Das Thema Wärmewende spielt auf unserem Solarthermie-Blog selbstverständlich die Hauptrolle. Wir versuchen hier, technische, ökonomische, ökologische und politische Zusammenhänge der Wärmewende verständlich aufzuzeigen und diese so im wahrsten Sinne des Wortes buchstäblich voranzutreiben. Die Wärmewende ist nicht nur unser erklärtes Ziel: Wissenschaft, Wirtschaft und Politik arbeiten daran. Doch was heißt eigentlich: “an der Wärmewende arbeiten”? Wer tut hierzulande was in Sachen Wärmewende? Ein Überblick wäre hilfreich. Auch um zu sehen, wer nix oder gar etwas dagegen tut. Deshalb: Leute, es ist Zeit für eine Liste! Wir wollen mit Euch die “Die Top-Liste der Wärmewende-Akteure” schreiben, um damit für Transparenz zu sorgen. Um Wärmewender und Wärmewendehemmer zu identifizieren. Wie Ihr uns helfen könnt, erfahrt Ihr hier.
Es gibt angeblich ja viele, die für ein Gelingen der Wärmewende arbeiten. Nicht alle und nicht immer wohl zu unser aller Zufriedenheit.
Wärmewende: Groko macht einen schlechten Job!
Das belegt zum Beispiel die aktuelle Forderung renommierter Wissenschaftler bei einem Pressegespräch des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) in Berlin an die Bundesregierung, auf dem Wärmemarkt konsequent umzusteuern. In der zugehörigen Pressemitteilung heißt es: „Dr. Joachim Nitsch, viele Jahre Energieexperte am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, hat in einer Studie im Auftrag des BEE die Folgen der jüngsten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes untersucht. Danach sinkt die Bedeutung der Bioenergie in den kommenden Jahren deutlich. Außerdem gibt die Bundesregierung kaum Impulse zur Steigerung der Energieeffizienz. ‚Setzt sich dieser Trend auch nach 2020 fort, bleibt die Energiewende auf der Strecke‘, warnt Nitsch. Würde die Politik der großen Koalition weitergeführt, würde der Anteil der Erneuerbaren Energien an der gesamten Wärmeversorgung nur von zehn Prozent im Jahr 2013 auf knapp zwölf Prozent 2030 steigen. BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk sagt: “Es ist politisch peinlich und volkswirtschaftlich höchst unvernünftig, wenn die Bundesregierung die Chancen einer Wärmewende weiterhin ungenutzt lässt. Politisch peinlich, weil Deutschland seine auf EU-Ebene verbindlich zugesagten Klimaschutzziele und Erneuerbare-Energien-Ziele nicht erreicht und volkswirtschaftlich unvernünftig, weil sich eine Wärmewende für alle finanziell rechnet.” Nitsch empfiehlt in seiner Studie als Gegenszenario zur Politik der großen Koalition einen Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, vor allem mit Biomasse, Geothermie und Wasserstoff aus Ökostrom. “Strom aus Erneuerbaren Energien könne sich neue Anwendungen im Wärmebereich erschließen.“
Klare Kritik seitens der Wissenschaft am Wärmewenden-Job der deutschen Politik also. Wir wollen hier auf dem Blog für mehr Transparenz zur Wärmewende sorgen. Denn Transparenz ist Voraussetzung für Erkennen und damit für Erkenntnis. Voraussetzung für Teilhabe, demokratische Teilhabe wohlbemerkt. Wir suchen deshalb Antworten auf die Frage: „Wärmewende – wer tut eigentlich was und warum tut er das?“ Dazu wollen wir Täter im Sinne von: „tun, handeln“ identifizieren. Also Wärmewende-Akteure beim Namen nennen. Ihre Aktionen beschreiben.
Wer wendet die Wärme?
Es geht uns um Politiker. Wissenschaftler. Unternehmer. Einige Namen werden im vorliegenden Beitrag bereits genannt. Doch das sind längst nicht alle, die sich die Wärmewende auf die Agenda geschrieben haben. Deshalb laden wir Euch ein, die Akteure zu nominieren, die sich aus Eurer Sicht mit der Wärmewende beschäftigen (sollten).
