Massenmedien bereiten medialen Boden für IPCC-Bericht

Ich weiß zwar nicht wieso, aber kürzlich regen sich in mir Ambitionen, dem Thema Klimawandel etwas mehr Beachtung zu geben. Ich habe mich bislang weitgehend aus der Diskussion raus gehalten, weil ich es nicht für möglich hielt, die ganzen Argumente und Gegenargumente im Detail zu verstehen und mir mein Hausverstand ohnehin sagt, dass es völliger Blödsinn ist, in Millionen Jahren entstandene Ressourcen in wenigen Jahren zu verbrennen (von wegen Gleichgewicht und so…) und bürgernahe Energie ohnehin viel sinnvoller ist, als Öl- und Gasscheichs das Geld in den schon überfüllten Allerwertesten zu stecken.Trotzdem oder gerade weil ich zum wissenschaftlichen Diskurs zum Thema Klimawandel nur selten was sage, halte ich es für wichtig, gerade jetzt die Stimme zu erheben, wo wir kurz vor der Veröffentlichung des neuen IPCC Berichtes stehen und ich sage euch, das ist kein einfaches Unterfangen. Jeder, wirklich jeder wird seine Meinung bestätigt finden. Man muss schon wirklich tief in die Materie um populistische Pseudowissenschaft von echter zu unterscheiden. Als Laie fast unmöglich.

IPCC im Google-Check

Überall liest man elaborierte Artikel von skeptischen Journalisten und Gegendarstellungen von Wissenschaftern, die wenig von leserfreundlichen Artikeln verstehen. Jetzt kurz vor der Veröffentlichung gehen die Artikel zum Thema durch die Decke und es ist unglaublich schwierig gelenkte Artikel von wirklich kritischen journalistischen Arbeiten zu unterscheiden. Zuletzt war diese Fülle an Artikeln vermutlich nach der Veröffentlichung des letzten vollständigen Berichts 2007 der Fall. Damals gab es die meisten Nennungen von IPCC auf Google. Im Bild sind die Suchanfragen des Begriffes „IPCC“ zu sehen.


Interessant wird es diesen Chart in ein paar Wochen noch einmal zu überprüfen. Die Septemberergebnisse sind noch nicht alle ersichtlich und natürlich wird die Lawine nächste Woche erst richtig losgehen, wenn es darum gehen wird, die Ergebnisse je nach Befindlichkeit zu deuten.

Organisierte Meinungsmache

Was gerade passiert, scheint wie eine gut abgestimmte Kampagne der recht gut organisierten Denier-Community (weniger Leute lassen sich einfacher organisieren ;-)). Im Guardian-Artikel „IPCC-report: sceptic groups launch global anti-science campaign“ heisst es:

Leading scientists will soon tell the world they’re 95% certain that humans are driving global warming. Sceptics are busy trying to sow any doubt.

Bestätigt wird diese Vorgehensweise durch zahlreiche Artikel in eigentlich namhaften Blättern wie der New York Times, Washington Post und dem Wall Street Journal, die laut Climate Progress eine „Don’t worry be happy“ Informationskampagne gestartet haben. Aber auch in Deutschland spürt man eine gewisse Vorbereitungsarbeit auf die Veröffentlichung, wenn auch nicht in einer vergleichbaren Härte. Wie gesagt ist nicht immer klar ob sich so mancher Journalist mit besonders kritischer Herangehensweise an das Thema profilieren möchte, oder hier gezielte Meinungsmache betrieben wird. Wie wir wissen, wäre das ja nicht das erste Mal, dass das passiert. Wer das tolle Werk „Die Klimakrieger“ und das geniale Strategiepapier der Atomlobby nicht kennt, sollte da unbedingt mal rein schauen und sich die einzelnen Maßnahmen auf der Zunge zergehen lassen. Ich erkenne da ein paar Parallelen. Vor allem das Transportieren von nur wenigen Aussagen, was uns normalen Menschen so schwer fällt, ist ein tolles Indiz.

Orchestrierung von zwei nur 2 Aussagen: Diskreditierung und Verharmlosung

Eben diese Wiederholung von wenigen Aussagen, ist mal wieder auffällig. Was man zwischen den Zeilen oder auch ganz offensichtlich immer wieder liest sind zwei Kernaussagen: Schlechtmachen des IPCC als Institution und Verharmlosung des Klimawandels als Ganzes.

