Nachdem ich Euch die verschiedenen Energiehaustypen vorgestellt habe, gehe ich in weiteren Artikeln auf die einzelnen Konzepte ein. Heute ist das Sonnenhaus an der Reihe: Ein Baukonzept, das vor allem auf das Heizen mit der Sonne setzt.
Aktiv mit der Sonne heizen – 100 Prozent sind möglich!
Der Begriff “Sonnenhaus” wurde geprägt von den Experten des Sonnenhaus-Instituts e. V. – gemeint sind damit Gebäude, die ihren Jahreswärmebedarf an Heizung und Brauchwasser mindestens zu 50 Prozent mit einer thermischen Solaranlage decken. Als wirtschaftliches Optimum sehen die Sonnenexperten einen solaren Deckungsgrad von 60 bis 70 Prozent an. Ein Einfamilien-Sonnenhaus hat einen spezifischen Heizwärmebedarf von rund 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche oder weniger, was die gesetzlichen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) mehr als erfüllt. Und das bei einem bemerkenswert niedrigen Primärenergiebedarf von maximal 15 kWh/(m²*a). Der Primärenergiebedarf ist, kurz gesagt, die gesamte Energie, die zur Bereitstellung der benötigten Heizenergie aufgewendet werden muss (einschließlich des Hilfsstromes, z.B. für Pumpen). Er ist entscheidend für die Beurteilung der Energieeffizienz eines Hauses. Genaueres zum Zusammenhang zwischen Primärenergie- und Heizwärmebedarf bei verschiedenen Gebäudestandards findet Ihr hier.
Natürlich gibt es immer Menschen mit noch ehrgeizigeren Zielen: Wenn Ihr auf der Seite des Sonnenhaus-Instituts die Suchfunktion benutzt, findet Ihr dort gleich eine ganze Reihe von Häusern mit einem solaren Deckungsgrad von 90 – 100 %, sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz!
Die Sonnenhaus-Komponenten
Das ideale Sonnenhaus ist nach Süden orientiert (eine Abweichung bis zu 30 Grad ist möglich) und wird nicht von Bäumen oder der Nachbarbebauung verschattet. Wie beim Passivhaus auch ist natürlich eine gute Dämmung wichtig; die Fenster haben eine Dreifach-Wärmeschutzverglasung und gedämmte Rahmen. Die Philosophie des Sonnenhauses ist aber eine etwas andere: Es “leistet” sich einen größeren Heizenergiebedarf und deckt ihn durch eine großzügig ausgelegte Solaranlage auf dem Dach, in Verbindung mit einem großen Pufferspeicher, der die Energie mit Hilfe von Wasser über Tage oder gar Wochen speichern kann. Diese Wärme gibt der Speicher bei Bedarf an eine Wandflächen- oder Fußbodenheizung ab. Reicht die Solarheizung einmal nicht mehr aus, wird mit einem Pellet- oder Stückholzofen zugeheizt.
Komponenten einer Sonnenhaus-Heizung nach dem Konzept des Sonnenhaus-Instituts e.V.
Pufferspeichergröße durch hocheffiziente Kollektoren verkleinern
Einer der größten Kritikpunkte beim Sonnenhauskonzept sind oft die überdimensional großen Speicher. Böse Zungen behaupten, man müsse dann ja das Haus um den Speicher herumbauen, weil sie manchmal sogar über mehrere Stockwerke gehen. Hier ist es wichtig zu verstehen, dass hocheffiziente Kollektoren, die auch im Winter bei tiefen Temperaturen noch einen Ertrag liefern, die Pufferspeichergröße verringern können. Wer also darüber nachdenkt, ein solches Haus zu bauen, sollte sich auch mit den Solar Keymark Daten beschäftigen, wo die Erträge der einzelnen Kollektoren verglichen werden können.
Schritt für Schritt vom Altbau zum Sonnenhaus
Der Dämmstandard eines Sonnenhaus-Neubaus liegt mindestens 30 % unter dem Grenzwert der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009, die energetische Sanierung eines Altbaus nach dem Sonnenhaus-Konzept bringt das Gebäude immerhin auf den EnEV-Mindeststandard. Steht ohnehin eine Dachsanierung an, lässt sich vielleicht die Dachgestaltung für die Montage der Sonnenkollektoren optimieren. Neigung und Ausrichtung der Kollektoren lassen sich aber auch mit Untergestellen an das Ideal annähern. Wer sich für einen Kollektor mit reinem Wasser als Trägermedium entscheidet, muss nicht einmal den Heizkessel austauschen. So kann der Umbau an die Budgetplanung angepasst und nach und nach umgebaut werden, bis die alte teure Ölheizung überflüssig ist. Sonnenhausbesitzer können langfristig Heizkosten sparen – und mit gutem Gewissen auch mal länger duschen :-).
Foto und Grafik: (c) Sonnenhaus-Institut e. V.
Ein weiterer Punkt, den man oft hört ist, dass das Sonnenhaus ein Konzept der Ziegellobby wäre, da das Grundkonzept auf Ziegelhäuser ausgelegt ist. Ich denke, dass der Baustoff beim Konzept eine eher geringere Rolle spielen sollte und die graue Energie, die in Ziegeln steckt, bis zu dem Tag an dem Ziegel mit erneuerbarer Energie hergestellt werden, tatsächlich ein gewisses Problem darstellt. In jedem Fall gilt – immer auch selbst mitdenken und selbst wenn die Ziegelindustrie Interessen hat, dieses Konzept zu unterstützen, bleibt jedem noch immer selbst überlassen, welchen Baustoff er letztendlich wählt und zu viele Häuser werden schließlich noch heute mit Ziegeln und ohne erneuerbares System gebaut. Da ist ein Ziegelhaus mit erneuerbarer Vollversorgung ja schon ein Fortschritt.
Eine tolle Möglichkeit, die Vorzüge der Sonne konsequent und effektiv für das eigene Zuhause zu nutzen. Danke für den Beitrag.
Achja, und allein der Ausdruck “Sonnenhaus” hört sich ja irgendwie nach dauerhaftem Urlaub an… 😉
Hallo Herr Edel,
ich denke, dass nicht wenige Bauherren das genauso sehen – sie wollen die Qualität in den eigenen vier Wänden haben und dauerhaft Komfort genießen. Wer kein Sonnenhaus besitzt, kann schon mal in einem Solarhotel auf den Geschmack kommen, die meine Mitbloggerin Claudia J. Gasmi auf diesem Blog vorgestellt hat – zum Beispiel in Österreich. Für weitere Artikel zum Thema einfach “Solarhotels” oben in das Suchfeld eingeben, dann werden Sie fündig.
Gut zu wissen, dass es Sonnenhäusern gibt, die einen solaren Deckungsgrad zwischen 90 und 100 % haben. Das finde ich erstaunlich! Ich möchte mein Haus sanieren und bin oft auf das Konzept von Sonnenhäuser gestoßen. Daher möchte ich gerne mehr darüber erfahren. Danke für den Beitrag, sehr informativ!