Wie die Solarthermie ihren notwendigen Beitrag zur Energiewende leisten kann

Wir haben mit unseren Beiträgen zu einer Änderung der Förderbedingungen ganz schön etwas losgetreten. Nach unseren Artikeln kamen bei energynet zahlreiche interessante Artikel zur Zukunft der Solarthermie und gestern auch noch ein sehr spitzer und lehrreicher Kommentar von Solarthermie-Experten Uwe Trenkner, der auch hier schon öfter zu Wort kam. Nun darf ich mit freundlicher Erlaubnis von Roger Corradini seinen Kommentar zur Lage der Nation und mögliche Wege aus der Misere. Mittlerweile sollte auch den letzten klar sein, dass es so nicht weitergehen kann.

Wie die Solarthermie ihren notwendigen Beitrag zur Energiewende leisten kann

Stand der Energiewende

Autor: Dr.-Ing. Roger Corradini (Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. www.ffe.de

Die Energiewende unterliegt einer starken politischen wie auch medialen Fokussierung auf den Stromsektor, obwohl Strom nur für ein Viertel des Energieverbrauchs in Deutschland verantwortlich ist. Eine Stromwende ist bereits erkennbar mit einer Steigerung der regenerativen Anteile auf über 25% Prozent in 2013. Für den Verkehr mit 6% und der Wärme mit 9% sieht es nicht so gut aus.

Endenergieverbrauch Deutschland

Abb. 1: Endenergiebereitstellung in TWh nach Sektoren und regenerative Anteile 2010 bis 2013

Soll die Energiewende ganzheitlich gelingen, muss neben dem Verkehrssektor vor Allem der domi­nierende Wärmesektor angegangen werde – über die Hälfte der Energie wird hier verbraucht!

Solarthermie: Ein Schlüssel zur Wende!

Kann die Solarthermie signifikante Beiträge zur dringend notwendigen Wärmewende leisten? Diese Frage wurde in einer mehrjährigen Forschungsarbeit [1] beantwortet, in der die solarthermischen Potenziale für Bestandsgebäude mit einer Wohneinheit ermittelt wurden. Bei Neubau- und Moder­ni­sierungsquoten von deutlich unter 1 Prozent müssen insbesondere im Gebäud­e­bestand Maßnahmen ergriffen werden. Die Ergebnisse zeigen dass die Solarthermie hier bis zu 25 % fossiler Energie einsparen und somit einen erheblichen Beitrag zu dieser wichtigen Wärmewende leisten könnte (vgl. auch [2]). Zusätzliche Infrastruktur­kosten wie sie etwa durch verstärkte Power-to-heat Anwendungen ausgelöst werden könnten, sind für diese Technologie als Inselsystem ausgeschlossen. Sie ist damit nicht nur ein wichtiger Baustein der Wärmewende, sondern ein notwendiger Schlüssel, um die gesamtgesell­schaftlichen Kosten der Energiewende zu begrenzen.

Das MAP hat seine „Anreizfähigkeit“ verloren

Das Markt-Anreiz-Programm (MAP) zur Förderung der Solarthermie hat ausgedient – bestätigt durch die Zubau­zahlen der vergangen Jahren. Sie schafft es schon lange nicht mehr, den Markt zu „reizen“. Häufig war es eher Bremse als Motor eines Solarthermie-Zubaus (vgl. auch [3]). Als reine Investitions-Förderung verfehlt außerdem das Ziel effiziente – d.h. intelligent geplante, qualitäts­gesichert gebaute und betriebene – Anlagen in den Markt zu bringen. Da die Höhe der Förderung nur von der Kollektorfläche abhängt, werden im Extremfall auch Anlagen gefördert, die aufgrund fehlerhafter Hydraulik oder falscher Platzierung von Sensoren sehr geringe oder gar keine solaren Erträge liefern. Im Folgenden wird deshalb eine Möglichkeit aufgezeigt, wie eine alternative Förderung aussehen könnte.

Vergütung der durch Solarthermie eingesparten Menge an Öl oder Gas

Ziel ist es, möglichst viel fossile Wärme durch die Solarthermieanlage zu vermeiden. Warum also nicht genau den nutzbaren solaren Ertrag der Anlage vergüten, der indirekt für die vermiedene Gas- oder Ölmenge steht?