Unser Ziel ist es, eine Top 10 oder Top 25 oder von uns auch Top 1000 der wichtigsten Akteure der Wärmewende aufzustellen, um ihr Handeln zu erkennen. Wir wollen ihr Tun näher beleuchten und sie in einem nächsten Schritt auch fragen, was sie in Sachen Wärmewende antreibt oder bremst und wie wir dabei helfen können. Kurz. Wir wollen Information fließen lassen.
Was hemmt die Wärmewende und damit die Energiewende?
Denn der mangelnde Informationsfluss scheint eines der Hemmnisse der Wärmewende zu sein. Dass es hierzulande an gewerkeübergreifender Energieberatung für Verbraucher mangele, ist beispielsweise in den Augen unserer Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD, Foto) eine solche Informationslücke, die die Wärmewende aufhält. In Berlin bei ihrer Eröffnungsrede zur Deutschen Wärmekonferenz im Januar 2014 forderte Hendricks deshalb „die Branchenvertreter auf, alle Gewerke näher zusammenrücken zu lassen. Für den einzelnen Immobilienbesitzer sei es sehr aufwändig, sich in die Erfordernisse seiner eigenen Immobilie, also die technischen Möglichkeiten, Trends und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse, hineinzudenken. Erforderlich seien mehr Angebote aus einer Hand“, hieß es in der entsprechenden Pressemitteilung.
Aus unserer Sicht ist es jedoch nicht nur der fehlende Gewerke übergreifende Informationsfluss, der die Wärmewende hemmt. Der für Verbraucher undurchsichtige und staatlich gezüchtete Förderdschungel und die damit verbundene Investitions-Unsicherheit nehmen der Wärmewende sicher auch so manchen Wind aus den Segeln. Doch wer müsste hier Regeldickicht lichten? Wer könnte stattdessen zukunftsträchtige Pfade in den Dschungel schlagen, sprich: neue Normen formulieren?
Wir haben mit unserem Blog die nahezu einmalige Gelegenheit, virtueller Treffpunkt für sämtliche Akteure der Wärmewende zu sein: Angefangen vom Politiker höchsten Ranges und endend beim Lokalpolitiker, über Wissenschaftler (wie Roger Corradini) Unternehmensführer (Hersteller von Solarthermie-Technik oder deren Kunden, sprich: Anwender), über Praktiker wie Solarthermie-Installateure bis hin zum Hausbesitzer und Solarthermie-Anlagenbetreiber. Wir können für kurze und schnelle Info-Wege sorgen und vernetzen.
Also nennt uns Eure Akteure der Wärmewende!
Schreibt ihre Namen und dazu eine kurze Bemerkung, warum Ihr sie nominiert, in das Kommentarfeld. Und sagt uns bitte auch, was Ihr die Herrschaften fragen oder ihnen sagen würdet, wenn Ihr mit ihnen an einem Runden Tisch (Round Table) säßet, der sich um die Wärmewende dreht. Wo seht Ihr Handlungsbedarf, welche politischen, ökonomischen oder ökologischen Wendepunkte müssten Eurerseits geschaffen werden, damit die Wärmewende gelingt?
Wir erwarten Eure Nominierungen für Akteure der Wärmewende. Jetzt!
Und hier noch ein paar Namen von Akteuren, die sich derzeit konkret und öffentlich mit der Wärmewende auseinandersetzen.
Am 9. Oktober veranstaltet die Wochenzeitung “Die Zeit” eine “ZEIT-Konferenz: Erdgas & Klimaschutz” zur Energiewende. Zu deren Vorbereitung befragt die Zeitung gerade potentielle Leser wie mich, um den Fortschritt der Energiewende einzuschätzen.
Am 13. Oktober auf dem BDI-Energieeffizienzkongress 2014 „1 Jahr Große Koalition – Wärmewende auf Kurs?!“ soll laut eigenen Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. „mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert werden, wie die Energiewende in ihrem dritten Jahr nun auch im Schlüsselsektor‚ Wärmemarkt‘ gelingen kann“. Ihre Teilnahme zugesagt haben demnach bereits
- Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks,
- der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz,
- der Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, Cem Özdemir,
- sowie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Uwe Beckmeyer, der hier wohl seinen Chef Sigmar Gabriel vertritt.
Ein runder Tisch zur Wärmewende. Eine Konferenz zur Energiewende. Wir sind gespannt. Und nominieren die genannten Akteure schon mal. Sicher ist sicher. Wer von Euch an der BDI-Veranstaltung teilnehmen will, kann sich übrigens hier anmelden.
