ist der Föderalismus in Österreich mehr Segen als Fluch. Die Bachelorarbeit hätte diesen Detailgrad aber natürlich nicht erfüllen können. Die war so schon eher eine Diplom- als eine Bachelorarbeit. Könnte die Arbeit einer österreichischen Studentin werden.
Wie du richtig sagst, wäre es wichtig, dass die Stossrichtung auch von Bundesebene kommt und hier nicht nur vom Umweltministerium, das seit Jahren ein einsamer Rufer in der Wüste ist, sondern von Finanz- und Wirtschaftsministerium. Die sollten nämlich ein ureigenes Interesse daran haben, hier etwas in Gang zu setzen. Leider werde ich das Gefühl nicht los, dass ihnen das noch niemand gesagt hat oder sie es einfach nicht hören wollen und auf die falschen Leute hören.