Warum enthält die neue BAFA-Liste keine Kollektorerträge??

Einer unserer Leser, Herr Bergen hat mich gerade auf einen interessanten Umstand hingewiesen. Wie ihr wisst, wurde ja nun endlich zumindest ein Teil der Solarthermieförderung auf Leistung – als ertragsbezogen – umgestellt. Das das nur sehr vorsichtig und nicht wirklich mutig und richtungsweisend vonstatten ging, hat Herr Bergen hier schon eingdrücklich erläutert. Für einen großen Wurf, müsste Deutschland da schon etwas anders vorgehen, aber wie schon gesagt, ist der erste Schritt schon mal einer in die richtige Richtung. Dann verstehe ich aber nicht, warum grundlegende, wichtige Informationen für den Kunden, nicht in der Bafa Liste eingetragen werden.

Was ist die BAFA-Liste?

Bevor ich aber zu meinem Anliegen komme, kurz noch erklärt worum es hier eigentlich geht. Es geht um die sogenannte BAFA-Liste “Förderbare Kollektoren und Solaranlagen”.

BAFA steht dabei für: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Die Selbstbeschreibung lautet:

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist eine Bundesoberbehörde mit breit gefächertem Aufgabenspektrum im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und ist ein Kompetenzzentrum für Außenwirtschaft, Wirtschaftsförderung, Energie und Klimaschutz.

Wer sich mit Förderungen beschäftigt, weiß auch, dass nur Kollektoren, die in dieser BAFA-Liste stehen, gefördert werden. Das BAFA hat also hier sowas wie ein “Machtinstrument” gegenüber den Herstellern, da es bestimmt, welche Anforderungen erfüllt sein müssen, um in dieser heiligen Liste aufgenommen zu werden. Dieses Machtinstrument wird aber meiner Meinung nach nicht wirklich ausgespielt und für mich klingt es fast so, als hätten manche Hersteller mehr Macht, als die Machtinstanz selbst. Warum ich auf diese Idee komme? Naja, sehet selbst. Ich lasse mich auch gern eines besseren belehren, aber bin mal wieder so richtig in Fahrt. Da müsst ihr jetzt einfach durch.

In der BAFA-Liste fehlen de Kollektorerträge!!!!

Ich weiß nicht, warum uns da nicht schon eher jemand darauf hingewiesen hat, aber wenn ihr euch diese Liste jetzt anseht – hier nochmal der Link – seht ihr, dass neben dem Kollektornamen, lediglich die Bruttokollektorfläche steht. Wie bitte?? Es wird eine ertragsbezogene Förderung eingeführt und in dieser Liste stehen nichtmal die Kollektorerträge?? Auf Nachfrage bei der BAFA bekamen wir einige Informationen, die ich auch hier weitergeben möchte und die mal wieder eindrücklich zeigt, wie steinzeitlich die Solarthermie in manchen Belangen aufgestellt ist.

Erst bei 300 Kollektoren ist der zertifizierte Kollektorertrag bekannt??

Angeblich sind von 1.900 zertifizierten Kollektoren erst 300 mit dem Datenblatt 2, in dem die Kollektorerträge auf Standort Würzburg vermerkt sind, versehen. Hier habe ich schon mal genauer über dieses ominöse Datenblatt und was es damit auf sich hat, berichtet. 300 von 1900? Das sind gerade mal 15%. Man stelle sich das mal wieder bei der Photovoltaik vor, dass es keine zertifizierte Outputleistung übers Jahr gäbe. Einfach unvorstellbar.

Erst seit 2013 sind die Kollektorerträge verpflichtend anzugeben

Angeblich betrifft das vor allem Kollektoren, die vor 2013 zertifiziert wurden, weil dieses Auszeichnung erst 2013 verplichtend wurde und angeblich hätten die Prüfinstitute jetzt nicht die Kapazität das so schnell aufzuholen. Ich frage mich was diese Hersteller vor 2013 gemacht haben? Haben Sie sich gedacht, ach Transparenz, das brauch ma ned, oder wie?

 Wie lange gibt es die Solarthermietechnologie nochmal??

Brüstet man sich nicht ständig damit, wie alt und ausgereift die Technologie ist? Und da hat man es bis 2013 tatsächlich nicht geschafft normierte Kollektorerträge übers Jahr einzufordern? Entschuldigt meine Ausfälligkeit hier. Aber das ist der Punkt an dem ich verorte, dass die Politik hier ihrer Aufgabe nach Forderung von Transparenz nicht nachgekommen ist und das aber über Jahrzehnte. Die BAFA hätte diese Macht schon lange gehabt, mit dieser oben erwähnten netten Liste. Warum ist das eigentlich nie passiert??

Verzerrung der Wettbewerbsfähigkeit – wie bitte?

