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30 Jahre Paradigma – Interview mit Moritz Ritter zu Solarthermie und Schokolade

Wir feiern im September 30 Jahre Paradigma! Die Feierlichkeiten begleiten wir auch hier auf dem Blog mit vielen Beiträgen. Den Auftakt bildet unser spannendes Interview  mit Moritz Ritter. Lest hier, welche Bilanz der amtierende Geschäftsführer der Ritter Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG nach 30 Jahren Solarthermie zieht, was ihn mit Solarthermie verbindet und warum 30 Jahre Solarthermie von Paradigma mit Schokolade gefeiert werden!

Moritz, mit deinem Namen Ritter verbinden Verbraucher in Deutschland und der Welt die Schokoladenmarke Ritter Sport: Eure Schokolade im Quadrat gibt’s immerhin seit über 100 Jahren (1912 gründete Moritz Urgroßvater das Unternehmen).

Seit drei Jahrzehnten kommt eine weitere Marke aus dem Hause Ritter: Paradigma (1988 gründete Moritz‘ Vater das gleichnamige Unternehmen). Sie steht für hochleistungsfähige Solarthermie-Kollektoren mit Aqua-Plasma-Technologie, die technische Weltspitze sind.

Berichtest du uns bitte kurz, wie es dazu kam, dass Deine Familie sich im Bereich Erneuerbare Energien engagiert?

Moritz Ritter: 1986 kam es in Tschernobyl zu einem Reaktorunfall, bei dem sehr viel Radioaktivität ausgetreten ist. Ein Teil der Radioaktivität ist in der Türkei niedergeschlagen und hat die dortige Haselnussernte verstrahlt. Somit konnte Ritter Sport kaum noch unbelastete Haselnüsse kaufen, da etwa 80 Prozent der Welternte aus der Türkei kommen.

Alfred T. und Moritz Ritter Paradigma Solarthermie
Vater und Sohn: Alfred T. und Moritz Ritter – im Dienste der Solarthermie. Foto: Killig

Die Energiewirtschaft hatte also einen direkten Einfluss auf unsere Schokoladenfirma.

Das war für meinen sowieso schon ökologisch aktiven Vater der entscheidende Anstoß, als Unternehmer aktiv zu werden und in der Energieerzeugung andere Wege zu gehen. Er entschied sich jedoch nicht für den Bereich Strom, sondern für den Bereich Wärme. Etwa die Hälfte der in Deutschland benötigten Primärenergie wird für Wärme und nur ein Viertel für Strom verwendet. In der Wärme liegt also der viel größere Hebel. Das ist vielen Verbrauchern gar nicht klar.

Die drei Gründer von Paradigma: Alfred T. Ritter (mitte), Klaus Taafel (links), Albrecht Steinbrenner (rechts) mit ihrem Baby, dem Solarthermie-Kollektor. Foto:
Die drei Gründer von Paradigma: Alfred T. Ritter (Mitte), Klaus Taafel (links), Albrecht Steinbrenner (rechts) mit ihrem Baby, dem Solarthermie-Kollektor. Foto: Ritter Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG

Warum der Name Paradigma? Womit habt Ihr ihn verbunden, wofür steht er?

Moritz Ritter: Ein Paradigma ist eine grundsätzliche Denkweise oder mit anderen Worten: eine Weltanschauung. In unserem Fall ist es die einer ökologisch konsequenten Heizung. Bei der Gründung hatte mein Vater Mitstreiter, einer davon war Klaus Taafel. Er hatte vorher schon ein eigenes Ingenieurbüro, das den Namen Paradigma trug, und er war im neuen Unternehmen lange Jahre als Geschäftsführer für die Technik verantwortlich.  Dass nach Tschernobyl ein Paradigmenwechsel anstand, war allen klar – da passten also viele Faktoren zusammen.

