Ab ins Beet! Solarthermie im Garten

Dusche im Garten mit Solarthermie

Die Solarenergie hat es mit ihren Strom erzeugenden Anwendungen längst in den Garten geschafft. Doch wo bleibt die Solarthermie? Gibt es für sie auch Aufgaben zwischen Gartenhaus und Gartenzaun? Aber klar doch, wie dieser Artikel zeigt.

Der Deutsche und sein Garten

Gärtnern sei laut der Online-Ausgabe der Sendung „[w] wie wissen“ der ARD nach dem Entspannen daheim die zweitliebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Jeder zweite Privathaushalt besitze demnach einen eigenen Garten, 17 Millionen Gärten seien es in Deutschland insgesamt. Eine Million davon seien Schrebergärten, die es insbesondere in Städten gebe, wo sich die Großstädter drum reißen würden. Trend: Der ARD-Sendung zufolge seien in den letzten fünf Jahren 45 Prozent der neuen Pachtverträge (die Wikipedia datiert diese Zahl auf die Jahre 2003 bis 2008 – Anmerkung von Doreen) von jungen Eltern mit Kindern unterschrieben worden.

Laut dem Portal Statista.de besaßen im vergangenen Jahr 2016 35,62 Millionen Deutsche einen Garten. Eine weitere Statistik berichtet, dass im selben Jahr 8,35 Millionen Deutsche mehrmals in der Woche im Garten gearbeitet hätten, 14,19 Millionen mehrmals monatlich, 3,76 Millionen einmal monatlich und 7,79 Millionen seltener. 35,48 der befragten Deutschen hätten 2016 demnach entweder nie im Garten gearbeitet oder keine Angaben gemacht.

Der typische deutsche Schrebergarten und sein Schrebergärtner

Ein durchschnittlicher deutscher Schrebergarten sei laut der Freien Enzyklopädie Wikipedia 370 Quadratmeter groß. 82 Prozent der Kleingärtnerhaushalte seien demnach Mieterhaushalte, die zumeist in mehrgeschossigen Wohnblocks leben (67 Prozent im Westen, 74 Prozent im Osten). Der eigene Schrebergarten biete den Schrebergärtnern wohnungsnahen Ausgleich für fehlendes Grün. 84 Prozent aller Gärten, so schreibt die Wiki weiter, lägen höchstens fünf Kilometer von der Wohnung entfernt. 96 Prozent aller Kleingärtner bräuchten demnach höchstens eine halbe Stunde bis zu ihrem Garten, 60 Prozent seien schon in weniger als einer Viertelstunde dort.

Das Durchschnittsalter der Schrebergärtner beziffert die Wikipedia auf 60 Jahre, wobei 64 Prozent aller Pächter, die seit 2000 einen Garten übernommen hätten, jünger als 55 Jahre seien.

Warum ich euch die statistischen Zahlen hier überhaupt alle anbringe? Sie belegen, wie wichtig uns Deutschen der Garten ist und wie viel Zeit wir dort verbringen – mit Gartenarbeit und ohne. Die Zahlen belegen zudem, dass die Schrebergärten weit weg vom Wohnsitz sind, so dass Grundbedürfnisse wie der Gang zur Toilette vor Ort befriedigt werden müssen. Nun ist ein Schrebergarten im Jahr 2017 auch nicht mehr nur das, was er mal war: Grüne Fläche zum Beackern oder Mähen, Grillen, Planschen und Ausruhen. Smartphone, Tablets, Laptops und tragbare Spielekonsolen kommen heute bei vielen auch mit ins Grüne Wohnzimmer – und brauchen dort Energie.

Insbesondere die Schrebergärtner haben oft ein Gartenhaus in ihrem Garten und bleiben dort auch mal länger, von morgens bis abends oder gar über Nacht. Das ist insofern von Bedeutung, als dass mit der Länge des Aufenthaltes im Garten und der Entfernung zum Wohnsitz mit seinen selbstverständlichen Versorgungseinrichtungen wie Küche und Bad inklusive Energie auch die Anforderungen an den Garten und die energetische Versorgung dort wachsen.