Und nun zum grundlegenden Punkt. Wir halten fest, dass die BAFA mittlerweile ertragsbezogene Förderung zulässt und es eine Liste gibt, in der diese Erträge aber nicht vermerkt sind. Der Kunde hat also nur die Möglichkeit in die völlig unzureichend userfreundlich ausgeformte Solar Keymark Datenbank zu gehen und wird spätestens an den tausenden Zahlen, die für ihn nicht interessant sind scheitern und die entscheidende Zahl nicht finden. Warum hat man dann nicht zumindest jene 300 Unternehmen, die vorausschauend gehandelt und ihre Kollektoren zeitgerecht zertifizieren lassen, in die Liste eingetragen? Das Argument der BAFA lautet, das wäre Wettbewerbsverzerrung. FALSCH! Sie nicht aufzunehmen ist Wettbewerbsverzerrung. Jene, die alles richtig gemacht haben werden bestraft und jene, die sich vor Transparenz scheuen, belohnt.

Wir wünschen uns deshalb, dass jene Unternehmen, die ihre Arbeit gemacht haben und Kollektorerträge ausweisen, auch in der heiligen BAFA Liste angeführt werden, alles andere ist nämlich Wettbewerbsverzerrung.

Uff, das war mal wieder ein Gefühlsausbruch. Entschuldigt mich, aber manche Dinge verstehe ich einfach nicht, und solche Ungerechtigkeiten lassen mich zur Furie werden. Nun seid wieder ihr dran. Übertreibe ich maßlos? Alles halb so schlimm?

Foto: Ritter XL Solar, Fitnesspark Stuhr

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:

  • Bergen: Warum wurden Kleinanlagen von der ertragsbezogenen Förderung ausgeschlossen?

  • ++EILT++ Hurra, Hurra die ertragsbezogene Förderung ist da!!
  • Marktübersicht Solarkollektoren: Zum Haare-Raufen
    Erste transparente Marktübersicht für Solarkollektoren verfügbar

  • Solar Keymark, RALsolar oder TÜV? Was ist der Unterschied?
mal geteilt
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2 Kommentare zu “Warum enthält die neue BAFA-Liste keine Kollektorerträge??”

  1. Jörg Buschbeck

    >>Übertreibe ich maßlos?

    Ein wenig, da ja die Kollektorerträge bei 50°C und 100% Abnahme eben keineswegs Transparenz darüber schaffen, was eine solche Anlage schlussendlich einspart. Vielmehr werden sich künftig Kunden mit heizungsunterstützenden Solaranlagen über sehr große Differenzen zum Förderansatz beklagen. Und genau deshalb darf man das Thema auch etwas unaufgeregter betrachten, die ertragsbezogen Förderung schafft maximal eine Scheintransparenz. Weiterhin werden für glykolführende Systeme Anreize geschaffen, welche anderen Wirtschaftlichkeitsaspekten wie Lebensdauer kaum zuträglich sind. Es kann deshalb auch gute Gründe geben, lieber das Gesamtkonzept und nicht den Kollektor auf Höchstleistungen zu optimieren.

    sonnige Grüße

    Jörg Buschbeck
    PS
    wird eigentlich der Energiebedarf der winterlichen Frostfreihaltung bei rein wasserführenden System transparent abgezogen? 🙂

  2. Dr. Rolf Meißner

    Die ertragsabhängige Förderung schafft wenigstens eine 100 %-ige Transparenz darüber, wie gut die eingesetzten Kollektoren sind. Das ist immerhin viel mehr als alles je zuvor. Wenn nun bei anspruchsvolleren Solarjobs wie Heizen, Kühlen oder Prozesswärme mit 5-Tage-Woche gar nicht der ganze Solar-Jahresertrag genutzt werden kann, sondern zeitweise der thermische Stillstand beherrscht werden muss oder wie bei Saisonalspeichern oder Sonnenhäusern relativ große Wärmeverluste in Kauf genommen werden müssen, dann leistet die ertragsabhängige Förderung elegant und ganz nebenbei einen gerechten Ausgleich für den technischen Mehraufwand solcher Anwendungen.

    Zu Ihrer Frage:
    Wenn das Wassersystem richtig ausgeklügelt ist und mit Hochleistungsvakuumkollektoren zum Einsatz kommt, braucht es weniger Frostschutzwärme als allein ein Wärmetauscher, den nur ein Glykolsystem braucht, an Solarwärmeeinbuße einfordert, indem er die Kollektortemperatur hochtreibt. Man hat auch noch nie etwas transparent dafür abgezogen, dass ein Glykolsystem ziemlich viel Solarwärme gegenüber Simulationen und Verbraucher-Erwartungen einbüßt, weil die Daten aus den Solar-Keymark-Zertifikaten gar nicht auf Messungen mit Glykol beruhen, sondern fast immer einfach mit Wasser ermittelt werden.

    Dr. Rolf Meißner

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