Warum die Förderung über Quadratmeter schlichtweg doof ist

Flächenförderung bei Solarkollektoren sinnvoll?

Wie ihr wisst, liebe ich Beispiele aus der Praxis und so dürft ihr euch gleich auf ein besonders Schmankerl freuen und auch wenn ich auf die Förderbedingungen in Niederösterreich, einem Bundesland in meinem Heimatland eingehe, trifft oben genannte Aussage wohl universal für viele Bundesländer und eben auch Deutschland zu.

Ein konkreter Fall aus der Praxis: Da der Kunde fast keinen Stromverbrauch im Haus hat (ca. 2000 kWh/Jahr) macht eine Photovoltaikanlage bei ihm wenig Sinn, weil 1 kWp doch sehr klein ist und auch der Platz auf dem Dach (Reihenhaus) mehr als knapp ist. Er findet das sehr schade, da er wirklich die Kraft der Sonne gerne nutzen würde. Da er viel mehr Energie für Wärme braucht, bietet sich für diesen stark beschränkten Platz (ca. 10 m2) Solarthermie an. Durch Pimp my Heizung ist er auf die Idee gekommen vielleicht einen  Vakuumröhrenkollektoren zu installieren und so je nachdem ob er ein oder zwei Kollektoren nimmt ca. 50 %-80% Gas fürs Warmwasser einzusparen.

Ich hab mich nun schlau gemacht ob es dafür in Niederösterreich (in diesem Bundesland steht das Haus) auch eine Förderung gibt und auf der Seite der Interessensvertretung Austria Solar folgenden Auszug gefunden, was mich wiederum zu diesem Artikel inspiriert hat. Es gibt eine sogenannte Darlehensförderung:

Sanierung: Solaranlagen zur Warmwasserbereitung erhalten 10 Punkte, Solaranlagen zur Warmwasserbereitung und Zusatzheizung 15 Punkte.
1 Punkt =300 Euro Darlehensförderung. Das Darlehen hat eine Laufzeit von 27,5 Jahren und ist mit 1% jährlich nachschüssig verzinst. Die Mindestkollektorfläche beträgt bei Anlagen zur Warmwasserbereitung 4 m2, bei Anlagen zur Warmwasser- und  Heizwärmebereitung 12 m2. Nähere Infos hier:

Mindestkollektorfläche zu viel für nur einen Kollektor

Hmm, die Mindestkollektorfläche beträgt 4m2 Aperturfläche.  Wieso eigentlich und wieso wird Aperturfläche und nicht Bruttokollektorfläche verwendet? Ich hab jetzt mal nachgeschaut wie groß so ein Aqua Plasma Kollektor ist. Die 14 Röhren-Variante hat nur 3 m2 Aperturfläche und sollte er sich für die Ein-Kollektorvariante entscheiden wäre er nicht förderfähig, weil der Kollektor einfach zu stark ist. Ob das sinnvoll ist? Es sieht zwar so aus als würden einige Bundesländer von der Förderung pro Quadratmeter abweichen, aber es sind immer noch viel zu viele dabei, die diesen Wert heranziehen. Natürlich ist das objektiv die einfachste Variante, wenn dadurch dann aber ineffiziente Systeme mehr Geld bekommen und effiziente gar nichts führt das nicht unbedingt zu einem Anreiz die Technologien zu verbessern, oder irre ich mich?

Fehlende Nennleistung als Grund für die Förderung pro Quadradmeter?

Nun sind die Förderstellen ja auch nicht blöd und sicherlich auch daran interessiert, dass die Förderung in die richtige Richtung wirkt und eben nicht dazu führt, dass es zum Stillstand kommt und ineffiziente Anlagen höher gefördert werden als effiziente Systeme. Ich begebe mich daher auf Ursachenforschung warum sich noch kein anderes System der Bewertung durchgesetzt hat. Man behilft sich derzeit ja mit Mindesterträgen für die Kollektoren um allzu groben Unfug zu verhindern, diese sind vermutlich aber sehr human angelegt, sodass nur wenige Technologien rausfallen, aber den Markt nicht unbedingt in Richtung Weiterentwicklung anreizt. Ich fürchte es liegt unter anderem daran, dass es in der Solarthermie keine Nennleistung gibt. Ich habe hier ja schon geschrieben, warum es so schwierig ist einem Kollektor eine Nennleistung zuzuschreiben und die Kollektoren dadurch für Laien so schwer zu vergleichen sind. Gleichzeitig denke ich schon, dass es möglich sein sollte. Die Photovoltaik hat ja auch unter unterschiedlichen Bedingungen unterschiedliche Erträge und trotzdem würde niemand auf die Idee kommen die Technologie pro Quadratmeter zu fördern. Es wird immer pro Kilowattpeak (Leistung nach Standardtestbedingungen) gerechnet. Und ja, die Photovoltaik ist natürlich technologisch ein Kindergeburtstag im Vergleich zur Solarthermie. Trotzdem würde ich mir hier etwas mehr Mut zur Verbesserung der Situation und folglich der Branche wünschen… Ist das zu viel verlangt?

Was wäre eurer Meinung nach der richtige Wert? Kollektorjahresertrag? Der genannte Nennleistungswert in der Solar Keymark? Wie gesagt: Würzburg 50° Temperaturdifferenz? Das fände ich eigentlich am logischsten für Deutschland…

Wir werden uns in Zukunft noch etwas eingehender mit diesem Thema beschäftigen. Stay tuned!

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5 Kommentare zu “Warum die Förderung über Quadratmeter schlichtweg doof ist”

  1. Bernd

    Danke für den aufklärenden Artikel!
    Echt gut geschrieben, ich bin am Ball geblieben 😉
    Werde öfter mal hier im Blog vorbeischauen,

    gruß Bernd

  2. Jörg Buschbeck

    Da sich die in Deutschland ungeförderterten Marktsegmente (Neubau, WW-Bereitung) grad noch am besten entwickeln, stellt sich doch die folgende Frage:

    Ist Förderung nicht generell doof?

    Nicht verkomplizieren, sondern Abschaffen den ganzen Förder-Unfug und dafür endlich Naturverbrauch (inkl. fossiler Energie) statt Arbeit besteuern. Dann klappt es auch generell mit der Energiewende, die auch eine Natur-verbrauchswende werden muss.

    Im übrigen gibt es ja auch gute Gründe glykolgefüllte Kollektoren nicht auf maximale Leistung zu optimieren, sondern lieber mit etwas mehr Fläche stillstandsfeste Anlagen zu bauen. Dass dabei Förder-Ungerechtigkeiten für das Paradigma-Konzept entstehen, ist ein weiteres Argument für die Abschaffung des ganzen Förderunfugs.

    1. Cornelia Daniel-Gruber Post Author

      ja, bin absolut bei dir, und alle die sich wirklich mit dem Thema beschäftigen, wissen, dass der wirkliche Wandel nur kommen kann, wenn genau wie du sagst Energieverbrauch so besteuert wird, dass externe Kosten internalisiert werden. Dann wäre das alles nicht mehr nötig und wir sind auch so schon knapp an der Gasparität, aber einfache Lösungen sind politisch aus welchen Gründen auch immer nicht durchsetzbar.

  3. ich

    „Was wäre eurer Meinung nach der richtige Wert?“
    Eingesparte Primärenergie, belegt mit einer Solarberechnung für das jeweilige Objekt.
    Bürokratisch weil eine Berechnung benötigt wird aber diese sollte sowieso bei einer Planung nicht fehlen.

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