Wärmemengenzähler Vergütung

Abb. 2: Wärmemengenzähler für die alternative Vergütung einer Solarthermieanlage

Betrachtet wir eine Anlage mit sog. „solarer Rücklaufanhebung“ wie in Abb.2; eine häufige Bau­weise für nachgerüstete solarthermische Anlagen zu bestehenden Heizkesseln. Die solare Wärme Puffer­spei­cher wird hier in den Rücklauf des Heizkreises eingekoppelt. Und genau hier sitzt auch der not­wen­dige Wärmemengenzähler. Er erfasst nicht den Ertrag im Solarkreis, sondern die im Heizkreis ge­nutzte solare Wärme. Die Kosten eines solchen Zählers mit ca. 200 € sind in Relation zu den Gesamt­kosten überschaubar; würden aber wesentlich zur Effizienzsteigerung von solarther­mi­schen Anlagen beitragen und vor Allem einen Anreiz schaffen möglichst große Mengen fossiler Energie durch solare Wärme zu ersetzen.

Die solare Wärme für Warmwasser kann je nach Fördersatz für die solare Heizwärme gar nicht oder pauschal in vergütet werden. Ausgehend von üblichen Warmwasserverbräuchen pro Kopf wäre ein Ansatz von 70 und 90 % solarer Deckung denkbar. So wäre ausgeschlossen, dass „künstlicher“ Warmwasser-Verbrauch in den Sommermonaten durch die Vergütung auch noch belohnt würde.

Vergütungshöhe

Die Vergütungshöhe sollte sich an den Energiekosten konventioneller Wärme und den Investkosten der Solarthermieanlage orientieren.

Bildschirmfoto 2015-01-28 um 21.47.46

Zum Vergleich: Im Januar 2015 kostet eine kWh Wärme aus Heizöl 5,5 ct – 6 Monaten zuvor waren es noch 8,5 ct. Bei solaren Wärmegestehungskosten von rund 11 ct/kWhth und einer spez. Förderung von rund 2 ct/kWhth kommt man im Saldo auf effektive Kosten von 9 ct/kWhth. Dieser Wert liegt aktuell deutlich oberhalb des Ölpreises und auch noch über dem vor 6 Monaten. Für größere Anlagen liegen die solaren Wärmegestehungskosten auch noch höher als 11 ct, da zwar mehr fossile Energie substituiert wird, aber bezogen auf die Kollektorfläche der nutzbare Kollektorertrag sinkt. Demnach ist sinnvoll, die Förderhöhe in Abhängigkeit der vermiedenen fossilen Energiemenge pro­gressiv zu ge­stalten. Größere Anlagen, die mehr fossile Energie einsparen, aber gleichzeitig höhere spez. Wärme­gestehungskosten haben, würden so ins Gleichgewicht zu Kleinanlagen gebracht.

Will man diese Vergütungshöhe von 2 ct/kWhth zusätzlich durch einen Vergleich mit anderen Techno­logien bewerten, bietet sich ein Vergleich zum direkten Dachflächen-Konkurrenten – der Photo­vol­taik – an. Betrachtet man die Gebäudeklasse mit einer Wohneinheit, wird klar, dass eine bestehende Photovoltaik -Anlage in aller Regel keinen Platz mehr für eine Solarthermie-Anlage lässt (Abb. 3).

Wenn man sich aber nochmal die Verhältnisse der beiden Sektoren Strom und Wärme aus Abb. 1 vor Augen führt ist es umso verwunderlicher, dass seit Jahren eine deutliche förderpolitische Bevor­zu­gung der solaren Strom­erzeugung vor der solaren Wärmeerzeugung stattfand, die bis heute besteht. Trotz der erheblichen Reduktion der Einspeisevergütung für die Photovoltaik über die letzten Jahre auf aktuell ca. 12,5 ct/kWhel liegt die Förderung im thermischen Bereich mit 2 ct/kWhth bei weniger als ein 1/6. Da dieses Verhältnis in der Vergangenheit noch deutlich größer war, ist es verständlich, dass die jährlichen Zubauzahlen der Solarthermie deutlich hinter denen der Photovoltaik zurück­liegen, obwohl die Wärmewende als essenzieller Bestandteil der Energiewende dringend das Um­setzen dieser Wärme-Potenziale erfordern würde.

