Sonnenhäuser – eine Sache des Südens?

Wer sich die buchstäbliche Lage der Sonnenhäuser in Deutschland einmal näher anschaut, dem wird auffallen, dass es davon in Süddeutschland deutlich mehr gibt, als im Norden. Woran das wohl liegt?

1.500 Sonnenhäuser gibt es laut dem Sonnenhaus-Institut e.V. inzwischen in Deutschland – eine stattliche Zahl (siehe Karte unten!). Wenn man dagegen mal ins Nachbarland Österreich schaut, gibt es laut eines Berichts des Onlinemagazins Nachrichten.at dort nicht mal fünf Dutzend davon. In Österreich, genauer: in Freistadt, hat man im Sommer 2013 das erste Sonnen-Mehrfamilien-Haus (9 Mietwohnungen plus 2 Ladenlokale) fertiggestellt. Doch zurück in die eigenen Grenzen!

Rund 1.500 Sonnenhäuser gibt es in Deutschland bereit, deutlich mehr im Süden als im Norden. Grafik: Sonnenhaus-Institut e.V.

Rund 1.500 Sonnenhäuser gibt es in Deutschland bereits, deutlich mehr im Süden als im Norden. Grafik: Sonnenhaus-Institut e.V.

Sonnenhaus-Bilanz 2013 – deutlich gebremstes Wachstum beim Bau von Sonnenhäusern in Deutschland

Laut einer aktuellen Pressemeldung des Sonnenhaus-Instituts e.V. zeige der Zuwachs von 13,5 Prozent „in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren ein deutlich gebremstes Wachstum.“ Für das Kompetenznetzwerk werde damit erstmals die allgemein rückläufige Entwicklung des Solarthermie-Marktes spürbar, heißt es darin weiter. Peter Rubeck, Geschäftsführer des Sonnenhaus-Instituts e.V. schätzt ein: „Das zurückliegende Jahr verunsicherte die Solarthermie-Branche gleich an mehreren Stellen. In der gesamten Diskussion um die Energiewende, insbesondere die EEG-Umlage gab es keine deutliche Differenzierung zwischen Solarstrom einerseits und der solaren Wärme andererseits. Solarenergie ist pauschal in der Diskussion negativ besetzt.“

Auch die Bundestagswahl und der verwirrende Kurs im Zusammenhang mit der Energiewende schreckten demnach zukünftige Bauherren in Bezug auf erneuerbare Energiekonzepte ab. Administrative Hemmnisse stünden dem Bau solar beheizter Gebäude entgegen. Diese zu beseitigen, ist eine der Forderungen, die der Solarthermie-Experte deshalb stellt. Auch die Förderprogramme sollten zugunsten der Übersichtlichkeit gebündelt und eine Neubauförderung für solare Hocheffizienzgebäude im Marktanreizprogramm verankert werden.

Interessant: Der Trend zum Bau von Mehrfamilienhäusern in Sonnenhaus-Manier könne auch für das eben zu Ende gegangene Jahr 2013 bestätigt werden. „Insgesamt ein Drittel der in diesem Jahr gebauten solar beheizten Gebäude sind Häuser mit mehr als drei Wohneinheiten. In den Vorjahren lag der Anteil bei etwa 13 Prozent“, schreibt das Sonnenhaus-Institut e.V.

Sonnige(re) Haus-Aussichten für 2014?

In der erwähnten Presseerklärung ist zudem die Rede von einer Quote von für das Jahr 2014 bereits in Planung befindlichen Sonnenhäusern, die die von 2013 und die der Vorjahre „weit“ übersteige. Rund 300 Sonnenhäuser seien demnach bereits geplant.

Warum gibt es so viele Sonnenhäuser in Süddeutschland?

Stellt sich die Frage, warum ein Großteil der Sonnenhäuser im Süden Deutschlands gebaut wird. Die Strahlungswerte der Sonne sind dafür wohl nicht verantwortlich zu machen. Die Unterschiede zwischen Nord und Süd sind hier nicht so groß, wie man vermuten mag, das zeigte der Artikel „Solarthermie trotz Wolken und Nebel: Wie beeinflusst Nebel die Strahlung der Sonne?“ bereits.

Ich vermute, die höhere Sonnenhausdichte im Süden unseres Landes hat mit den Aktivitäten des Sonnenhaus-Instituts e.V. zu tun. Und mit der Vorbildwirkung, die ein erfolgreich gebautes Sonnenhaus verbreitet. Diese Vermutung basiert auf einem einfachen Versuch: Ich habe in die Online-Suche nach Sonnenhaus-Partnern auf der Internet-Seite des Instituts einfach mal den Postleitzahlbereich (PLZ) 2 eingegeben und die Zahl der Ergebnisse mit der des PLZ-Bereichs 8 verglichen. Für den Norden ergaben sich so 4 Partner, für den Süden sage und schreibe: 48! Das ist das Dutzendfache!