Diskreditierung – Alles Blödsinn

Folgende Aussagen findet man in vielen semiobjektiven Artikeln. Ihnen gemein ist meist eine ausführliche Negativberichterstattung, um dann im letzten Absatz den Versuch einer objektiven Berichterstattung zu mimen indem sie Fakten direkt von der IPCC zitieren, die dann dem widersprechen was zuvor gesagt wurde. Folgende Aussagen findet man immer wieder:

„Das IPCC ist politisch kontrolliert.“ …“Das IPCC hatte schon mal unrecht“. …“Wer weiß ob das alles überhaupt stimmt.“ …Das alles ist viel zu komlex als das das ein paar hundert Wissenschaftler beurteilen könnten…“.

 

Verharmlosung – Alles nicht so schlimm

Weiters wird die schon oben genannte „Don’t worry – be happy“ Linie vertreten. Anscheinend gibt es einen großen Streitpunkt, ob die vorausgesagte Erwärmung schon eingetreten ist oder nicht (letzters bedeutet, die Wissenschafter haben sich getäuscht) und sie liegt anscheinend am unteren Ende der Prognosen, was die Skeptiker in einen Freudentanz zu versetzen scheint. Die Taz hat hierzu unter dem Titel „Auftritt der Skeptiker“ eine tolle Erklärung geschrieben, da das erwähnte Papier anscheinend nur ein Platzhalter war. Zitat des Autors:

„Es ist interessant, wie viele „Klimaskeptiker “ einer vorläufigen Entwurfsgrafik des verhassten IPCC mehr Glauben schenken als der begutachteten Fachliteratur“

95% Absturzwahrscheinlichkeit nicht genug – 100% müssen her!

Was schon vor der Veröffentlichung klar zu sein scheint ist, dass sich die Wissenschafter seit 2007 noch sicherer sind, dass der menschengemachte Klimawandel passiert und dringender Handlungsbedarf auf globaler Ebene besteht. Sie räumen aber wie es für Wissenschafter so üblich ist ein, dass es eine 100%ig nachweisbare Sicherheit vermutlich nie geben wird. Um solche Wahrscheinlichkeitsrechnungen in verständliche Relationen zu setzen habe ich nach einer Quelle gesucht, die die Wahrscheinlichkeit eines Flugzeugabsturzes berechnet.

Flugzeuge stürzen mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,00000007 Prozent ab

Tja, wer hätte das gedacht und vermutlich würde keiner mehr in in Flugzeug steigen, wenn die Wahrscheinlichkeit bei nur 1% Läge aber beim Thema Klimawandel muss jeder kleinste Zweifel ausgeräumt sein, bevor man den Wissenschaftern glaubt. Wie gesagt, ich finde es auch furchtbar schwierig durch diesen Zahlen- und Argumentewald zu blicken, aber es macht die Sache nicht einfacher, wenn Medien semiwissenschaftlichen, neoliberalen Konservativen und PR-Leuten aufsitzen und so kurz vor einer wichtigen Ankündigung keinen sauber recherchierten Journalismus abliefern oder noch schlimmer, so tun als ob.

Ich bin jedenfalls gespannt auf nächste Woche und ob wir etwas Neues hören werden, wir berichten natürlich! Auf Klimafakten.de kommt übrigens auch ein Spezial zum Thema. Da schauen wir auf jeden Fall auch hinein und vielleicht wird der ein oder andere Energieblogger noch andere verdächtige Artikel aufdecken!

Falls ihr übrigens offensichtlich falsche Artikel findet, bitte unbedingt den Link ins Kommentarfeld. Vielleicht bekommen wir eine gute Gesamtübersicht hin. Ich hab schon von Blättern gehört, die Artikel wieder offline nehmen musste, weil zu viele offensichtliche Fehler drin waren. Bei solchen Schmuckstücken nicht den Screenshot vergessen!

Bild: mys / photocase.com
Grafik: Google

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:

  • Klimawandel: Es ist fünf vor zwölf, sagt Rajenda Pachauri
  • OECD Klimawandel Landkarte
    Klimalandkarte neu zeichnen: 4 Maßnahmen für 2 Grad
  • Klimaskeptiker auf dem Prüfstand
    Was ist eigentlich der Treibhauseffekt?
mal geteilt
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9 Kommentare zu “Massenmedien bereiten medialen Boden für IPCC-Bericht”

  1. Andy

    Klimaschutz ist heute kein Thema mehr für die große Masse und spielt nicht mehr die große Rolle wie noch vor einigen Jahren. ich gehe davon aus, dass der Bericht in den Medien untergehen wird. Man kann ja die 100%-ige Antwort suchen, nur wenn man die hat, kann es zu spät sein für den Klimaschutz.