Durchdringung Solarthermie Deutschland

Abb. 3:     Durchdringungsgrade von solarthermischen Anlagen und Photovoltaik-Anlagen sowie durchschnittliche Kollektorfeld- bzw. Modulfeldgröße je Anlage im Jahr 2012; Quelle: [4] EWEH: Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser (kurz: Ein-Wohneinheiten-Häuser = EWEH)

Fazit

Eine Investitionsförderung wie das Markt-Anreiz-Programm für die Solarthermie, die sich aus­schließ­lich an der Kollektorgröße orientiert, wird der angestrebten Wärmewende als der dominie­rende Teil der deutschen Energiewende nicht wirklich gerecht.

Die vorgestellte Vergütung des nutzbaren solaren Ertrags wäre zielgerichtet, fair und mit geringem Kostenaufwand realisierbar. Als positiven Nebeneffekt würden gut geplante und gewartete oder mit innovativen Regelungen versehene Anlagen bevorzugt. Effizient funktionierende Anlagen erhielten eine höhere Vergütung als solche mit zwar großer Kollektorfläche, aber geringen Erträgen, die zum Beispiel durch eine schlechte hydraulische Einbindung oder Regelung verursacht werden. Es wäre also ein deutlich höherer Anreiz für einen qualitätsgesicherten Anlagenbetrieb gegeben.

Um die Wärmewende, die zu einem erheblichen Anteil im Gebäudebestand stattfinden muss, zu beschleunigen, sollte zudem auch die absolute Höhe der Förderung mit derzeit umgerechnet 2 ct/kWhth nutzbarer Wärme überdacht werden.

Eine Energierationalität, die Vernunft (Ratio) und Wirtschaftlichkeit (rationell) vereint, kann das Projekt Energiewende nur ganzheitlich über alle drei Energiesektoren zum Erfolg führen.

Autor: Dr.-Ing. Roger Corradini (Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. www.ffe.de

Literaturverzeichnis

  • 1 – Corradini, Roger: Regional differenzierte Solarthermie-Potenziale für Gebäude mit einer Wohneinheit – Dissertation an der Fakultät für Maschinenbau der Ruhr-Universität Bochum. ISBN 978-3-941802-26-1; ISBN-A 10.978.3941802/261. Kostenlos beziehbar unter http://dx.doi.org/10.978.3941802/261
  • 2 – Corradini, Roger; Schmid, Tobias; Sutter, Manuel: Schlüssel zur Energiewende! in: Sonne Wind & Wärme (Ausgabe 08/2014). Bielefelder Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld. 2014. ISSN 1861-2741 H 2067
  • 3 – Corradini, Roger; Musso, Christian: Motor und Bremse für den Kollektorausbau in: BWK, Bd. 63 (2011), Nr. 6, S. 21-26. Düsseldorf: Springer VDI Verlag, 2011 – ISSN 1618-193X
  • 4 – Corradini, Roger et al: Solarthermie – Technik, Potenziale, Wirtschaftlichkeit und Ökobilanz für solarthermische Systeme in Einfamilienhäusern; Herausgeber: Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg 2014 – ISBN 978-3-933249-89-0
Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:
  • Vergleich-Kollektortypen
    Ertragsbezogene Förderung bei unterschiedlichen Solarkollektoren
  • Warum die Änderung der Förderpolitik von Solarthermie dringend notwendig ist
    Warum die Änderung der Förderpolitik von Solarthermie dringend notwendig ist

  • 5 essentielle Dinge, die den Solarthermiedurchbruch verhindern
mal geteilt
image_pdf

9 Kommentare zu “Wie die Solarthermie ihren notwendigen Beitrag zur Energiewende leisten kann”

  1. Uwe Trenkner

    Ein guter neuer Beitrag zur aktuellen Diskussion um neue Förderinstrumente bzw. deren Ausgestaltung. Vielen Dank Herr Dr. Corradini!

    Ein paar kritische Gedanken habe ich dazu:

    Sie schreiben „Das MAP hat seine „Anreizfähigkeit“ verloren“ und sehen das durch gesunkene Zubauzahlen bestätigt. Diese These finde ich gewagt. Der BSW hat seit einiger Zeit immer wieder darauf hingewiesen, dass der Rückgang bei der Solarthermie recht gut korrelliert mit dem sinkenden Anteil, den das MAP am Gesamtmarkt hat. Das KÖNNTE an einer geringeren Anreizwirkung des MAP liegen. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass dieser Effekt zumindest teilweise, wenn nicht gar wesentlich, darauf beruht, dass immer mehr Anlagen-Typen (Trinkwassererwärmung) bzw. Investitionsfälle (Neubau) nicht mehr förderfähig sind.

