Energieberater im Gespräch: Martin Sambale vom eza! energie- und umweltzentrum allgäu im Interview

Martin Sambale vom eza

In meinem Artikel über Energieagenturen habe ich ja schon angedeutet, dass gerade in Bayern die Vielfalt groß ist. Im flächenmäßig größten deutschen Bundesland hat jede Region ihre Besonderheiten. Das Allgäu beispielsweise liegt auf der Deutschlandkarte “unten in der Mitte” und ist bekannt durch König Ludwig und seine Schlösser, den Bodensee und bezaubernde Berglandschaften. Hier, im bayerischen Teil des Allgäus, wurde bereits 1998 eza! gegründet, das Energie- und Umweltzentrum Allgäu – eine gemeinnützige GmbH zur Förderung erneuerbarer Energien und effizienter Energienutzung. Es wird getragen von Kommunen, Wirtschaft und Initiativen des Allgäus. Geschäftsführer Martin Sambale hat uns freundlicherweise einige Fragen beantwortet:

Könnten Sie uns kurz einen Überblick über das „Energieland“ Allgäu geben? Gibt es vielleicht sogar Zahlen, wie weit das Allgäu bei der Energiewende ist und wie hoch der Anteil an Erneuerbaren derzeit ist?      

Wir arbeiten aktuell an einer Energie- und CO2-Bilanz für das Allgäu und werden diese noch im Frühjahr 2013 vorstellen. Aktuell haben wir nur die Zahlen aus dem Strombereich für das Jahr 2010. Danach werden 33% des im Allgäu (= die Landkreise Oberallgäu, Ostallgäu, Unterallgäu und Lindau sowie die kreisfreien Städte Kaufbeuren, Kempten, Memmingen) verbrauchten Stroms durch erneuerbare Energien aus der Region gedeckt.

Die Stromdebatte ist in vollem Gange. Über Wärme, welche meist den größeren Brocken der Energierechnung ausmacht, spricht jedoch niemand. Wie sehen Sie dieses Problem?

Wir versuchen regelmäßig darauf hinzuweisen, dass der Strom am gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland nur rund 20 – 25% ausmacht – das große Einspar- und Effizienzpotenzial liegt im Bereich der Wärme, und hier vor allem bei der Raumheizung. In unseren Beratungen verweisen wir regelmäßig auf diese Potenziale.

Welche Kunden kommen zu Ihnen und wie wird geholfen? Eher Haushaltskunden oder auch Industrie?                                  

Wir bieten für alle Zielgruppen passgenaue Dienstleistungen. So betreiben wir im Allgäu zusammen mit den Kommunen 50 Energieberatungsstellen, in denen sich Bürger, Hausbesitzer und Bauherren beraten lassen können. Für Kommunen bieten wir Beratung von den kommunalen Liegenschaften angefangen bis zur ganzheitlichen CO2-Bilanz und zur energiepolitischen Beratung und für Unternehmen bieten wir Energieeffizienzberatung und Hilfe zur Selbsthilfe in Netzwerken.

Welche Heizmöglichkeiten beraten Sie am häufigsten. Worauf sollten Sanierer und Neubauerrichter besonders achten?                              

Es geht bei uns um alle Themen und Varianten. Das Thema Solarthermie war in der Vergangenheit mal das am häufigsten gefragte Fachthema (nach den Fördermöglichkeiten), mittlerweile steht aber die Wärmedämmung stärker im Vordergrund. Generell gilt sowohl für Sanierer wie für Bauherren: stets den bestmöglichen Energiestandard anzustreben, und dann wenn Maßnahmen anstehen, diese so gut wie möglich zu machen. Dabei ist auch immer zu beachten, dass Maßnahmen an der Gebäudehülle die wesentlich längere Nutzungsdauer haben – hier muss also zuerst der Fokus auf die Qualität gelegt werden, da viele Maßnahmen hier kaum mehr korrigierbar sind.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Solarthermie in den nächsten Jahren ein?

Das ist schwer einzuschätzen, der Branche hat in den vergangenen Jahren die oft wechselhafte Förderpolitik geschadet – die zukünftige Entwicklung wird stark von den Energiepreisen abhängen. Dann ist das Potenzial vorhanden.                              

Was müsste für eine Entwicklung ähnlich dem PV-Bereich passieren?              

Für eine solche Entwicklung bräuchten wir stabile Rahmenbedingungen (Energiepreise, Anlagenpreise und Förderprogramme), mit denen die Nutzung Solarthermie ganz offensichtlich wirtschaftlich darstellbar ist, so dass es für jeden Hausbesitzer nachvollziehbar und logisch ist.

Vielen Dank, Herr Sambale, für diesen aufschlussreichen Einblick in das Energieland Allgäu.

Martin Sambale eza!

Martin Sambale, eza!-Geschäftsführer

Auf der Internetseite des eza! ist das umfangreiche Angebot dargestellt. Besonders gut gefällt mir, dass – neben den 50 kostenlosen Energieberatungsstellen – auch im eza!-Haus in Kempten selbst Beratung angeboten wird (hier allerdings gegen Gebühr). Das eza!-Haus ist ein mit zertifizierten Passivhauskomponenten sanierter und energetisch optimierter Altbau und bietet viel Anschauungsmaterial zum Thema energieoptimiertes Bauen und Sanieren – vom Dämmstoffmuster über Heizungstechnik bis hin zu verschiedenen Kollektortypen für Solarthermieanlagen.

Titelbild: (c) eza!

Foto Martin Sambale: (c) eza!/rupp

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  • Was ist eine Energieberatung?
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