Zusatzheizung_Kaminofen_18_Prozent_mehr_Verbrauch

18 Prozent – Zusatzheizungen wie Kaminöfen verbrauchen mehr Energie als nötig

Betreibt ihr eine Zusatzheizung wie einen Kaminofen? Dann solltet ihr jetzt unbedingt weiterlesen. Denn laut einer aktuellen Studie der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online verheizen Hauseigentümer, die neben ihrer regulären noch eine Zusatzheizung, zum Beispiel einen Kaminofen, betreiben, 18 Prozent mehr Energie als Hauseigentümer ohne Zusatzheizung. Den unnötig hohen Verbrauch begründet co2online einerseits mit dem Nutzerverhalten und andererseits mit der oft veralteten Technik. Lest hier alles zu der Studie, die im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung entstand, und erfahrt, wie ihr eure Zusatzheizung gegebenenfalls effizient(er) macht.

18 Prozent unnötiger Mehrverbrauch = 16,5 Milliarden kWh deutschlandweit

Die 18 Prozent mehr Energie, die Hauseigentümer deutschlandweit in Ein- und Zweifamilienhäusern beim Heizen mit einer extra Heizung wie einem Kaminofen verbrauchen, beziffert die Studie „Die Zusatzheizung – Nutzung ergänzender Heizsysteme im Gebäudebereich“, die ihr hier als PDF-Datei kostenlos downloaden könnt, auf rund 16,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Heizenergie. Das entspreche dem Bedarf einer Stadt der Größe Hamburgs.

co2online nennt das Mehr an Heizenergie, das die Zusatzheizungen verbrauchen, übrigens nicht einfach Mehrverbrauch sondern Verschwendung und begründet das so: Rund elf Millionen Zusatzheizungen gebe es demnach in Deutschlands Ein- und Zweifamilienhäusern. Im Schnitt würden diese ein Drittel des Wärmebedarfs des jeweiligen Hauses abdecken und zugleich den Verbrauch der Hauptheizung durchschnittlich um etwa ein Viertel senken. So weit, so gut.

Aber Sebastian Metzger, Mitglied der Geschäftsleitung von co2online weist auf einen Haken bei den Zusatzheizungen hin: “Etwa 40 Prozent der eingesetzten Energie wird verschwendet. So gelangen unnötig viele Schadstoffe in die Luft, die Umwelt und Gesundheit der Menschen belasten.” Obwohl Zusatzheizungen zwar oft Erdgas und Heizöl sparen würden, verpuffe dieser eigentlich positive Effekt fürs Klima Metzger zufolge weitgehend.

Zusatzheizung – darum verbrauchen/verschwenden sie oft unnötig viel Energie

Für den erhöhten Heizenergieverbrauch beim Heizen mit Zusatzheizungen gebe es der Studie zufolge vor allem zwei Gründe:

  1. das Nutzerverhalten und
  2. die Technik.

Anders ausgedrückt: Wer eine Zusatzheizung betreibe, heize damit zu viel zusätzlich  und viele Zusatzheizungen seien zudem weniger effizient als die eigentliche Heizung im Haus.

Wer einen Kamin habe, so steht es in der Pressemeldung von co2online, wolle es in der Regel komfortabel und behaglich haben – und heize deshalb oft deutlich mehr als eigentlich notwendig wäre. Dass dabei mehr Brennholz verbraucht werde, sei für die Nutzer meist nicht wichtig, weil es sich kaum auf die Kosten auswirke. Denn viele Hausbesitzer würden Holz aus dem eigenen Garten verfeuern oder kämen an dieses kostengünstig heran, zum Beispiel bei Nachbarn oder Bekannten.

Der Wirkungsgrad von Zusatzheizungen sei im Schnitt deutlich geringer als der des Hauptheizsystems. Das liege zum Beispiel am Ofentyp: Ein kostengünstiger Ofen aus dem Baumarkt sei weniger effizient als ein gemauerter Kachelofen oder ein moderner Feuerofen mit Wasserführung. Außerdem müsse ein Ofen die zum Haushalt und dessen Heizwärmebedarf richtige Größe haben, damit er effizient genutzt werden könne.