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Die drei Paradigma-Gründer 25 Jahre nach der Gründung mit ihrem Solarthermie-Kollektor, der sich herausgemacht hat: Alfred T. Ritter (mitte), Klaus Taafel (links), Albrecht Steinbrenner (rechts). Foto: Ritter Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG

Moritz, warum bist Du nicht auf Ritters Schokoladenseite sondern auf der Sonnenseite des Unternehmens gelandet und wie bist du zu den Erneuerbaren gekommen?

Moritz Ritter: Energie ist vielleicht erst auf den zweiten Blick so spannend wie Schokolade, weil wir uns selten Gedanken darüber machen, woher sie eigentlich kommt und wie viel wir davon verbrauchen. Gleichzeitig werden für Energieressourcen Kriege geführt.

Hier eine dezentrale und somit friedliche Lösung zu finden, motiviert mich sehr.

Und es liegt mir am Herzen, unseren Planeten in einem besseren Zustand zu hinterlassen, als wir ihn bekommen haben. Ich möchte dafür sorgen, dass auch die kommenden Generationen hier gut leben können.

Was verbindet Dich mit Solarthermie und was bedeutet sie Dir?

Moritz Ritter: Solarthermie ist eine einfache und gleichzeitig mit Abstand die effizienteste Möglichkeit, Sonnenenergie zu nutzen. Mich als technikbegeisterten Menschen fasziniert alleine das schon. Perfektioniert haben wir das mit unseren Hochleistungskollektoren und dem AQUA-System, das ebenfalls durch seine Einfachheit besticht. In dieser Kombination lässt sich die Solarthermie in jede bestehende Heizungsanlage integrieren. Besser geht es nicht.

Welches Potenzial siehst Du in Solarthermie?

Moritz Ritter: Solarthermie kann ohne Probleme 20 Prozent des deutschen Energieverbrauchs decken. Sie ist also ein zentraler Baustein für die Energiewende.

In vielen Bereichen, wie der Fernwärme, stehen wir noch ganz am Anfang der Umsetzung. Technische Grenzen gibt es also nicht so schnell. Es geht um die Einstellung und den Willen, etwas zu verändern. Also wieder um einen Paradigmenwechsel.

Kannst du kurz umreißen, wie Paradigma in den vergangenen 30 Jahren zur Wärmewende beitrug?

Moritz Ritter: In 30 Jahren kommt schon etwas zusammen: etwa 60.000 Solarthermie-Anlagen.

Die installierten Kollektoren, die wir hergestellt haben, werden in ihrer Lebenszeit etwa 600.000.000 Liter Heizöl einsparen. Das entspricht dem Kraftstoff, den man benötigen würde, um mit einem Auto 500.000 Mal um unsere Erde zu fahren. Aber worum es uns eigentlich geht, das sind die 180.000 Tonnen CO2-Ersparnis.

Wie feiert Paradigma den 30. Geburtstag – mit ganz viel Schokolade?

Moritz Ritter: Ja, genau. Anlässlich des Firmenjubiläums schauen wir gerne auf unsere Ursprünge zurück und versüßen allen Solar-Interessierten und Nachrüstern den Einstieg in die ökologische Heiztechnik.

Im September läuft unserer Aktion „30 Jahre Paradigma”.

Hier bekommt unser Endkunde als Dankeschön die installierte Kollektorfläche in m² mal 30 in bunt-gemischten Tafeln von RITTER SPORT. 

Was sind die nächsten konkreten Ziele, die Du Dir als Geschäftsführer der Ritter Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG für Eure regenerativen Heizungssysteme, darunter die Solarthermie, steckst?

Moritz Ritter: Mir liegen unsere Paradigma-Partner sehr am Herzen. Ich möchte sie stärken und weiter für unsere Ideen begeistern.

Denn nur eine von einem guten Handwerker installierte Anlage ist eine gute Anlage.

Moritz Ritter: Und an einer guten ökologischen Heizung hat der Endkunde viel Freude.

