Heiztechnik im Jahr 2030

Wie heizen wir morgen?

Die Shell BDH Hauswärme-Studie

Was darf man erwarten, wenn ein Mineralölkonzern und der Verband der deutschen Heizungsbauer (BDH) eine Studie zum Thema Heizen in Auftrag gibt? – Eine Jubelarie auf die Ölheizung? Nein, so platt ist es zum Glück nicht. Die Shell BDH Hauswärmestudie (PDF) ermittelt, wie wir im Jahr 2030 heizen. Wie steht es mit der Energiewende, wenn es im bisherigen Tempo weitergeht? Diese Frage wird zuerst beantwortet. Zwei Stellschrauben sind dafür entscheidend: die Quote der Gebäudesanierungen und die der Heizungsmodernisierungen.

Weiter wie bisher? Besser nicht!

Wenn weiterhin wie bisher nur ein Prozent des Gebäudebestands jährlich saniert und 3 Prozent der Heizungsanlagen modernisiert werden, dann gehen die CO2-Emissionen laut Studie bis 2030 um 22 Prozent zurück. Damit aber werden wir das politisch festgeschriebene Ziel der CO2-Neutralität nicht erreichen.

Etwas mehr Ehrgeiz bei der Heiztechnik bitte

Im nächsten Schritt entwirft und berechnet die Studie zwei alternative Szenarien. Erstens: Was würde erreicht, wenn jährlich doppelt so viele Heizungen modernisiert würden wie bisher? Eine neue Heizung ist immer effektiver als die alte, weil die neuen Technologien effizienter sind und erneuerbare Energieträger wie Sonne, Holz und Umweltwärme eingebunden werden. Wie nicht anders zu erwarten war: Die Energiewende kommt erst dann in Schwung, wenn mehr von den Heizungs-Dinosauriern in Rente geschickt werden. Denn neue Heizsysteme nutzen die eingesetzte Energie nun mal deutlich besser.

Potenzial besteht zum Beispiel im Zubau von kleinen Blockheizkraftwerken und darin,  Wärmepumpen künftig mit Brennstoffen (vor allem Gas) statt mit Strom zu betreiben. Außerdem sieht die Studie ein enormes Potenzial für Solarthermie: 7 Millionen Anlagen könnten bis 2030 in Deutschland die Wärmeversorgung verbessern, gegenwärtig sind es nur 1,66 Millionen.

Zweites Szenario: Was würde erreicht, wenn jährlich doppelt so viele Gebäude energetisch saniert würden, also 2 Prozent des Gebäudebestands statt nur einem? Diese Variante würde sogar noch bessere Ergebnisse bringen, als die Beschleunigung der Heizungsmodernisierung. Allerdings weisen die Verfasser der Studie darauf hin, dass die Gebäudesanierung sich für die Eigentümer weniger schnell rechnet als der Austausch der Heizung.

Was sonst noch wichtig ist

Neben den Rechenergebnissen nennt die Hauswärme-Studie noch einige wichtige Trends. Einer, über den wir hier immer wieder informieren: Heizungen haben – schon in der Gegenwart und viel stärker noch in der Zukunft – mehrere Komponenten. Nur-Gas, Nur-Öl ist schon heute im Neubau per Gesetz nicht mehr möglich. Die Verfasser der Shell BDH Studie prognostizieren zwar, dass auch im Jahr 2030 noch zwei Drittel der Hauswärme aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden. Trotzdem wird Solar- und Umweltwärme in immer mehr Heizungen “eingekoppelt”, wie es die Studie formuliert.

Außerdem wird die Warmwasser-Erzeugung einen immer höheren Anteil an der Hausenergie haben. Der Grund ist einfach: In besser gedämmten Gebäuden ist der Bedarf an Heizenergie geringer als in ungedämmten. Der Bedarf an Warmwasser aber bleibt gleich, nimmt also im Verhältnis zu. Das ist meiner Ansicht nach ein bisher wenig berücksichtigtes starkes Argument für Solarthermie.

Bild: DerGrafischer / photocase.com

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