Sadenwater: "Kollektorlabel könnte zum Aufschwung beitragen"

Wir haben hier bei Ecoquent-Positions schon einige Male über das neue Kollektorlabel berichtet. Nun lassen wir einige weitere Personen zu Wort kommen. Heute kommt Herr Sadenwater von der Zertifizierungsgesellschaft DIN CERTCO, die auch hinter der Solar Keymark steht.

Herr Sadenwater, DIN CERTCO ist Brancheninsidern natürlich ein Begriff, aber unter unseren Lesern sind auch viele interessierte Laien, deshalb zu Beginn die banale Frage: Was macht DIN CERTCO eigentlich?

DIN CERTCO ist die Zertifizierungsgesellschaft der TÜV Rheinland Gruppe und des DIN Deutsches Institut für Normung e.V. und genießt aufgrund ihrer Unabhängigkeit, Neutralität, Kompetenz und langjährigen Erfahrung im In- und Ausland hohes Ansehen. Wir zertifizieren und registrieren ein breites Spektrum von Produkten, Dienstleistungen, Fachbetrieben und Personen. Eine Zertifizierung bietet Herstellern von solarthermischen Produkten die Möglichkeit, die Übereinstimmung mit in den Europäischen Normen festgelegten Anforderungen zu dokumentieren und dem Anwender die nötige Hilfestellung bei der Wahl eines Produktes zu geben.

Welche Rolle spielt ihr bei der Solar KEYMARK?

DIN CERTCO ist eine von CEN Certification Board bevollmächtigte Zertifizierungsstelle für die Vergabe des europäischen Zertifizierungszeichens Solar KEYMARK. Wir arbeiten mit weltweit anerkannten Prüflaboratorien zusammen und bewerten deren Prüf- und Inspektionsberichte auf Konformität mit den einschlägigen Normen. Bei der positiven Bewertung erteilen wir ein Zertifikat und vergeben das Nutzungsrecht für das Zertifizierungszeichen KEYMARK in Kombination mit dem DIN-Geprüft-Zeichen.

Wir beschäftigen uns hier schon seit langem mit dem Datenblatt zwei der Solar KEYMARK und ich persönlich finde, dass diese Information zum tatsächlichen Kollektorertrag längst überfällig war. Warum hat das so lange gedauert?

Auch die wohl vierte und letzte Version des Datenblattes und dessen Seite zwei wurde im Rahmen der Solar KEYMARK Network Meetings abgestimmt. Das Solar KEYMARK Network (SKN) tagt zweimal im Jahr. Daher bedarf es einige Zeit, dass sich das Datenblatt in der heutigen Fassung in Abstimmung mit allen interessierten Kreisen – vertreten im SKN – entwickelt hat.

Angeblich gibt es noch immer sehr viele Zertifikatinhaber (Kollektorhersteller), die kein Datenblatt zwei haben. Stimmt das? Wie viele sind das in etwa?

Die aktuelle Fassung Version 4.06 des Datenblattes mit der Seite zwei wurde Mitte 2014 verabschiedet. Seitdem werden alle neuen Zertifizierungen mit diesem Datenblatt versehen. Alle älteren Zertifizierungen haben noch Bestandsschutz und dürfen weiterhin die älteren Versionen (ohne Seite zwei) verwenden. Das mag mehr als die Hälfte aller gültigen Zertifizierungen sein. Der Zertifikatsinhaber kann aber jeder Zeit eine Datenblatt auf Grundlage der aktuellen Version von seinem zuständigen Prüflaboratorium ausstellen lassen.

Nun zum eigentlichen Thema. Die Solarthermiewelt spricht gerade sehr oft vom Kollektorlabel. Sie als Zertifizierungsstelle wissen wie schwer es ist sowas auf den Boden zu bringen. Warum halten Sie dieses Label für wichtig für den Markt?

Wir wurden von der Initiative Sonnenheizung angesprochen. Es wurde eine neutrale Vergabestelle gesucht, um die Richtigkeit der erstellten Kollektorertragslabel und damit die Glaubhaftigkeit sicher zu stellen. Das Kollektorertragslabel wird aus dem Datenblatt erstellt, welches bei uns abrufbar ist. Es ist für uns auch wichtig, dass das Kollektorlabel nur für Kollektoren ausgestellt wird, die über eine gültige Solar KEYMARK-Zertifizierung verfügen.