Neben unseren klassischen Produkten kommt der Digitalisierung ein besonderer Stellenwert zu. Ich denke, dass wir hier mit unserer Service App für den Handwerker auf einem guten Weg sind. Nun gilt es, darauf aufzubauen und uns stärker digital mit unseren Partnern zu vernetzen, um sie bei ihrer Arbeit optimal zu unterstützen.

Der nächste Schritt ist ein Heizungsregler, der sich per App vom Endkunden bedienen lässt und sich in ein Smart Home integriert. Für eine Heizung ist es wichtig, möglichst viel über das Haus zu wissen. Wenn beispielsweise über die Smart Home-Schnittstelle der Wärmebedarf der Räume übermittelt wird, kann sich die Heizung darauf optimieren und so zusätzlich Energie und somit CO2 sparen.

Im Bereich der solaren Großanlagen sind wir in Deutschland gut positioniert und freuen uns, dass sich dieser Markt weiterentwickelt. Hier wollen wir die bestehenden Produkte weiter für den Markt optimieren.

Wir bewegen uns aktuell positiv zum Markt. Diesen Trend möchte ich natürlich halten.

Moritz, Dein Urgroßvater brachte der Welt Ritter-Schokolade, Dein Vater wasserführende Solarthermie-Kollektoren von Paradigma. Was ist deine Vision, was möchtest Du der Welt geben?

Moritz Ritter: Dass ökologische Heizungen von Paradigma ein selbstverständlicher Standard sind.

 Vielen Dank, Moritz Ritter, dass Du Dir Zeit für unser Gespräch genommen hast!

Foto: Moritz Ritter, Ritter Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG, Killig

2 Kommentare

  1. Interessant dass Paradigma sich ausgerechnet einen Schokoladenproduzenten herausgesucht hat, welcher immer noch Palmöl aus nicht ökologischem Anbau verarbeitet und damit ein weiters Abholzen der Regenwälder in Indonesien unterstützt? Passt das zum Anspruch von Paradigma ökologisch und nachhaltige Heizsysteme zu produzieren?

    1. Hallo Carsten Treiber! Wie Moritz Ritter im Interview beschreibt, ist es sein Vater gewesen, der Paradigma gegründet hat. Also zuerst war das Schoko-Ritter, dann Paradigma. Zum Thema Palmöl bei Ritter-Schokolade finden Sie im Netz auf dem Ritter-Sport-Blog die Erklärung:
      “Warum und wofür verwendet RITTER SPORT Palmöl? Im überwiegenden Teil unserer Schokolade ist kein Palmöl enthalten, wir verwenden es für einige gefüllte Sorten wie zum Beispiel Joghurt oder Espresso. Palmfett besitzt funktionale und sensorische Eigenschaften, die andere Pflanzenfette so nicht haben. Für Herstellung von Schokoladenfüllungen gibt es daher bislang für uns keine Alternativen. So erhält die Füllung der Joghurt durch den Einsatz von Palmfett zum Beispiel ihre typische Konsistenz – nämlich nicht zu weich und nicht zu fest. Bislang ist es uns nicht möglich, entsprechend qualitative Schokoladenfüllungen mit einem anderen pflanzlichen Fett herzustellen. Wir setzen Palmfett nur ein, wenn es absolut notwendig ist. Wie ihr ja wisst, entwickeln wir unsere Rezepturen stetig weiter, das gilt auch für Alternativen zu Palmfett. Was tut RITTER SPORT für mehr Nachhaltigkeit? Wir sind Mitglied des Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO) und beziehen ausschließlich RSPO zertifiziertes Palmöl. Unsere Lieferanten sind RSPO zertifiziert, sie haben sich also zu nachhaltigem Anbau und Artenschutz verpflichtet.” (Quelle: https://www.ritter-sport.de/blog/2017/04/04/wissenswertes-zum-thema-palmoel/) Viele Grüße, Doreen Brumme, Chefredaktion Paradigma-Blog

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