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Hydraulischer Abgleich bei Heizung plus Solar – das muss man wissen

Was ist ein hydraulischer Abgleich und was hat er mit Solarthermie zu tun? Wann braucht die Heizung plus Solar einen hydraulischen Abgleich und wer führt ihn aus? Welche Vorschriften gelten für einen hydraulischen Abgleich? Was steht Neues zum hydraulischen Abgleich in der überarbeiteten Richtlinie VDI 2073 Blatt 2? Fragen über Fragen, die hier beantwortet werden.

Eine Heizung plus Solar, also eine mit Solarthermie unterstützte Heizungsanlage, ist eine Konstruktion aus zwei kombinierten Heizkreisen:

  1. dem Heizkreis mit dem Heizkessel (Gas, Öl, Holz) als Wärmeerzeuger und
  2. dem solaren Heizkreis mit der Solarthermie-Anlage als Wärmeerzeuger.

Im Heizkreis kursiert Heizwasser, im Solarheizkreis eine spezielle Flüssigkeit gemixt aus Wasser und Frostschutzmittel oder wie bei unseren Paradigma-Hochleistungskollektoren Aqua Plasma pures Wasser. Damit die Flüssigkeiten stetig durch die Rohrleitungen der Anlagen strömen, sind Umwälzpumpen bezeihungsweise Solarpumpen am Werk.

Was ist Hydraulik?

Immer wenn Flüssigkeiten durch Rohre strömen, zum Beispiel, um Energie zu transportieren, geht es auch um Hydraulik. Die Hydraulik ist die Lehre vom Strömungsverhalten der Flüssigkeiten und Systemen, die dazu Druckunterschiede überwinden.

Was ist ein hydraulischer Abgleich?

Damit das mit solarer Unterstützung erwärmte Heizwasser in der Heizungsanlage alle Räume gleichmäßig erwärmt, muss es alle Heizkörper der Zentralheizung oder die Fußbodenheizung erreichen. Bei der gleichmäßigen Verteilung des Heizwasser hilft der hydraulische Abgleich. Der ist ein Verfahren, mit dem sich jeder Heizkörper oder Heizkreis einer Flächenheizung auf einen bestimmten Durchfluss des warmen Wassers einstellen lässt.

Ganz ausführlich erklären wir euch den hydraulischen Abgleich in einer Folge unseres Heizungs-ABC hier auf dem Blog.

Was hat der hydraulische Abgleich mit Solarthermie zu tun?

Jede Heizungsanlage, also auch eine solar unterstützte, lässt sich mit Hilfe eines hydraulischen Abgleichs optimieren. Doch nicht nur das verbindet den hydraulischen Abgleich mit Solarthermie. Auch die Solarthermie-Kollektoren selbst sind ja von der Solarflüssigkeit durchströmte Rohre. Für die gelten demnach dieselben physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Hydraulik wie für die Heizungsanlage zur Wärmeverteilung.

Damit die Solarthermie-Anlage ihr Bestes geben, also effizient arbeiten und dabei einen maximalen Ertrag einfahren kann, muss in ihr der richtige Betriebsdruck herrschen und ihre Entlüftung muss zuverlässig geregelt sein. Außerdem muss die Anlage hydraulisch abgeglichen sein.

Denn Solarthermie-Kollektoren, die hydraulisch ungünstig ausgelegt sind, werden nicht optimal von der Solarflüssigkeit durchströmt. Das merkt man als Anlagenbetreiber zunächst kaum – doch spätestens dann, wenn die ersten Ertragseinbußen sichtbar werden, sollte eine ungünstige Hydraulik als Ursache dafür in Betracht gezogen werden.

Wann sollte man einen hydraulischen Abgleich machen?

Hier gilt: Immer dann, wenn Veränderungen an der Heizungsanlage vorgenommen werden, zum Beispiel Komponenten ausgetauscht werden oder neue hinzu kommen, sollte ein hydraulischer Abgleich demacht werden.

Hydraulischer Abgleich – wer macht ihn?

Der Experte für den hydraulischen Abgleich ist euer Heizungsbauer. Erweitert ihr eure Heizungsanlage um eine Solarthermie-Anlage gehört der anschließende hydraulische Abgleich in der Regel zum Job, den euer Solarteur ausführt.

Wo findet man Vorschriften zum hydraulischen Abgleich?

Der Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) bündelt seit mehr als 160 Jahren „alle geistigen Kräfte der Technik zum gemeinsamen Wirken“. Er ist mit mehr als 155.000 Mitgliedern nach eigenen Angaben „der bedeutendste und mitgliederstärkste Verein Europas für Naturwissenschaftler und Ingenieure“. Mit seinem VDI-Richtlinienwerk setzt der VDI Qualitätsstandards für technische Aufgaben fest und ist somit eine Art Regelsetzer – auch für den hydraulischen Abgleich. Die VDI-Richtlinien könnten in vielen öffentlichen Auslegestellen kostenfrei eingesehen werden, sagt der VDI.

Die VDI-Richtlinie 2073 Blatt 2 „Hydraulik in Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung – Hydraulischer Abgleich“, eine der inzwischen mehr als 2.100 Regeln des technischen Regelwerks des VDI, wurde jetzt überarbeitet und berücksichtigt jetzt auch Weiterentwicklungen dazu, darunter Thermostatventile mit integrierter Vorregelung.

Wichtig: Der VDI veröffentlicht neue Richtlinien als Entwurf und lädt seine Mitglieder zur aktiven Mitgestaltung derselben ein. Die VDI-Richtlinie 2073 Blatt 2 erschien im Mai 2019. Mitglieder könnten laut der zugehörigen Pressemitteilung des VDI Stellung dazu nehmen: einerseits über das sogenannte elektronische Einspruchsportal und andererseits mit einer schriftlichen Mitteilung. Die Einspruchsfrist ende am 31. Oktober 2019.

Dem VDI zufolge gelte die Richtlinie VDI 2073 Blatt 2 (hier online) für

  • die Auslegung neuer
  • und die rechnerische Überprüfung bestehender Heiz- und Kühlwasserverteilsysteme

mit dem besonderen Zweck, nachprüfbar den hydraulischen Abgleich im Auslegungszustand unter Verwendung von Regulierwiderständen oder selbsttätig wirkenden Abgleicharmaturen herzustellen.

Mit einem hydraulischen Abgleich erreiche man demnach eine Minimierung des thermischen und elektrischen Aufwands. Eine maßgebende Rolle für die Regelfähigkeit spiele eine ausreichende „Ventilautorität” der Regelarmaturen. Hierzu gebe es in der Praxis technisch unterschiedliche Lösungen, die das VDI 2073 Blatt 2 detailliert behandele, wobei die überarbeitete Richtlinie keine temperaturbasierten Regelsysteme betrachte, heißt es seitens des VDI.

Herausgeber der Richtlinie VDI 2073 Blatt 2 „Hydraulik in Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung – Hydraulischer Abgleich“ ist die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (GBG).

Foto: aussie97/photocase