Must-See Video für Solarfans: 100% Heizen mit der Sonne durch Bauteilaktivierung

Heizen mit der Sonne - Betonaktivierung

Heute gibt’s mal einen Video-Tipp von uns: Der gut acht Minuten lange Film zeigt eine Exkursion zu Gebäuden in Salzburg, die zu 100 Prozent mit Solarenergie beheizt werden. Unter anderem eine Kletterhalle, ein Einfamilienhaus und ein Simulationsraum, der Forschungszwecken dient.

Auch wenn das Video, das wir hier wärmstens empfehlen, schon gut ein Jahr alt ist, so ist es doch nicht minder aktuell. Doch seht selbst, wie es bereits erfolgreich gelingt, die Massen von Bauteilen wie Boden, Decke und Wände eines Gebäudes solar zu aktivieren, sie quasi mit zusätzlicher Intelligenz auszustatten, um ausschließlich mit Solarwärme zu heizen. Der kurze Film zeigt die Perspektive auf: Der Weg aus der Kostenfalle Energie führt über Solarthermie.

Unterwegs zu den solar aktivierten Gebäuden waren im März 2013 fast drei Dutzend Fachleute aus Branchen wie Solar-/Energie und Bau, die der Einladung von Austria Solar, dem österreichischen Solarthermieverband, und der Bauinnung Salzburg folgten. Der bunte Mix an fachkundigen Exkursionsteilnehmern war durchaus gewollt, denn die verschiedenen Branchen sollten über das Thema „Aktivierte Bauteile“ zusammengeführt werden.

Erste Station: Felsenfest Kletterhalle Saalfelden

Eine ausführliche Beschreibung des Projekts der FIN “Future is Now” Kuster Energielösungen GmbH findet man hier. Deshalb an dieser Stelle nur die wichtigsten Eckdaten daraus:

Beim Bau der Kletterhalle (recycelbarer Holzleichtbau) „wurde bewusst auf den Anschluss an das Gas-Versorgungsnetz beziehungsweise auf einen herkömmlichen Wärmeerzeuger verzichtet. Die Kletterhalle mit einer Bruttogeschossfläche (BGF) von 353 Quadratmetern (m²) und einem Bruttovolumen von 6.419 Kubikmetern (m³) wird ausschließlich mit der Sonne beheizt. Die ökologische Visitenkarte des Hauses ist ein 130 m² großer Solarkollektor, der durch den steilen Neigungsgrad (70 Grad) nicht nur einen besonders hohen Wirkungsgrad in der Heizperiode garantiert, sondern gleichzeitig über acht Monate die Warmwasserversorgung von 20 Duschanlagen für mehrere Sportvereine gewährleistet.“

„Die gewonnene Solarenergie wird über einen Standard-Industrie-Pufferspeicher mit einer hochwertigen Wärmedämmung und in den Wärmespeicher Beton im Ausmaß von rund 184 m³ (dies entspricht einer Gesamtmasse von 440.000 Kilogramm) eingebracht. Über diese Speichermasse können auch ca. 12 Prozent der sommerlichen Energieüberschüsse in die Heizperiode transferiert werden.“

2. Station: Wohnhaus Zell am See

Auch das Einfamilienhaus in Zell am See ist ein Projekt der FIN “Future is Now” Kuster Energielösungen GmbH. Das detaillierte Datenblatt zum Weiterlesen gibt’s hier.

3. Station: Simulationsraum für Bauteilaktivierung der Bauakademie Salzburg

Der Simulationsraum in der Bauakademie ist ein Forschungsprojekt und Gemeinschaftsprojekt der EU, des Landes Salzburg, der Bundesinnung Bau, der Innovations- und Forschungsstelle Bau sowie der 2011 gegründeten ARGE “Nachhaltige Bauteilaktivierung”. Die ARGE-Mitglieder sind die Baufirmen Kreuzberger, Hillebrand, Spiluttini und Heissenberger, sowie die SSK Salzburger Sand- und Kieswerke, Moldan Baustoffe, Moosleitner Beton Salzburg, LEUBE sowie die VÖZ (Vereinigung der österreichischen Zementindustrie). Das Projekt wird wissenschaftlich von der TU Wien begleitet.

Die technischen Daten des Simulationsraumes zur Bauteilaktivierung von Beton werden so beschrieben: „Es handelt sich um einen Betonkubus mit zwei Fenstern und einer Tür, der über eine Wärmedämmung nach dem neuesten Stand der Technik verfügt. Sämtliche raumbildenden Flächen bestehen aus Beton: Boden, Decke sowie Wände sind bauteilaktiviert, wobei man jede einzelne Fläche individuell steuern kann, um unterschiedliche Varianten und Extremsituationen zu simulieren. Bis zu 150 Temperaturfühler zeichnen die Daten im Simulationsraum rund um die Uhr auf. Gemessen werden Luft- und Oberflächentemperaturen, Luftfeuchte, der notwendige Heiz- und Kühlbedarf zur Temperaturhaltung auf gleichem Niveau sowie die zeitlichen Abläufe der Temperaturveränderungen.“

Bauteilaktivierung – mehr als ein alter Hut

Grundsätzlich sei die Bauteilaktivierung ein ganz alter Hut. Bestes Beispiel für das Prinzip der Speichermasse: der gute alte Kachelofen. Auch er gebe nach dem Aufheizen seiner massiven Bauteile die somit darin gespeicherte Wärme nach und nach ab. Ein weiteres Beispiel: „Im Gastgarten, der gepflastert, betoniert oder mit Steinen ausgelegt ist, haben wir eine ähnliche Situation“, erklärt Baumeister Dipl. Ing. Peter Kreuzberger ,Gruppensprecher der ARGE „Salzburger Netzwerk für nachhaltige BAUTEILAktivierung“. Und weiter sagt der Experte: „An einem Sommerabend kühlt die Fläche nur langsam ab, sodass wir auch nach Sonnenuntergang noch gemütlich dort verweilen können“. Der Effekt von Speichermasse sei demnach also für jeden spürbar.

Viel Spaß beim Video-Gucken! Falls ihr weitere solche Videos kennt, immer her damit. Ich denke es schlummern noch einige solcher Juwelen in den Weiten des Internetzes.

mathias the dread / photocase.com

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