Heizperiodenmodell als Chance für Solare Fernwärme und KWKs?

Wie ihr wisst, sind wir hier gerade an einem interessanten Thema dran. Der BSW fordert eine Sommerpause für fossil betriebene Kraft-Wärme-Kopplungskraftwerke, damit in der Sommerzeit mehr Anreiz besteht Solarwärme zu verwenden. Wir haben dazu nun auch schon mit der Interessensvertretung der BHKW’s gesprochen und für mich überraschend, stieß der Vorschlag dort auf wenig Gegenliebe, obwohl nach dem Vorschlag des BSW’s den KWK’s kein wirtschaftlicher Nachteil entstehen sollte. Ich vestehe aber, dass in der Volllasstundendenke hier gewisses Risikopotenzial geortert wird und die Angst vor Veränderung bestimmt groß ist. Ich persönlich glaube aber, dass die Vorschläge noch viel zu wenig konkret sind und keiner so recht weiß, was mit dem Vorschlag eigentlich gemeint ist. Deshalb wenden wir uns jetzt an die oberste Stelle und fragen genauer nach. Wir sprechen heute mit Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes für Solarwirtschaft.

Herr Körnig, wie kam es zu der Idee der Sommerpause für KWK’s. Warum ist das Ihrer Meinung nach wichtig?

Inhaltsverzeichnis

Es ist höchste Zeit für eine Energiewende im Wärmebereich, denn unsere Wärmeversorgung beruht noch immer überwiegend auf Erdgas, Erdöl und Kohle. Die Wärmewende kann aber nur gelingen, wenn wir auch in Wärmenetzen auf Erneuerbare Energien umsteigen und das große Potenzial der Solarenergie nicht nur im Eigenheimsegment nutzen. Solarwärme aus großen Anlagen kostet nur 3 bis 5 Cent pro Kilowattstunde.

Voraussetzung für das Heben dieser unschlagbar günstigen Klimaschutzpotenziale für die Fernwärme ist allerdings, dass neue KWK-Anlagen in den Sommermonaten nicht durch Subventionen gegenüber der Solarthermie künstlich bevorteilt werden. Wir fordern deshalb eine Sommerpause bei der Förderung neuer fossiler KWK-Kraftwerke.

Nachdem mir noch keiner so genau erklären konnte wie der Mechanismus genau funktionieren soll, würde ich Sie bitten, dass hier unseren Lesern zu erklären. Das kann ausnahmsweise auch deutlich ausführlicher als in der Presseaussendung sein.

Der Vorschlag besticht eigentlich durch seine Schlichtheit und lässt sich in wenigen Worten umreißen. Wir schlagen vor, den aktuellen Gesetzesentwurf dahingehend zu überarbeiten, dass die Förderung von Strom aus neuen KWK-Anlagen nach einem Übergangszeitraum ab dem Jahr 2018 auf die Heizperiode konzentriert wird. In der Summe soll der KWK dabei kein wirtschaftlicher Nachteil entstehen.

Im Interview mit Herrn Fuhl hat dieser Verwunderung darüber geäußert, dass man hier den KWK-Kraftwerken zusätzliche Steine in den ohnehin schon holprigen Weg legen will. Warum fühlt sich die Branche durch den Vorschlag so bedroht? Ich dachte es entstünden dadurch keine wirtschaftlichen Nachteile für die KWK’s?

Wir erkennen den Wert und die Notwendigkeit der KWK und wollen deshalb natürlich nicht, dass den Betreibern der Anlagen wirtschaftliche Nachteile entstehen. Daher fordern wir ja auch keine Kürzung der KWK-Förderung, sondern nur, dass sich die Förderung auf die Heizperiode konzentriert.

Das von uns vorgeschlagene Heizperiodenmodell soll zudem nur für neue KWK-Anlagen gelten, die nach 2018 in Betrieb gehen. Alle Akteure könnten ihre Investitionsplanung damit frühzeitig anpassen, Bestandsanlagen wären also nicht betroffen.

Aber auch für die betroffenen neuen KWK-Anlagen wären keine wirtschaftliche Nachteile verbunden. da ihre Förderung ja von der Bundesregierung über 30.000 Vollbenutzungsstunden gewährt wird. Durch das Streichen der Förderung in den Sommermonaten verringern sich die geförderten Betriebsstunden um rund 12 % im Jahr. Dieser Nachteil würde jedoch kostenneutral weitgehend dadurch kompensiert, dass sich die geförderten 30 Vollbenutzungsstunden dann nicht mehr auf rund 8, sondern künftig 9 Jahre erstrecken würden. Wollte man den damit verbundenen geringfügigen Nachteil in der Amortisationszeit auch noch vermeiden. müsste man darüber hinaus die geförderten KWK-Kilowattstunden um lediglich 4-5 Prozent anheben.

Inwiefern glauben Sie dass die sogenannte Sommerpause, die wenn ich es richtig verstanden habe ja gar keine ist, ein Benefit für beide Technologien sein könnte, da die KWK-Branche ja offensichtlich auch Probleme hat, ihre Anlagen in die Kommunen zu bringen.

Neue KWK-Anlagen sollten im Sommer nur noch zur Stabilisierung des Stromsystems in Betrieb genommen werden, wenn sich dies bei sehr hohen Preisen an den Strombörsen auch ohne Förderung für die Betreiber rechnet. Ein nicht bedarfsgerecht angereizter KWK-Dauerbetrieb in den Sommermonaten bremst hingegen die Energiewende, da er der inzwischen weitgehend wettbewerbsfähigen solaren Fernwärme erheblich den Marktzugang erschwert.

