Tom Herb aus Friedrichshafen: „Die Unsicherheit der Kunden ist eine echte Hürde“

Tom Herb Heizungsbauer aus Friedrichshafen

Zum letzten Mal in diesem Jahr geht heute der Vorhang auf für unseren Handwerker des Monats: Ich präsentiere Euch hier Thomas, „Tom“ Herb, der seinen Handwerksbetrieb, die Herb GmbH in Friedrichshafen am nördlichen Ufer des Bodensees in Baden-Württemberg, bereits in dritter Generation führt. Lest hier, wie es für ihn ist, einen Traditionsbetrieb zu leiten und warum er die Solarthermie trotz ihrer einen Nebenwirkung mag.

Tom Herb, beschreiben Sie uns bitte Ihren Betrieb!

Tom Herb: Unser Betrieb wurde von meinem Großvater Erwin Herb am 1. November 1945 gegründet, damals noch in der Kornstraße, wo ein kleines Holzgebäude als Werkstatt diente. 1953 erwarb mein Großvater, der Flaschnermeister war, dann das Anwesen hier in der Teuringer Straße in Friedrichshafen, wo wir bis heute zu finden sind.

Das Betriebsgebäude der Herb GmbH in der Teuringer Straße. Foto: Tom Herb

Da muss ich Hamburger Deern jetzt aber mal einhaken – Ihr Großvater war Flaschnermeister?

Ja, so bezeichnen wir im Süden einen Klempner.

Verstehe. Wie ging es weiter?

Nun, eine größere Werkstatt war vorhanden, mein Großvater übernahm neben den Flaschner-Arbeiten auch Jobs wie Blitzschutz, kleine Bäder im Wohnungsbau und im Privathaushalt sowie Reparaturen jeglicher Art. Er verkleidete damals zum Beispiel die Schlosskirche in Friedrichshafen, das neue Schloss in Tettnang sowie eine Fertigungshalle der Zahnradfabrik mit Kupferblech. Schon damals waren wir übrigens ein Ausbildungsbetrieb.

1973 übernahm mein Vater, Josef Herb den Betrieb. Er brachte als Gas-Wasser-Installationsmeister einer neuen Generation auch neue Ideen mit – und  so kamen Gas-Etagenheizungen und Fachdächer in unseren Dienstleistungskatalog.  Wir statteten beispielsweise das Flughafengebäude, Schulen und andere öffentliche Bauten mit Sarnafil-Folie aus.

Und wann sind Sie ins Handwerk eingestiegen?

Ganz ehrlich? Ich wurde da hinein geboren! Im Ernst: Ich war schon als Kind mit dabei. Mein Vater nahm mich beispielsweise schon sehr früh mit auf Montage. Ich habe dann 2003 meine Meisterprüfung als Installateur- und Heizungsbauer in Konstanz abgelegt. Seit 2004 leite ich den Betrieb. 2007 / 2008 bildete ich mich zum Gebäudeenergieberater (HWK) fort.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Ich mag den Umgang mit Menschen und Technik. Der Job ist nicht jeden Tag das Gleiche – täglich erwartet mich und mein Team eine neue Herausforderung.

Apropos Team: Wie viele Mitarbeiter gehören zum Betrieb?

Wir sind zusammen heute zwölf Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende.

Wie kommt’s, dass das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen steht?

Mein Vater baute bereits 1987 im eigenen Betrieb eine Solaranlage, er ist damit ein Pionier der Solartechnik und übrigens auch einer der Gasbrennwerttechnik im Bodenseekreis. Themen wie Warmwasserbereitung, teilsolares Heizen und Holz-Pellets-Anlagen beschäftigten und beschäftigen uns. Unser Firmengebäude zum Beispiel versorgen wir heute mit einem Pelletskessel.

Was mögen Sie an Solarthermie?

Die Sonne kann so tolle Sachen  – und das mit nur einer Nebenwirkung …

???