    Weiterhin legen Sie sehr schön dar, wie die Förderhöhe berechnet werden könnte und dass dies lediglich mit sehr moderaten Kosten für einen ca. 200 EUR Wärmemengenzähler verbunden sei. Was mir jedoch nicht klar ist: Wie werden anschließend die Werte abgelesen und verarbeitet? Kommt dann ein MAP-Ableser in mein Haus? Muss der Zähler zwingend am Internet angeschlossen sein und das BAFA erhält Zugriff darauf? Welche Investitions- und ggf. Betriebskosten sind damit verbunden?

    Und welche administrativen Zusatzkosten brächte das Verfahren mit sich? Im letzten Jahr – wahrlich kein Boom-Jahr der Solarthermie – hat das BAFA nach eigenen Angaben immerhin gut 24.000 Anträge für Solarthermie bearbeitet. Schon die viel komplexere Prüfung/Berechnung der Anlagen dürfte einiges Mehr an Zeit und neuen Arbeitskräften benötigen. Und eine jährliche Ablesung/Auszahlung für z.B. alle Anlagen der letzten 10 Jahre dürfte nochmal einigen Zusatzaufwand generieren.

    Man darf nicht vergessen, dass das MAP u.a. deshalb auf den „unsinnigen“ Quadratmeter basiert, weil es sehr einfach zu handhaben ist. Aufgrund der Erfahrungen wurde sogar bald umgestellt von der exakten Fläche auf jeden „angefangenen“ Quadratmeter. Zu oft kam es nämlich vor, dass erst ein Antrag für eine bestimmte Größe gestellt wurde, später die tatsächlich installierte Fläche aber davon minimal abwich. Dann musste alles neu berechnet und neu beschieden werden. Später hat man sogar den Vorab-Teil des Antrages fallen gelassen – einerseits um das Verfahren für die Antragsteller zu vereinfachen und andererseits um das BAFA von der doppelten Bearbeitung Vor-Installation/Nach-Installation zu entlasten.

    Weiterhin ist unklar, ob die recht geringen jährlichen Zahlungen in der Zukunft überhaupt genug Anreiz sein würden für neue Investitionen. Oder ob dadurch das MAP sogar noch unattraktiver würde. Was fühlt sich besser an: 500 EUR jetzt und hier oder jährlich 60 EUR verteilt über 10 Jahre?

    Ich bin ein großer Freund ertragsbezogener Förderung. Aber am Ende kann es trotzdem effektiver sein, bei Kleinanlagen recht pauschale Parameter heranzuziehen und Geld einmalig zu Beginn auszuzahlen, wie es das MAP bisher tut. Vielleicht könnte hier eine Kommune mal Pionierarbeit leisten und ein System wie von Ihnen vorgeschlagen austesten. Dann wären wir sicherlich schlauer.

  2. Roger Corradini

    Hallo Herr Trenkner,

    herzlichen Dank für Ihre Anmerkungen die einen guten Einstieg in eine Diskussion ermöglichen.

    Zur Anreizfähigkeit des MAP verweise ich auf den Artikel (Quelle 3) den Sie hier auch einsehen können. (https://www.ffe.de/publikationen/veroeffentlichungen/386-motor-und-bremse-fuer-den-kollektorausbau)

    Sie haben Recht, dass durch den Wegfall der Förderung von WW-Anlagen bzw. für Anlagen in Gebäuden ab 2010 die Anzahl der geförderten Analgen naturgemäß zurückgeht. Die Frage ist bloß warum werden im Gebäudebestand (vor 2010) so wenig Kombi-Anlagen gebaut. Diese würden alle gefördert.

    Dass im Neubau zunehmend reine WW-Analgen gebaut werden hat auch zwei Seiten.
    Bezogen auf das Ziel der Wärmewende und des Vermeidens fossiler Energie siehe das nur für Gebäude mit sehr geringem Raumwärmebedarf als sinnvoll an.
    Wie wird die Wärme in Gebäuden mit eine Raumwärmebedarf in Höhe der EnEV-Zulässigkeit bereitgestellt? Offensichtlich werden hier die falschen Anreize gegeben.

