Mister Wärmewende-Info: "Dänemark ist uns Jahrzehnte voraus"

 Da wir mittlerweile dafür bekannt sind die Akteure der Wärmewende vor unsere „Feder“ zu bekommen, darf ich heute Ralf Radloff, auch bekannt als Mr. Wärmewende-Info vorstellen. Ich bekomme von ihm immer hochinteressante Beiträge per Mail und möchte nun erfahren was dahinter steckt.

Herr Radloff, erzählen Sie uns bitte kurz etwas über sich und wie Ihre Leidenschaft für die Wärmewende entfacht wurde?

Als gelernter Politologe, der mit Energie nichts am Hut hatte, bin ich über Tschernobyl als energiewirtschaftlicher Autodidakt vergleichsweise schnell zum Experten aufgestiegen. Zunächst für Konzessionsverträge und dann immer breiter aufgestellt. Die erfolgreiche Initiierung der Kommunalisierung der Stromversorgung Eutins war seinerzeit sicher mein Highlight. Als Politologe standen für mich strategische Ansätze besonders im Focus, die Schaffung von Rahmenbedingungen für energieeffizientes Handeln (das war vor der Liberalisierung der Energiewirtschaft die Kommunalisierung).

Nach einer Phase der Selbständigkeit war ich bis zu meinem Eintritt in den Ruhestand vor einem Jahr dann knapp 2 Jahrzehnte in den jeweils zuständigen Ministerien der schleswig-holsteinischen Landesregierung Referent für kommunale Energiepolitik – zuletzt mit dem Schwerpunkt Wärmewende.

„Leidenschaft“ für die Wärmewende:

  • Ich habe mich immer für von Anderen vernachlässigte Aspekte eines Themas interessiert, vor 35 Jahren reizte mich persönlich nicht ein Engagement in der Anti-Atombewegung sondern eher eines im konstruktiven Bereich – wie machen wir es anders, und v.a. wie machen wir es demokratischer (deshalb halte ich übrigens auch von „desertec“ etc. wenig, genau wie Herrmann Scheer). Dezentrale bzw. kommunale Ansätze sind für die Wärmewende aus meiner Sicht existentiell.
  • Und heute: die Energiewende-Debatte wird politisch sowie medial von der Stromwende dominiert – obwohl der Endenergiebedarf zu 50 % von Wärme bestimmt wird und nur zu rund 20 % von Strom. Dagegen gilt es die Wärmewende „mit Leidenschaft“ in Stellung zu bringen.

Was sind die Wärmewendeinfos?

Sie sind komprimierte Informationen für kommunale Akteure und „Kümmerer“. Sie bieten vielfältiges Argumentationsmaterial und präsentieren Beispiele erfolgreicher Wärmewendeaktivitäten:

  • Eine Wärmeversorgung ohne fossile Energien muss berücksichtigen, dass erneuerbare nur unstet zur Verfügung stehen, eine gesicherte „Rest“-Wärmeversorgung zukünftig meist multivalente Wärmeversorgungssysteme
  • Dies dem Einzelnen zu überlassen, verteuert die Wärmewende für jeden.
  • Eine gemeinschaftlich organisierte Wärmeversorgung über Wärmenetze ermöglicht eine erneuerbare „Rest“-Wärmeversorgung – unabhängig vom Investitionsvermögen der einzelnen Haushalte.
  • Ein Engagement der Kommunen für die Wärmewende ist deshalb ein Engagement für ihre Bürger, die kosteneffizienteste Form der Wärmewende auf den Weg zu bringen.
  • Deshalb ist die Zielgruppe der Wärmewende-Infos die kommunale Ebene – und engagierte Bürger. Aber: das Werben für Wärmenetze ist ein Werben für natürliche Monopole. Weil wir aber immer noch einen miserablen Verbrauchschutz für Fernwärmekunden haben, sind genossenschaftliche Lösungen absehbar der beste Verbraucherschutz.

Da steckt viel Arbeit dahinter. Warum machen Sie das?

Dafür gibt es sehr viele Gründe. Die wesentlichen sind wohl diese:

  • Um auf dem Gebiet, von dem ich was verstehe, etwas für den Klimaschutz zu tun;
  • Um (als Alt-Achtundsechziger) meinen Kindern und Enkeln sagen zu können, ich habe getan was ich konnte.
  • Weil es eine tiefe Befriedigung verschafft, wenn mal wieder ein neuer Kümmerer gefunden worden ist.
  • Weil ich unbedingt noch das erste große Solarthermie-Werk in Schleswig-Holstein erleben möchte.
  • Und vielleicht auch, weil ich nicht loslassen kann.

Im Übrigen sind eine Reihe von Infos in Kooperation mit Dritten entstanden und es gibt ein kleines Netzwerk, das mich bei der Recherche, bei technischen Fragestellungen, bei Übersetzungen etc. unterstützt. Dafür habe ich immer wieder zu danken.

Sie sind online gar nicht so leicht zu finden. Warum gibt es keine eigene Seite wo die Beiträge veröffentlicht werden?

Ganz einfach, ich hab`s nicht so mit Technik. Ich verschenke meine Arbeitskraft und dabei haben für mich die Inhalte der Infos Priorität. Aber vielleicht schaff ich das ja irgendwann, mit Unterstützung Dritter, doch mal so eine Seite einzurichten.

Wie kann man die Wärmewendeinfos abonnieren?

Eine email an radloff-eutin@nullt-online.de und schon wird man in den Verteiler aufgenommen – kostenlos.

Wer sollte Ihre Wärmewendeinfos lesen?

Offene und interessierte Kommunalpolitiker, Kommunalverwaltungen und kommunale Unternehmen, ebensolche engagierte Bürger und v.a. solche, die als „Kümmerer“ wirken wollen und vor Ort die Wärmewende vorantreiben.

Was wünschen Sie sich für die Wärmewende, warum geht da nichts weiter?

Politik ist zwar kein „wünsch Dir was“. Aber wirklich problematisch ist das zutiefst neoliberal geprägte Politikverständnis der Parteien, nicht nur von CDU und SPD.

Ich bin der Überzeugung, dass das 2°-Ziel nur erreicht werden kann,

  • wenn die Wärmewende den ihr gebührenden politischen und medialen Stellenwert erreicht,
  • wenn über eine verbindliche kommunalen Wärmeplanung die Verknüpfung von Energieeinsparung und hocheffizienter bzw. erneuerbarer „Restwärmeversorgung strukturell initiiert wird,
  • wenn über eine vergleichsweise hohe Besteuerung fossiler Energien erreicht wird, dass Erneuerbare marktgesteuert eingesetzt werden.

Da ist uns Dänemark um rund 2 Jahrzehnte voraus.

Solange unsere Legislative die Wärmewende strukturell (!) verschläft, werden unsere „Kümmerer“ alle Nischen ausschöpfen und Vorreiter der Wärmewende sein, Beispiele setzen, wie die Ziele auch ökonomisch vertretbar erreichbar sind. Dabei möchte ich sie mit den Wärmewende-Infos unterstützen.

Vielen Dank Herr Radloff für dieses Interview. Vielleicht befindet sich unter unseren Lesern und Leserinnen ja der ein oder andere Kümmerer, dem die Wärmwende am Herzen liegt und der sie technisch unterstützt. Ich fände es sehr wichtig, dass Ihre Inhalte auch online gut aufbereitet und in frischen Design zu finden sind. Also Web-Leute, wer hilft Herrn Radloff?

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