… Sonnenbrand (lacht). Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert davon, welche Kraft die Sonne hat. Und man darf nicht vergessen: Sie versorgt uns kostenlos mit wohliger Wärme.

Tom Herb, Sie sind Paradigma-Partner. Was sind die Gründe für diese Partnerschaft?

Paradigma ist ein deutsches Familienunternehmen mit klarer Philosophie und tollen Mitarbeitern. Ich schätze insbesondere das Miteinander von Hersteller, Installateur und Endkunde, das Paradigma alltäglich praktiziert.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr aktuelles Solarthermie-Projekt!

Wir haben in den letzten Tagen zwei Aqua-Plasma-Systeme in Kombi mit dem Holzpellets-Brennwertkessel Peleo Optima, beides von Paradigma, verbaut.

Welches der von Ihnen bisher realisierten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Ein einziges Lieblingsprojekt gibt es nicht – die meisten unserer Kunden sind fast schon Freunde und so ist eigentlich jedes Projekt ein Lieblingsprojekt.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie!

Ganz klar: An erster  Stelle muss ich den Campingplatz in Fischbach / Friedrichshafen nennen. Hier duschen im Sommer die Gäste mit der Sonne. Und an zweiter Stelle nenne ich die Anlage meiner „Cousine über zwei Ecken“. Gleichwohl sie sich eigentlich kein teures Heizungssystem leisten konnte, hat sie in Aqua-Plasma-Kollektoren und Holz-Pellets investiert. Und bei jedem Familienfest bestätigt sie mir immer wieder, wie froh sie ist, meiner Empfehlung gefolgt zu sein.

Und wo drückt der Schuh im Alltag? Welche Hürden sind im alltäglichen Umgang mit Solarthermie gegebenenfalls besonders hoch beziehungsweise schwer zu nehmen?

Das ist für mich vor allem die Unsicherheit der Kunden. Aber auch die vielen gut-gemeinten, aber technisch häufig „falschen“ und dazu noch höchst „unterschiedlichen“ Meinungen von Kollegen, Stammtischbrüdern, Nachbarn, sind hier anzuführen. Denn die wirken nach der Beratung auf unsere Kunden ein. Hier gibt’s immer noch viel „contra Solarthermie“.

Und dann ist da noch das EwärmeG BW … das ist mehr Hindernis, als man glaubt. Der Beratungsaufwand und die Erklärung dazu sind so aufwendig (schüttelt den Kopf). Und der Kunde meint immer, wir wollen da was von ihm, dabei können wir gar nichts dafür …

Was wünschen Sie sich für Ihren Solarthermie-Job?

Eigentlich nur gutes Wetter zur Montage (lacht).

Tom Herb aus Friedrichshafen

Unser Handwerker des Monats Tom Herb. Foto: Tom Herb

Letzte Frage, Tom Herb: Was halten Sie vom neuen Kollektorertragslabel und wie hilft es Ihnen in der Praxis?

Ich finde es im Grunde sehr gut. Ich denke aber, dass es Endkunden nicht wirklich nutzen können. Vorher hat die Argumentation der Mehrleistung nicht gezogen, nicht mal erhöhte Förderung hat wirklich was bewegt. Ich glaube so langsam, dass es einfach eine Konjunktur für alles gibt – und in dieser Zeit muss man als kompetenter Handwerker parat stehen und den Markt nutzen.

Wissen Sie, die meisten meiner Kunden, zumindest habe ich manchmal das Gefühl, wissen gar nicht mehr, welchen Solarthermie-Kollektor sie bei mir eigentlich bestellt haben. Ich habe sie mit meiner Beratung begeistert und sie glauben mir – das ist der Grund, warum sie schließlich bei mir kaufen.

Vielen Dank, Tom Herb, dass Sie uns heute Rede und Antwort gestanden haben!

mal geteilt

Kommentar verfassen

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht.Pflichtfelder sind so gekennzeichnet *

Erlaubtes HTML <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>