    Zum Thema Ableser würde ich wie beim Strom und Wasser verfahren.
    Hier sieht man in der Tat nur alle >5 Jahre einen offziellen Ableser – vielleicht sogar erst wenn die Eichdauer abgelaufen ist; dazwischen wird vom Hauseigentümer selbst abgelesen und per Postkarte oder Online-Eingabe der akteulle Stand mitgeteilt. Betrug käme spätestens bei der nächsten offziellen Ablesung auf.

    Neben einer ST-Anlage betreibe ich auch eine PV-Anlage und hier wurde nur der geeichte Zähler bei Inbetriebnhame von einem Repräsentanten des Netzbetreibers abgenommen – seit über 3 Jahren war nie jemand vor Ort – ebenso wenig wie für den Bezugszähler…

    Die erwähnten komplexeren Berechnung und Prüfungen kann ich nicht nachvollziehen – im Wesentlichen wird der erfasste und mitgeteilte kWh-Wert mit einem ct-Betrag multipliziert und ausbezahlt. Da stelle ich mir die Bearbeitung der zig verschiedenen KfW-Anträge für die unterschiedlichsten Effizienz- und Modernisierungsmaßnahmen inkl. Prüfung der Bonität des Antragsstellers deutlich aufwändiger vor.

    Und 2 ct/kWh sind in der der Tat zu wenig.
    Bei z.B. 6 ct/kWh (immer noch weniger als 50% der PV-Förderung) und einen nutzbaren Ertrag von 300 kWh/m²a mal 12,5m² wären das 225 Euro/a.
    Bei 20m² mit einem nutzbaren Ertrag von z.B. 250 kWh/m²a wären dies 300 Euro oder mehr wenn man die Vergütung progressiv gestalten würde.
    Im Vergleich dazu erhalte ich für meine PV-Anlage 12 mal im Jahr je 100 Euro vom Netzbetreiber überwiesen und einmal im Jahr eine Gesamtabrechnung mit Nachzahlung oder Rückzahlung sowie einer Kalkulation der Eingenverbrauchsvergütung mit Umsatzsteuer vor und zurück (6 Seiten Papier).

    Ziel ist es am Ende des Tages die Energiewende mit Ihrem Hauptbestandteil der Wärmewende voranzutreiben – und dafür muss man sich einfach Gedanken machen wie die Potenziale möglichst zeitnah erschlossen werden könnten.

    Beste Grüße
    Roge Corradini

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Vielen Dank für die tolle Diskussion bisher. Ich würde mir auch wünschen, dass so eine Art der Förderung möglich ist, ohne ein Bürokratiemonster draus zu machen.

      Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass man den Sachbearbeitern in den Förderstellen ein bisschen zu wenig zutraut. Es schreien ja sogar schon manche, dass die es nicht schaffen würden den Jahresertrag aus der Solar Keymark auszulesen. Wenn dem wirklich so ist, mach ich mir Sorgen um Deutschland.

      Um die fachlichen Kompetenzen insgesamt in den Gremien etwas aufzuputzen sollten man vielleicht versuchen ein paar der tausenden Menschen aus der Solarbranche aufzunehmen, die dem massiven Stellenabbau zum Opfer gefallen sind…

    2. Uwe Trenkner

      Hallo Herr Corradini,

      Sie haben da einige gute Argumente für Ihr Modell gegeben. Aber ich bleibe dabei, dass anfangs vermutlich ein deutlich höherer Aufwand getrieben werden muss: Sie sagen ja selbst, dass bei Ihrer PV-Anlage zu Beginn der Netzbetreiber die Anlage abgenommen hat. Entweder benötigen wir also eine solche Abnahme durch das BAFA oder einen unabhängigen Dritten – was ansich schon wegen der immer wieder auftretenden Installationsfehler wünschenswert wäre, was aber auch recht teuer wäre. Oder das BAFA müsste eine Plausibilitätsprüfung anhand der Unterlagen vornehmen. Ansonsten stünden jährlich vom Verbraucher gemeldete Erträge auf ziemlich wackeligen Füßen („Kann dieser Ertragswert überhaupt stimmen? Misst der Zähler überhaupt an der richtigen Stelle?“).