Unsere Nominierten sind also erstmal:
- Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie
- Dr. Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin
- Cem Özdemir, Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen
- Dr.-Ing. Dipl.-Phys. Roger Corradini, Energieforscher und Projektmanager an der Forschungsstelle für Energiewirtschaft
- Bene Müller
- Matthias Sandrock
- Roger Hackstock
- Timo Leukefeld
- BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk
Akteure der Wärmewende: Wen nominiert Ihr? Wer macht etwas für oder gegen die Wärmewende?
Fotos: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Sigmar Gabriel), Dr. Barbara Hendricks (Homepage), Cem Özdemir (Homepage), Kollage: Doreen Brumme
Wärmewende, was ist das eigentlich und was gehört dazu? Es sind sehr viele Akteure und sehr viele Branchen, die in diesen Bereich mit reingehören. Es gibt hier leider noch keine richtige Bewegung für eine Wärmewende. Für mich fängt eine Wärmewende auch bei der Reduzierung des Verbrauchs, bevor wir zu alternativen Heizungen gehen – die erst bei einem niedrigen Heizenergiebedarf wirklich Sinn machen. Aber so lange unter den Energiewende-Anhängern das bekämpft wird und die Medien-Kampagne gegen energetische Sanierungen Anhänger findet, solange wird es keine Wärmewende geben.
Mir fällt es schwer, da aktuell jemanden zu finden. Einer, dessen Engagement mir momentan sehr gefällt ist Arnold Drewer (http://www.ipeg-institut.de/index.php?article_id=80) mit seinem Engagement für Dämm-Maßnahmen wie Kerndämmung und die oberste Geschossdecke. Dämmung ist eben nicht immer die Dämmung der Fassade.
Für mich gehören bei der Wärmewende natürlich auch die Effizienzmaßnahmen, schließlich führen auch sie dazu, dass insgesamt der Anteil an erneuerbarer Energie im Wärmebereich steigt. Danke für den Hinweis zu Herrn Drewer, ist notiert! Mir fällt auch noch jemand ein, den ich nominieren könnte. Andreas Kühl von Energynet natürlich!
Das Problem ist ja nicht, dass es nicht Lösungen gäbe. An der Implementierung scheitert es ja. Daher ist jetzt gefragt, wer den Roll-out in der breiten Masse befördern kann. Und hier sehe ich leider weniger die Pioniere der Solarthermie (oder der Erneubaren Energien insgesamt), sondern eher andere, die konventioneller rangehen.
Nicht unbedingt ein Vorkämpfer der Erneuerbaren, aber allemal einer, der Ernst macht, wenn es darum geht, moderne Heizungen in die Keller zu bringen, ist z.B. Philpp Pausder von Thermondo. Ich habe kürzlich ein spannendes Interview mit ihm führen können – zu hören unter http://blog.greenjobs.de/40
Unter den großen Heizungsherstellern müsste man sicherlich Martin Viessmann, Chef der gleichnamigen Firma, nennen. Der hat sein Unternehmen in den vergangen Jahren ganz schön auf den Kurs der Erneuerbaren Energien gebracht. Gleichzeitig muss man aber auch daran denken, dass er zitiert wird mit (sinngemäß):” Ich glaube, dass wir 2020 den letzten Ölkessel verkaufen werden! Aber bis dahin kämpfen wir um die Marktführerschaft in diesem Segment.”
Danke für die schon vielen Antworten. Toll, dass schon so viele Praktiker nominiert wurden. Die sind extrem wichtig. Die Praktiker brauchen aber auch gute Rahmenbedingungen um sich voll entfalten zu können. Wer könnte da in der Politik mehr Schwung reinbringen?
Ich schliesse mich den Aussagen von Andreas Kühl und Uwe Trenkner an. Wärmewende geht nicht ohne “sinnvolle” Dämmung. Was sinnvoll ist, darüber kann bekanntlich endlos diskutiert werden. Wichtig ist aber tatsächlich die Kommunikation und Umsetzung von vorhandenen Technologien. Für verständliche Kommunikation zum Thema Wärme steht sicher Timo Leukefeld, der ist aber ja schon nominiert.
