Rechenbach: Erneuerbare Wärme ist der schlafende Riese

Oliver Rechenbach

Aufgaben und die Zielgruppe sind im Großen und Ganzen bei allen Energieagenturen gleich. Aber die Schwerpunkte liegen in jedem Bundesland ein wenig anders. Ich habe im Rahmen unserer Reihe “Energieagenturen im Gespräch” mit Oliver Rechenbach gesprochen, dem Geschäftsführer der noch jungen Energieagentur Rheinland-Pfalz.

 Rüben? Reben? – Energie!

“Das Land der Rüben und der Reben” wird Rheinland-Pfalz manchmal genannt, denn es ist stark landwirtschaftlich geprägt. Von außen betrachtet mag hier nicht viel Spektakuläres geschehen, bekannt sind wohl am ehesten touristische Ziele wie der Nürburgring und die Loreley.

Seit 2011 regieren die Grünen mit im Landtag. Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung ist die Grüne Eveline Lemke. Dementsprechend ambitioniert sind die Ziele in Sachen Klimaschutz und Energie.

Bis 2030 will sich das Land bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgen. “Auf diesem Weg sind wir absolut gut im Zeitplan”, sagt Oliver Rechenbach. Allerdings stehen große Herausforderungen bevor. Nach konkreten Beispielen gefragt, nennt Rechenbach den Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. “Das Unternehmen verbraucht so viel Strom wie ganz Dänemark zusammen. Der soll künftig im Land produziert werden, etwa in Eifel und Hunsrück.”

Rheinland-Pfalz setzt auf Windkraft

Schon jetzt stehen auf den Höhen der Mittelgebirge Hunderte Windräder. Deren Anteil an der Stromproduktion in RP soll bis 2030 auf 67 Prozent steigen, weitere 20 Prozent sollen durch Photovoltaik und der Rest von ca. 13 Prozent durch Geothermie und Wasserkraft erzeugt werden – und zwar dezentral, darauf legt Rechenbach Wert. Denn so soll die Stromproduktion zur Wertschöpfung auf dem Land beitragen und damit die Abwanderung in die Städte bremsen.

Der Anteil der Biomasse am Energiemix soll stabil bleiben. “Die Diskussion über Tank oder Teller möchte ich nicht wieder eröffnen. Es geht uns vielmehr darum, dass Abfälle wie Grünschnitt und Gülle besser genutzt werden.”

Während die Produktion erneuerbarer Energie schon fast ein Selbstläufer geworden ist, bestehe in den Bereichen Energie-Einsparung und Effizienzsteigerung noch Handlungsbedarf.

EE-Wärmesektor – der schlafende Riese

Welche Rolle spielt denn die Wärme aus erneuerbaren Energien Rheinland-Pfalz? Der Reaktion des Energieagentur-Chefs nach zu urteilen, habe ich mit dieser Frage einen wunden Punkt getroffen. “Einen schlafenden Riesen” nennt Rechenbach den Wärmesektor. Gegenüber dem Strom, der durch die Einspreisvergütung schnellen Profit bringe, rentiere sich die Solarthermie über einen längeren Zeitraum durch die Einsparungen. Diesen Punkt finde ich interessant, und obwohl er bekannt ist, habe ich ihn nie so deutlich erkannt: Geld “auf die Hand” scheint dem Mensch generell lieber zu sein, als Geld nicht ausgeben zu müssen, also zu sparen. Letzteres beschreibt den Vorteil der Solarthermie, eben geringere Ausgaben für die Warmwasserbereitung und Heizung. Privat steht Rechenbach mit der Solarthermie auf gutem Fuß: “Wir haben zu Hause eine Solarthermie-Anlage. Es ist wirklich ein schönes Gefühl, wenn von Ende März bis in den Oktober hinein für warmes Wasser so gut wie keine Kosten anfallen.”

Einen weiteren sehr zukunftsträchtigen Aspekt der Solarthermie spricht Rechenbach noch an: Pufferspeicher sollen künftig die Ertragsspitzen aufnehmen helfen. Nicht in sommerlichen Mittagsstunden, wenn PV und Solarthermie gleichzeitig brutzeln. Sondern in stürmischen Abend- und Nachtstunden, wenn durch Windkraft überschüssiger Strom erzeugt wird. Der könnte dann in den Pufferspeichern das Wasser für den nächsten Tag und für die Heizung erhitzen.

Neben der Energieagentur Rheinland-Pfalz gibt es in schon seit 1997 die Energie Offensive Rheinland-Pfalz e.V. (EOR), in der sich Energieberater, Architekten, Ingenieure sowie Gemeinden und Energieversorger zusammengeschlossen haben. Hier geht es eher um Interessenvertretung, während die Energieagentur sich marktunabhängig auf Beratung und Information konzentriert, um die Energiewende zu unterstützen.

Was steht aktuell auf der Agenda für Oliver Rechenbach und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

“Wir gehen jetzt verstärkt in die Regionen im Land. Nicht nur auf Messen und Konferenzen, sondern auch in zehn regionalen Energieagenturen, die gerade im Aufbau sind.”

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