5 Gründe, warum Hausbesitzer eine Zusatzheizung betreiben

Laut der Studie hätten die Hausbesitzer den Betrieb einer Zusatzheizung mit den folgenden Begründungen gerechtfertigt:

  • 71 Prozent der Zuheizer hätten demnach den Wunsch nach Komfort und Behaglichkeit mit hohen Raumtemperaturen erfüllt.
  • 61 Prozent der Zuheizer wollen mit der extra Heizung den Verbrauch ihrer Hauptheizung mindern.
  • 41 Prozent der Zuheizer sei es wichtig, unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu sein.
  • 37 Prozent der Zuheizer wollten einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten, weil sie in der Zusatzheizung den nachwachsenden Rohstoff Holz verfeuern.
  • 36 Prozent der Zuheizer würden die Zusatzheizung betreiben, weil sie vergleichsweise einfach an die notwendigen Brennstoffe kämen.

Mehrverbrauch der Zusatzheizung senken – so geht’s!

18 Prozent mehr Heizenergieverbrauch mit einer Zusatzheizung – hie rist Handlungsbedarf, sagt co2online. Und schlägt vor,

  1. dass Hausbesitzer deshalb besser darüber informiert werden sollten, wie sie Zusatzheizungen effizient nutzen können.
  2. Außerdem wäre es sinnvoll, ineffiziente Öfen schnell auszutauschen.
  3. In Neubauten mit hohen Energiestandards sollten Zusatzheizungen am besten gar nicht genutzt werden, rät co2online. Wer sich eine Zusatzheizung wünsche, der sollte das Vorhaben gemeinsam mit einem Energieberater planen.

Hintergrundinfos zur Studie

Die Studie „Die Zusatzheizung – Nutzung ergänzender Heizsysteme im Gebäudebereich“ wurde von co2online durchgeführt und mit Mitteln der Forschungsinitiative Zukunft Bau des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gefördert. Bei der Studie wurden erstmals in Deutschland die Energieverbräuche der Hauptheizung und der Zusatzheizung in Ein- und Zweifamilienhäusern zusammen erfasst und ausgewertet.

Insgesamt seien für die Studie rund 23.100 Verbrauchsdaten von Ein- und Zweifamilienhäusern aus der co2online-Gebäudedatenbank und dem dem Heizkostenratgeber „HeizCheck“ ausgewertet worden. Davon hatten 3.800 Häuser eine Zusatzheizung. Außerdem seien die Ergebnisse zweier Online-Befragungen
unter 1.559 Verbrauchern und 19 Schornsteinfegern ausgewertet worden. Der Feldtest habe laut co2online ergeben, dass der Endenergieverbrauch von Zusatzheizungen im Mittel 39 kWh pro m² Nutzfläche und Jahr betrage und einen Anteil von 33 Prozent am Gesamt-Energieverbrauch des Gebäudes ausmache. Zudem sei ein Endenergie-Mehrverbrauch für Wärme und Warmwasser in Gebäuden mit Zusatzheizung gegenüber Gebäuden ohne Zusatzheizung festgestellt worden. Der Mehrverbrauch sei mit dem Nutzerverhalten und der vergleichsweise geringen Effizienz der Feuerstätten begründet worden. Im Kontext rechtlicher Rahmenbedingungen habe man,  insbesondere hinsichtlich der Berechnung von EnEV- Gebäudeenergieausweisen, Schwachstellen identifizieren können.

Hintergrundwissen zu co2online

Die gemeinnützige co2online GmbH setze sich nach eigenen Angaben für die Senkung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes ein. Seit 2003 würden die Energie- und Kommunikationsexperten privaten Haushalten dabei helfen, ihren Strom- und Heizenergieverbrauch zu senken. Mit onlinebasierten Informationskampagnen, interaktiven EnergiesparChecks und Praxistests motiviere co2online Verbraucher, mit aktivem Klimaschutz Geld zu sparen. Die Handlungsimpulse, die die Aktionen auslösen, trügen demnach nachweislich zur CO2-Senkung bei. Unterstützt werde co2online dabei von der Europäischen Kommission, dem Bundesumweltministerium sowie einem Netzwerk mit Partnern aus Medien, Wissenschaft und Wirtschaft.

Foto: MPower./Photocase