DIN CERTCO wird ab nächstes Jahr zur ausgebenden Stelle. Was bedeutet das für die Unternehmen?

Die Erstellung und Registrierung ist mit einem Aufwand verbunden, welchen wir den Antragstellern in Rechnung stellen müssen. Wir werden diese freiwillige Dienstleistung kostenpflichtig anbieten.

Die Branche ist derzeit noch gespalten über das Label und manche wünschen sich etwas mehr Bedenkzeit. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Das Kollektorlabel ist ein freiwilliges Zeichen. Jeder Hersteller kann in Ruhe die Entwicklung des Labels abwarten und selber entscheiden.

Am Schluss meine Lieblingsfrage. Wenn Sie sich etwas für die Solarthermiebranche wünschen könnten. Was wäre das?

Einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung in der Solarthermiebranche – wir sind überzeugt davon, dass das Kollektorlabel hierzu einen wichtigen Beitrag leisten kann, ähnlich wie damals die Solar KEYMARK.

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2 Kommentare zu “Sadenwater: "Kollektorlabel könnte zum Aufschwung beitragen"”

  1. Reinhard Angerer

    Zertifizierungen aller Art sind meiner Meinung nach durchaus kritisch zu hinterfragen, täuschen sie doch den Konsumenten einen gewissen eingehaltenen Qualitätsstandard vor, der mit der tatsächlichen Realität eventuell wenig zu tun hat (siehe AMA-Gütesiegel und der derzeit leider zu wenig präsente Skandal in den Schlachthöfen, wo schreckliches passiert und diese aber trotzdem das „Gütesiegel“ tragen).
    Im solaren Tagesgeschäft mit dem Endverbraucher ist immer wieder die Rede vom „Keymark“ — hat euer Kollektor das?
    Ja – unser Kollektor hat das Label, jedoch bezeichnet dieses Label nicht einen gewissen höheren Qualitätsstandard, als ein Kollektor ohne Label.
    Beim Kunden oft ein „Aha-Erlebnis“.
    Ich würde mir wünschen, dass ein Label auch gewisse qualitative Mindeststandards prüft und dieses dann ähnlich einem ERP-Label darstellt. Somit kann sich ein hochwertig hergestelltes und verarbeitets Produkt abheben – das ist derzeit bei Keymark wenig der Fall.
    Der „tatsächliche Kollektorertrag“ im Label ist meiner Meinung nach wenig relevant für den Endverbraucher, denn wenn die nachgeschaltete Hydraulik, Regelungstechnik und Dämmung nicht TOP ausgeführt ist, wird der beste Kollektor nur mittelmäßig bis schlechte Anlagenerträge liefern können — und das wäre eigentlich das Einzige was bewertet werden müsste, um damit dem Endverbraucher Entscheidungsgrundlagen zu liefern

  2. Uwe Trenkner

    Hallo Herr Angerer,

    es ist richtig, dass ein Kollektor ohne Solar Keymark genauso gut sein kann, wie einer mit. Aber das kann man eben nicht wissen. Nur mit dem Solar Keymark weiß ich, dass der Kollektor die Tests nach EN 12975 bestanden hat und dass der getestete Kollektor mit hoher Wahrscheinlichkeit dem tatsächlich im Markt angebotenen entspricht.

    Insofern ist es schon ein Qualitäts-Siegel: Ich weiß z.B. dass er die Stagnationsphase ohne Schaden übersteht, dass er auch einen thermischer Schock (kaltes Wasser gelangt nach der Stagnation in den Kollektor) aushält, dass genormte Ereignisse wie z.B. Hagelkörner bestimmter Größe, eine bestimmte Schnee- bzw. Windlast ihm nichts anhaben konnten und und und.

    Was das Solar Keymark nicht garantiert: Einen Mindestertrag. Aber das ist auch gut so, denn das, was der Kunde benötigt, hängt ja von seinem Anwendungsfall ab. Für die Schwimmbaderwärmung will ich vielleicht gar nicht einen hoch-performanten Kollektor, der mir auch unter widrigen Bedingungen noch optimale Leistung bringt. Das Solar Keymark Datenblatt enthält aber Norm-Erträge für verschiedene Temperaturniveaus und Einstrahlungsniveaus (Standorte: Athen, Davos, Würzburg, Stockholm). Das ermöglicht den transparenten Vergleich unterschiedlicher Kollektoren.

    Schöne Grüße
    Uwe Trenkner

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