Wegen der großen Strommengen am Markt und der gesunkenen Verkaufserlöse sind KWK-Anlagen bereits jetzt in den Sommermonaten oft nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.

Herr Fuhl hat im Interview zwei wirklich spannende Fragen in den Ring geworfen, die ich gerne an Sie weitergeben möchte: 

1. Gibt es ausreichend Dach- und Freiflächen in verdichteten Ballungsgebieten, die selbst in Schwachlastzeiten genügend Solarwärme in ein Fernwärmenetz einspeisen können unter Berücksichtigung der dazu notwendigen technologischen Struktur ?

Auch in Ballungsgebieten finden sich Brachflächen, Deponieflächen oder andere kaum bebaubare Flächen, die für die Wärmegewinnung genutzt werden können. Solarthermie ist zudem eine äußerst effiziente Art der Wärmegewinnung, auch bezüglich des Flächenbedarfs. Deutlich wird dies im Vergleich mit anderen Erneuerbaren Energien: Gegenüber dem Anbau von Biomasse liefert die Solarthermie einen bis zu sechzigfach höheren Energieertrag pro genutzter Fläche.

2. Kann die Solarthermie unabhängig von der Heizperiode und unter Berücksichtigung der hohen Anforderungen an Temperaturniveaus Prozesswärme, Prozessdampf für Gewerbe und Industrie bereitstellen?

Große Solaranlagen eignen sich hervorragend für die Bereitstellung von Prozesswärme in Nieder- und Mitteltemperaturbereichen. Auch Prozessdampfnetze können aber mit Solarwärme gespeist werden. Der Fokus unseres aktuellen Vorschlags liegt aber auf der öffentlichen Fernwärmeversorgung.

Welche Möglichkeiten sehen Sie sonst das derzeitige „Gegeneinander“ von KWK vs. Solarer Fernwärme zu beenden? Bzw. gibt es das überhaupt? Herr Fuhl meint, das gäbe es nicht.

Stadtwerke, Kommunen und Unternehmen tun gut daran, sich noch deutlich intensiver mit der Nutzung Erneuerbarer Energien zur Sicherung einer kosteneffizienten und klimafreundlichen Wärmeversorgung auseinanderzusetzen. In Kombination mit der KWK können interessante neue Geschäftsmodelle entstehen. Die Errichtung neuer KWK-Anlagen wird sich jedoch alleine schon aufgrund weiterhin erodierender Börsenstrompreise wirtschaftlich immer schwerer darstellen lassen.

Am Schluss wie immer meine übliche Frage. Wenn Sie sich für die Wärmewende in Deutschland etwas wünschen könnten, was wäre das?

Eine rasche Umsetzung.

Vielen Dank für diesen ausgesprochen interessanten Inputs. Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion dazu entwickelt. 

Bild: BSW

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3 Kommentare zu “Heizperiodenmodell als Chance für Solare Fernwärme und KWKs?”

  1. SUSTAINMENT

    In diesem Interview lese ich erstmalich eine verständliche Erklärung der Idee. Wie soll es denn im Winter mit Lastspitzen und negativer Regelenergie funktionieren, wenn das BHKW durchlaufen muss?

    1. corneliadaniel

      Das ist dann wohl eine Frage der Dimensionierung der Kraftwerke. Ich hab aber grad noch urgiert, dass es wichtig wäre, wenn jemand zu diesem Thema zum Barcamp kommt. Wäre super!

  2. j.s

    Ich glaube nicht das sich die Solarthermietechnologie so einfach durchsetzt. Im Moment ist sie eher auf dem Rückzug. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. 1. Die Konkurrenz zur PV -Technologie. ST steht für teuer, kompliziert, ineffizient, zum Teil gefährlich(Stagnation), im Winter null nutzen. PV hingegen steht für einfach, billig, wartungsarm, flexibel nutzbar.
    2. Solange ein zweites kostenintensives Hintergrund-Heizsystem notwendig ist um „trübe Zeiten“ zu überbrücken findet ST in weiten Teilen der Bevölkerung keine Akzeptanz. Es ist aus meiner Sicht notwendig die Solarthermie-Technologie an sich zu überdenken. Es reicht schlicht weg nicht aus, mal überspitzt gesagt, einige Absorberbleche auf’s Dach zu legen und zu glauben damit die Wärmewende zu erreichen. Die Solarthermie muss, soll sie eine Chance auf dem Wärmemarkt der Zukunft haben, zu einem vollwertigen Heizsystem entwickelt werden. Dazu gehört unbedingt das beide Energieformen (ST und PV) in einen Kollektor genutzt werden können, um 1. den Wirkungsgrad zu erhöhen und 2. Platz zu sparen. Es müssen also billige aber gleichzeitig hoch effiziente Kollektoren her. Und ganz wichtig der Energieeintrag auf den Kollektor muss sich steuern lassen, um zukünftige große Hybrid-Kollektorflächen vor zu hohen thermischen Belastungen zu schützen, Stichwort: Verschattungssysteme. Gleichzeitig muss das Hintergrund- Heizsystem so beschaffen sein, dass die nicht nutzbare Energie des Kollektors unterhalb von 30°C verwertet werden kann z.B. als Quellwasser einer Wärmepumpe.

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