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Brennstoff-Check (15): Heizen mit Torf – wie geht das?

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Es ist mal wieder Zeit, dass wir euch einen neuen Brennstoff vorstellen: Torf. Insgesamt ist das schon der 15. Brennstoff in unserem Brennstoff-Check. Wir erklären, wie das Heizen mit Torf geht und welche Vor- und Nachteile Der Brennstoff Torf zur Wärmeerzeugung mit sich bringt. 

Was ist Torf?

Torf –

  • ist das nicht das Zeug, das in Blumenerde steckt?
  • hat irgendwas mit Mooren zu tun, oder?
  • wird der nicht knapp und knapper?

Ja, ja, ja. Genau richtig! Genau um diesen Torf geht es. Doch fangen wir ganz von vorne an: Enthält ein Boden neben Wasser und Mineralien mehr als 30 Prozent organische Substanz, handelt es sich um Torf. Torf ist demnach ein sogenanntes organisches Sediment, also ein natürlich gewachsener “Bodensatz”, der beim Verwittern abgestorbener Pflanzenreste in Mooren entsteht.  Anstelle sich wie anderswo komplett zu zersetzen, sinken die Pflanzenteile auf den Grund der feuchten Moore und lagern sich dort ab. Dieser Vorgang, der chemisch betrachtet der erste Schritt der Inkohlung (Verkohlung) ist, dauert tausende Jahre. Der Focus schreibt, dass es allein ein Jahr für eine einen Millimeter dicke Schicht Torf brauche. 

Je nachdem, wie sehr sich die Pflanzenreste zersetzt haben, lässt sich Torf unterschiedlich klassifizieren. So gibt es Torfklassen, bei denen sich zähe und robuste Pflanzenteile beim Zerdrücken mit der bloßen Hand noch lösen, und solche, wo der Torf schon eine sehr homogene holzartige Masse bildet.

Torf gilt grundsätzlich als guter Nährboden. Einerseits enthält er wertvolle Nährstoffe, andererseit sspeichert er sehr gut Wasser. Beides ist insbesondere für das frühe Wachatum von Pflanzen von Vorteil. Das ist der Grund, warum Torf lange als Blumenerde im Einsatz ist.

Aber: Um Torf abzubauen, muss ein Moor entwässert und von der Vegetationsschicht befreit werden. Das Trockenlegen der Moore hat massive Auswirkungen auf das Klima, denn es reduziert die Süßwasservorräte und beeinträchtigt die Rolle des Bodens beim Regulieren des regionalen Wasserhaushaltes. Außerdem werden die Moore als Naturflächen zerstört. Hinzu kommt, dass Torf ein Kohlenstoffspeicher ist. Ein Moor kann zehn Mal so viel Kohlenstoff speichern wie jedes andere Ökosystem. Der im Torf gebundene Kohlenstoff kommt beim Entwässern mit Sauerstoff aus der Luft in Kontakt. Er wandelt sich dabei in das Treibhausgas CO2, das in die Atmosphäre entweicht. Laut Utopia werde dabei auch klimaschädliches Lachgas freigesetzt.

Das sind die Gründe, warum Moore erhalten bleiben sollten. Naturschützer setzen sich dafür seit Langem ein, inzwischen reagiert auch dei deutsche Politik: Sie will den Moorschutz zum öffentliches Interesse erklären.

Torf als Brennstoff

Vorausgesetzt, der von Natur sehr feuchte Torf ist gut getrocknet worden, lässt er sich sowohl direkt verfeuern als auch in Torfkohle verwandeln. Das gelingt mit einer Verkohlung ähnlich wie die Herstellung von Holzkohle aus Holz. Der Torf wird dazu langsam und luft- beziehungsweise sauerstoffarm in einem sogenannten Kohlenmeiler verbrannt.

Der Brennstoff Torf hat einen Energieinhalt von 20 bis 22 Megajoule pro Kilogramm (MJ//kg). Damit ist  auch seine spezifische Wärmeausbeute (Heizwert, Energie pro Volumeneinheit) durchaus vergleichbar mit der von Braunkohle. Gut zu wissen: Offenes Torffeuer stinkt wegen der enthaltenen sauren Bestandteile heftig.

Torf – ein Brennstoff mit Geschichte

Als Brennstoff hat Torf eine jahrhundertelange Geschichte. Bis zum 18. Jahrhundert wurden Torfgebiete wegen des zunehmenden Drucks, Siedlungen zu errichten, trockengelegt und der dabei abgebaute Torf wurde vorwiegend vor Ort verbraucht. Im 18. Jahrhundert setzte man Torfkohle zunehmend in der Erzverhüttung, in Ziegeleien und anderen Industrien mit hohem Bedarf an Brennmaterial ein, um so teure Holzkohle zu strecken. Die war bis dahin schon ein knappes Gut, weil man Wälder in großem Maßstab abgeholzt hatte. Torf wurde somit zu einer bedeutenden überregionalen Ware. Aber: Torfasche glüht lange nach. Sie war Ursache vieler Brände. Bis heute heizen unerwünschte Torffeuer weltweit dem Klima ein.

Als Heizmaterial ersetzte man Torf mit dem Aufkommen der Eisenbahn im 19. Jahrhundert mit Kohle und nach der Aufforstung mit schnellwachsenden Nadelbäumen. Mitte des 19. Jahrhunderts war Holz keine Mangelware mehr.

Bis heute heizt man in Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Irland, Russland, Schweden sowie vereinzelt in Schottland noch mit Torf. Während er in In Finnland, Irland und Schweden großteils in größeren Kraft- und Heizwerken verfeuert wird, verbrennt man ihn in den baltischen Staaten eher in kleinen Heizungen. Laut dieser Quelle betreiben einige moorreiche Länder sogar Torfkraftwerke, wo sie Torf als Brennstoff zur Stromerzeugung verwenden.

Mit Torf heizen – ja oder nein?

Den Brennstoff Torf gibt’s heute in handlichen Briketts und als Pellets zu kaufen. Torfpellets können alternativ zu Holzpellets verwendet werden, die Heizungen müssen dafür nicht umgerüstet werden. Im direkten Vergleich beider Biomasse-Pellets verbraucht Torf mehr Energie, um getrocknet zu werden als Holz. Der Aschewert ist ähnlich, ebenso das Gewicht. Wichtig: Wer mit Torfpellets regulär heizen will, braucht dafür eine besondere Genehmigung. Man sollte sich also vorab mit seinem zuständigen Schornsteinfeger beraten.

Aufgrund der Knappheit von Torf sei der gezielte Abbau eine ähnliche Umweltsünde wie das Verbrennen des Regenwaldes, schreibt der TV-Sender ARD in seinem Bericht zur Sendung “Europamagazin” vom 26. Februar 2023 (ARD-Mediathek). Und deshalb sollte Torf nicht mehr im großen Stil als Brennstoff verwendet werden – und ebensowenig als Nährboden für Landwirtschaft, Gärtnereien oder private Gärten.

Foto: freeflyer09 / Photocase