Deutsches Vorbild für Energiewende in Australien?

Australien-Energiewende-Wärme-Schild

„Australien prüft den Wechsel zu grünen Energien“, vermeldete die ZEIT am Anfang Mai, und: „Australien will Energiewende“ titelte auch Franz Alt. Während es in Deutschland selbst an Kritik zur Energiewende nicht mangelt, hat sich der Fünfte Kontinents also das deutsche Modell zum Vorbild genommen. Eine Studie des Energiemarktbetreibers AEMO kommt zu dem Ergebnis, dass eine vollständige Umstellung auf solaren Strom in Australien durchaus möglich ist. Dies könnte zu einem boomenden Photovoltaikmarkt führen, ähnlich wie zuvor in Deutschland. Aber auch zu einer Verdoppelung des Strompreises.

Vorbild ja – aber nur beim Strom

Dabei sollte man nicht vergessen, dass durch die Verknappung der Ressourcen auch der fossil erzeugte Strom teurer wird. Außerdem gehört Australien mit 17 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf und Jahr zu den Spitzenreitern bei den weltweiten Treibhausgas-Emissionen (in Deutschland sind es 9 Tonnen). Deshalb prüfte die australische Regierung schon 2006 die Einführung von Atomenergie – und entschied sich zum Glück dagegen. Trotzdem wird in Australien für den Rest der Welt Uran abgebaut, zum Teil mit schweren Schäden für Umwelt und Menschen; die Leidtragenden sind vorwiegend die Aborigines.

Australien selbst bezieht seinen Strom zu gut 90 % aus Kohlekraftwerken. Dabei ist das Potential für Solarenergie auf dem sonnenreichen Kontinent riesengroß; ebenso der Bedarf nach dezentralen Technologien. Entsprechend der genannten Studie wäre ein vollständiger Umstieg auf erneuerbaren Strom möglich – nach deutschem Vorbild. Eine massive Förderung von Photovoltaik gibt es schon heute, und auch von den australischen Privatverbrauchern wird zunehmend grüne Energie nachgefragt.

Heizen mit der Sonne bei 50 Grad plus – wo bleibt die Wärme?

Beim Stichwort Australien denken wir meist an coole Freizeitaktivitäten unter sengender Sonne und nicht ans Heizen. Aber auch in meiner klischeehaften Vorstellung kehrt der Australier oder die Australierin abends vom Surfen zurück und wünscht sich eine warme Dusche, um sich das Meersalz vom sonnenverwöhnten Leib und aus den Haaren zu spülen 🙂 Ganz sicher besteht auch Bedarf für solares Kühlen. Das Potenzial für Solarthermie in Australien ist also riesig – wobei hier als Vorbild wohl eher China dienen könnte und nicht Deutschland, wo der Wärmesektor bei der Energiewende nach wie vor vernachlässigt wird. Einer der Gründe, warum das von der Bundesregierung gesteckte Klimaschutzziel – eine 40%ige Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 – gefährdet sein könnte, wie Oliver Geden in seinem Gastbeitrag zum Petersberger Klimadialog in der der ZEIT feststellt.

Nachholbedarf auf beiden Seiten

So schön die Vorstellung vom Export der Energiewende made in Germany nach Down Under ist – hier wie dort gilt es noch einiges aufzuholen, Australien ist in den Solarthermiemarkt noch nicht wirklich eingestiegen. Was ich bei meinen Recherchen nicht finden konnte, waren gute Zahlen zum australischen Energiemarkt – z.B. wie hoch der Anteil an Erneuerbaren am Gesamt-Energiemix ist. Weiß jemand mehr?

Foto: Pitschi / photocase.com

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