      Ein hier noch gar nicht diskutiertes Problem ist auch die Finanzierung des gesamten Programms. Beim EEG gab es die glückliche Situation und dessen geniale Ausnutzung, dass man dem Netzbetreiber den Aufkauf des EEG-Stroms vorschreiben konnte. Somit blieb die Staatskasse draußen vor und das EEG hielt einer Prüfung vor dem EuGH stand, weil es sich rechtlich nicht um (unerlaubte) staatlichen Beihilfen handelt. Diesen Vorteil hat das MAP nicht und daher muss es auch immer wieder in Brüssel zur Genehmigung vorgelegt werden. Daher wurden auch immer wieder die Bedingungen geändert und oft angehoben: So konnte argumentiert werden, dass neue, innovative – noch teurere – regenerative Wärmetechnik in den Markt gebracht werden solle. Eine dauerhafte Förderung à la EEG lässt sich so aber nicht machen bzw. wäre vermutlich angreifbar. Gerade wenn man ein lang laufendes Modell mit jährlichen Zahlungen für den tatsächlichen Solarertrag einführen will, muss man hierfür eine stabile, rechtlich akzeptable Finanzierung aufzeigen. Ansonsten werden bestimmte Player sofort versuchen, das neue Modell anzugreifen und damit Unsicherheit im Markt generieren: „Werde ich in 5 Jahren wirklich noch die versprochenen Vergütungen erhalten, wenn ich jetzt eine Solarthermieanlage installiere?“

      Die technische Seite eines Förderprogramms („Was soll wie gemessen und gefördert werden?“) ist ohne Frage sehr wichtig. Aber mindestens ebenso wichtig ist das „Drumherum“: Administrativer Aufwand, (psychologischer) Anreiz des Programms, rechtliche Machbarkeit usw.

    3. Roger Corradini

      Hallo Herr Trenkner,

      danke für Ihre Ergänzungen.

      In der Tat ist die rechtliche und regulatorische Frage eine weitere Baustelle.

      Dennoch wollte ich mit meinem Ansatz zeigen dass eine faire Ertragserfassung zu vertretbaren Kosten (es geht immerhin um das Gelingen der Energiewende in Deutschland) technisch definitv möglich ist!

      Gleichzeitig als „kostenlosen“ Nebeneffekt gibt es einen starken Anreiz gut funktionierende Anlagen zu konstruieren, zu planen und zu bauen da:
      1. der Anlagenbetreiber ein objektives Kriterium an die Hand bekommt um die erhaltene Qualität zu überprüfen
      2. Gut funktionierende Anlagen eine höhere Vergütung erhalten

  3. Blumental

    Grundsätzlich gibt es doch einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Einspeisevergütung bei der Photovoltaik und der Solartermie: Bei der Photovoltaik haben Erzeuger und Abnehmer nichts miteinander zu tun, abgesehen von Fall des Eigenverbrauchs.
    Bekomme ich für jede abgenommene Kilowattstunde Wärme eine Vergütung, wird hier aber ein Anreiz geschaffen, möglichst viel Wärme zu verbrauchen, um möglichst viel Vergütung zu kassieren. Klar, der Hausbewohner weiß nie genau, kommt jetzt die Wärme vom Speicher und damit aus den Kollektoren, oder kommt sie vom Kessel. Dennoch kann man eine solche Wechselwirkung nicht ausschließen.

    Es gibt einen weiteren Unterschied, und das betrifft die politische Durchsetzbarkeit. Um das zu verstehen, muss man sich daran erinnern, warum das EEG mit seiner Einspeisevergütung geschaffen wurde: Man wollte den Ausbau von erneuerbaren Energien fördern, um damit die Atomkraftwerke zu ersetzen. Der Hausbesitzer der in eine PV-Anlage investierte, leistete damit quasi einen Beitrag für ein übergeordnete Ziel und deshalb war es legitim ihn dafür zu entlohnen und die Gesamtheit der Stromkunden zu belasten.
    Diese grundsätzlich legitime Argumentation kam ja jedoch in den vergangenen Jahren schon an ihre Grenzen, als die EEG-Umlage immer weiter stieg.
    Welche übergeordnete Ziel soll jetzt eine Einspeisevergütung für Wärme von Solarthermie-Kollektoren leisten? Das Ziel der CO2-Einsparung? Das ist viel zu allgemein. Dieses Ziel lässt sich auch anders erreichen – mehr Förderprogramme für die Gebäudedämmung, mehr Förderprogramme für Energieeffizienz in der Industrie oder was auch immer. Vielleicht sind diese Maßnahmen auch alle mit geringeren Kosten verbunden.
    Der Zusammenhang ist nicht klar erkennbar, und deshalb sehe ich nicht die politische Durchsetzbarkeit.