Wer oft und über längere Zeit im Garten arbeitet, sich ausruht oder spielt, braucht auch dort Zugang zu Wasser, Wärme und Strom, um zu kochen, zu waschen (in Küche und Bad), zu heizen (Gartenhaus, Terrasse, Brauchwasser) und nicht zuletzt, um Multimedia zu betreiben.

Damit hätten wir den energetischen Bedarf der Schrebergärtner im Jahr 2017 wenn auch nicht quantitativ so doch qualitativ grob umrissen. Wie wird nun dieser Bedarf gedeckt?

Solarstrom im Garten

Bislang kommt der Strom im Schrebergarten oft über die dorthin verlegte Leitung des lokalen Stromanbieters. Das heißt, der Schrebergärtner kauft teuren Strom aus dem öffentlichen Netz. Wer sich mit der Gestehung von Strom beschäftigt, weiß jedoch, woraus der gemacht wird, was die Stromerzeugung kostet und wie inneffizient sie ist.

Solarstrom im Garten ließe sich alternativ mit Solarmodulen gewinnen. Die gibt’s inzwischen auch in mobilen Einheiten, so dass ihr nicht mal mehr das Gartenhaus damit decken müsst. Ist genug Solarstrom da, ließe sich damit auch das Brauchwasser erwärmen oder gar heizen.

Wer sich im Bereich Gartenbau und zugehörigem Fachhandel umschaut, findet online wie offline bereits verschiedene Möglichkeiten, Photovoltaik im Garten einzusetzen: Zum Beispiel gibt es zahlreiche Leuchtmittel, die tagsüber Sonnenenergie tanken und abends für Licht im andernfalls dunklen Garten sorgen. Wobei ich an dieser Stelle unbedingt anmerken muss, dass ihr es damit nicht übertreiben solltet: Euer Garten ist schließlich Teil der Natur und Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die auf den natürlichen Lauf der Zeit mit hellem Tag und dunkler Nacht angewiesen sind. Macht also bitte mit Solarlicht nicht die Nacht zum Tag! Andere Photovoltaik-Lösungen sorgen für Strom, um elektrische beziehungsweise elektronische Geräte zu betreiben, die ihr im Garten nutzen wollt.

Solarwärme im Garten

Solarthermie-Kollektoren fürs Gartenhaus

Als Alternative zur im Garten verbreiteten weil einfach zu realisierenden Stromheizung für vor allem Brauchwasser und gegebenenfalls auch Raumheizung mit herkömmlichen Haushaltsstrom oder selbst erzeugten Sonnenstrom böte sich im Garten durchaus auch eine Solarthermie-Anlage als regenerativer Wärmeerzeuger an. Die könnte aufs Dach des Gartenhauses montiert werden, so dies denn die dafür nötige Statik besitzt, oder an dessen Fassade. Selbst frei aufgestellte Kollektoren sind im Garten denkbar.

Weitere praktische solarthermische Anwendungen für den Garten

  • Solardusche und Solarwasserhahn

Ein Klassiker für praktisch angewandte Solarthermie im Garten ist die sogenannte Solardusche. Die gibt’s mittlerweile in vielen Ausführungen, als designtes Fertigteil oder zum DIY-Selberbauen. Das Funktionsprinzip aller Modelle ist dabei immer das: Ein Behältnis wird mit frischem Wasser oder Regenwasser gefüllt und strategisch so in die Sonne gesetzt, dass diese das Wasser im Behälter erwärmt. Es gibt inzwischen mobile Solarduschen, die beispielsweise mit einem Dorn in den Rasen gesteckt werden können, und Modelle zur dauerhaften Montage an der Wand des Gartenhauses.