Ich sehe meine Vermutung damit bestätigt. Wenn Ihr andere Gründe vermutet, bin ich gespannt, diese zu erfahren. Deshalb wie immer meine Bitte, nutzt unsere Kommentarfunktion unten, um mich an Euren Vermutungen teilhaben zu lassen!

Hintergründe: Sonnenhaus

Wer oder was ist das Sonnenhaus-Institut e.V.?

Nach eigenen Angaben ist das Sonnenhaus-Institut e.V. mit Sitz in Straubing (Niederbayern) „eine unabhängige und offene Informationsplattform“, die sich „als ein wachsendes Kompetenz-Netzwerk an Planern und Firmen, die als Mitglieder des Instituts am Erfahrungs- und Informationsaustausch teilnehmen“. Der Verein wurde im Jahr 2004 gegründet, um die Entwicklung und Verbreitung weitgehend solar beheizter Gebäude voranzutreiben“.

Strategie des Sonnenhaus-Instituts e.V. sei es laut einer Selbstbeschreibung zum einen, an die Akteure heranzutreten, die im direkten Kontakt zu Bauherren stehen und diese durch kompetente Beratung und fundiertes Wissen im persönlichen Gespräch vom Sonnenhaus-Konzept zu überzeugen. Zum anderen berate das Sonnenhaus-Institut Entscheidungsträger aus Politik und Wissenschaft, um die notwendigen Rahmenbedingen für die Verbreitung weitgehend solarbeheizter Gebäude zu schaffen. Dass dies bereits mit Erfolg gelungen ist, bezeugen die Zahlen: „Während bis zur Gründung des Instituts im Jahr 2004 in Deutschland lediglich rund 30 Sonnenhäuser ausschließlich in Bayern und Baden-Württemberg gebaut wurden, hat sich die Zahl bis zum Jahr 2010 auf rund 500 erhöht.“ Mittlerweile gibt es gut drei Mal so viele Sonnenhäuser in ganz Deutschland.

Was ist ein Sonnenhaus?

Den Begriff „Sonnenhaus“ hat das Sonnenhaus-Institut e.V. maßgeblich geprägt. Für den Verein ist ein Gebäude dann ein Sonnenhaus, wenn es folgenden Kriterien gerecht wird:

  • gute Wärmedämmung
  • mehr als 50 Prozent solare Deckung (Deckungsgrad des Warmwasser- und Heizwärmebedarfs)
  • Zuheizung nur mit Hilfe regenerativer Energiequellen (in der Regel Holz)

Foto: derProjektor / photocase.com (Titelbild), Sonnenhaus-Institut e.V. (Grafik)

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:
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2 Kommentare zu “Sonnenhäuser – eine Sache des Südens?”

  1. Franz Bergen

    Sehr geehrte Frau Brumme,

    die höhere Sonnenhausdichte im Süden unseres Landes hat sicherlich mit den Aktivitäten des Sonnenhaus-Instituts e.V. zu tun.
    Ein ganz anderer, trivialer Grund, weshalb im Süden mehr Sonnenhäuser als im Norden Deutschlands gebaut werden, hat sicherlich auch mit der Tradition des Nordens zu tun, Steinhäuser zu bauen. Sonnenhäuser werden berechtigterweise (gute Dämmung, warme Oberflächen) und vorzugsweise in Holz- oder Holzständerbauweise gebaut. Dem Holzbau steht traditionell der überwiegender Teil der Bevölkerung in der Mitte und im Norden Deutschlands skeptisch gegenüber. Im Süden hat der Holzbau Tradition. Man weiß dort um die vielen Vorteile des Holzbaus.

    Dass in der öffentlichen Wahrnehmung zwischen Solarthermie und Photovoltaik nicht unterschieden wird, wurde in Ihrem Blog schon häufiger beklagt und entspricht auch meinen Erfahrungen. Leider geht die öffentliche Wahrnehmung, wenn Sie denn diese erkennt, bei Solarthermieanlagen immer noch überwiegend von Warmwassersolaranlagen und damit von Flachkollektoranlagen aus, die als ineffizient einzustufen sind.

    Ich würde daher eine Förderung von Solarthermieanlagen abhängig machen vom solaren Deckungsgrad den sie im zu beheizenden Gebäude erreicht (WW-ST 5-6%, Sonnenhaus-Solaranlage mindestens 50%). Mein Vorschlag: das BAFA fördert solare Deckungsgrade ab 40% des Gesamtwärmebdarfs eines Gebäudes mit einem Zuschuss in Höhe des halben Deckungsgrades. Dies entspricht bei einem Deckungsgrad von 40% einer Förderung von 20% der Nettoinvestitionssumme. Bei einem Deckungsgrad von 100% beträgt die Förderung 50% der Nettoinvestitionssumme. Dem Förderantrag wäre die Simulationsberechnung mit zugelassenen Programmen durch einen Fachmann beizulegen, der auch subventionsrechtlich belangt werden könnte.

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