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Man erkennt die sinkende „Wichtigkeit“ auch auf Google. Es traut sich aufgrund des funktionierenden Verwirrspiels halt keiner mehr so wirklich aufstehen und sagen was Sache ist, weil man dann gleich den Doomsdayer-Stempel im Gesicht hat. Es wird ja auch beim Bericht anscheinend versucht die Ergebnisse nur nicht zu schlecht darzustellen, da man sonst zu viel Angriffsfläche bietet. Solang es hier aber keine klare Linie gibt, wird es sehr schwierig nötige Maßnahmen umzusetzen. Hop oder Trop. Ganz oder gar nicht.

  2. Udo Schuldt

    Gut recherchierter Artikel, der auch für mich als Klimaschutz-Blogger einige neue Infos enthält. Zum Thema Diskreditierung und Verharmlosung: Diese Erfahrung machen wir vom Klimaschutz-Netz auch immer wieder auf unserer Facebook-Seite. Die Leugner haben keine Ahnung aber reden immer dagegen an. Es geht ihnen nur um den Widerspruch und den Effekt, dass sie den Eindruck erzeugen wollen, dass Klimawissenschaftler dumm und korrupt sind. Für Laien ist oft nicht erkennbar, dass ihre Grafiken plumpe Fälschungen sind und die Webseiten die sie verlinken, Seiten rechter Ideologen sind.

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Danke! Das freut mich! Es ist auch als Klimaschutz-Laie wirklich unmöglich die richtigen von den falschen Informationen zu unterschieden. Oft wird geschickt mit Grafiken gearbeitet, die den Anschein erwecken, dass derjenige, der sie erstellt hat sich wirklich auskennt. Natürlich steht letztendlich immer Aussage gegen Aussage und es gibt keinen Richter der ein klares Urteil spricht. Das IPCC sollte eigentlich dieser Richter sein, aber durch die Diskreditierung wird der Organisation Glaubwürdigkeit geraubt. Ziemlich bedenklich und letztlich bleibt einem nichts anderen übrig als sich selbst schlau zu machen und nicht den Fehler machen zu früh aufzugeben. Die Erleuchtung finde ich übrigens sehr oft auf Wikipedia, da habens Propagandisten ganz schwer und die Diskussionen lesen sich sehr unterhaltsam!

    2. Udo Schuldt

      Schlag den IPCC ist in den Artikeln der letzten Tage wirklich in Mode. Sogar in der TAZ und der Zeit findet man Texte die sich auf diese Weise Publicity verschaffen. Den Standard fand ich dagegen recht sachlich. Der Effekt könnte sein, dass viele Menschen die Fakten nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Soweit ist es hoffentlich noch nicht. In D ist ja immerhin gerade die FDP aus dem Bundestag geflogen, die parlamentarische Partei mit den meisten Klimawissenschafts-Leugnern.

  3. Stefan Preiß

    Ich finde es auch wahnsinnig schwierig, der wissenschaftlichen Debatte zu folgen, der IPCC-Bericht ist ja dann auch mehr als 1.000 Seiten dick, soweit ich weiß. Es scheint sehr viel dafür zu sprechen, dass es den anthropogenen Klimawandel gibt, wobei immer eine Restwahrscheinlichkeit bleibt, dass die Modelle nicht stimmen und es vielleicht doch anders ist.

    Für mich ist ein Punkt entscheidend: Die Frage, ob die Energiewende kommen muss, ist in meinen Augen unabhängig vom Klimawandel zu beantworten: Ja, natürlich! Und zwar jetzt und so schnell wie es denn eben geht. Selbst wenn sich das Klima nicht ändert oder der Mensch für die Änderung nicht verantwortlich sein sollte (wofür wie gesagt nicht allzu viel spricht), die Energiewende muss trotzdem kommen. Vor fünf Jahrzehnten waren die Erneuerbaren noch nicht so weit, aber heute ist ein Wechsel von den Fossilen zu den Erneuerbaren technisch und auch ökonomisch machbar und sinnvoll. Warum sollen wir denn Öl verbrennen, wir brauchen es ohnehin für genug andere Sachen. Warum Kohle verbrennen? Warum in aller Welt auf Atomkraftwerke setzen, wenn es eine nachweislich nicht konrollierbare Technologie mit verheerendem Schadenpotenzial ist?

    Und ist es nicht auch sinnvoll, sich mit Anpassungsstratgien jetzt zu befassen, wenn auch „nur“ eine 90-prozentige Chance besteht, dass der Klimawandel sich so entwickelt, wie von den meisten Forschern erwartet? Schon eine gesunde Vorsorge scheint mir da völlig hinreichend zu sein, ohne dass man damit „Alarmist“ wird. In meinen Augen ist es völlig irrational auf 5 bis 10 Prozent zu setzen und nicht zu reagieren. Wie heißt es in dem alten Alan Parson Song: „The game never ends when your whole world depends on the turn of a friendly card“. Das scheint mir recht passend zu sein…

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