Achtung: Das Solarwasser kommt dabei nach meheren Stunden intensiver Sonnenbestrahlung auf Temperaturen von über 60 Grad Celsius – es ist also Vorsicht beim Solarduschen im Garten geboten! Fertigduschen haben daher oft eine Mischbatterie zur Regulierung des Warmwassers mit Hilfe von Kaltwasser. Solche Modelle werden an den regulären Brauchwasseranschluss angeschlossen. Je nach Solardusche sind als Wasserbehälter, die somit zum Wärmespeicher werden, Gartenschläuche, wasserdichte Beutel, Säcke sowie Eimer, Kanister und Tanks denkbar. Wichtig ist, dass die Wärmespeicher möglichst dunkel ausfallen, Schwarz, Anthrazit und Dunkelblau sind gängig, denn je dunkler die Oberfläche ist, desto mehr Sonnenenergie absorbieren die Behälter.

Das Prinzip der Solardusche wurde bereits weiter entwickelt:  Unter anderem zu einer mobilen Solarthermie-Anlage namens Alm- und Gartenwichtel. Der liefere dank der Kombi von Solarthermie und Photovoltaik im hygienischen Durchlaufprinzip Warmwasser in Garten, Grundstück, Feld, Wiese oder Alm, sagt sein Hersteller.

  • Warmwasser für Planschbecken & Co.

Auch das Erwärmen des Wassers eines Gartenpools oder Planschbeckens mit Hilfe in der sonne platzierter schwarzer Absorberschläuche funktioniert nach dem oben beschriebenen Prinzip.

  • Solarthermisch beheiztes Gewächshaus

Eine weitere Anwendung für Solarthermie im Garten ist das solarthermisch beheizte Gewächshaus. Der Brite Charlie Paton hat seine Erfindung „Meerwasser-Gewächshäuser“ genannt. Gegenüber dem Deutschlandfunk beschreibt er deren Funktionsprinzip so:  „In das Gewächshaus strömt von außen Luft herein und wird über einen Verdampfer geleitet. Im Prinzip ist das eine große Wand aus imprägnierter Wellpappe, über die ständig Meerwasser rieselt. Wenn es in Kontakt mit der warmen Luft kommt, verdunstet es, und wenn man den Luftstrom später wieder abkühlt, kondensiert die Feuchte zu Süßwasser.“ Derzeit laufen dem Radiosender zufolge Pilotprojekte mit solchen Gewächshäusern in Abu Dhabi und im Oman.

  • Solargrill

Solarthermie kann im Garten aber auch für euer leibliches Wohl sorgen: Ein Solargrill kommt dank seiner besonderen Konstruktion, bei der ein Parabolspiegel die Hauptrolle spielt, der die auf ihn treffenden Sonnenstrahlen bündelt , auf bis zu 200 Grad Celsius – genug Hitze, um zu kochen, zu braten, zu backen und zu grillen. Solargrills könnt ihr in unterschiedlicher Qualität kaufen, einfache Modelle kosten ab 200 Euro, „winterfeste“ Geräte, sprich: si auch bei Wintersonne für Grillhitze sorgen können, schnell das Doppelte und mehr.

Der eine oder andere fragt sich jetzt vielleicht, wie wirtschaftlich das wohl sei: Solarenergie wie Photovoltaik und Solarthermie im Garten? Ich kann diese Frage nicht pauschal beantworten, denn der persönliche Strombedarf und Wärmebedarf diktieren hier die Dimensionierung der Anlagen und damit deren Erträge und Preise. Soviel steht fest: Die Sonne schickt euch keine Rechnung!

Doch ich möchte wohl pro Solarenergie im Garten buchstäblich ins Beet führen, dass eine damit realisierbare autarke Energieversorgung sehr viel näher am Konzept Grün – wie es ja der Garten darstellt – wäre, als herkömmlicher Strom aus der Steckdose.

Fotos eurer Solarwärmeerzeugungsmittel im Garten erwünscht!

Interessieren würde mich, ob die/der eine oder andere von euch bereits Solarenergie, insbesondere Solarthermie, im Garten erzeugt. Ihr könnt mir gerne Fotos mit einer kurzen Erklärung und einer zugehörigen Veröffentlichungsserlaubnis davon schicken, ganz gleich, ob ihr Klassiker wie die Sonnenwasser-Dusche, Solargrills oder moderne Solarkollektoren zur Gartenhausheizung nutzt. Nur her damit! Ich bin gespannt!

Foto: Jules Bradley / photocase

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