    Im Endeffekt ist das doch ein riesiges Bürokratiemonster, wo viel Geld allein für die Verwaltung verbraten wird. Mit sozialer Gerechtigkeit hat das auch nicht zu tun, wenn ein Gutverdiener sich ein Haus baut mit 60% solaren Deckungsgrad und sich diese Investition vom Gaskunden oder Steuerzahler vergüten lässt. (Für PV-Anlagen gilt diese Argumention an der Stelle eben nicht 1 zu 1, da der Gutverdiener ja hier trotzdem einen Beitrag für die Allgemeinheit leistet)
    Technisch ausgereifte Anlagen mit kurzer Amortisationsdauer werden auch gekauft werden – daran muss man arbeiten und nicht an Fantasien dass die Politik ernsthaft eine weitere große Belastung für die Mehrheit der Verbraucher beschließt.

    1. Roger Corradini

      Hallo Herr Blumental,

      aufgrund Ihres ersten Einwandes empfehle ich auch den Warmwasserverbrauch – egal ob fossil oder solar bereitgestellt – nicht oder nur pauschal zu vergüten. Einen künstlichen Raumwärmeverbrauch der die solarthermische Vergütung erhöht, ist dennoch etwas schwierig.
      In Zeiten wo das leicht ginge (Winter + Fenster auf) würde man definitv Wärme vernichten die kurz danach fehlt und dann fossil erzeugt werden müsste.
      In den Übergangszeiten in denen der solare Ertrag mehrere Tage über dem eingentlich Bedarf liegt, würde (und nur dann würde zusätzlicher Wärmeverbrauch zu einer höheren Vergütung führen) es aufgrund der geringeren Temperaturunterschiede und der fehlenden Kenntnis was ich da genau zu Fenster rausheize (fossil oder solar) schwierig.
      Dennoch halte ich nicht für völlig ausgeschlossen – sehe das „Betrugspotenzial“ jedoch als extrem gering.

      Welches Übergeordnete Ziel soll erreicht werden?
      Es wurde politisch eine Energiewende in Deutschland beschlossen. Bis 2050 sollen 80% der fossil bereitgestellten Wärme eingespart werden. Das ist das poltische Commitment!
      Die Wärmewende mit über 50% Anteil ist der Hauptbaustein hierfür. Und die alternativen Lösungen – wie z.B. verstärkt Wärmepumpen zur Raumwärmebereistellung zu nutzen – werden anders als die Solarthermie enorme Infrastrukturkosten nach sich ziehen (Stichwort: gesicherte Leistung)
      Das wäre dann in höchstem Maße unsozial.
      Andere Maßnahmen wie Dämmung und Effizienz sind ebenso wichtig – da gebe ich Ihnen völlig Recht. Wenn wir es aber tatsächlich schaffen wollen 80% einzusparen, müssen alle Bausteine der Wärmewende Ihren möglichen Anteil beitragen!

      Zu Ihren dritten Einwand. Es geht hier nicht um die Vergütung eines solaren Deckungsgrades, sondern um die Vergütung der solar substituierten Endenergiemenge. D.h. der gut betuchte Neubau-Bauherr mit Solarthermieanlage und 60% Deckungsgrad bekommt wesentlich weniger Förderung als das Rentnerehepaar, dass in einem Gebäude Baujahr 70 Jahre wohnt.

      Und was finnden Sie an einem Anreizsystem verkehrt, dass den Einsatz fossiler Wärme verteuert um den Einsatz regenerativer Wärme zu finanzieren?
      Da eine Solarthmermie im Bestandsgebäude bei realistischer Größe alleine niemlas 100% der Wärme bereitstellen kann, wird auch der Solarthermieanlagenbetreiber über seinen weiteren fossilen Energieträgerbezug an den Kosten mitbeteiligt.

      Ich sehe hier überhaupt keine Unterschiede zu anderen Förderprogrammen, nur die Höhe der Förderung steht in extremen Missverhältnis.