Extrem interessant wird es, wenn Gebäudehülle und (regenerative) Haustechnik auf einander abgestimmt werden. Hierzu nominiere ich Taco Holthuizen, den Geschäftsführer der eZeit Ingenieure GmbH. Beim aktuellen Modernisierungsprojekt von über 800 Wohneinheiten der Berliner Wohnungsgenossenschaft Märkische Scholle eG mit Häusern aus den 30er und 60er Jahren führt ein Bündel unterschiedlicher abgestimmter Maßnahmen zu Energie Plus -Ergebnissen.
Dieses Bündel beinhaltet u.a. Solarthermie, Wärmepumpe, eTank Langzeitspeicher, PV, Lüftung und “sinnvolle” Dämmung. Mehr unter: http://www.ezeit-ingenieure.de/sanierung-wohnanlage-berlin-lichterfelde-deutschland/
So ein Projekt mit Bestandsbauten ist in der deutschen Wohnungswirtschaft meines Wissens nach noch einzigartig, weil es annähernd warmmietenneutral umgesetzt werden soll.
wow, das Berliner Projekt ist ja echt beeindruckend! 800 Wohneinheiten?? Das nenn ich mal Impact…
Freue mich nächste Woche mehr über das Projekt der Märkische Scholle eG zu erfahren. Werde mir das Projekt näher ansehen.
Jemand der sich aktuell nicht nur um eine wärmewendegeeignete Systemtechnik im Heizungskeller und auf dem Dach bemüht sondern auch das Thema ökologische Dämmung im Focus hat (Thermohanf), ist meines Wissens Moritz Ritter als nachfolgende Generation in der Ritter Energie, den ich hiermit nominiere. Sein Vater Alfred Ritter und dessen Mitstreiter Klaus Taafel haben die Wärmewende schon geprägt, lange bevor es dieses Wort überhaupt gab. Ich würde Moritz Ritter gerne fragen, welche Visionen er zu diesem Thema hat.
Vielen Dank Wolfgang! Moritz hält sich gerne im Hintergrund, jetzt habe ich mal wieder die Gelegenheit, ihm ein paar Fragen zu stellen :-).
Ich fühle mich über die Nominierung in der Liste oben geehrt und füge folgende Personen hinzu, die mich immer wieder inspirieren und aus meiner Sicht zu den Vorreitern der Wärmewende zählen:
Harald Kuster, Haustechnikplaner, errichtete in Salzburg und Oberösterreich über ein Dutzend Häuser mit 100 Prozent Solarheizung, vom Wohnhaus über Kletterhallen und Pfarrheime bis zu Industriebauten, als neuestes werden vier große Hallen des Betonunternehmens HABAU komplett mit der Sonne beheizt – Wärmewende pur zum Anfassen!
http://www.aee-intec-events.org/gs2014/images/stories/Vortrge/Vortraege_2014/Kuster.pdf
http://www.energie-bau.at/index.php/heizen-kuhlen/solarenergie-fuer-fertigteilproduktion/menu-id-2.html
Jörg Lampe, Geschäftsführer E.ON Hanse Wärme GmbH, hat das Netz für Fernwärmekunden geöffnet und einen Solartarif eingeführt, um die dezentrale erneuerbare Fernwärmeeinspeisung in der Stadt voranzubringen – ein Vordenker und Vorhandler!
http://solarmedia.blogspot.co.at/2011/07/solarwarme-ins-netz-einspeisen.html
Christian Holter, Geschäftsführer SOLID, Spezialist für weltweite Solarwärmeanlagen im Megawattbereich, in Graz aktiv wo die Wärmewende wegen geplanter Abschaltung von fossilen Kombikraftwerken jetzt konkret wird – ein sehr innovativer Solarwärmeunternehmer!
http://www.solid.at/de/news-archiv/2014/203-oesterreichs-groesste-solaranlage-zur-fernwaermeeinspeisung-wird-von-5000-m-auf-7000-m-ausgebaut-im-neuen-anlagenteil-werden-4-verschiedene-grosskollektoren-von-3-herstellern-im-feldversuch-verglichen
Boris Papousek, Geschäftsführer der Grazer Energieagentur, koordiniert das EU-Projekt Re-Commissioning, wo in Krankenhäusern und Universitäten mit minimalen Investitionen Wärme und Strom gespart wird – bis zu 10 % des Energieverbrauchs mit 10.000 Euro Investition bei 3 Jahren Amortisationszeit, ein Ansatz mit viel Potenzial!
http://www.re-co.eu/node/116
Dankeschön!! Super mit den Erklärungen dabei!