  4. Alf

    Die Vergleichsbasis PV – Solarthermie stimmt nicht. So wie es bei PV nicht um die Modulleistung geht ( sondern um den Output des Gesamtsystems) so ist bei ST auch der Output des Gesamtsystems interessant und nicht die Kollektorqualität. Es nützt nichts, Wärme zu gewinnen, die nicht genutzt wird, weil man im Sommerurlaub ist. Also bringt bitte einen sauberen Vergleich! Genauso sind die 12,5 Ct Einspeisevergütung, die etwa den Stromgestehungskosten -ohne Förderung – entsprechen, etwas anderes als die 2 Ct bei der ST, die ein Zuschuss aus Steuern sind, ohne dass dafür ein Gegenwert verkauft wird. Ein weiteres Problem ist eben auch, dass mit ST keine 100% des Energiebedarfs erzeugt werden kann, was aber wiederum mit PV für Wärmepumpe, Elektromobilität und Haushalt im Einfamilienhausbereich ganz locker machbar ist und das zu akzeptablen Kosten! Problem ist hier noch die Anpassung der Erzeugung an den Verbrauch (durch Speicher) aber nicht die benötigte Jahresgesamtmenge an Energie! Hier ist ST leider chancenlos.

  5. Roger Corradini

    Der Vergleich ist durchaus sauber!
    Bei genauem Studium erkennt man dass die oben genannten Gestehungskosten auf den !nutzbaren! Kollektorertrag bezogen sind. Also ganz Sinne Ihrer Anmerkung.

    Die finanziellen Mittel für die Einspeisevergütung kommen aus der EEG-Umlage die jeder (private) Stromkunde Addon auf seinen Strompreis pro kWh bezahlen muss. Letztlich handelt es sich um ein Umlagesystem. Die Förderung der Solarthermie aus Steuergeldern bzw. aus staatlichen Einnahmen ist exakt dasselbe.

    Sind in den von Ihnen genannten Gestehungskosten der PV auch Netzstrukturen bzw. Reservekraftwerke für sonnenarme Tage mit eingepreist? Bei der ST ist die Bilanzgrenze um das gesamte Energie-System gezogen inkl. Speicher (Wärmespeicher).

    Zum Thema sauberer Vergleich (PV-WP im Vergleich zu ST). Wir betrachten eine möglichst effiziente Wärmebereitstellung
    1. Strombezug aus dem Netz darf ausschließlich für Steuerung der Anlagenkomponenten verwendet werden
    2. Kein Strombezug zu Heizzwecken aus dem Netz (PV-WP) und kein Brennstoffbezug für Heizzwecke (ST)
    3. Keine Stromeinspeisung des Überschussstroms (PV-WP) da auch keine Einspeisung von Überschusswärme in Nahwärmenetze (ST)
    => Für das PV-WP-System benötigt man entweder einen nicht zu knappen Stromspeicher oder ebenfalls einen Langzeitwärmespeicher für z.B.: drei Winterwochen ohne PV-Ertrag

    In diesem sauberen Vergleich mit identischen Rahmenbedingungen bezweifle ich Ihre abschließende Aussage.

    Die PV-WP-Kombination stellt sich nur deshalb vordergründig wirtschaftlich dar, da wesentliche Kostenbestandteile dieses Gesamtsystems (Stromnetz, Reservekraftwerke und zukünftig Groß-Stromspeicher) aus der Bilanzgrenze für die Kosten ausgeklammert werden.
    Diese Kosten werden nämlich einfach auf die Allgemeinheit umgelegt – ob es nun der Mieter ohne Dachfläche für PV und ohne Garten für Luft- bzw. Erd-WP will oder nicht.

    Wir brauchen im Gebäude eben Wärme und Strom – und hier wäre es fatal den sechsmal so hoch geförderten regenerativen Strom zu verheizen und auf die Solarthermie aus ideologischen Gründen zu verzichten. Jedes Energiesystem sollte den Beitrag leisten den es am effizientesten und kostengünstigsten (bitte alle Kosten berücksichtigen!) bereitstellen kann – und ja genau hier sind saubere Vergleiche essenziell!

Kommentar verfassen

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht.Pflichtfelder sind so gekennzeichnet *

Erlaubtes HTML <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>